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09.02.12 00:15 Uhr
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Walforschung im Kielwasser des Terrors

Die Anschläge vom 11. September 2001 reduzierten den Schiffsverkehr und brachten damit Walen Erholung vom Unterwasser-Krach Biologen haben erstmals einen direkten Nachweis dafür erbracht, dass Wale durch Unterwasserlärm belastet werden: Die Konzentration von Stresshormonen im Kot der Tiere sank deutlich, als im Rahmen der Terror-Anschläge vom 11. September der Schiffsverkehr zeitweilig zurückging – und damit die Hauptquelle für die Geräuschbelastung unter Wasser verschwand. ANZEIGE Viele Studien haben gezeigt, dass Bartenwale über teils Hunderte von Kilometern hinweg durch niederfrequente akustische Signale miteinander kommunizieren. Unglücklicherweise nutzen viele Arten dabei genau die Frequenzen, die auch Schiffsschrauben erzeugen – die Tiere müssen also seit Jahrzehnten mit der wachsenden Geräuschkulisse unter Wasser zurechtkommen. Einige Untersuchungen haben in diesem Zusammenhang bereits Verhaltensänderungen der Meeressäuger dokumentiert: Sie wandern aus angestammten Meeresregionen ab oder erhöhen die Intensität und die Tonhöhe ihrer Rufe, um sich gegen den Lärm durchzusetzen. Dass diese Reaktionen mit messbarem Stress einhergehen, konnten nun Meeresbiologen um Rosalind Rolland vom New England Aquarium in Boston erstmals nachweisen. Geholfen haben ihnen dabei unerwarteterweise die Anschläge vom 11. September 2001. Rolland und ihre Kollegen hatten bereits im August vor den Anschlägen mit einer Studie an Glattwalen (Eubalaena glacialis) in der Bay of Fundy im Osten Kanadas begonnen, die den Schiffslärm und die damit verbundenen Belastungen für die Tiere untersuchen sollte. Sie dokumentierten dazu mittels Unterwassermikrophonen den zeitlichen Verlauf der Geräuschbelastung im Wasser der Bay of Fundy. Parallel dazu untersuchten sie gesammelte Kotproben der Wale auf die Konzentration eines bestimmten Hormons, das Aussagen über das Niveau der Stressbelastung der Tiere zulässt. Diese Analysen wurden von 2001 bis ins Jahr 2005 kontinuierlich durchgeführt. Ruhe reduziert auch bei Walen Stress In der Folge der Terroranschläge verringerte sich der gesamte Güterverkehr in Nordamerika für einige Zeit – so auch der Schiffsverkehr. Die Auswertungen der Forscher zeigten das sehr deutlich: Die Kurve, die den Verlauf der Konzentration des Stresshormons während der Studie verdeutlichte, zeigte einen Knick in der Zeit nach dem 11. September. Dies war im Einklang mit den Lautstärkemessungen der Forscher in diesem Zeitraum - der reduzierte Schiffsverkehr hatte die Lärmbelastung unter Wasser deutlich verringert. Als dieser dann in den folgenden Monaten langsam wieder das Ausgangsniveau erreichte, spiegelte sich dies ebenfalls in der wieder ansteigenden Konzentration des Stresshormons im Kot der Wale wider. Die Ergebnisse belegen nun eindeutig, dass das Stressniveau der Glattwale mit dem Lautstärkepegel unter Wasser zusammenhängt, sagen die Biologen. Vermutlich lassen sich diese Ergebnisse auch auf andere Bartenwalarten übertragen. Somit ergeben sich wichtige Informationen für den Schutz dieser teils akut vom Aussterben bedrohten Meeressäuger, sagen Rosalind Rolland und ihre Kollegen. Insgesamt umfassen die Bartenwale 15 Arten, darunter beispielsweise auch die für ihre Gesänge bekannten Buckelwale und das größte Tier der Erde, der Blauwal. Rosalind Rolland (New England Aquarium in Boston) et al.: Proceedings of the Royal Society B, doi: 10.1098/rspb.2011.2429 © wissenschaft.de – Martin Vieweg


WebReporter: alphanova
Rubrik 1:   Wissenschaft / Natur / Alles
Schlagwörter: Wasser, Forschung, Wal
Quelle: www.wissenschaft.de

Wasser Forschung Wal

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