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"Stammtischökonomie": Heftige Kritik am Aufruf der 170 Ökonomen zur Euro-Politik

Erst kürzlich hatten sich rund 170 Ökonomen in einem Papier gegen die Euro-Politik der Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt (ShortNews berichtete). Jetzt kommt heftige Kritik aus der eigenen Wissenschaftsriege. Diese wirft den Kollegen latenten Nationalismus, gar "Stammtischökonomie" vor.

Professor Gerd Illing von der LMU München plädiert klar für eine Bankenunion mit Durchgriffsrecht auf nationale Kreditinstitute. Das zentrale Problem sind nicht die Schuldenländer, sondern die Dysfunktionalität des Bankensektors. So hinken die Vorwürfe der europäischen Realität hinterher.

Der Währungsökonom De Grauwe hält den Aufruf für eine Schande. Denn die Kritiker würden als Deutsche sprechen und nicht als Wirtschaftler. Gustav Horn vom Forschungsinstitut IMK spricht von nationalen Klischees aus PR-Gründen. Die Kritiker verkennen wiederholt den systematischen Fehler der Eurozone.


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WebReporter: sicness66
Rubrik:   Politik
Schlagworte: Politik, Euro, Kritik, Aufruf, Ökonom
Quelle: wirtschaftswunder.ftd.de

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9 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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06.07.2012 13:15 Uhr von sicness66
 
+2 | -6
 
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Quelle genauer durchlesen, da das ganze hier natürlich nur verkürzt wiedergegeben und eventuell falsch aufgefasst wird. Vor allem die Idee zur Bankenunion. Aber es ist schon erstaunlich, dass sich selbst Wirtschaftsblätter wie die FTD gegen dieses Papier stellen. Apropos verkürzt. Der erste Aufruf wurde nun noch einmal umgeschrieben und entschärft dargestellt. Ein Wahnsinn, dass solche Leute noch Wissenschaftler nennen dürfen...
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06.07.2012 13:32 Uhr von cyrus2k1
 
+13 | -5
 
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Die Gegen-Propaganda war zu erwarten: Wer weiß wie das "System" arbeitet, den überrascht solch eine Meldung nicht. Die Weltregierung mit der Weltsteuer soll errichtet werden, und dazu müssen erst die starken Nationalstaaten gebrochen und Versklavt werden.
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06.07.2012 13:35 Uhr von sicness66
 
+5 | -2
 
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Vorredner: Was hat Partriotismus mit Ökonomie/Wissenschaft zu tun ?
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06.07.2012 13:51 Uhr von ghostinside
 
+7 | -0
 
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Hier sieht man doch die Perversität: Jene, die immer den freien sich selbst regulierenden Markt propagierten und uns mit Flexibilität und Agenda 2010 in eine tolle Zukunft reinge"wirtschaftet" haben, bekommen nun von der Mehrheit Applaus, wenn es heißt, dass zuviel Kontrolle des Bankensektor verkehrt wäre (also das Regulativ der Markt wäre) und dem Volk damit geschadet würde. Ich frage mal in die Runde, wieviel hat es denn bisher gekostet so fromm und fröhlich sich vom freien Finanzmarktkapitalismus aussaugen zu lassen ?
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06.07.2012 14:04 Uhr von dragoneye
 
+5 | -2
 
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Das ist Verunglimpfung: 170 Ökonomen nehmen Stellung zu einem aus ihrer Sicht wichtigen Thema, was viele Leute in ihrer Komplexität nicht erfassen können.

Die Gegenmeinung von 7 Ökonomen wird aber größer gedruckt und von der Quelle als "die Wahrheit" ausgegeben.

Beispiel Peter Bofinger: Mitglied im Sachverständigenrat. Vertritt "nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik" auch bekannt als Keynesianismus. Der Scheiss hat vor 60 Jahren nicht funktioniert und er wird heute auchnicht funktionieren.

Die anderen 4 Mitglieder im Sachverständigenrat vertreten aber die Gegenmeinung "angebotsorientierte Wirtschaftspolitik".
Bofinger vertritt somit eine Minderheitenmeinung.

Vielleicht hat er in diesem Fall recht, aber ich bemängele, daß der (linke) Zeitgeist seinen Standpunkt bevorzugt und die Gegenmeinung als
"national", "neoliberal", "lobbyistisch", "eingekauft" gebrandtmarkt wird.
Fehlt nur noch, daß die Abweichler als
"Kinderesser" oder schlimmer noch als "FDP-Wähler" verunglimpft werden. Genau so wird Meinung erzeugt und der Deutsche, der sich nicht mit diesem Thema auskennt, wird von der Presse verarscht.

Sorry FTD, aber ihr wart auch mal besser.

Ich wünschte mir beim Thema Klimawandel würden die Medien die Gegenmeinung auch mal größer drucken als die Standardmeinung.
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06.07.2012 14:43 Uhr von ArrowTiger
 
+2 | -0
 
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@dragoneye: -- "Der Scheiss hat vor 60 Jahren nicht funktioniert und er wird heute auchnicht funktionieren."

Wie kommst du denn darauf? Der hat damals sogar ganz prima funktioniert und wird auch heute noch in vielen Ländern (sogar bei uns zeitweise) häufig genutzt. Lässt sich nicht immer einsetzen, aber wenn geschickt platziert, reißt der Volkswirtschaften problemlos aus der Krise.

Was allerdings nie funktioniert hat (jedenfalls nicht für die Bevölkerung und die normale Wirtschaft), ist der Neoliberalismus. Das ist historisch ebenso beweisbar.
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06.07.2012 14:46 Uhr von sicness66
 
+2 | -3
 
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Dragoneye: "Die Gegenmeinung von 7 Ökonomen wird aber größer gedruckt und von der Quelle als "die Wahrheit" ausgegeben."

Naja die apokalyptischen Unkenrufe hatten gestern auch genügend Aufmerksamkeit bekommen.

"Der Scheiss hat vor 60 Jahren nicht funktioniert und er wird heute auchnicht funktionieren."

Dieser Scheiss hat bis in die 70er Jahre wunderbar funktioniert, konnte dann aber auf die Ölkrisen und seine weltwirtschaftlichen Auswirkungen keine richtigen Antworten geben.
Die Politik Thatcher, Reagan, Kohl, Schröder und Merkel können wir heute im Ergebnis leider wunderbar betrachten. Chicago School hat auf ganzer Linie versagt.

Edit: Mir fällt doch noch gerade diese Konjunturspritze von Merkel nach Auslösung der Bankenkrise 2008/09 ein. Das war klare nachfrageorientiere Politik (blieb aber leider die Ausnahme).

"Vielleicht hat er in diesem Fall recht, aber ich bemängele, daß der (linke) Zeitgeist seinen Standpunkt bevorzugt und die Gegenmeinung als
"national", "neoliberal", "lobbyistisch", "eingekauft" gebrandtmarkt wird."

Wenn sich ausschließlich deutsche Ökonomen gegen europäische Lösungen der Euro-Krise jedweder wissenschaftlichen Diskussion verweigern, kann das nur als national und lobbyistisch bewertet werden. Dass sie Kollegen rund um Zimmermann und Sinn neoliberal sind, ist ja kein Geheimnis mehr.

Aber das ist ja auch das grundlegende Problem in Deutschland. Während es in den USA, GB oder Österreich verschiedenste Strömungen der Wirtschaftswissenschaften gibt und diese sich auf Augenhöhe "duellieren" und so auch ihre Wissenschaft voranbringen, ist man in Deutschland seit Jahren dogmatisch gefangen.

[ nachträglich editiert von sicness66 ]
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06.07.2012 15:32 Uhr von ArrowTiger
 
+0 | -1
 
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@sicness66: -- "Dass sie Kollegen rund um Zimmermann und Sinn neoliberal sind, ist ja kein Geheimnis mehr"

Eben dies machte mich bei diesem Auffruf auch so besonders skeptisch. Zumal hier eine 1%-Minderheit zu "den deutschen Ökonomen" hochstillisiert wurde.

-- "Während es in den USA, GB oder Österreich verschiedenste Strömungen der Wirtschaftswissenschaften gibt und diese sich auf Augenhöhe "duellieren" und so auch ihre Wissenschaft voranbringen, ist man in Deutschland seit Jahren dogmatisch gefangen."

Das ist tatsächlich eine traurige Wahrheit, die eine echte Gefahr für die EU und den Euro darstellt. Deutschland gilt inzwischen ja schon als das Zentrum des Neoliberalismus nach Chicagoer Lehrart...
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09.07.2012 22:21 Uhr von internetdestroyer
 
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Richtig, wenn jemand irgendwo auf der Welt für sein Land einsteht ist es Patriotismus.

Wenn allerdings ein Deutscher für sein Land steht, dann ist er gleich ein ...

100 Punkte für die richtige Vervollständigung des Satzes... ;)

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