14.06.12 09:10 Uhr
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Untätigkeit verhilft Sexualstraftätern zu unbescholtenem Leben

Am 6. Dezember 2011 stellte Norbert Denef in einer bewegenden Rede auf dem SPD-Bundesparteitag die Forderung auf Einbringung eines Gesetzes, dass die Verjährungsfristen bei sexuellen Missbrauch aufhebt. In der Schweiz steht ein ähnliches Gesetz bereits kurz vor der Verabschiedung.

Mit Standing Ovations wurde der Vorschlag begrüßt und eine Weitergabe an den Bundestag einstimmig beschlossen. Aber ein halbes Jahr später wurde die Weitergabe grundlos abgesagt. Das verhilft Sexualstraftätern zu einem unbescholtenen Leben, während die Opfer weiter schweigen sollen.

Seit dem 8. Juni sind Denef und vier weitere Mitstreiter des "Netzwerk Betroffener sexueller Gewalt e.V." aus Protest in den Hungerstreik getreten. Damit wollen sie der Forderung Nachdruck verleihen, dass der Antrag der SPD, wie auf dem Parteitag beschlossen, weitergereicht wird.


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WebReporter: Regenbogenwald
Rubrik:   Politik
Schlagworte: Leben, SPD, Sexueller Missbrauch, Hungerstreik
Quelle: www.regenbogenwald.de

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14.06.2012 09:10 Uhr von Regenbogenwald
 
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Schaut euch das Video dazu an! Es erklärt Vieles, warum Opfer sexuellen Missbrauchs oft weit nach der Verjährungsfrist erst zu einer Strafanzeige fähig sind!

Laut Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) wurden 2011 14.432 Kinder in Deutschland sexuell missbraucht, das sind 40 Kinder jeden Tag! Die Dunkelfeldstudie geht von über 300.000 Missbrauchsfälle jedes Jahr aus!
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14.06.2012 10:24 Uhr von Regenbogenwald
 
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Vorverurteilung ist nicht das Ziel! Hallo Magnat,

die Gesetze ansich sind schon relativ ausgewogen, es hapert aber an den Verjährungsfristen. Grad bei Kindesmissbrauch gehören auch Einschüchterung und extreme psychische Belastungen häufig dazu, wodurch - wie im Video ja auch erklärt - oft erst weit nach der Verjährung eine Strafanzeige erfolgen kann. Das ist auch sehr ausgeprägt beim familiären Missbrauch, der häufigsten Form.

Ganz klar aber auch, daß die deutsche Rechtsprechung aus gutem Grund die Resozialisierung ermöglicht. An dem Prinzip soll sich auch garnichts ändern.

Oh, die Überschrift... ich musste diese einmal ändern und dabei ist mir die Doppeldeutigkeit garnicht aufgefallen. Aber denke schon, daß keiner von der Untätigkeit der Straftäter ausgeht ;)


Hallo auch Höniponökel (was auch immer das ist...),

es dürfte ein Irrtum sein zu glauben, daß das allein von der katholischen Kirche ausginge. Durch das Zölibat etc. ist diese nur sehr anfällig dafür.
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14.06.2012 11:05 Uhr von Regenbogenwald
 
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Beweisbarkeit: Hallo Eshaettr,

oft liegen Eingeständnisse der Täter vor, womit sich eine Beweispflicht erübrigt. Abgesehen davon wird in den Verhandlungen auch viel Wert auf Glaubwürdigkeit und Zeugenaussagen gelegt, womit ebenfalls eine Verurteilung möglich wird.

Und wenn man mal ein bisschen hinter die Kulissen schaut, dann erkennt man auch, daß es nicht immer um eine Verurteilung geht, sondern auch einfach für das Opfer wichtig sein kann, das Schweigen zu brechen!
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14.06.2012 11:41 Uhr von l.l.l.l.
 
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Es dauert noch ca 10 Jahre, bis diesen Leuten in Europa die Todesstrafe oder Marktplatz-Pranger droht.

Die Uhren laufen derzeit rückwärts. DANKE INTERNET !
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14.06.2012 12:07 Uhr von Regenbogenwald
 
+4 | -1
 
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Stammtisch-Knowhow: Den beiden Kommentatoren Jimbooo und dem iiih:

Die Einwürfe haben grad mal Stammtischparolen-Niveau. Ja, es gibt "Missbrauch mit dem Missbrauch", aber 1. geht es hier nicht um Vergewaltigung, sondern um Kindesmissbrauch und 2. gibt es bei jedem Delikt auch "Falsche Anschuldigungen". Selbst wenn dies 1% aller Strafanzeigen betrifft, dann wollt ihr also für geschätzte 144 Fälle im Jahr 2011,auf die das zutreffen könnte, geschätzte 285.000 Kinder zum Schweigen bringen? Hochachtung vor eurer Anmassung! Und wievielen Opfern wird nicht geglaubt, weil der Einfluss der Täter nicht selten enorm groß ist (gesellschaftliche Macht)? Das dürften beiweitem mehr sein!

An denzweiten Kommentator:

Ich wie auch die meisten Missbrauchsopfer sind kategorisch gegen die Todesstrafe! Solche Forderungen findet man zu genüge im rechtsextremen Milleau und da sollen sie auch mal ganz schön bleiben.

Ganz nebenbei: Die Todesstrafe wird es in Deutschland nie mehr geben, darüber gibt es genügend fundierte Artikel zu lesen. Aus Opfersicht gestaltet sich das z.B. in etwa so:

http://www.regenbogenwald.de/...

und

http://www.regenbogenwald.de/...

[ nachträglich editiert von Regenbogenwald ]
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14.06.2012 13:19 Uhr von Nebelfrost
 
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ich stehe einem solchen gesetz eher skeptisch gegenüber. soweit ich weiß ist die verjährungsfrist für vergewaltigung in deutschland bereits jetzt ziemlich lang, nämlich 20 jahre. bei sexuellem missbrauch von kindern liegt sie bei 10 jahren, wobei die verjährungsfrist dort jedoch erst mit dem erreichen der volljährigkeit des opfers beginnt. letztere regelung ist, soweit ich weiß, noch recht neu.

warum steh ich einem wie im artikel geschilderten gesetz skeptisch gegenüber? menschen können sich ändern! wer vor meinetwegen mehr als 20 jahren jemanden vergewaltigt hat und seitdem in diesem punkt nie wieder straffällig geworden ist, bei dem ist das risiko, dass er wieder vergewaltigt nicht höher als bei jemandem, der noch nie vergewaltigt hat. dies ist ergebnis eine psychologischen studie. zudem ist dann davon auszugehen, dass er seine tat von damals bereut.

generell sind 20 jahre eine sehr lange zeit und der betroffene mensch kann seinen charakter in diesem zeitraum um 180 grad gewandelt haben. was er damals für gut befand, kann er heute für abscheulich befinden und umgekehrt. ein mensch lernt, er entwickelt sich weiter (egal erstmal in welche richtung), er wird von seinem umfeld und seinen erfahrungen geprägt. das alles hat auswirkungen auf seinen charakter.

er könnte damals ein kriminelles leben geführt haben und ist heute ein vernünftiger mensch, der seine katharsis durchlebt hat und seine eigenen taten verurteilt und seine dummheit von damals erkennt. so einen menschen noch für etwas zu verurteilen, das so lang her liegt, ist in meinen augen hohl. es wäre nichts weiter als blanker egoismus, frei nach dem motto "haben wir den nach all der zeit doch noch dran gekriegt", nur um sich selbst und im namen der justiz irgendwas zu beweisen.

desweiteren kommt bei einem so langen zeitraum immer noch ein erschwernis hinzu, nämlich die korrektheit der aussagen vor gericht. wenn etwas so lang her ist, kann mir keiner erzählen, dass jemand nach 20 jahren oder mehr noch genau weiß, wie der genaue tathergang war. sowas vergisst man einfach und die erinnerung verfälscht auch nach so langer zeit auch häufig mal details, die durchaus von wichtigkeit sind. und das gilt nicht nur vor allem für evtl. zeugen der tat, sondern sogar für täter und opfer.

was denkt ihr warum es im strafrecht überhaupt sowas wie verjährungsfristen gibt? eben aus genau solchen gründen.

[ nachträglich editiert von Nebelfrost ]
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14.06.2012 13:32 Uhr von Regenbogenwald
 
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@Jimboo: Deiner Meinung nach reichen also theoretisch 144 Einzelfälle aus um 285.000 Kinder zum Schweigen zu bringen. Klasse Einstellung!
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14.06.2012 13:45 Uhr von Regenbogenwald
 
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@Nebelfrost: Richtig, seit Neuestem beginnt die Verjährung bei Kindesmissbrauch ab der Volljährigkeit des Opfers. Die Verjährungsfristen betragen derzeit 10 Jahre, nicht 20. Würde ja auch keinen Sinn machen, wenn ein als Kind missbrauchte Person nur bis zum 28. Lebensjahr Anzeige erstatten könnte, aber ein(e) 18-Jährige(r) bis zum 38. Lebensjahr ;)

Der Hintergrund ist aber eben nicht die Vergewaltigung, sondern der Kindesmissbrauch. Es ist eher die Regel, daß erwachsen gewordene Opfer nur eher selten fähig sind, vor ihrem 28. Lebensjahr eine Strafanzeige zu erstatten. Vor der Neuregelung mit Beginn der Verjährung frühestens ab dem 18. Lebensjahr war es ja sogar richtig idiotisch: Ein Kind, das mit 5 Jahren missbraucht wurde, hatte demnach keine Chance für eine Anzeige.

Deinen Einwand bzgl. der gerichtlich angemessenen Schilderung von Tathergängen: Glaub es mir: Ein Missbrauchsopfer kann Dir nach 30 Jahren noch jede Minute der Taten beschreiben, als hätte es gestern stattgefunden! Um sowas zu verstehen muß man sich mit der Psychologie befassen, vor allem mit der Thematik Traumata.
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14.06.2012 13:59 Uhr von Nebelfrost
 
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@regenbogenwald: es ist so. die verjährungsfrist für vergewaltigung beträgt in deutschland 20 jahre.

sexueller missbrauch von kindern wird eigenständig abgefasst bzw. besitzt separate regelungen.

zitat: "Glaub es mir: Ein Missbrauchsopfer kann Dir nach 30 Jahren noch jede Minute der Taten beschreiben"

das gilt durchaus für manche opfer, aber nicht für alle. es kommt immer darauf an, WIE das opfer seine vergewaltigung erlebt hat. desweiteren muss sich ja nicht nur das opfer an details erinnern können, sondern auch täter und zeugen müssen bzw. sollten das. ansonsten steht aussage gegen aussage. woher will man als außenstehender wissen, ob diese details, von denen das opfer erzählt, wahr sind? hier käme es dann höchstens wieder auf den kontext der anklage und evtl psychologische gutachten an.
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14.06.2012 14:18 Uhr von Regenbogenwald
 
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@Nebelfrost: Muß Dich leider enttäuschen. Die Verjährung ergibt sich aus § 78ff (3) StGb und beträgt daher 10 Jahre auch bei Vergewaltigung nach § 177 StGb, da diese mit bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe bedroht ist. Wenn wir es ganz genau wissen wollen, befrage ich gleich auch einen Fachanwalt für Strafrecht.

"Woher sollen Aussenstehende wissen..." Aber hallo?! Mit diesem Grundsatz als Kriterium zum Vereiteln von Strafverfolgung haben wir Ruckzuck die Anarchie im Staate ;) Ein Richter hat immer die Pflicht, jeden Beweis auf Relevanz und Glaubwürdigkeit hin zu bewerten. Warum bitte sollte eine Zeugenaussage in einem nicht verjährenden Mordfall nach 40 Jahren pauschal glaubhafter sein als in einem Missbrauchsfall? Das diskreditiert die Opfer und ich hoffe nicht, daß das der Zweck Deiner Aussage war. Einen Kontext gibt es in einem Prozess nicht.
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14.06.2012 15:03 Uhr von Regenbogenwald
 
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@Zeus: Gleiches Thema ist nicht gleicher Inhalt und ausserdem ist das erst der zweite Beitrag zu dem Thema mit völlig neuem Inhalt. Aber wer den Unterschied nicht kennt, der bewertet eben schnell negativ. Gleich kommt noch sowas wie "Ich fordere Straffreiheit für Kindesmissbrauch" und ich fall hinten rüber...
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14.06.2012 15:07 Uhr von Nebelfrost
 
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@regenbogenwald: doch, einen kontext für eine anklage gibt es. hier stellen sich nämlich folgende fragen:

1. hat das opfer die anzeige rein aus eigenen beweggründen getätigt oder wurde es von jemandem dazu überredet oder gedrängt?

2. warum macht das opfer gerade jetzt diese anzeige, nach so langer zeit? gab es evtl. ein ereignis oder eine spezielle situation, die nun zu diesem schritt geführt hat?

3. ist das motiv für die anzeige vielleicht rache? in dem falle muss auch mit einberechnet werden, dass das mutmaßliche opfer dem mutmaßlichen täter auch einfach was anhängen will.

das sind alles sachen, die mit beachtet werden müssen und die letztlich den kontext der anklage bilden.

das mit den verjährungsfristen in abhängigkeit von der bei verurteilung zu erwartenden freiheitsstrafe klingt plausibel. seltsamerweise geben aber dennoch zahlreiche quellen im internet eine verjährungsfrist von 20 jahren für vergewaltigung an, was dieser systematik der abhängigkeit von der dauer der freiheitsstrafe ja widersprechen würde. es sei denn, vergewaltigung kann in besonders schweren fällen (z.b. mit todesfolge?) wirklich auch mit mehr als 10 jahren gefängnis bestraft werden. aber das weiß ich nicht genau. bin kein jurist.

laut der aufstellung müsste ja dann auch mord nach 30 jahren verjähren, weil dies für alle taten gilt, für die lebenslänglich als höchstmaß vergeben werden kann. für mord gilt das aber nicht. mord verjährt nie. es war aber mal so, dass mord nach 30 jahren verjährte. dies wurde aber in den 60er jahren mit rückwirkung geändert und zwar allein aus dem grund, um zu verhindern, dass ex-nazis, die sich des mordes und völkermordes schuldig gemacht haben, ungeschoren davon kommen, wenn deren taten bereits länger als 30 jahre zurückliegen.

[ nachträglich editiert von Nebelfrost ]
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14.06.2012 15:41 Uhr von Regenbogenwald
 
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Schätzungen und Kontext: @Zeus:

Ich krame gleich gern die PKS 2011 heraus und schaue genau nach, wieviele ermittelten falschen Beschuldigungen den 14.432 angezeigten und verurteilten Missbrauchsfällen gegenüber stehen. Laß mich nicht lügen, 2010 waren es glaub ich knapp 300, wobei ich jetzt vorsichtig gemutmaßt habe, daß davon die Hälfte "falsche falsche Beschuldigungen" wurden, weil das tatsächliche Opfer sich nicht glaubhaft darstellen konnte!

Die "Schätzung" der Dunkelziffer geht auf wissenschaftliche Studien zurück, die zuletzt ergab, daß etwa 2% aller Missbrauchsfälle in der Familie überhaupt angezeigt wurden. Also jedes 50. Kind zeigt irgendwann den Täter aus der Familie an, 49 Kinder aber schweigen bis zum St. Nimmerleinstag. Das sind also keine Thesen, sondern Studien.

@Nebelfrost:

Was Du unter 2. ansprichst habe ich schon versucht zu erläutern und geht auch aus dem Video hervor. Vor einer Strafanzeige stehen oft jahre-, manchmal jahrzehntelange Therapien, die es dem Opfer überhaupt ermöglichen, über die Traumatas zu sprechen!

Die unter 3. genannte "Rache" zeugt von einer ziemlichen Unkenntnis. Missbrauchsopfer neigen zum Verdrängen!

Upsala, hatte das "@Nebelfrost" vergessen zu schreiben :$

Die Verjährung von Mord ist in §78 (2) StGb klar geregelt: "Verbrechen nach § 211 (Mord) verjähren nicht."

Evtl. vermengst Du die unterschiedlichen Gesetze von Deutschland, Österreich und der Schweiz. letztere sind deutlich moderner strukturiert, da sie die Besonderheiten beim Missbrauch zu berücksichtigen versuchen.

Die Verjährung von Kindesmissbrauch ergibt sich einerseits aus §78 (3) Satz 3 StGb "zehn Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als fünf Jahren bis zu zehn Jahren bedroht sind" in Verbindung mit § 78b (1) Satz 2 "bis zur Vollendung des achtzehnten Lebensjahres des Opfers bei Straftaten nach den §§ 174 bis 174c, 176 bis 179 und 225 sowie nach den §§ 224 und 226, wenn mindestens ein Beteiligter durch dieselbe Tat § 225 verletzt" und daher mit § 176 (1) "... Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft".

[ nachträglich editiert von Regenbogenwald ]
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14.06.2012 16:21 Uhr von Regenbogenwald
 
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Dunkelfeldstudien: @Zeus:

Die letzte abgeschlossene Studie gab es 1992 und eine "aktuelle" ist derzeit noch in Arbeit und soll 2013 abgeschlossen werden. Oh ja, sie soll Einfluss nehmen auf die Politik und Justiz! Sonst würde sie nicht vom BmBF (Bildungsministerium für Bildung und Forschung) in Auftrag gegeben und ausgeführt, federführend vom KFN (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen). Eine noch unreine Vorabversion der Auswertung kann unter http://www.bmbf.de/... nachgelesen werden.
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14.06.2012 18:23 Uhr von Koloss
 
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die angegebene Studie: sagt aber ganz deutlich, dass sowohl im Hell- als auch im Dunkelfeld die Zahl der Fälle seit Jahren kontinuierlich zurückgeht. Im übrigen schließe ich mich meinen Vorrednern an, die Verjährungsfristen wurden gerade erst verlängert, ein Abschaffen derselben würde keinen positiveren Effekt haben, sondern öffnete nur Falschbeschuldigungen Tür und Tor.
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14.06.2012 20:26 Uhr von Regenbogenwald
 
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Grade erst geändert? Irgendwie scheine ich ein wenig in der Vergangenheit zu leben... "Verjährungsfristen würden grade erst verlängert" aha, seit dessen Einführung am 1 Januar 1975 sind diese nicht um einen Tag angehoben worden. Bei solchen Kenntnissen und mangelndem Interesse an sachlichen Recherchen verstehe ich langsam diese Abwehrhaltung.

Ebenfalls ist die einhellige Meinung hochinteressant, daß für den Fall eventueller falscher Verdächtigungen es lieber gesehen wird, daß ein Kindesvergewaltiger auf freiem Fuß bleibt, aber wenn es dann passiert Sprüche zu hören sind wie "Für Raubkopien geht man für 10 Jahre in den Knast, aber ein "Kinderschänder" darf frei herumlaufen". Sorry, der Weitblick scheint bei einigen sehr mangelhaft zu sein...
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14.06.2012 21:12 Uhr von Hawkeye1976
 
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Erinnerungen: Das Kernproblem bei langen Zeitintervallen zwischen einem Ereignis und der Erinnerung daran ist die Art, wie unser Gedächtnis funktioniert. Es arbeitet emotional und subjektiv bis hin zur Selbsttäuschung.

Neuseeländische Wissenschaftler haben dazu einen Interessanten Versuch gemacht:
Jeder kennt das, dass einem zu alten Bildern die passenden Geschichten dazu einfallen. Diese Wissenschaftler haben nun den Testpersonen alte Bilder aus ihren Familienalben gezeigt und zu den Ereignissen, die ihnen dazu einfallen, befragt.
Was ist die Probanden nicht wussten war, dass ein Foto "gefälscht" war. Man hat ein Kinderbild der Probanden in ein Bild von einem Heißluftballon-Flug montiert und die Hälfte der Probanden konnte sich lebhaft an dieses Ereignis erinnern, obwohl es nie stattgefunden hat.

Das zeigt ziemlich deutlich, wie subjektiv und emotional unser Gedächtnis arbeitet. Erinnerungen werden mit der Zeit unmerklich subjektiv verändert. Meist zum Positiven hin.

Aus diesem Grunde halte ich längere Verjährungsfristen für kontraproduktiv. Wenn es keine objektiven Beweise gibt und nur Aussage gegen Aussage steht, kann nur sehr schwer objektiv über Schuld und Unschuld geurteilt werden.
Besonders Zeugenaussagen sind nach so langer Zeit sehr skeptisch zu betrachten, sofern die Personen nicht direkt in die Tat verwickelt waren.

Kleiner Selbsttest:
Was habt ihr am 11.09.2001 gemacht?
Die meisten von euch werden sich noch genau erinnern, wo sie an diesem Tag waren, als sie vom Anschlag auf das WTC erfuhren, weil dieses Ereignis mit starken Emotionen verbunden ist.
Und jetzt versucht euch daran zu erinnern, welchen Personen ihr am darauffolgenden Tag begegnet seid.
Keine Chance, oder?
Das heisst, Sie könnten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht bestätigen oder verneinen, dass eine bestimmte Person oder gar Sie selbst an diesem Tag zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort waren oder eben nicht.
Daraus folgt, dass es einem mutmaßlichen Täter nach mehreren Jahren nahezu unmöglich ist, authentische Zeugenaussagen zu bekommen, die z.B. sein Alibi für den fraglichen Zeitpunkt bestätigen.

Es sollte also im Interesse aller liegen, solche Delikte möglichst zeitnah aufzuklären.

Zudem haben sich in den letzten Jahren die Fälle, wo nachweislich falsche Beschuldigungen erhoben wurden, massiv gehäuft. Begonnen in den 90ger Jahren, wo die Unsitte aufkam, dass Frauen bei Sorgerechtsstreitigkeiten ihre Ex-Männer gerne mal den sexuellen Mißbrauch von Kindern vorgeworfen haben, um die eigene Position zu stärken.
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14.06.2012 21:29 Uhr von Annika-in
 
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Die Verjährungsfrist ist gut und wichtig Leider gibt es nicht gerade selten falsche Vorwürfe wenn sich jemand "rächen" möchte und erfindet solche Vorwürfe.

Dann gehen teilweise unschuldige Menschen ins Gefängnis für Taten die sich angeblich vor 30 Jahren abgespielt haben. Und ganz ehrlich wer soll heute etwas beweisen was vor 30 Jahren passiert ist.

In so einem Fall gilt dann nicht mehr im Zweifel für den Angeklagten sondern im Zweifel gegen den Angeklagten.
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14.06.2012 21:49 Uhr von Regenbogenwald
 
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Erinnerungen und weiteres: @Howkeye:

Die Studie ist nicht schlecht, aber beachtet eine Besonderheit überhaupt nicht: Ereignisse, die ein Trauma auslösen (können), bleiben mehr lebhaft in Erinnerung als es den Betroffenen lieb sein kann. Wäre das nicht der Fall, dann würden Ruckzuck die meisten Therapien überflüssig...

@Annika:

Wieso eigentlich glaubt jeder, daß eine Anhebung der Verjährungsfristen allein die Quote der Rachegelüstenden vergrößert? Was ist so schwer daran zu verstehen, daß ein Missbrauchsopfer oft über jahrzehnte nicht in der lage ist, sich überhaupt mit der Thematik auseinander zu setzen?!

Würde eine Anhebung der Verjährungsfristen gleichbedeutend mit dem sofortigen Anstieg von Falsch-Beschuldigungen einher gehen, dann müssten die Verjährungsfristen direkt auf eine Woche reduziert werden, falls das nicht auch noch zu hoch wäre. Ergo ist das völliger Quatsch und mit nichts zu belegen! Aber ständig hört man dasselbe Argument, als wäre genau das das Wichtigste im Strafrecht. Also lieber Opfer zum Schweigen verdonnern als eine Gerechtigkeit herstellen? Es wäre schon angeraten, sich einfach mal mit Betroffene auseinander zu setzen anstatt ihnen wie gewohnt aufzudiktieren, was sie dürfen, was sie müssen...
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15.06.2012 08:03 Uhr von Annika-in
 
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Regenbogenwald: "Wieso eigentlich glaubt jeder, daß eine Anhebung der Verjährungsfristen allein die Quote der Rachegelüstenden vergrößert?"

Leider gibt es viele von diesen Fällen und wenn man jemanden nach 30 oder 40 Jahren wegen sowas anzeigen kann, dann gibt es wie gesagt keine Beweise etc. mehr. Das ist dann ein Prozess der nur nach Indizien geführt werden kann bzw. auf der Aussage des angeblichen Opfers beruht. Somit kann sich jeder Gedanken machen wen er wie fertig machen möchte.

Leider bin ich noch nicht so alt, aber hey der User Regenbogenwald hat mich vor 25 Jahren sexuell Missbraucht! Hilfe Polizei sperrt ihn ein. Konsequenz wird sein, dass erstmal dein Ruf ruiniert ist, du vllt. deinen Job verlierst und wenn mir der Richter mehr glaubt als dir kommst du auch noch ins Gefängnis, weil du wohl kaum nach 30 Jahren ein Alibi nachweisen kannst. Oder weist du wo du (abhängig davon wie alt du bist) vor 30 Jahren am 3 Juli. um 15:32 Uhr warst?

Wie willst du dich gegen solche Vorwürfe verteidigen? Dann bist du 100% dem Bauchgefühl des Richters ausgeliefert. Und sowas hat mit Rechtsstaat ncihts zu tun.
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15.06.2012 12:13 Uhr von Regenbogenwald
 
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Streiter: Sachliche Argumente ziehen nicht? Dann liefer doch mal eines! Erklär mir bitte, worin der Unterschied liegt:

Alle Situationen beginnen damit, dass ein 12-jähriges Kind von einem Familienmitglied sexuell missbraucht wurde. Am Anfang steht nur die Jahreszahl, wann das gewesen sein soll.

1973: Das Kind geht am nächsten Tag zur Polizei.

1974: Das Kind ist traumatisiert, der Missbrauch findet dauerhaft statt, es schweigt aus Scham und Angst und geht am Tag seines 18. Geburtstags (1978) zur Polizei und erstattet Anzeige.

1980: Das Kind ist schwerst traumatisiert, verdrängt um seelisch zu überleben und im Alter von 26 Jahren (1994) begibt sich der/die inzwischen erwachsene Betroffene in eine therapeutische Behandlung, weil er/sie ständig andauernde destruktive Depressionen hat, um nicht den Suizidgedanken unmotiviert nachzugeben. Fähige Therapie, denn nach einem Jahr erkennt die Therapeutin, dass eine dauerhafte Missbrauchssituation Ursache ist und der/die Patient(in) erstattet umgehend Anzeige.

1984, nicht nur Orwells Jahr. Massive Missbrauchsfälle, dauerhaft, kultartig, ziehen sich bis zum 20. Lebensjahr hin (1992) und weil der Missbrauch mit den Jahren immer mehr Intensität verlor, kann das Opfer sich aus der Situation befreien, wegziehen, lernt Freunde kennen und die überreden das Opfer 1998 dazu, eine Anzeige zu erstatten.

1985, der Missbrauch geht über Jahre, das Schweigen danach auch, bis das Opfer 20 Jahre später Anzeige erstattet.

1996, nicht nur gelegentlich, aber bis zum 14. Lebensjahr findet immer wieder Missbrauch statt. 2003 zieht das Opfer in eine eigene Wohnung, fängt sich schnell ein, erstattet 2004 Anzeige.

1999, die Schwester des Opfers von 1996 erleidet dassselbe Schicksal und als ob ein Ei dem anderen gleich, geht die Schwester 2007 zur Polizei.

2003, oh Schreck, die kleinste Schwester auch! sie kann zusammen mit der Schwester-1999 der Familie entfliehen und geht 2007 auch zur Polizei.

So, jetzt sei sachlich und erkläre mir alle Unterschiede!
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15.06.2012 21:38 Uhr von Regenbogenwald
 
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Schon erstaunlich dass wenn eine sachliche Frage gestellt wird garkeine Antwort mehr von den Schlaumeiern kommt.

Korrekte Antwort: Nur im allerletzten Fall könnte es zu einer Strafverfolgung kommen, alle anderen waren/sind verjährt bzw. waren nicht verfolgbar.
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15.06.2012 23:21 Uhr von Koloss
 
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Laut StGB ab Vollendung des 18.Lebensjahres des Opfers gilt eine Verjährungsfrist von 10 Jahren, die Tat kann also strafrechtlich bis zum 28. Lebensjahr des Opfers verfolgt werden. Das ist eine verdammt lange Zeit, und ob dann überhaupt noch verwertbare Aussagen von allen Beteiligten gemacht werden können, die über bloßes schwammiges Behaupten hinausgehen, wage ich wie viele Vorredner stark zu bezweifeln. Alleine die 10 Jahre finde ich schon einen starken Kompromiss zugunsten des Opfers zwischen Opferschutz und Strafverfolgung, und andererseits einem fairen Verfahren. Ich frage auch einmal ganz ketzerisch, wem nach so langer Zeit überhaupt noch mit einer Strafverfolgung gedient ist? Meiner Meinung nach kann da eine Genugtuung für das Opfer bzw der Schutz der Gesellschaft kaum noch greifen, um eine Strafverfolgung zu begründen. Denn schließlich kann der (vermeintliche) Täter sein Leben in der Zeit komplett verändert haben, ist selbst stolzer Elternteil, hat versucht sein Unrecht wieder gut zu machen indem er jährlich 50.000€ an gemeinnützige Organisationen spendet, kümmert sich in seiner Freizeit um die alten und schwachen und ist auch sonst ein ehrbarer Bürger geworden. Da sehe ich keinen Strafverfolgungsgrund mehr.
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16.06.2012 03:40 Uhr von Regenbogenwald
 
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Wem nutzt Hi Koloss,

unser Rechtssystem ist schon teilweise seltsam gestrickt und wenn man das Video mal angeschaut hat, dem dürfte z.B. die Passage in Erinnerung geblieben sein:

3:32´´ jaja, verjährt... Der Gesetzgeber sagt ich soll Ruhe geben und wieder schweigen?"

Darum geht es doch gerade! Ein Opfer macht sich strafbar(!), wenn es nach der Verjährungsfrist über die Tat und den Täter redet! Der Täter kann jederzeit das Opfer anzeigen und zwingen zu schweigen!

"Täter schreien - Opfer schweigen!" - Das ist nunmal derzeit vom Gesetz so vorgeschrieben und dem muß ein Ende gesetzt werden!

Es gab ja mehrfach die Argumente, daß mit einem Wegfall der Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch es möglich würde, dass jemand es für Rachegelüste ausnutzen könne. Wo bleibt die Logik?

"XY hat mich vor 11 Jahren missbraucht" wird dann eben zu "XY hat mich vor 9 Jahren missbraucht/vergewaltigt".

Zur Erinnerungsfähigkeit: Warum gibt es dann Verjährungsfristen für andere Verbrechen von 20 bzw. 30 Jahren? Wäre die Erinnerungsfähigkeit plötzlich kein Thema mehr, wenn das Strafmaß von derzeit maximal 10 Jahren auf 15 erhöht würde? Dem muß wohl so sein, denn wie der Regenbogenwald 2002 per Petition forderte, wurde 2008 das Strafmaß von damals maximal 5 Jahre auf 10 Jahre angehoben! Zu der Zeit war es einem 12-jährigem Kind nicht einmal möglich, einen Missbrauch bei Erreichen der Volljährigkeit anzuzeigen!!

Schaut euch aber auch mal die ganzen Vorfälle in den kirchlichen Schulen an, die jetzt ans Licht gekommen sind, wie z.B. die Odenwaldschule. Es geht auch darum, dass eben die Täter nicht weiterhin neue Opfer generieren können, es geht also nicht nur um die Strafe für früher gewesenen Missbrauch, es geht um Kinderschutz!

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