08.05.12 11:45 Uhr
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Griechenland: Der Vorsitzende der Linken lehnt Bezahlung der Staatsschulden ab

Nachdem der Vorsitzende der griechischen konservativen Partei Nea Dimokratia, Antonis Samaras, die Bildung einer Regierung am gestrigen Montagabend aufgegeben hat, bekommt nun die Radikale Linke ihre Chance.

Deren Chef Alexis Tsipras ist ein klarer Gegner des von der Troika aus IWF, EU und EZB geforderten Sparkurses für Griechenland. Er will die Banken verstaatlichen und lehnt es ab, dass Griechenland jemals seine Staatsschulden begleicht, was einer Staatspleite gleichkäme.

Außerdem möchte Tsipras die Renten erhöhen, dennoch soll sein Land in der Euro-Zone verbleiben. Die Radikale Linke konnte bei der Parlamentswahl am vergangenen Sonntag ihren Stimmenanteil von 4,6 auf 16,8 Prozent fast vervierfachen und wurde zweitstärkste Kraft im Parlament.


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WebReporter: Kamimaze
Rubrik:   Politik
Schlagworte: Griechenland, Bezahlung, Vorsitzende, Staatsschulden
Quelle: www.spiegel.de

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21 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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08.05.2012 11:45 Uhr von Kamimaze
 
+22 | -13
 
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Natürlich Herr Tsipras, wir deutschen Arbeitnehmer werden selbstverständlich Ihre Misswirtschaft und Ihre üppigen Renten auch weiterhin finanzieren, es ist eine Ehre für uns!
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08.05.2012 11:49 Uhr von spencinator78
 
+22 | -5
 
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Haha: da werden sich Merkel und Co bald umschauen, aus immer mehr Ländern weht ihnen ein scharfer Wind entgegen. War doch vom ersten Tag an klar das da kaum Kohle wieder kommt, da werden sich viele noch umgucken ^^
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08.05.2012 12:05 Uhr von Lordkacke-WOB
 
+15 | -18
 
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hahaha: Griechenland ist tot, nur der "Kommunist" kann das noch nicht richtig geistig verarbeiten (bei den Linken weltweit kein Wunder, leben die doch am schönsten von den Geldern der Anderen).

Was will er nun: Die Schulden nicht zurückzahlen aber im EURO bleiben, wie soll das denn gehen ???

PS: Der Franzmann ist ähnlich gestrickt. Frankreichs Rentenkassen haben ein tiefes Loch, der will aber zurück zur "Rente mit 60". Wird wohl Merkel und Co demnächst das Scheckheft wieder zücken, denn die Rettung des Euros ist ALTERNATIVLOS.

[ nachträglich editiert von Lordkacke-WOB ]
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08.05.2012 12:06 Uhr von Bibabuzzelmann
 
+11 | -3
 
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Ob das zusammen passt ^^: "Deren Chef Alexis Tsipras ist ein klarer Gegner des von der Troika aus IWF, EU und EZB geforderten Sparkurses für Griechenland."

"...dennoch soll sein Land in der Euro-Zone verbleiben."


Da hab ich so meine Zweifel....nagut, eigentlich wäre es ja besser, sie sparen nicht und wir tun das für sie, damit deren Wirtschaft angekurbelt wird lol
Nur blöd dass viele andere EU Länder auch heftig verschuldet sind, das macht die Lage eben etwas kompliziert....

[ nachträglich editiert von Bibabuzzelmann ]
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08.05.2012 12:16 Uhr von fallobst
 
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@ spencinator: hoffentlich, denn dann ist diese missgeburt namens euro endlich vom tisch. und dafür bin ich auch bereit einbußen in kauf zu nehmen. lieber ein ende mit schrecken als schrecken ohne ende. es ist wichtig, dass die eu-länder sich zusammen raufen und gemeinsame außenpolitik etc. machen, sonst bleiben wir weiterhin ein lächerlicher spielball zwischen china, indien, russland, usa etc., ein sich selbst verkrüppelnder riese sozusagen. aber dafür braucht es keine transferunion, die gelder hin- und herschiebt. der länderfinanzausgleich in deutschland ist ja schon müll, sowas auf eu-ebene wäre volksverrat.

[ nachträglich editiert von fallobst ]
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08.05.2012 12:23 Uhr von Kamimaze
 
+11 | -6
 
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@Lordkacke-WOB: > "Was will er nun: Die Schulden nicht zurückzahlen aber im EURO bleiben, wie soll das denn gehen ???"

Na ganz einfach: Deutschland zahlt... ;)

Du kannst doch jetzt nicht ernsthaft verlangen, dass man in Griechendland im Sommer bei der Hitze arbeitet und, naja, im Winter bei dem schlechten Wetter geht das natürlich auch nicht. Warum auch, die Renten sind doch sicher... ;)



[ nachträglich editiert von Kamimaze ]
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08.05.2012 12:30 Uhr von Lordkacke-WOB
 
+6 | -5
 
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Schäuble sollte jetzt nach den beiden Wahlen in Griechenland und Frankreich die Geld-Druckmaschinen anwerfen und die D-Mark 2.0 drucken, alles andere wäre fahrlässig.

Diese Kunstwährungs Versuch hat Deutschland ca 2 Billionen Euro (4 Billionen DM) bisher gekostet (teurer als der 1 + 2 Weltkrieg zusammen), ist aber immernoch besser, als ein Fass ohne Boden aufzumachen.

PS: Falls hier ein "der Euro ist doch Super" Jünger daherkommt und die Zahlen bezweifelt, weil es noch politische Dumpfbacken gibt, die predigen, das Deutschland vom Euro profitiert, dem kann ich versichern, das auch das Geld von Target 2 in Deutschland NIE ankommt. Das heisst, Deutschland hat über 10 Jahre Waren expotiert in den EURO-Raum für NICHTS.

PS: Ich setze vorraus, das derjenige der mich "Bewertet" auch weiss, was das Target 2 System überhaupt ist.

[ nachträglich editiert von Lordkacke-WOB ]
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08.05.2012 12:44 Uhr von Sag_mir_Quando_sag
 
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@Kamimaze: Man sollte die deutsche Arbeitnehmer nicht mit dem Target-System bei der Europäischen Zentralbank (EZB) verwechseln. Das Target-System ist das eigentliche Problem, wie Prof. Hans-Werner Sinn (Ifo-Institut) sehr überzeugend ausführte. Während früher die Notenbank der einzelnen Staaten direkt für ihre Währung verantwortlich (je nach System natürlich) waren und der Preis der Währung an der Börse ausgehandelt wurde, sitzt jetzt jeder Euro-Staat im festen Korsett des Targetsystems, das theoretisch unbegrenzt Geld den Targetschuldner zur Verfügung stellt - jedenfalls wurde dies bisher so gehandhabt. So haben sich riesige Target-Guthaben auf Seiten der Deutschen Bundesbank angehäuft, die aber - zumindest für den griechischen Teil dieses Guthabens - wohl zu 100 % vom deutschen Steuerzahler gedeckt sind. Fällt also die Target-Schuld Griechenlands Deutschland gegenüber aus, finanziert diese Schuld der deutsche Steuerzahler.

Also wenn der deutsche Arbeitnehmer für Griechenland schuftet und schuftet und schuftet - und zwar für die Produktion des griechischen Marktbedarfs und nicht etwa für die noch abzutragenden Schulden Griechenlands, wie vielleicht manche den Eindruck bekommen -, lassen sich deutsche Unternehmen über die griechische Notenbank die verdienten Euros - in Griechenland wird dann die elektronische Geldmenge enorm ausgeweitet, damit die Unternehmen Griechenlands ihre Rechnung bezahlen können, was bei der EZB dann volkswirtschaftlich als Schuld Griechenlands und als entsprechendes Guthaben Deutschland verbucht wird - auszahlen. Die deutschen Unternehmen zahlen aus diesen von der griechischen Notenbank stammenden Euros die Löhne der deutschen Arbeitnehmer aus.

Das Ganze ist ein riesiges keynes-orientiertes - wobei Keynes als Grundidee pervertiert wird - Konjunkturprogramm, das die deutsche Exportwirtschaft subventioniert, dessen Rechnung jedoch irgendwann später präsentiert wird, die man dann aufgrund der in der Vergangenheit stattgefundenen Ereignisse nicht mehr - ähnlich wie bei der deutschen Einheit - versteht, aber zu noch größeren Unmut bei der deutschen Bevölkerung führen wird, weil sie sowohl für die nicht mit entsprechender griechischer Leistung gegengedeckten Produkte schuften müssen, sondern darüber hinaus für das gegenwärtige Schuften zukünftig mit Leistungskürzungen bestraft werden wird, die ihr heute versprochen wurde. Der Unmut steigert sich dann auch noch, wenn es zu mutmaßlichen Steuererhöhungen wegen der Euro-Geschichte kommt.

Da es im letzten Jahr große Zeitungsanzeigen zur Rettung des Euros gab, weiß man auch, wer vom Euro profitiert. Die mittelständischen Unternehmen waren schon im letzten Jahr nicht mehr sonderlich vom Euro begeistert. Und selbst der Trigema-Chef hat als Mittelständler nur die schwammige Vorstellung, daß der Euro positiv wäre. Dies würde Europa zusammenführen. Warum dadurch Europa zusammengeführt wird, davon hat er wohl keine genaue Vorstellung.

Fakt ist, daß die Bevölkerungen sauer aufeinander sind. Die griechische Bevölkerung ist sauer, weil sie nicht einsieht, warum sie für den Euro zahlen soll, dessen Wert sie unfähig zu erwirtschaften ist, aber ihr suggeriert wurde, und die deutsche Bevölkerung ist sauer, weil sie auch noch für die Produkte nachträglich zahlen soll, die die Griechen bereits konsumiert haben. Es findet so Lohndrückerei in Deutschland von zwei Seiten statt: Zum einen durch den "Strom" von neuen "Fach"kräften, was das Arbeitskräfteangebot erhöht, zum anderen durch Leistungskürzungen bzw. Steuer- und Beitragserhöhungen.

Dieses Geschäftsmodell gestaltet sich ähnlich wie nach der deutschen Vereinigung: Im Fernsehen werden dann reihenweise neue Arbeitnehmer aus Griechenland oder Spanien erscheinen, die dann stolz erzählen, daß auch in Griechenland oder Spanien ihre Landsleute einen "Euro"-Soli zu zahlen hätten. Das kennt man ja schon von den östlichen Bundesländern.

Fakt ist, daß das Verschleierungssystem des Euros namens Target den Wettbewerb nicht fördert, weil die Lohnstückkosten so unterschiedlich sind. Diese haben sich historisch entwickelt und wurden darüberhinaus zehn Jahre lang durch dieses System von den realen Produktionsverhältnissen abgekoppelt.

Wenn nun Goldman Sachs den griechischen Staat finanziert hat, ist die EU-Politik Griechenland gegenüber umso kritischer zu beurteilen, weil sie diesem Verhältnis nicht rechtzeitig Einhalt gegeben hat. Man trifft sich doch im EU-Ministerrat, oder?

[ nachträglich editiert von Sag_mir_Quando_sag ]
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08.05.2012 13:20 Uhr von Kamimaze
 
+2 | -3
 
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@Sag_mir_Quando_sag: Also, ich denke, du kannst die deutsche Wiedervereinigung nicht ohne Weiteres mit der Europäischen Währungsunion. vergleichen.

1.
Klar lag die Wirtschaft in der Ex-DDR 1989 total am Boden, dennoch gab es auch dort historisch bedingt eine industrielle Struktur, gerade Mitteldeutschland war vor 1945 eine wirtschaftlich recht starke Region. Das fehlt in Ländern wie Griechenland bis heute völlig.

2.
Auch fast 22 Jahre nach der deutschen Währungsunion liegen die Löhne in Ostdeutschland noch immer im Schnitt 30% hinter den West-Löhnen zurück. In Griechenland wurden Einkommen und vor allem Renten innerhalb weniger Jahre auf westeuropäisches Nivieau geschraubt, ohne dass eine annähernd vergleichbare Wirtschaftskraft dahinter liegt.

3.
Viele ostdeutsche Bundesländer sind heute bei den Haushaltsausgaben deutlich sparsamer, als manche Westländer. So wird beispielsweise der sächsische Landeshaushalt seit Jahren konsolidiert, was sich derzeit gerade im Bildungsbereich bemerkbar macht, ganz im Gegensatz zu Ländern, wie Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder Bremen. Dort werden die Schulden immer und immer höher.
Sparsamkeit bei den grichischen Staatsausgaben kann ich bis jetzt nicht erkennen und man ist wohl auch nicht dazu gewillt - siehe News!


[ nachträglich editiert von Kamimaze ]
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08.05.2012 13:32 Uhr von maki
 
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Sind doch letztendlich nur die Zinseszinsen: der alten (und vermutlich bereits mit Zinsen zurückgezahlten) Kredite.
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08.05.2012 13:46 Uhr von Sag_mir_Quando_sag
 
+5 | -0
 
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@Kamimaze: "Also, ich denke, du kannst die deutsche Wiedervereinigung nicht ohne Weiteres mit der Europäischen Währungsunion. vergleichen."
Klar, nichts ist genauso, aber irgendwie wiederholt es sich.

"Das fehlt in Ländern wie Griechenland bis heute völlig."
Richtig, deshalb sind sie unfähig, die ihnen präsentierten Rechnungen zu zahlen.

"Auch fast 22 Jahre nach der deutschen Währungsunion liegen die Löhne in Ostdeutschland noch immer im Schnitt 30% hinter den West-Löhnen zurück."
Richtig.

" In Griechenland wurden Einkommen und vor allem Renten innerhalb weniger Jahre auf westeuropäisches Nivieau geschraubt, ohne dass eine annähernd vergleichbare Wirtschaftskraft dahinter liegt."
Wenn Du das sagst. Ich habe da keine Ahnung.

"Sparsamkeit bei den grichischen Staatsausgaben kann ich bis jetzt nicht erkennen und man ist wohl auch nicht dazu gewillt - siehe News!"
Aber offensichtlich ist bereits viel böses Blut in Griechenland geflossen, das zulasten Deutschlands geht. Es gibt wirtschaftliche Depression. Der Staat stellt kein Personal mehr ein. Also gespart wird schon.

Es gibt diese Perspektivlosigkeit.

Den Vergleich stelle ich deshalb an, weil 1990 im Osten die "DM" gewählt wurde, wie man mir völlig unverblümt sagte. Die damit einhergehenden "Kosten" verdrängte man völlig.

Die Wirtschaft in der Ex-DDR hatte ca. 26 Mrd. DM Auslandsschulden. 26 (!!!!!) Mrd. DM.

Wie hoch ist der deutsche Staat insgesamt verschuldet?

Wie hoch ist der Anteil der Einheitskosten?

Man sollte schon eine ehrliche Rechnung aufmachen, damit man weiß, was mit der europäischen Einigung an Kosten auf die Bevölkerungen Europas zukommt. Und das alles für einen künstlichen Zweck - bei der deutschen Einheit: die Wiederwahl Kohls -, der dann Geld in die Taschen derjenigen fließen läßt, die heutigen Lobbyisten finanzieren.

"(...) ganz im Gegensatz zu Ländern, wie Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder Bremen."
Sachsen fing bei Nullverschuldung an und hat ja fleißig Geld aus dem Westen erhalten, so daß neuerdings Nordrhein-Westfalen nach Auslaufen der Östförderung einen Westsoli für die Gemeinden im Westen fordert, die wegen der Bezahlung ihres Anteils an den deutschen Einheitskosten Kredite an den Finanzmärkten aufnehmen mußten und müssen.
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08.05.2012 13:54 Uhr von Kamimaze
 
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@Sag_mir_Quando_sag: > "Die Wirtschaft in der Ex-DDR hatte ca. 26 Mrd. DM Auslandsschulden. 26 (!!!!!) Mrd. DM."

OK, also etwa 13 Mrd. Euro. Peanuts aus heutiger Sicht, oder...? Ich glaub, der griechische Staat steht mit ca. 500 Mrd. Euro in der Kreide. Das sind schon quantitative Unterschiede!

Am besten heute 20:15 Uhr mal ZDF gucken:

"Zwei Tage nach der Schicksalswahl in Griechenland zeichnen die "Frontal 21"-Autoren nach, wie es zu der schwersten Krise der Euro-Zone kommen konnte. Der Absturz Griechenlands war von Beginn an absehbar, aber die Politik ignorierte alle Warnungen. Griechenland bekam den Euro, obwohl das Land die Bedingungen nie erfüllte.
Am Ende platzten die Illusionen, der Euro geriet in die Krise, und Europa zahlt die Zeche."

--> http://www.zdf.de/...
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08.05.2012 14:15 Uhr von Bokaj
 
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kein Geld in der Zukunft: Wenn sie ire Schulden nicht bezahlen, leid ihnen nie wieder jemand Geld.
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08.05.2012 14:21 Uhr von uhrknall
 
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Haben Merkel und Sarkozy auch spitze gemacht. Mit einer nicht demokratisch gewählten Übergangsregierung auf Zeit so einen Deal gemacht, der spätestens bei der nächsten Wahl wieder nichtig wird (war ja abzusehen, weil die Griechen das von vornherein nicht wollten - siehe Demos). Es sind sehr "kompetente" Leute, die mit unserem Geld handeln, muss ich sagen.

Mal ehrlich: Können wir uns unsere derzeitige Regierung wirklich noch leisten?
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08.05.2012 14:29 Uhr von Sag_mir_Quando_sag
 
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@Kamimaze: "OK, also etwa 13 Mrd. Euro."
Ich habe den Eindruck, daß Du nicht stehst, was ich mit dieser Aussage sagen möchte.

Erstens sind es tatsächlich Peanuts - zwar nicht privat, aber im Vergleich zu anderen Verhältnissen.

Zweitens ging es der DDR gar nicht so schlecht, wie es hinter immer verbreitet wurde. C&A, Ikea, Otto und wie sie alle heißen: Sie ließen in der DDR produzieren.

Drittens ging es bei dem Mythos "marode Wirtschaft" vor allem darum, sich Konkurrenz vom Leib zu halten. Dafür gab es zahlreiche Beispiele und es führt zu nichts, jetzt in dieses Thema einzusteigen.

Viertens wäre eine Konföderation mit Perspektive zur Einheit allemal für die meisten Betroffenen billiger und vor allem mit weniger Stress verbunden gewesen. Zehntausende landeten in der Psychiatrie, weil sie mit den neuen Verhältnissen nicht klarkamen.

"Ich glaub, der griechische Staat steht mit ca. 500 Mrd. Euro in der Kreide. Das sind schon quantitative Unterschiede!"
Hier ist der Unterschied: Griechenland ist nicht die DDR. Um sich den griechischen Staat gefügig zu machen, muß man viel massiver vorgehen. Die DDR war ein Staat von Gnaden der Sowjetunion. Im westdeutschen Grundgesetz stand der Vollzug der Einheit bzw. die Möglichkeit eines Beitritts von Beginn an zur Verfügung. Man hatte sich entfremdet, aber noch nicht vergessen.

Es geht bei Griechenland um die Schaffung eines europäischen Gesamtstaates.
Nach dem Schuldenschnitt sind diese keine 500 Mrd. Euro. Trotzdem hat Griechenland Schwierigkeiten Leistungen zu erbringen. Montenegro zum Beispiel ist kein EU-Land und hat den Euro, obwohl es nicht an den Sitzungen der EZB teilnimmt. Es hat den Euro, weil es vermutlich keine Schulden hat.
Es stellt sich somit die Frage, wie konnte es zu solch hohen Schuldenständen Griechenlands kommen? Wer hat Griechenland Geld gegeben? Und vor allem, warum wurde von der EZB nicht interveniert?
Es wurde doch nach Einführung des Euros durch das Targetsystem klar, wer die Schulden nicht bezahlen konnte.

"Der Absturz Griechenlands war von Beginn an absehbar, aber die Politik ignorierte alle Warnungen. Griechenland bekam den Euro, obwohl das Land die Bedingungen nie erfüllte."
Richtig.

"Am Ende platzten die Illusionen, der Euro geriet in die Krise, und Europa zahlt die Zeche."
Das ist nur ein Teil der Wahrheit.

Mario Monti hat in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung nach Übernahme des Amtes als Ministerpräsident in Italien selbst zugegeben, daß der Euro Mittel zum Zweck zum Aufbrechen von Strukturen ist.

Insofern zahlt Europa nicht nur für Illusionen, sondern auch für politische Intrigen.

[ nachträglich editiert von Sag_mir_Quando_sag ]
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08.05.2012 15:11 Uhr von Kamimaze
 
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@Sag_mir_Quando_sag: > "Ich habe den Eindruck, daß Du nicht [ver]stehst, was ich mit dieser Aussage sagen möchte."

Ja, hab ich wohl tatsächlich missverstanden - aber warum machst du auch fünf (!!!!!) Ausrufezeichen hinter der Zahl ("Die Wirtschaft in der Ex-DDR hatte ca. 26 Mrd. DM Auslandsschulden. 26 (!!!!!) Mrd. DM.")

"Viertens wäre eine Konföderation mit Perspektive zur Einheit allemal für die meisten Betroffenen billiger und vor allem mit weniger Stress verbunden gewesen."

Ich denke nicht.
Das Problem war, dass die DDR 1990 drohte wirtschaftlich völlig auszubluten. Was hätte eine Konföderation bringen sollen und wie hätte die aussehen sollen? Weiterhin zwei deutsche Staaten mir unterschiedlichen Währungen und unterschiedlichen (Sozial-)Gesetzen? Das wäre wohl nicht lange gut gegangen und zwar in vielerlei Hinsicht.
Da hat damals Herr Dr. Kohl die Zeichen der Zeit richtig erkannt und aufs Tempo gedrückt und auch Willy Brandt sagte ja nicht umsonst: "Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört...!"


> "Zehntausende landeten in der Psychiatrie, weil sie mit den neuen Verhältnissen nicht klarkamen."

Also, ich weiß nicht, woher du die Zahlen hast und ob sie deswegen in die Klapse kamen, wie auch immer, aber was sind Zehntausend gegen gut 16 Millionen, denen es heute materiell überwiegend deutlich besser geht, als zu DDR-Zeiten, bei allen Unterschieden zu den Alt-Ländern...???
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08.05.2012 15:35 Uhr von Sag_mir_Quando_sag
 
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@Kamimaze: "fünf (!!!!!) Ausrufezeichen"
Eben weil es Peanuts sind - verglichen zu den Einheitskosten (Über eine Billion Euros).

"Ich denke nicht."
Das sei Dir unbenommen.

"Das Problem war, dass die DDR 1990 drohte wirtschaftlich völlig auszubluten."
Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft hätte dies verhindert.

Weiterhin zwei deutsche Staaten - ich meine dieses Thema stellt sich beispielsweise mit Frankreich. Es geht, wenn es politisch gewollt ist.

Graduelle schrittweise Annäherung auf allen Gebieten, denn das Ziel war ja die Einheit.

"Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört...!" Da hat er nicht für meine Generation gesprochen.

"Dr."
Leider ist die Dissertation von Kohl für die Öffentlichkeit gesperrt, sonst könnte man SEINE Leistung dabei prüfen. Aber er hat ja auch zahlreiche ehrenhalber.

"denen es heute materiell überwiegend deutlich besser geht"
Überwiegend heißt mindestens 51 %.

"> ´Zehntausende landeten in der Psychiatrie, weil sie mit den neuen Verhältnissen nicht klarkamen.´ "
Ich war damals im Gebiet der Ex-DDR und ich weiß, wovon ich spreche.

Treuhandanstalt - schon vergessen?
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08.05.2012 16:01 Uhr von Kamimaze
 
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@Sag_mir_Quando_sag: > "Leider ist die Dissertation von Kohl für die Öffentlichkeit gesperrt, sonst könnte man SEINE Leistung dabei prüfen."

Schade eigentlich, dabei wäre "Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945" sicher ein interessanter Lesestoff gewesen.

Ich glaube mal gehört zu haben, er hätte mit "rite" bestanden, aber das war auch ´ne andere Zeit, heute wäre das sicher ein "summa cum laude" geworden... ;)

> "Überwiegend heißt mindestens 51 %"

Du scheinst die Verhältnisse in der DDR vor 1989 nicht gekannt zu haben. Selbst einem Hartz-IV-Empfänger geht es heute materiell absolut besser im Vergleich zu einem Durchschnitts-DDR-Bürger. Das liagt schlicht und einfach daran, dass es viele Sachen in der DDR für die einheimische Wärung einfach nicht gab.
Ich meine jetzt nicht die relativen Unterschiede

Und da du vorhin Mazedonien ansprachst: spätestens nach der Maueröffnung war auch die DM die Schattenwärung in der DDR.

> "Treuhandanstalt - schon vergessen?"

Die Greuel-Hand, ja richtig!
Tja, Detlev Karsten Rohwedder (SPD) wollte das wohl nicht so und deshalb musste er wohl sterben, angeblich von der RAF in bester Geheimdienstmanier durchgeführt... ;)
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08.05.2012 16:57 Uhr von Sag_mir_Quando_sag
 
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@Kamimaze: "er hätte mit ´rite´ bestanden" - ziemlich unverbindlich und vage.

"angeblich von der RAF in bester Geheimdienstmanier durchgeführt... " (Kamimaze)
oder von Leuten aus dem Umfeld der Stasi, die ihre Pfründe bedroht sahen.

Aber Rohwedder war ja die geringste Zeit der Präsident der Treuhandanstalt. Entscheidend war da eher Birgit Breuel.

"Du scheinst die Verhältnisse in der DDR vor 1989 nicht gekannt zu haben. "
Ich war von ihr umgeben.

"Selbst einem Hartz-IV-Empfänger geht es heute materiell absolut besser im Vergleich zu einem Durchschnitts-DDR-Bürger. "
Das ist überhaupt nicht miteinander vergleichbar. Die Aufrechterhaltung eines Status Quo wäre ja auch nie das politische Ziel gewesen. Ziel wäre ein anderer Weg gewesen.

Durch die Mauer gab es eine Gesellschaft, die zwar durch DM-Besitz und -Nichtbesitz gespalten war, jedoch sonst geringe Einkommensunterschiede hatte. Es gab zwar erhebliche ökonomische Spannungen zum anderen deutschen Staat, aber nicht zwischen den Menschen in diesem Maße innerhalb der DDR. Ein Hartz-IV-Empfänger ist von sozialer Ausgrenzung gezeichnet. Hierzu ein aktuelles Buch: Kathrin Hartmann: Wir müssen leider draußen bleiben. Die neue Armut in der Konsumgesellschaft. Blessing Verlag, München 2012. 416 Seiten 18,95 Euro. Der Hartz-IV-Empfänger ist somit ein materiell besser gestellter Bürger als ein DDR-Bürger, obwohl es im anderen Staat kein Hartz-IV damals gab. Dies hat aber einen Nachteil. Er ist einsam, denn er muß ja draußen bleiben. Die Frage ist auch, ob Hartz IV tatsächlich jemand materiell besser stellt als ein DDR-Bürger - schließlich wurde jetzt erst in Berlin der Fernseher vom Speiseplan gestrichen.

Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein.

"Und da du vorhin Mazedonien ansprachst: spätestens nach der Maueröffnung war auch die DM die Schattenwärung in der DDR."
Richtig, zum Kurs 1 zu 5. Produkte aus der DDR wären marktfähig gewesen.

Aber deshalb gab es auch nicht die Einheit, sondern weil sich die Sowjetunion zurückzog, die nachrückenden DDR-Politiker keine politische Erfahrungen (Die Szene von Kohl und Lothar DeMaziére war beeindruckend.) hatten und die DDR-Bürger Kohl für die Einführung der "DM" belohnten. Insofern ist es müßig, überhaupt darüber zu diskutieren, es ging doch eigentlich um Griechenland, oder? Und inwiefern die Vorgänge der Einheit auf die heutige Zeit der europäischen Einigung übertragbar sind.
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08.05.2012 17:27 Uhr von Borgir
 
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wenn er das so meint: raus aus der eurozone und dann ist der scheiß endlich zu ende.
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09.05.2012 12:51 Uhr von Sag_mir_Quando_sag
 
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Ergänzung zu Mario Montis Interview: "Mario Monti hat in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung nach Übernahme des Amtes als Ministerpräsident in Italien selbst zugegeben, daß der Euro Mittel zum Zweck zum Aufbrechen von Strukturen ist." (Mein Kommentar vom 8. Mai 2012, 14:29 Uhr)

Ich habe mir teilweise noch einmal das Interview mit Mario Monti vom 4./5. Februar 2012 in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 8 durchgelesen, um die Stelle zu finden, die meine Behauptung unterstützt, daß der Euro Mittel zum Zweck zum Aufbrechen von Strukturen ist:

"(...) SZ: Der Erfolg hängt auch von anderen kritischen Euro-Partnern ab. Sie sind der Regierungschef Italiens - dennoch ist Ihr Uteil auch über Griechenland wichtig. Wie steht es um die Reformen in Athen?
Monti: Ich muss mich an den Bericht der Troika halten und an das, was in der Euro-Gruppe und im europäischen Rat erörtert wird. Wir haben natürlich Grund, bis zu einem gewissen Grad enttäuscht zu sein. Aber die Frage ist doch, ob man wirklich glauben konnte, dass sehr viel mehr in ein paar Jahren erreicht werden kann. Ich meine damit nicht, dass die EU weicher werden soll in ihren Forderungen. Aber wenn wir all das, was Griechenland nach der Krise angestrebt und auch teilweise schon erreicht hat, aus einer breiteren historischen Perspektive betrachten, dann ist das Beleg für die große Stabilitätskultur, die den Euro umgibt. Als Deutscher wäre ich natürlich glücklicher, hätte Griechenland die Anforderungen zu 100 Prozent erfüllt. Aber ich wäre auch ziemlich stolz darauf, dass ein deutsches Produkt namens Euro, also die Kultur der Stabilität, so ein Exportschlager wurde.
SZ: Mitterand wollte den Euro, um Deutschlands Mark zu zähmen.
Monti: Und Deutschland wollte einen Euro, ausgestattet mit der Kraft, die Staaten Europas zu leiten. Das hat viele Gesellschaften verändert, besonders die italienische. Weder auf dem Weg zum Euro-Beitritt noch jetzt würden wir tun, was jetzt zu tun ist, wenn es nicht den Euro-Rahmen gäbe. Ist der Euro also nicht ein wunderbares Exportprodukt Deutschlands?
SZ: Nochmals zu Griechenland. Sie sagten, ein unkontrollierter Bankrott wird verhindert werden. Aber sollte es für ein Land nicht möglich sein, den Euro zumindest eine Zeitlang zu verlassen? Nur so kann es unter den günstigeren Bedingungen einer eigenen Währung sein Haus in Ordnung bringen.
Monti: Ich bin da sehr skeptisch. Ich glaube auch nicht, dass es nötig sein wird. Deutschland ist nicht nur die maßgeblich treibende Kraft hinter dem Euro, sondern auch die Kraft, die sich am meisten der Fragmentierung der Euro-Zone widersetzt. Aber das Thema war vor einem halben Jahr brisanter. Ich glaube, wir haben jetzt alle etwas bessere Aussichten. (...)"

Tja, die Frage ist, wen er mit "wir" meint.

Besonders interessant ist es, daß Deutschland nach Aussagen Monti, der ja ein EUler ist, "die maßgeblich treibende Kraft hinter dem Euro ist". Das ist das Deutschland der Ministerialbürokratie, die aus Teilen der Wirtschaft angefeuert wird. Damit trägt Deutschland auch die MITverantwortung für die derzeitigen Zustände in Griechenland, denn im gleichen Satz meint Monti, daß sich Deutschland "am meisten der Fragmentierung der Euro-Zone widersetzt". Durch die Äußerungen Montis bekommt man Einblicke in die realen Entscheidungsprozesse im EU-Ministerrat, der ja in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung tritt.

Es geht also bei der derzeitigen Eurokrise um das Durchdrücken einer währungskulturellen Hegemonie Deutschlands, auch wenn jemand wie Jürgen Stark sich aus der EZB zurückgezogen hat, weil es ihm nicht drastisch genug geht. Es findet also eine Art Kulturkolonisation Deutschlands in anderen Euro-Ländern statt.

Dieser Prozess geht sowohl auf Kosten der Kapitalanleger, deren Griechenland-Anleihen ihren Wert teilweise verlieren, vor allem auf Kosten der Griechen, die lediglich für ein Jahr Arbeitslosengeld während der Wirtschaftsdepression erhalten und dann sozial abstürzen, als auch auf Kosten der Bevölkerungen in anderen europäischen Ländern, die die neuproduzierten Arbeitslosen teilweise als Konkurrenz bekommen, aber auch die Kosten für die neuentstandenen Beihilfen für Griechenland während dieser künstlich aufrechterhaltenen Krise zu tragen haben. Das große Schlagwort ist "innere Abwertung" statt einer Währungsabwertung. Mit HartzIV wurde der Prozess in Deutschland schon abgeschlossen. Wenn aber eine "innere Abwertung" stattfindet, wo bleiben dann die Märkte, die ja mit abgewertet werden?

Dieser politisch gewollte Entwicklungsvorgang kommt gut durch die Äußerungen Montis zum Ausdruck. Er ist aber alles andere als demokratisch legitimiert.

[ nachträglich editiert von Sag_mir_Quando_sag ]

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