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Italien: Unter Tränen verkündet Sozialministerin Entkoppelung der Renten von Inflation

Die Regierung in Rom nannte nun weitere Details zum angekündigten Sparpaket, mit dem das hoch verschuldete Italien seinen Haushalt zu entlasten gedenkt (ShortNews berichtete). Bis 2015 soll der Haushalt um 20 Milliarden Euro entlastet werden und weitere zehn Milliarden Euro in die Förderung der Wirtschaft fließen.

17 bis 18 Milliarden Euro erhofft sich Rom aus Steuererhöhungen. Zehn bis elf Milliarden Euro soll eine neue Immobiliensteuer bringen, zudem ist eine Luxussteuer auf edle Boote und Karossen angedacht. Noch nicht sicher ist, ob ab September 2013 die Mehrwertsteuer um zwei Prozent erhöht werden wird.

Ein zentraler Punkt auf der Einsparseite ist die Erhöhung des Rentenalters auf 66 Jahre, jedoch erst ab 2018. Bei der Überbringung der Nachricht an Italiens Bürger, dass zudem der in Italien gewohnte automatische Inflationsausgleich bei den Renten wegfallen soll, brach Sozialministerin Elsa Fornero in Tränen aus.


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WebReporter: Baron-Muenchhausen
Rubrik:   Politik
Schlagworte: Italien, Rente, Inflation, Sparmaßnahme, Bekanntgabe, Sozialminister
Quelle: de.reuters.com

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18 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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05.12.2011 09:01 Uhr von Baron-Muenchhausen
 
+29 | -12
 
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Von einem solchem Reförmchen können Bundesbürger nur träumen. Italien ist nach wie vor weit von Agenda 2010, die Bürger werden sich weiterhin die höchste Sparquote (rund 15%) Europas leisten können. Positiv ist hervorzuheben, dass Rom – anders als in Deutschland – immerhin einen erheblichen Anteil des Paketes bei wohlhabenden Bürgern einsammelt, wenngleich es über die geplante Wirtschaftsförderung Mittel auch wieder austeilt.

Vor dem Hintergrund von 120 Prozent Staatsverschuldung und steigenden Zinsen glaube ich kaum, dass angesichts einer Verbesserung der Kassenlage von rund 6,6 Mrd. Euro jährlich Rom ernsthaft Schuldenabbau erwägt. Doch es reicht sicher, damit Berlin seinen Agenda geplagten Bürgern einmal mehr die Alternativlosigkeit einer Vergemeinschaftung von Staatsschulden – über die Druckerpresse der EZB hinaus – nahe legen kann. Agenda 2010 wird immer mehr zum Bumerang für Deutschland.

[ nachträglich editiert von Baron-Muenchhausen ]
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05.12.2011 09:20 Uhr von usambara
 
+47 | -5
 
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@Baron-Muenchhausen: warum werden Sozialkürzungen immer als "Reform" betitelt?
Das was durch die Agenda 2010 eingespart wurde hat man den
Banken hinten rein geschoben.
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05.12.2011 09:43 Uhr von iDriveYourCar
 
+39 | -5
 
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Vielleicht ist sie auch nur in Tränen ausgebrochen weil sie danach noch einen Bunga Bunga Termin mit Berlusconi hatte. Der muss halt auch sparen.
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05.12.2011 10:11 Uhr von Baron-Muenchhausen
 
+22 | -4
 
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@usambara: Gebe Dir zu 100% recht.

Es ist unglaublich, wie verdreht die deutsche Sprache schon ist. Dazu kommt, dass sich damit - fatalerweise gerade bei SN - Sachverhalte praktisch abkürzen lassen.

Denn jeder - offenbar auch ich in der News - ordnet das Wort "Reform" ganz schnell einem Sachverhalt zu. Das ist ein typisches Beispiel, wie die Endloskassetten - mit Hilfe der Medien - unsere Hirne systematisch durchdringen. Oben habe ich jetzt offenbar unfreiwillig einen Beitrag geleistet...

Jeder weiß, wie Du schon schreibst, dass es hier um nackte Umverteilung geht. Börsenfachmann Dirk Müller schreibt es eingangs seines Buches "Cashkurs" ganz treffend:

"Unser Finanzsystem ist so angelegt, dass sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr Geld bei immer weniger Menschen ansammelt. Daher besitzt die Hälfte der Deutschen praktisch nichts von diesen 5 Billionen Euro. Aber die reichsten 10 Prozent besitzen mehr als 60 Prozent dieses Geldes. Dennoch müssen alle Bürger gemeinsam die Zinsen für die wenigen erarbeiten. Das ist jetzt keine linke Parteinahme, sondern lediglich eine nüchterne Beschreibung des Finanzsystems. Das geht so lange gut, bis die Masse der Menschen, trotz aller Anstrengungen und Verzicht, diese Zinsen nicht mehr erarbeiten kann. Es kommt zu immer geringeren Reallöhnen, die Leistungen des Staates werden immer weiter gestrichen, und immer mehr Superreiche jetten um den Globus."



[ nachträglich editiert von Baron-Muenchhausen ]
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05.12.2011 10:20 Uhr von Urrn
 
+1 | -4
 
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Find ich gut.
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05.12.2011 10:39 Uhr von Gorli
 
+9 | -7
 
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@Baron-Muenchhausen: Die Lösung wäre doch einfach, gerade jetzt wo so ziemlich alle Industriestaaten mit hohem Privatvermögen in der Schuldenspirale festsitzen: Ein internationales Abkommen zwischen allen Staaten mit mehr als 60% vom BIP Schulden, die Vermögenssteuer für Leute mit mehr als 5 Mio $ Besitz (auch im Ausland) anzuheben.

Was wollen die Reichen machen? Sie können nirgendswo hin auswandern ohne entweder in einem Entwicklungsland oder in einem totalitären Regime zu landen. Die allermeisten würden dann einfach ihren Teil zahlen, denn wirklich arm werden sie dadurch ja eh nicht.
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05.12.2011 11:56 Uhr von fallobst
 
+11 | -0
 
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@ gorli: ach jetzt hör auf zu träumen.
1.) die schweiz und norwegen würden sowas niemals mit machen. da geb ich dir brief und siegel drauf, die usa genauso wenig. auch bei den niederlanden, österreich, dänemark, schweden und finnland kann ich mir sowas nur schwer vorstellen.
2.) wenn du irgendwo auf einmal die leute enteignest wars das für das land was investoren angeht. fast kein mensch wird in solch einem land, wo es keine rechtssicherheit (bzgl. geld) gibt, jemals wieder geld investieren.

genau, bloß nicht mal korruption, ineffiziente steuereintreibung bzw. -system, abartige bürokratien etc.und andere bedeutende probleme angehen. wo kämen wir denn hin, wenn politiker wirklich mal effizient arbeiten würden, anstatt wieder jemanden zu verarschen.

italien hat weniger das problem der paar milliarden mehr oder weniger, sondern ein riesen-reform-defizit, was bürokratie zum beispiel angeht. dort muss man bisweilen genau wie in griechenland schmieren, um als klein- oder mittelständischer unternehmer sachen beim amt durch zu kriegen. das kostet die italienische wirtschaft jährlich viele milliarden....

also für italien und rest-europa ist die krise ein segen. es zwingt deren politiker endlich mal die seit jahrzehnten nötigen reformen umzusetzen. jetzt gibt es keine ausreden mehr. sozialabbau wird auch dabei sein. aber selbst schuld, wenn man über jahrzehnte über den eigenen verhältnissen lebt und immer die gleichen geld-aus-dem-fenster-schmeißer wählt. dasselbe gilt auch für deutschland. kohls blühende landschaften bla bla.
das wahlverhalten der mehrheit unserer eltern und großeltern hat uns jetzt den verdammten schuldenberg beschert, denn alle die junge und jüngste generation jetzt abtragen dürfen.
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05.12.2011 11:57 Uhr von Enki77
 
+4 | -1
 
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@Gorli: Schön wärs, nur leider sind sich die Staaten da nie einig, es gibt immer genügend Ausweichmöglichkeiten (USA, Schweiz, etc.).
Interessanter wäre eine Transaktionssteuer, die anfällt wenn Vermögen ins Ausland geht, oder auch bei größeren Vermögen eine sehr viel höhere Erbschaftssteuer.
Wer 10 Millionen vererbt da können die glücklichen Erben auch trotzdem noch auf die Hälfte verzichten.
Beim vererben von Unternehmen müsste man das vielleicht detaillierter regeln, das ist da nicht ganz so einfach.

Das reiche immer reicher werden ist rein mathematisch zu erklären.
Wenn du 10 Millionen besitzt, und dazu noch arbeitest, dann kann sich dein Vermögen nur vergrößern, es sei denn man schraubt die Steuern sehr sehr hoch rauf.
An dem Punkt kommt es dann dazu das der Reiche sich fragt warum er noch arbeiten soll, wenn ihm eh alles weggenommen wird.
Da es sich hier in der Regel um Unternehmer handelt sind mit deren Arbeiten auch Jobs verbunden, wenn die aufhören, wird je nach Unternehmen auch ein Teil der Jobs wegfallen.

Ich finde es nicht schlimm wenn andere reicher werden, so lange mein eigener Lebensstandard auch steigt. Wozu der Neid?

Das der Anteil der Sozialabgaben beim Geburtenrückgang, längerer Lebenserwartung und damit vor allem steigender Kosten im Gesundheitssystem steigt ist verständlich.

In Italien lebten Sie bislang vergleichsweise gemütlich, leider geht in den Mittelmeerstaaten meist zu viel in korrupte Taschen oder an die Mafia oder wird der Steuer vorenthalten.
Das hat diese Staaten schon immer stark belastet.

Insgesamt ist das ganze Thema viel zu sehr panikmacherei, alle paar Jahre gibts ein neues Thema vor dem alle Angst haben. (Atomkrieg, Atomkraft, Gentechnik, Weltuntergang durch Klimakatastrophe, Weltuntergang durch Kometen/Sonne, Weltuntergang nach Aufbrauchen der fossilen Energien, Finanzkrise, etc.)
Ich glaub der hype um Zombieapokalypsen ist im wesentlichen eine parodie auf diese ganzen Ängste, schließlich gibt es zu jedem der obigen Themen schon nen Zombiefilm. :)
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05.12.2011 12:15 Uhr von erw
 
+3 | -0
 
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wenn man brände in den städten und gewalt verhindern will, aber nicht weiß, was gut zieht, sind tränen wohl das einzige, was denen, die das auslöffeln dürfen, ein wenig sympathie entlocken kann.
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05.12.2011 12:59 Uhr von LLCoolJay
 
+2 | -0
 
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Gorli: Der Ansatz ist richtig. Aber wieso sich auf 60% des BIP beschränken?

Konten auf den Caimans oder so sind schon lange Gang und Gebe. Und dort kann keiner nachvollziehen wer was angelegt hat unter welchem Namen.

Selbst wenn Person X in Deutschland sein in Deutschland (oder Europa) vorhandenes Vermögen versteuern muss, ist das auf den Caimans oder sonst einem Bananenstaat davon nicht betroffen.

Das ist ja die Crux bei der ganzen Sache.

Der Eigentümer des Geldes muss nicht gleichzeitig in dem Land leben in dem er es aufbewahrt.
Von daher ist es denen egal was für eine Regierungsform das Land hat oder wie die Lebensverhältnisse dort sind.

Und selbst wenn sie Steuern zahlen müssten, gibt es immer wieder Möglichkeiten Schlupflöcher zu finden oder das Geld einfach so oft und so lange zu verschieben, bzw. zu "waschen" bis es nciht mehr nachvollzogen werden kann.

Glaub nicht, dass das Gro der "Reichen" sich selbst als reich genug ansieht und aus Vernunft heraus freiwillig etwas bezahlt.
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05.12.2011 17:00 Uhr von DerMaus
 
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Müssen die armen, armen Italiener ab 2018 bis 66 arbeiten? Das kann man denen doch nicht zumuten... </ironie>

Mal ernshaft, Deutschland sollte sich weigern einem Land Transferleistungen zu geben, dass ein Rentenalter unter 67 hat. Und zwar grundsätzlich. Wer leben will wie wir, der soll gefälligst auch genau so lange arbeiten. Alles andere ist Abzocke an den deutschen Arbeitern.
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05.12.2011 19:00 Uhr von 1234321
 
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Bei uns kamen die letzten echten Tränen, von Helmut Kohl bei seiner Wahlniederlage 1998.
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05.12.2011 21:20 Uhr von Westwind
 
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@Baron-Muenchhausen: "Doch es reicht sicher, damit Berlin seinen Agenda geplagten Bürgern einmal mehr die Alternativlosigkeit einer Vergemeinschaftung von Staatsschulden – über die Druckerpresse der EZB hinaus – nahe legen kann. Agenda 2010 wird immer mehr zum Bumerang für Deutschland. "

Ich war immer gegen die Agenda 2010, die mit den damit (zwar nicht direkt) einhergehenden Steuererleichterungen für Unternehmen und Gutverdíenende. Und ich halte Schröder nach wie vor für einen Verräter aller sozialdemokratischen Ideale.

Allerdings ist die Agenda 2010 nicht daran Schuld, dass den Griechen, Italienern usw. die Schulden ´um die Ohren fliegen´. Das wurde schon vor 15 oder mehr Jahren befürchtet, ebenso, wie das Platzen der Immobilienblase in den USA schon lange vorher vorausgesagt wurde. Auch das Platzen der spanischen Immobilienblase ist ja nicht gerade unvorhersehbar gewesen.

Und ja, ich traue mich, das Platzen der chinesischen Immobilienblase in den nächsten fünf Jahren vorauszusagen.

Bleibt zu hoffen, dass das erst passiert, wenn die Euro-Krise überwunden ist ...
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05.12.2011 21:24 Uhr von Westwind
 
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Gorli: "Die Lösung wäre doch einfach, gerade jetzt wo so ziemlich alle Industriestaaten mit hohem Privatvermögen in der Schuldenspirale festsitzen: Ein internationales Abkommen zwischen allen Staaten mit mehr als 60% vom BIP Schulden, die Vermögenssteuer für Leute mit mehr als 5 Mio $ Besitz (auch im Ausland) anzuheben"

Soweit die Theorie ...
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05.12.2011 21:25 Uhr von culturebeat
 
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... und was ist mit den Politiker-Diäten und dem Beamtensalär?

Sollte dabei nicht auch die Anpassung an die Inflation unterlassen werden?
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05.12.2011 21:27 Uhr von Westwind
 
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@fallobst: "genau, bloß nicht mal korruption, ineffiziente steuereintreibung bzw. -system, abartige bürokratien etc.und andere bedeutende probleme angehen. wo kämen wir denn hin, wenn politiker wirklich mal effizient arbeiten würden, anstatt wieder jemanden zu verarschen."

Tja, die skandinavischen Ländern scheinen damit sehr, sehr gut leben zu könnnen.

Es ist für Unternehmen eben nicht effizient, alle möglichen Leute schmieren zu müssen, da diese Gelder nämlich den Gewinn mindern.
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05.12.2011 21:28 Uhr von culturebeat
 
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Welcher Mehrwertsteuersatz wird erhöht? In Italien gibt es drei:
4%, 10%, 21%

http://www.die-mehrwertsteuer.de/...

Hoffentlich alle drei.
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05.12.2011 21:30 Uhr von Westwind
 
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@fuxxy: "Die EU treibt alle Staaten in den Bankrott"

Wow, da hat ja jemand mehr Ahnung als die gesamte deutsche Wirtschaft.

Genial. Du bist bestimmt VWL-Professor oder entsprechend ausgebildet, nicht wahr?

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