11.07.11 10:25 Uhr
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Macht der Ratingagenturen soll beschnitten werden

EU-Justizkommissarin Viviane Reding fordert eine Zerschlagung der drei großen Rating Agenturen Standard&Poor´s, Moody´s und Fitch. Das Kartell dieser drei soll zerschlagen werden, um ihre Machtstellung aufzubrechen. Alternativ sollen unabhängige europäische und asiatische Agenturen entstehen.

Frank-Walter Steinmeier erklärte gegenüber der Zeitung "Wirtschaftswoche", Ratingagenturen seien "ein ernst zu nehmendes Problem für die Stabilität von Staaten". Insbesondere da sie Privatunternehmen sind und damit nur dem Profit verpflichtet, treiben sie Staaten systematisch in die Pleite.

Auslöser der Diskussionsdebatte innerhalb der EU war die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Portugals durch die Agentur Moody´s. Diese zog einen dramatischen Kurssturz an der Lissaboner Börse nach sich.


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WebReporter: scaabi
Rubrik:   Politik
Schlagworte: Europa, Macht, Rating, Ratingagentur, Moody´s
Quelle: www.abendblatt.de

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14 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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11.07.2011 10:25 Uhr von scaabi
 
+10 | -4
 
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Die Ratingagenturen habe meiner Meinung nach viel zu viel Macht in unserem Finanzsystem. Zudem ist es auffällig dass das Heimatland, die USA, immer noch das beste Rating vorweisen kann, trotz immensen Schuldenberges.
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11.07.2011 10:36 Uhr von Exilant33
 
+4 | -0
 
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@Autor: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!
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11.07.2011 10:39 Uhr von CoffeMaker
 
+14 | -1
 
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Spekulationen jeglicher Art sollten sowieso verboten oder so hoch besteuert werden das es sich mit Risiko nicht mehr lohnt. Solange wie es möglich ist ohne Arbeit viel Geld zu machen wird es immer Subjekte geben die dies ausnutzen.
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11.07.2011 10:46 Uhr von Sobel
 
+2 | -4
 
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Alles Gemache: Die US-Agenturen müssen den Euroraum etwas heruntersetzen, manchmal auch zu Recht, damit die eigne Misere nicht ganz so schlimm aussieht und der Dollar überhaupt noch mithalten kann.

Das will wiederum auch die EU mit anderen Ländern machen dürfen und will deswegen eine eigene Agentur gründen. Wie sieht das denn auch langsam aus, wenn ständig irgendwelche Hiobsbotschaften über den Euro auftauchen. Die Leute könnten ja Zweifel daran hegen.

Die EU hat einfach Angst, mehr nicht! Man will nur eine eigene Agentur, um genauso wie die USA von der eigenen Scheiße ablenken, die überaus am dampfen ist.

Wie im Kalten Krieg. Nur diesmal etwas anders - Wettrüsten mit Rating-Agenturen.
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11.07.2011 11:19 Uhr von derNameIstProgramm
 
+3 | -0
 
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@Sobel: Sehe ich ähnlich, ich denke die Rating-Agenturen sind wirklich sehr gut mit dem kalten Krieg zu vergleichen.

Solange sich ein Pressesprecher eines Unternehmens hinstellt und mit der Bekanntgabe von 2-4 Buchstaben ganze Länder stürzen kann, solange muss man sich dagegen wehren. Und wenn dies nur dadurch geht, dass man auf der anderen Seite vergleichbare "Waffen" verwendet, dann soll das nunmal so sein.
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11.07.2011 11:21 Uhr von SN_Spitfire
 
+5 | -0
 
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Eigentlich komisch: Da sagt eine wirtschaftsorientierte Firma, dass ein Land "nicht gut" ist und schon spielen alle verrückt.

Schon eigenartig...
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11.07.2011 11:34 Uhr von Baron-Muenchhausen
 
+3 | -1
 
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Die Ratingagenturen kommen ihrer Pflicht nach: Hat man den Schuldenagenturen nicht vorgeworfen, bei der Finanzkrise 1.0 zu spät bzw. bis zum Falll Lehmann überhaupt nicht reagiert zu haben? Nun tun sie, was man von ihnen erwartet und schon hagelt es Kritik. Fakt ist: Zur Zeit kann man den Ratingagenturen nicht vorwerfen, nicht die aktuellen Sorgen auf den Finanzmärkten wiederzuspiegeln.

Böse Stimmen behaupten: Eine eigene europäische Ratingagentur könnte vielmehr dazu dienen, die Fehler der Politik zu vertuschen. Dem Gutachter im eigenen Haus - von Gnaden der Politik - vertrauen? Vielmehr versuchen die einzelnen Institutionen im Euroraum - vorneweg die EZB - von eigenem Versagen abzulenken. Aus ausländische Investoren dürfte es jedenfalls wenig Eindruck machen, wenn sich Athen und Rom oder einer gescheiterte Regierung in Berlin künftig selber Noten vergeben.

Das Problem dürfte ganz woanders stecken:
Im Mai 2010 meinte ein spanischer Ökonom namens Prof. Carbos gegenüber der El Pais: "Wenn wir die Schulden nicht machen, laufen wir Gefahr, dass uns unsere Nachbarn um Hilfe bitten´´. Und da scheint etwas dran.

Wie sonst kann man sich erklären, dass ausgerechnet in dieser Situation Roms rigider Sparminister im Finanzamt Tremonti zusammen mit seinem jüngsten 40-Mrd-Sparpaket kurz vor der Absetzung steht? Vielleicht weil er eine "Katastrophe" ankündigte für den Fall, dass es Italien nicht gelingt, binnen 3 J. ohne Schulden auszukommmen?

Längst spekulieren die Regierungen auf Rettungpaket-Schnürerin Angela Merkel und Eurobonds – und damit einige fette Schuldenjahre mehr. Der Irrsinn: Dies geschieht bei völlig unterschiedlichen sozialen und fiskalen Standards - von Produktivtät und Zwangsmaßnahmen ganz abgesehen. Es ist, was bereits im Mai 2010 absehbar wurde, wovor diverse "Väter des Euros" (viele sind plötzlich abgetaucht...) warnten: Ein Dammbruch. Manche Regierungschef fragen sich mittlerweile: Wofür für die Schulden anderer haften, wenn gleichzeit die Chance besteht, sich durch Bailout günstig zu refinanzieren.

In der Tat: Es gibt ja nur noch zwei Optionen im einfach zu durchblickendem Denkschema Berlins, welche durch schlechte Politik längst mit dem Rücken vor der Wand steht: Haftung übernehmen - entweder über Rettungsschirme oder aber Eurobonds.

Berlusconi jedenfalls weiß genau, was er tut, wenn er seinen Minister vom Sparen abhalten will. Sparauflagen wird man Rom letztlich nicht vorschreiben können. Das in dieser Lage ausgerechnet auch ein Italiener an die Spitze der EZB rückt, macht die Lage nicht leichter – die Verführung, per Inflation oder weitere Ankaufprogramme den Schuldendruck im eigenen Vaterland herauszunehmen, ist jedenfalls nicht gering – zumindest solange, bis der Sehnsucht diverser Länder nach Eurobonds genügend Nachdruck verliehen wurde.

Alles kommt, wie Lafontaine und Flassbeck angekündigt haben: Ohne gemeinsame Fiskal-, Wirtschafts und vor allem Sozialpolitik ist der Euro nach 10 Jahren auf dem Weg sich zu verabschieden. Die Politik wird noch versuchen, den Scherbenhaufen per Eurobonds einer rot-grünen Nachfolge-Regierung zu überlassen, um ihren unsinnigen neoliberalisierten Lohndumpingkurs innerhalb einer Währungsgemeinschaft, ihre in Serie abgesegneten Tabubruchs und gebrochenen Versprechen/Verträge sowie die Mediterranisierung der europäischen Geldpolitik nicht unmittelbar zugeben zu müssen.

Meine Vermutung: Vorgezogene Neuwahlen sind nicht unwahrscheinlich - hängst stark davon ab, ob der deutsche Michel auf die Straße geht. Danach sieht es eher nicht aus: Stattdessen nehmen 80 Prozent der Bevölkerung die Kampfrhetorik des zahnlosen Tigers in Berlin für bare Münze und sehen sich als "Export-Weltmeister" – statt als Lohndumping-Doppelverlierer.

[ nachträglich editiert von Baron-Muenchhausen ]
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11.07.2011 11:39 Uhr von ArrowTiger
 
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Einfach sein lassen!? Wozu eigentlich zerschlagen?

Meines Wissens ist eine Orientierung an den Agentur-"Einschätzungen" doch ohnehin freiwillig. Einfach ignorieren und sich eigener makroökonomischer Einschätzungen bedienen sollte doch ausreichen?

Wie *SN_Spitfire schon schreibt, sind die genannten Agenturen höchstens geeignet, Unternehmen zu bewerten (wobei selbst dort sicherlich viel manipuliert wird - je nach Auftraggeber). Für die Bewertung ganzer Volkswirtschaften fehlt den Agenturen schlichtweg das Know-How, und da privatwirtschaftlich ausgerichtet, auch die Glaubwürdigkeit.
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11.07.2011 11:47 Uhr von artefaktum
 
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@ArrowTiger: "Meines Wissens ist eine Orientierung an den Agentur-"Einschätzungen" doch ohnehin freiwillig. Einfach ignorieren und sich eigener makroökonomischer Einschätzungen bedienen sollte doch ausreichen?"

So einfach ist es nicht. Das Rating dieser Agenturen bestimmt den Zinssatz, zu dem Staatsanleihen angekauft werden. Wenn du die Bonität dann nur weit genug runtersetzt, jagst du Schuldenländern Zinsbelastungen an den Hals, mit denen diese in ihrer eh schon schlechten Lage nie mehr auf einen grünen Zweig kommen können. Das kannst du persönlich für Quatsch erklären, die Zinsbelastung bestimmt es trotzdem.
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11.07.2011 12:18 Uhr von fallobst
 
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ich lach mich schlapp: nur weil es den euro-tagträumern jetzt nicht gefällt, dass die rating-agenturen klar und nüchtern sagen, was eh schon alle ach so bösen und euro-kritischen bürger denken, nämlich dass griechenland so gut wie pleite ist, kriegen die jetzt ärger.

wo waren diese euro-schwätzer denn als die rating-agenturen griechenland trotz fakelaki-system, gefälschten statistiken und ohne industrie-strukturen ein top rating gegeben haben und griechenland sich dadurch ganz günstig jede menge kredite für sein verfaulendes beamten-system holen konnte.

hier wird offensichtlich versucht den boten der schlechten nachrichten zu erschlagen. diese "unabhängigen" rating-agenturen sollen dann gefälligst den grenzenlosen optimismus der eu-kommission wiedergeben, sonst werden die auch schneller vom fenster sein als man denken kann.
ein richtiges argument gegen die herabstufung griechenlands von seiten der eu-leutchen gab es bisher auch nicht.
ich hätte denen schon 10 mal ein ccc gegeben. alles andere ist tragträumerei.

wir deutschen sollten denen erst recht dankbar sein, denn so könnten diese 100 milliarden transferleistungen an griechenland endlich ein ende nehmen, ohne dass die schlampe namens eu etwas dagegen machen kann.
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11.07.2011 12:20 Uhr von scaabi
 
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Das System: krankt bereits am Prinzip, wirklich verstehen tut das meiner Meinung eh schon niemand mehr...
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11.07.2011 12:53 Uhr von ArrowTiger
 
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@artefaktum: -- "So einfach ist es nicht. Das Rating dieser Agenturen bestimmt den Zinssatz, zu dem Staatsanleihen angekauft werden."

Wie das Ganze funktioniert, ist mir auch klar, danke! ;-)))

Es ging mir hierbei nur um die Tatsache, daß diese privaten(!) Agenturen keine demokratisch legitimierten Prüfstellen sind, sondern sich die Banken (hier im speziellen die Notenbanken) an deren "Ratschlägen" m.W. freiwillig orientieren. (Über-)Staatliche Bewertungsbehörden wären da sicher besser, da weniger stark von speziellen Finanzmarktinteressen gesteuert. (Lobbyisten gibt es natürlich überall, aber in Behörden können sie sich lange nicht so einfach verstecken, wie in Privatunternehmen.)

Sicher würde auch dort, evtl. sogar vermehrt, Politik gemacht. Aber lieber von denen, als von unternehmensfinanzierten Privatagenturen. Zumindest scheinen letztere mir wesentlich schädlicher für Volkswirtschaften zu sein. Zumal ja auch ganz offentsichtlich mit unterschiedlichen Maßstäben bewertet wird: z.B. die USA und Griechenland sind beide höchst verschuldet, aber nur Griechenland bekommt eine schlechte Bewertung. Sogar ein völlig unnachvollziehbares CCC - eine Bewertung, die eher zum Sudan oder Burkina Faso passt!

Mir ist natürlich auch klar, daß auch staatliche Agenturen stark von den aktuell wirkenden wirtschaftspolitischen Strömungen beeinflusst werden (aka Marktradikale/NeoCons). Dennoch scheint mir die Schädlichkeit geringer zu sein, zumal hier dank gewisser Offenlegungspflichten und Öffentlichkeit eher eingegriffen werden kann.
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11.07.2011 17:50 Uhr von fallobst
 
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@ scaabi: ja dann erklär uns doch woran das system im prinzip krankt.
du bist ja anscheinend schlauer als der rest. also los, würde uns alle brennend interessieren.
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11.07.2011 17:54 Uhr von ArrowTiger
 
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@fallobst: -- "ja dann erklär uns doch woran das system im prinzip krankt."

Er meint vermutlich, daß die Finanzindustrie innerhalb eines demokratischen Kontextes deutlich zu viel Macht besitzt. Und damit hätte er ja recht. Halbwegs ausgewogen alle Interessen berücksichtigend und harmonisierend ist das System leider nicht.

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