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Uni Würzburg verlieh medizinische Doktorgrade für Arbeiten mit gerade einmal 35 Seiten

Die Universität Würzburg befindet sich mitten in einem Promotionsskandal, denn jahrelang hatte man dort fragwürdigen Doktorarbeiten mit nur etwa 35 Seiten Umfang durchgewunken und damit die medizinische Doktorwürde verliehen.

25 Dissertationen werden nun überprüft, der Dekan der Medizin-Fakultät, Matthias Frosch, gibt zu, dass "maßgeschneidert, nach Auftrag und manchmal mit geringer Qualität gearbeitet worden sei".

Ob diese Doktortitel nun im Nachhinein aberkannt werden können, sei juristisch zu bezweifeln. Es ist rätselhaft, wie diese Arbeiten als Dissertationen durchgehen konnten, da es auch immer einen Zweitgutachter geben müsse.


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WebReporter: mozzer
Rubrik:   Brennpunkte
Schlagworte: Uni, Würzburg, Doktortitel, Dissertation
Quelle: www.sueddeutsche.de

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11 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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31.05.2011 14:03 Uhr von Pils28
 
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Ich bin mir sicher, dass es möglich ist eine: adäquate Arbeit auf 35 Seiten unterzubringen. Nur das gelingt wohl nur den Wenigsten und nur bei sehr wenigen Themen.
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31.05.2011 16:56 Uhr von XFlipX
 
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"Ich bin mir sicher, dass es möglich ist eine adäquate Arbeit auf 35 Seiten unterzubringen."

Soll das ein Witz sein ? Überleg einfach mal, was allein von dieser Seitenanzahl nochmal für das Deckblatt, bibl. Angaben/Referat, Inhaltsverzeichnis, Tabellenverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis, Abbildungsverzeichnis etc. drauf geht. Da bleibt für den reinen Inhalt nicht viel übrig. 35 Seiten an reinem Inhalt würde viell. gerade mal für ne Studienarbeit reichen aber nicht für eine Doktorarbeit, an der ich mehrere Jahre arbeite.

Die Dissertationen, die ich gelesen habe, hatten 150+ Seiten.

XFlipX

[ nachträglich editiert von XFlipX ]
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31.05.2011 22:20 Uhr von Python44
 
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Die durchschnittliche med. Dissertation: hat 75 Seiten "all-inclusive". Thema, Daten und Unterlagen stellt in aller Regel der Doktorvater, an manchen Unis wird bereits im Grundstudium (!!!) angeregt doch schonmal mit der (lächerlichen Farce einer) Diss. anzufangen...

Da wundert es wenig, dass andere deutsche Doktortitel im Ausland als hochwertige Bescheinigung zur Lehrbefähigung an Universitäten anerkannt wird. Im Gegensatz dazu lässt keine ausländische Uni den deutschen Doktor med. ohne Nachweis einer Zusatzqualifikation ran !

Nur zum Vergleich: meine Examensarbeit für das "poplige" Lehramt an Gymnasien hatte 80 Seiten reinen Text + rund 25 Seiten Anhang, Glossar und Bibliographie !!! Für meinen Dr. phil. werden mindestens 300-400 inhaltlich hochwertige Seiten erwartet, die ich mir komplett selbst erarbeiten muss !!!

Aber die Herren Drs. med. geniessen in der Bevölkerung weiterhin das höchste Ansehen von allen akademischen Graden ... da weiß man kaum ob man lieber lachen oder weinen will !
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01.06.2011 07:45 Uhr von KamalaKurt
 
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@Python44 ... wenn du viele Minus bekommst, sind die sicherlich von vielen Doktoren.

Nun wird einem klar, warum Herr von Guttenberg seinen Doktortitel erhalten hat. Ich bin überzeugt, dass ihm nicht die volle Schuld zuzuschreiben ist.

Nun zu Anzahl der Seiten von Doktorarbeiten. Ich habe während meiner Tätigkeit als Datenbankadministrator nebenbei noch Programme geschrieben, die uns unsere tägliche Arbeit erleichtert haben. Kurz vor meinem Abgang in den Vorruhestand hat mein Chef angeordnet, dass ich diese Programme dokumentieren müsste. Dabei sind 124 Seiten zusammengekommen (Seitengröße DINA 4, Schriftgrad 10) Dies nur als Hinweis, damit niemand auf irgendwelche Spekulationen kommt.
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01.06.2011 21:05 Uhr von Falap6
 
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python: Die medizinische Doktorarbeit hat von vorneherein einen anderen Umfang als ein PhD, geht dementsprechend auch schneller.
Wozu genau soll eine ausländische Uni denn einen Dr. med. ranlassen ?

Die Frage, die man sich stellen muss ist, was bringt einem ein Dr. med. und was bringt einem ein Dr. rer. nat. oder ein Dr. phil?

In den USA bekommt man seinen MD (medical doctor) mit dem Abschluss des Studiums, ohne jegliche zusatzleistung zu erbringen.

Weiterhin sollte man noch anmerken, dass es sich bei Diss. häufig um naturwissenschaftliche Arbeiten handelt. Da stecken hinter den von erwähnten 75 Seiten Experimente, die auch Zeit und Leistung beanspruchen.
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01.06.2011 22:37 Uhr von XFlipX
 
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Interessante Informationen "hat 75 Seiten "all-inclusive". Thema, Daten und Unterlagen stellt in aller Regel der Doktorvater, an manchen Unis wird bereits im Grundstudium (!!!) angeregt doch schonmal mit der (lächerlichen Farce einer) Diss. anzufangen..."

Da hat ja meine Diplomarbeit mehr Seiten gehabt. Ich habe Bachelorarbeiten mit dem Seitenumfang in der Hand gehabt. Ich muss gestehen, dass die Dissertation, mit denen ich in meiner Diplomphase zutun hatte, alle aus dem technischen Bereich stammen. Diese Leute hatten minimum den Dipl.-Ing. und haben mehrere Jahre (3-4) in diese Dissertationen hineingesteckt. Das ist wirklich kein Zuckerschlecken, dieses ganze Verfahren.

"Da wundert es wenig, dass andere deutsche Doktortitel im Ausland als hochwertige Bescheinigung zur Lehrbefähigung an Universitäten anerkannt wird."

Naja, ist der Doktortitel nicht der Nachweiß, dass derjenige befähigt ist, wissenschaftlich zu arbeiten ?

"Im Gegensatz dazu lässt keine ausländische Uni den deutschen Doktor med. ohne Nachweis einer Zusatzqualifikation ran !"

Es scheint, dass der Dr. med. das Diplom der Mediziner ist. Eine andere Abschlussart scheint es wohl für die med. Studiengänge nicht zugeben. Dementsprechend tut sich hier ein Edikettenschwindel mit dem Titel des Dr. auf. In DDR Zeiten gab es noch die Möglichkeit, dass angehende Ärzte ganz normal mit dem Diplom abschließen konnten. Sowas gibt es heute scheinbar nicht mehr.

XFlipX

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02.06.2011 12:18 Uhr von Python44
 
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@ Falap6: Eben nicht !!! Von hundert Medizin-Studenten machen vielleicht 2 oder 3 eigene Versuchsreihen (unter strenger Anleitung). Der Rest bekommt einen Berg Rohdaten mit einer Vorgabe vom Prof., der sich wie ein Plätzchen freut, dass jemand für lau seine Forschungsergebnisse zusammenfasst !

Das hat weder mit Forschung, noch mit einem Nachweis der wissenschaftlichen Befähigung zu tun. In der Theologie sind 35 Seiten eine Proseminararbeit (!!!) im Grundstudium - ebenso ohne großflächige Recherche oder Eigenleistung, nur das schematische Zusammenfassen mehr oder weniger vorgegebener Fakten.

@ XFlipX

WiMi kannst du bei uns auch ohne Dr. werden, Assistent oder Lehrbeauftragter allerdings nur in den seltensten Fällen.

Den Dr.med. braucht man bei uns nicht um praktizieren zu können. Daher gibt es inzwischen immer mehr Ärzte ohne Dr. (was nicht selten zu Verwirrung unter Patienten sorgt). Umso ärgerlicher finde ich es das einer der höchsten akademischen Grade einfach so an die Mediziner verschleudert wird und damit indirekt den Titel für alle abwertet.

[ nachträglich editiert von Python44 ]
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02.06.2011 13:11 Uhr von Falap6
 
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python: 2-3 von hundert ist völlig übetertrieben!!! Sehr viele sind an irgendeiner Art von Forschung beteiligt, sei es nun experimentell oder irgendwelche Studien, als Einstieg in den späteren Fachbereich. Ist ja heutzutage schon fast Pflicht, wenn man an der Uniklinik arbeiten möchte. Und selbst wenn, man muss sich die Frage stellen, was einem die Promotion bringt. Wenn man in einer Naturwissenschaft promoviert, was ja mindestens 2-3 Jahre oft auch länger dauert, dann hat man in der Zeit ja was erlernt, man hat einen Abschluss mit dem man sich auf eine Stelle bewerben kann, z.B. eine Forschungsstelle an der Universität. Medizinische Doktoranden mit einem " Berg Rohdaten mit einer Vorgabe vom Prof" erlangen keine Zusatzqualifikation für irgendeinen Beruf.

Die Arbeit allein auf Ihre Seitenzahl zu reduzieren ist schon sehr interessant. Es gibt ja auch naturwissenschaftliche Promotionsarbeiten über 120 Seiten mit summa cum laude und Exzellenzförderung; haben die jetzt weniger geleistet als ein Dr. phil mit 400 Seiten?

"Aber die Herren Drs. med. geniessen in der Bevölkerung weiterhin das höchste Ansehen von allen akademischen Graden" Da kommt das wahre Motiv zum Vorschein: Neid aus gesellschaftliche Anerkennung. (Sei es nun berechtigt oder nicht!) Ich glaube kaum, dass das Ansehen der Ärzte irgendwas mit deren Promotion zu tun hat. Die alten Leute würden trotzdem Herr/Frau Doktor sagen, auch wenn sie nicht promoviert wären, was ja genau genommen auch korrekt wäre.
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02.06.2011 13:50 Uhr von Python44
 
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@ Falap6: "Die alten Leute würden trotzdem Herr/Frau Doktor sagen, auch wenn sie nicht promoviert wären, was ja genau genommen auch korrekt wäre."

Äääh ... NEIN ;o)

Kein Latein in der Schule gehabt ? Der Doktor kommt von lat. docere = "lehren". Was lehrt ein Arzt denn seine Patienten ?

"Medizinische Doktoranden mit einem " Berg Rohdaten mit einer Vorgabe vom Prof" erlangen keine Zusatzqualifikation für irgendeinen Beruf."

Exakt richtig erfasst ;o) Für die meisten Mediziner ist der TItel reine "Kosmetik", weshalb die sich 2 Wochenenden lang wahnsinning anstrengen müssen, um die paar Seiten zusammen zu tippen.

Und die 2-3 sind nicht übertrieben sondern Fakt. Von den 35 Leuten die damals mit mir Zahnmedizin studiert haben, hat exakt einer (1) eine eigene wissenschaftliche Studie für seine Diss. betrieben. Dem war aber auch schon im Physikum klar, dass er in die Forschung gehen und keine Praxis eröffnen möchte...

Nebenbei bemerkt: von der ganzen Gruppe wären höchstens 2 oder 3 gewesen, von denen ich mich je behandeln lassen würde. Ärzte sind simple "Mechaniker" für Menschen, lassen sich aber gerne wie Halbgötter feiern, obwohl die meisten von ihnen zu 75% der Zeit keinen blassen Dunst von dem haben was sie tun.

Merke: Dr. House gibt´s nur im Fernsehen ;o)))
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02.06.2011 14:43 Uhr von XFlipX
 
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Thx für die Informationen "WiMi kannst du bei uns auch ohne Dr. werden, Assistent oder Lehrbeauftragter allerdings nur in den seltensten Fällen."

Richtig - bei uns an der UNI ist es so - das du aber nur eine bestimmte Zeit in diesem Verhältnis, unter dieser Voraussetzung an der UNI angestellt sein kannst (5-6 Jahre ????) -> in dieser Zeit musst du promoviert haben. Sollte dies nicht der Fall sein, darfst du gehen.

"Den Dr.med. braucht man bei uns nicht um praktizieren zu können. Daher gibt es inzwischen immer mehr Ärzte ohne Dr. (was nicht selten zu Verwirrung unter Patienten sorgt). Umso ärgerlicher finde ich es das einer der höchsten akademischen Grade einfach so an die Mediziner verschleudert wird und damit indirekt den Titel für alle abwertet."

Volle Zustimmung und erschütternt, was du hier offenbarst. Gib es denn wirkl. noch die Möglichkeit, dass ich ein med. Studium ohne Dr. abschließen kann ?

XFlipX
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03.06.2011 00:08 Uhr von Falap6
 
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@python, xflipX: der Duden widerspricht:
Doktor 2. (umgangssprachlich) Arzt
http://www.duden.de/...
Das ist in anderen Sprachen noch viel gängier, aber auch bei uns.

Abgesehen davon passt das Wort doktor eher zu dem Partizip (passiv) von docere: doctus- gelehrt, der Gelehrte. Es gibt ja schließlich den Dozenten, was besser zu dem Wort docere passt.

Zahnärzte sind ja nochmal was anderes, es geht ja hier um humanmedizinische Promotionen, und 2-3 von 100 ist einfach maßlos übertrieben

xflipX
Ich denke die Zahl der unpromovierten Mediziner nimmt stetig zu, was soll das einem Patienten auch bringen, wenn sein behandelnder Arzt eine statischtische Doktorarbeit gefertigt hat. Ich glaube kaum, dass die mediznische Promotion sich noch lange halten wird.

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