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Urteil: KZ-Wächter John Demjanjuk bekommt fünf Jahre Haft

Das Landgericht München hat im Fall des ehemaligen KZ-Wächters John Demjanjuk entschieden und den 91-Jährigen zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Die Richter sahen es als bewiesen an, dass John Demjanjuk im Vernichtungslager Sobibor an der Ermordung von 27.900 Juden beteiligt war.

Das Verfahren zog sich über eineinhalb Jahre hin und könnte der letzte große NS-Kriegsverbrecherprozess in Deutschland gewesen sein.


WebReporter: tante_mathilda
Rubrik:   Brennpunkte
Schlagworte: Urteil, Haft, KZ, John Demjanjuk, Wächter
Quelle: www.sueddeutsche.de

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6 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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12.05.2011 13:37 Uhr von One of three
 
+16 | -5
 
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Gewagt Auszug aus dem Spiegel:

"Die Anklage argumentierte grob skizziert folgendermaßen: Demjanjuk war Hilfswachmann, ein sogenannter Trawniki. Er war von März bis September 1943 im Vernichtungslager Sobibor eingesetzt. In dieser Zeit wurden dort mindestens 27.900 Menschen - meist Juden aus Holland - umgebracht. Für den Massenmord nach dem Eintreffen neuer Transporte wurden angesichts der Menge der Deportierten alle Trawniki gebraucht, also auch Demjanjuk. Damit habe er Beihilfe zum Mord an 27.900 Menschen geleistet."

"Zwar konnte Demjanjuk keine konkrete Tat zugeschrieben werden. Das Gericht schloss sich jedoch der Argumentation der Anklage an: Da das Lager Sobibor im besetzten Polen allein zur planmäßigen Ermordung von Menschen diente, habe sich jeder mitschuldig gemacht, der dort Dienst tat."

Quelle:
http://www.spiegel.de/...

Er wird also verurteilt, weil er zur fraglichen Zeit im Lager eingesetzt wurde.

Ich halte das Urteil rechtlich gesehen für äußerst fragwürdig.

Nach diesem Prinzip ist es dann auch möglich, z.B. jeden Anwesenden einer Demo mit Klopperei denen zuzuordnen, die nur wegen Klopperei zur Demo gekommen sind.
Genau wie jeder "Angestellte" (mir fällt im Moment kein andere ausdruck ein) im damaligen Sobibor können Mitdemonstranten dafür verantwortlich gemacht werden, das die Demo überhaupt stattgefunden, durchgeführt und somit die Klopperei möglich gemacht hat.

Nee, da möchte ich etwas mehr Rechtssicherheit.

"Dabei" zu sein kann kein Strafgrund sein, wenn nicht einwandfrei die Begehung einer Straftat oder eine Beteiligung an dieser nachgewiesen werden kann.
"Dienst im Lager" kann nicht automatisch eine Beteiligung an einer oder Begehung einer Straftat sein.

Nebenbei bemerkt - so ein Urteil ist wohl nur bei uns möglich ...

[ nachträglich editiert von One of three ]
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12.05.2011 13:57 Uhr von CoffeMaker
 
+12 | -4
 
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@One of three

Seh ich genauso. Mitschuldig wäre das gesamte deutsche Volk gewesen, hätte man auch alle einsperren müssen wenns danach geht.

Man hat die Menschen damals auch nicht gefragt "Hey willst du da im Vernichtungslager Wächter werden?" sondern man hat sie da hingeschickt. Bei einer Weigerung wären sie selbst mit hoher Wahrschlichkeit eingeliefert. Von daher, wenn nicht spezielle Beweise vorliegen die ihn des Mordes oder anderen Brutalitäten überführen, ist diese Rechtsprechung fraglich, mehr so nach dem Motto "du warst da also bist du ein Mörder".

[ nachträglich editiert von CoffeMaker ]
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12.05.2011 14:20 Uhr von CoffeMaker
 
+8 | -4
 
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@Sijamboi

Spekulationen. Frag mal die Alten die in dieser Zeit gelebt haben was sie über den Begriff Konzentrationslager wussten. Das war glaub ich nur ein gängiger Begriff für Gefängnisse in Lagerform in denen Straftäter einsaßen.

Es fällt leicht im nachhinein zu verurteilen wenn man klüger ist und man sagen kann "na der muss das doch gewusst haben", dem ist aber nicht so und es wurde auch nicht rausgetönt das es Vernichtungslager gibt und auch sonstige Sachen die in den KZ geschahen.

Also woher nimmst du den Beweiß das er es vorher wusste wenn solche Dinge geheim waren?
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12.05.2011 14:36 Uhr von sesh
 
+4 | -17
 
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12.05.2011 18:57 Uhr von One of three
 
+6 | -4
 
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Peinlich Es geht nicht darum ob er eine persönliche Schuld hat oder nicht, es geht um ein Urteil welches sich auf eher dürftige Indizien stützt.

@ Sijamboi

Nochmal die Begründung des Gerichtes:

"Zwar konnte Demjanjuk keine konkrete Tat zugeschrieben werden. Das Gericht schloss sich jedoch der Argumentation der Anklage an: Da das Lager Sobibor im besetzten Polen allein zur planmäßigen Ermordung von Menschen diente, habe sich jeder mitschuldig gemacht, der dort Dienst tat."

Diese Argumentation darf in einem Rechtsstaat nicht zu einer Verurteilung führen, ganz einfach.
Völlig egal ob der Angeklagte Müller oder Demjanjuk heißt.

@ sesh

"Relativierungsversuche"

Wenn Du etwas nicht verstehst musst Du es doch nicht öffentlich bekanntgeben ..



Was mich betrifft - er hätte eine früherere und härtere Strafe verdient. Rein aus dem Bauch heraus. Aber auch früher hätte man ihm - so wie es aussieht - keine konkrete Straftat nachweisen können. Vor Gericht zählt nunmal leider das Gesetz und nicht das Bauchgefühl. Bisher ...
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12.05.2011 20:23 Uhr von Tleining
 
+4 | -2
 
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@ Sijamboi: das lustige an diesem "er hat sich freiwillig gemeldet" wird hier: "http://print-wuergt.de/..." recht gut dargestellt. Demjanjuk hat sich mal damit verteidigt, sich nie freiwillig gemeldet zu haben. Das konnte aber nach Meinung des Gerichts nicht sein, da er die Kriegsgefangenschaft durch die Zustände im Gefängnis nicht hätte überleben können.
Wenn er sich freiwillig gemeldet hat, ist er nur deshalb heute noch am leben.

Es geht mir nicht um seine Schuld oder Unschuld, aber ihn heute deswegen zu verurteilen, nachdem er in Israel schon einmal hingerichtet werden sollte und 6 Jahre in Haft gesessen hat, ist einfach nur lächerlich.

btw: Weil in diesem 500 Seelendorf, wo jeder jeden gekannt haben dürfte, alle wußten was in KZs los ist (vielleicht weil einer der Einwohner dort gearbeitet hat?), muß das in ganz Deutschland so gewesen sein? Auch bei Kriegsgefangenen?

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