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Ägypten: Selbst vor SOS-Kinderdörfern machen Randalierer nicht halt

Im anhaltenden Chaos in Ägypten haben nun in Kairo und Alexandria Plünderer versucht, SOS-Kinderdörfer auszurauben.

Amr Amr Aboelazayem, Direktor von SOS-Ägypten berichtete: "Da wir in den Kinderdörfern wegen der anhaltenden Proteste im Land wachsam sind, konnten die Männer schnell überwältigt werden".

Zum Glück blieben die Kleinen sowie deren Mütter unverletzt. Nur der Leiter von dem Kinderdorf in Alexandria musste nach einer brutalen Prügelei mit den Angreifern in einem Krankenhaus behandelt werden.


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WebReporter: Darknezz
Rubrik:   Brennpunkte
Schlagworte: Ägypten, Randalierer, SOS-Kinderdorf
Quelle: www.express.de
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11 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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03.02.2011 14:57 Uhr von usambara
 
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Vodafone versendet staatliche Propaganda-SMS an das ägyptische Volk
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03.02.2011 15:19 Uhr von uhrknall
 
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Die Leute auf den Straßen von Kairo und Alexandria kann man grob in zwei Kategorien teilen: Es gibt Demonstranten, und es gibt Randalierer. Man darf sie nicht in einen Topf hauen.
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03.02.2011 15:25 Uhr von Pils28
 
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Früher hat man den Palast gestürmt und: den Herrscher erschossen. Da dauerte eine Revolution überschaubar lange und dann kehrte Ruhe und Ordnung ein.
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03.02.2011 15:32 Uhr von Jummi
 
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Hach der "Express" :-)): »Wie bei einem Volksfest, ähnlich wie Woodstock«
Eine Deutsche, die in Kairo lebt, hat auf dem Tahrir-Platz mitdemonstriert. Bürgerwehren sichern Wohnviertel. Ein Gespräch mit Gabriele Habashi
Interview: Martin Lejeune

Gabriele Habashi lebt seit 14 Jahren in Kairo
Am Dienstag fand in Kairo die große Demonstration gegen Präsident Hosni Mubarak statt.

Sie waren dabei – welche Eindrück hatten Sie?


In Kairo kann niemand unter diesen Umständen mehr zur Arbeit gehen. Am Montag war ich nicht auf dem Tahrir-Platz – wir hatten Angst, weil Rundfunk und Fernsehen vor der schwarzuniformierten Spezialpolizei gewarnt hatte, die mit Tränengas und Schlagstöcken Protestierende angegriffen hatte. Und am Dienstag hieß es zunächst, auf den Dächern der Innenstadt seien Scharfschützen postiert. Wir haben solchen Horrorberichten nicht mehr geglaubt und sind doch zur Demonstration gegangen.

Die Medien verbreiten immer wieder derartige Meldungen, um die Leute davon abzuhalten, auf die Straße zu gehen. Es gab auch das Gerücht, das Militär habe Schießbefehl – dafür gab es weder eine Bestätigung, noch wurde bisher auf Demonstranten geschossen.

Wie würden Sie die Stimmung der Demonstranten beschreiben?


Es war friedlich und freundlich, die Menschen haben sich über die Religionsgrenzen hinweg verbündet. Es war wie bei einem Volksfest, ähnlich wie Woodstock: Alle waren happy. Christen und Muslime standen zusammen und skandierten einen Spruch, der sich auf arabisch reimt. Übersetzt heißt der: »Zwischen Mohammed und Hannah wird Ägypten das beste Paradies.« Mohammed ist ein muslimischer Name und der Name Hannah steht für die christliche Minderheit, die zumeist aus Kopten besteht.

Trotz der Ausgangssperre waren der Tahrir-Platz, die Zufahrtsstraßen und alle Brücken im Zentrum überfüllt. Und das, obwohl der Personnennahverkehr so gut wie eingestellt ist – viele Demonstranten hatten einen kilometerlangen Anmarsch. Mich haben die innere Ruhe der Leute sowie der hohe Grad an Selbstorganisation beeindruckt.

Noch am Montag war ich besorgt: Im Supermarkt kam es zu Panikkäufen, am Bäckereistand stritten sich die Menschen um Brot, weil sie Angst hatten, nichts mehr zu bekommen. Am Dienstag dann, auf der großen Demo, ging es sehr diszipliniert zu. Die Menschen waren solidarisch, höflich, rücksichtsvoll. Wir fühlten uns sicher in der Menge.

Wie sieht es im Zentrum aus, wie in den Wohnvierteln?


Es ist für Kairoer Verhältnisse, wo ständig Autos hupen, sehr ruhig geworden. Die Straßen sind leergefegt, viele Läden sind geschlossen. Das Benzin wird knapp, es fahren nur noch wenige Autos. Vor fünf Tagen wurde das Benzin rationiert, mehr als 20 Liter bekommt niemand. Viele Tankstellen sind geschlossen, vor den wenigen, die noch offen sind, bilden sich Schlangen von bis zu 30 Autos,

Gegen Plünderer haben viele Nachbarschaften Bürgerwehren gebildet. Wie treten die auf, was machen die?


Ab 17 Uhr wird es in Kairo dunkel, dann fangen die Bürgerwehren an, die Straßen dicht zu machen, und Bewaffnete gehen auf Patrouille. Ab 18 Uhr gibt es in den Wohngebieten nur noch ein mühsames Durchkommen. Da gibt es alle 30 Meter eine Sperre aus allen möglichen Materialien – Steine, Bretter oder Mülltonnen. Die Bürgerwehren entwickeln sehr viel Kreativität.

Wie muß man sich diese Bürgerwehren vorstellen?


Sie haben sich selbst in der jeweiligen Nachbarschaft organisiert, teilen auch selbst ihre Schichten ein. Die Jungs stoppen Sie auf der Straße und schauen in Ihre Taschen. Auf den Zugangsstraßen halten sie die wenigen Autos an und durchsuchen die Kofferräume. Sie sind sehr höflich und entschuldigen sich, wenn sie in Privatsachen schauen. Manchmal wird auch der Ausweis verlangt.

Ich bin überrascht über die plötzliche Disziplin der Kairoer Bevölkerung. Viele Menschen sammeln zum Beispiel aus freien Stücken Müll auf. Das hatte ich in Ägypten bisher nie erlebt, daß ein Angehöriger der Mittelklasse auch nur ein Fitzelchen Müll aufräumt. Und jetzt laufen solche Menschen mit großen Tüten durch die Straßen und sammeln Unrat auf! Es ist ungewohnt: Die Straßen sind sauber, und es stinkt nicht.

Was erwarten Sie von den Protesten?


Als ich am Dienstag bei der friedlichen Demonstration war, hatte ich noch Hoffnung auf einen friedlichen Wechsel. Seit aber am gestrigen Mittwoch Anhänger von Mubarak zur Gewalt übergingen, bin ich sehr skeptisch geworden.

Aus Junge Welt online
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03.02.2011 16:00 Uhr von CHR.BEST
 
+3 | -0
 
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Wenn man die Bilder aus Ägypten sieht, ist die Hoffnung, dass diese Revolution genauso vergleichsweise friedlich, wie 1989 in der DDR, ablaufen könnte, offensichtlich endgültig zerschlagen.
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03.02.2011 16:03 Uhr von TrangleC
 
+4 | -2
 
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Mir ist in den letzten Tagen eine interessante Diskrepanz zwischen der Berichterstattung bei uns und der in den USA aufgefallen.
Bei uns wird El Baradei, der ehemalige Chef der UN Atomkontrollbehörde und angebliche (hab gehört in Egypten ist er garnicht so bekannt und beliebt wie man bei uns behauptet) Leitfigur der Opposition als demokratischer Hoffnungsträger und westlich orientierter Intelektueller dargestellt, wärend die Amis auf CNN und anderen Nachrichtensendern ihn mit der Moslembruderschaft in einen Topf werfen und ihn jetzt schon als zukünftiges Feindbild aufbauen.

Die haben ihm wohl immernoch nicht verziehen dass er sich damals offen gegen Bush und Powell gestellt und gesagt hat es gäbe im Irak keine nuklearen Massenvernichtungswaffen.
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03.02.2011 17:13 Uhr von CHR.BEST
 
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@1984: In Tunesien hat es aber geklappt, den Präsidenten relativ friedlich und ziehmlich rasch aus dem Amt zu jagen.
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03.02.2011 17:58 Uhr von memo81
 
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Erstmal Danke an Jummi für den Text, ich finde , dass es wichtig ist, immer wieder mal authentische Berichte zu liefern, damit man von Augenzeugen die Situation erklärt bekommt.
Ich wundere mich nur mal wieder über die beiden Minusse, denn wenn diejenigen den Text richtig durchgelesen hätten, hätten sie nicht den geringsten Grund dazu.
Aber manche Menschen fühlen sich einfach wohl damit, sich in ihrer "alle Moslems sind böse-Suhle" weiterhin zu wälzen.

Traurig, wenn manche die Kraft und den Mut, die hinter dieser ganzen Demonstration stecken, nicht erkennen.

Schlaft ruhig weiter, die Revolution kommt auch ohne euch.


[ nachträglich editiert von memo81 ]
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03.02.2011 18:29 Uhr von CHR.BEST
 
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@memo81: Ich fände, betreffs Meinungsfreiheit, zwei Minuspunkte weit weniger bedenklich als stattdessen gleich kommentarlos komplett zensiert zu werden.

Leider gibt es sowas immer noch in Deutschland.
Man kann nur hoffen, dass sich Ägypten liberaler als Deutschland entwickelt.
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03.02.2011 20:53 Uhr von achmetdumbatz
 
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bruder: in agüpten werden jetzt alle scharia
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06.02.2011 18:24 Uhr von CHR.BEST
 
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@1984: Das ist richtig, aber wieviele Diktatoren kennst du, die ohne Zwang abgetreten sind?

Es muss auch nicht immer der direkte Zwang aus dem Volk sein. Ich denke, die Revolution 1989 in der DDR war auch deshalb relativ friedlich, weil der ganze Machtapparat zusammengebrochen war und ohne den großen Bruder Sovietunion fühlten sich die Schergen ziehmlich hilflos obwohl die Waffen der NVA leicht ausgereicht hätten, ein Blutbad anzurichten. Glücklicherweise setzte dann doch noch ein Hauch Restvernunft ein bzw. die Angst vor der Rache der Bürger.

Wie man sieht, scheint aber der Machtapparat von Mubarak noch ganz gut zu funktionieren. Darum glaubt er, sich noch eine Weile halten zu können.
Ben Ali hat zwar nicht soviele Freunde im Ausland, aber ein Land hatte er dann doch gefunden, dass ihm und seine 1,5 Tonnen geraubten Goldes Unterschlupf gewährte.

Mubarak wurde nur deshalb von den USA und der EU gestützt, weil er imstande war, die radikalen Islamisten einigermaßen unter Kontrolle zu halten.
Ob dies auch einer neuen, bürgerlichen Regierung in Ägypten gelingt, kann bislang niemand mit Gewißheit sagen.

Kurzum gesagt, die Entscheidung, sich auf Seiten der Ägyptischen Bürger zu schlagen, verlangen von USA und EU nicht anderes als Mut.
Den Mut Klartext zu sprechen. Den Mut, womöglich "auf der falschen Seite" zu stehen - falsch im Sinne von kurzfristiger Stabilität in der Region.

Den USA traue ich das zu, aber unserer EU, deren Politiker sich hauptsächlich aus Beamten und Bürokraten zusammensetzen, traue ich nicht mehr Mut zu, als für diese Berufsgruppen üblich ist.
Sogar das EU-Parlament selber beklagt sich über die eigene EU-Außenbeauftragte, dass diese nicht mal imstande sei, eigene Entscheidungen zu treffen.

Weltpolitik ist eben was anderes, als über eine Gurkenkrümmungsverordnung abzustimmten ;-)

[ nachträglich editiert von CHR.BEST ]

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