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Ehemaliger FED-Chef: Das Finanzsystem ist zerstört

Auf der "Internationalen Bank Konferenz", welche jedes Jahr durch das Amerikanische Federal Reserve System initiiert wird, sprach der ehemalige US-Notenbankchef Volcker in seiner Rede von einem mittlerweile unwiederbringlich zerstörtem Finanzmarkt.

Zitat: "Der Grund, warum wir alle hier sind, ist die Tatsache, dass das Finanzsystem zerbrochen ist." Dem Hypothekenmarkt, einer seiner Meinung nach wichtigsten Komponente des Kapitalmarktes, attestierte er einen vollkommenen Zusammenbruch.

Massive Kritik übte Volcker vor allem an Politikern, der US-Notenbank Federal Reserve, sowie den Regulierungsbehörden. Eine Antwort auf die Frage, wie man die Krise beilegen könne, blieb er schuldig.


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WebReporter: ROBKAYE
Rubrik:   Wirtschaft
Schlagworte: Chef, FED, Finanzsystem, Paul Volcker
Quelle: www.mmnews.de

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9 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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27.09.2010 06:52 Uhr von ROBKAYE
 
+15 | -0
 
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Es grenzt an Surrealität, wenn ein ehemaliger Chef des weltweit größten privaten Bankenkartells, der US FED, Kritik an seinen Kollegen übt. Aber was soll er in einer öffentlichen Rede auch anderes sagen... Warum er als "Privatbanker" keine Problemlösung nennen konnte liegt auf der Hand: Die einzige Lösung wäre, Banken staatlich zu regulieren und vor allem die Bereiche Privatgeschäft und Investment voneinander zu trennen...nur so lässt sich leider nicht so viel schmutziges Geld verdienen.
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27.09.2010 08:27 Uhr von DtSchaeferhund
 
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@Kommentar "Die einzige Lösung wäre, Banken staatlich zu regulieren"
Eben gerade nicht, der Staat ist ein schlechter Kaufmann/Banker. Für mich ist die einzige Lösung ein globaler "Systemreset"... d.h. alle Währungen für ungültig erklären und von vorn anfangen. Da das warscheinlich nicht durchführbar ist, brauchen wir mal wieder einen Weltkrieg, danach wird alles wieder gut. Nach "etwas" schöpferischer Zerstörung ist wieder genug Raum für Wachstum... auch ohne die Bankenkriese sind wir dem Ende des Wachstums nahe und es muss dringend gegengesteuert werden.

[ nachträglich editiert von DtSchaeferhund ]
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27.09.2010 08:44 Uhr von ROBKAYE
 
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@DtSchaeferhund: "Eben gerade nicht, der Staat ist ein schlechter Kaufmann/Banker."

Ich hätte meinen Kommentar vielleicht etwas mehr präzisieren sollen. Von einer "Verstaatlichung" ist nicht die Rede. Verstaatlichung und Regulierung haben so viel gemeinsam wie Tag und Nacht. Der Staat sollte die Möglichkeit haben zu regulieren, welche Finanzprodukte "Gesellschaftstauglich" sind und sollte bei ausufernden, windigen Geldgeschäften die Möglichkeit haben, diese nach einer nicht bestandenen kritischen Überprüfung verbieten zu lassen.

"Für mich ist die einzige Lösung ein globaler "Systemreset"... d.h. alle Währungen für ungültig erklären und von vorn anfangen."

Das wäre nicht nötig, wenn eine Regulierung von privaten Großbanken eingeführt würde und z. B. Sparkassen und Volksbanken, welche als Kerngeschäft die Kreditvergabe an Mittelstand und Privatkunden inne haben, staatliche Absicherung genießen und diese so in einem Notfall nicht pleite gehen können.

Trotzdem ändert das alles noch nichts an der Problematik des Zinseszins. Es gibt ein gutes Beispiel dafür. Wenn man zu Anfang des ersten Jahrhunderts 5 Cent auf einem Sparkonto mit 4-5% Verzinsung angelegt hätte, hätte man heute ein vielfaches des Gewichtes der Erde als Goldklumpen auf der Bank liegen... Und jetzt sieht man, was an dieser Rechnung nicht aufgehen kann. Das System des Zinseszins führt unweigerlich immer wieder zu einer großen Krise, weil Schulden, sowie Gewinne exponentiell anwachsen bis es knallt. Wenn wir alle keinen Bock mehr darauf haben, alle 80 Jahre einen Weltkrieg zu haben, müssen wir endlich von diesem Dogma weg!

[ nachträglich editiert von ROBKAYE ]
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27.09.2010 09:08 Uhr von Uyless
 
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Endlich mal ein Mensch mit Durchblick.

"Das System des Zinseszins führt unweigerlich immer wieder zu einer großen Krise, weil Schulden, sowie Gewinne exponentiell anwachsen bis es knallt."

Du hast es erfasst. Nur leider gibt es einfach zuviele Gierlappen auf dieser Erde. Genau in diesem Punkt kommt eine soziale Regierung ins Spiel. Doch dazu muss meiner Meinung nach eine sehr große Reform in unserem System stattfinden. Es muss härter mit Politikern umgegangen werden, die sich der Fürsorgepflicht für den Bürger entziehen. Es müssen Einzelstrafen folgen. Die Menschen, die die Macht hätten dies zu ändern genießen, wie auch die Menschen die diese ganze Misere verschulden, eine viel zu große Immunität. Das ist aber auch nur ein Punkt, in einem sehr komplexen System, der sich dringend ändern muss.

Aber was rede ich hier großartig. Es wird sich nichts ändern bevor etwas schlimmes passiert. Also auf die nächste Wahl, die nichts und wieder nichts bringen wird, außer erneute überdimensionale Kosten und Schönredung von iregentwelchen Politikern.
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27.09.2010 09:25 Uhr von opheltes
 
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Ein Mensch mit Durchblick?

Das weiss jeder Bänker nur wollen sie nichts wissen.

Denkt blos nicht er ist nun Gott der Welt und hat "es verstanden". Wär er kein ehemalige bzw. ex gewesen würde die News gar nicht existieren.

ich lach mich tot...
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27.09.2010 09:58 Uhr von ROBKAYE
 
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@globi123 und warum wurde der Finanzmarkt dereguliert? Diese Frage musst du dir auch stellen. Im Endeffekt erkenne ich deine Antwort bereits in deinem Kommentar, aber ich möchte es noch einmal verdeutschlichen:

Finanzminister Eichel hatte damals ein Meeting mit Deutsche Bank Chef Ackermann und anderen Vorst. Vors. verschiedener deutscher Großbanken. Dort wurde ihm eingebläut, dass, wenn die Regulierung nicht aufgehoben würde, die Banken ins Ausland abwandern und es zig hunderttausende Arbeitslose geben würde. Den Finanzplatz Deutschland würde ad Acta gelegt.

Nun meine Frage? Was hättest du in dem Fall getan? Und die zweite Frage: Was hätte die CDU/FDP getan? Vor Rot-Grün gab es die Kohl Regierung. Zu der Zeit gab es die sogenannte "Globalisierung" noch nicht in dem Ausmaß wie heute... Rot-Grün hatte nur das Pech, dass sie gerade zu dieser Zeit an der Regierung waren :-) Dieses Scheinheilige getue der CDU/FDP im Bezug darauf, den Fehler der Deregulierung wahlkampfwirksam in die Schuhe der SPD/Grüne zu schieben ist heuchelei oberster Güte.

Aber in diesem Fall wird deutlich, dass Politiker unter der Kontrolle der Finanz-Eliten und Industrie stehen, nichts anderes. Politiker sind Marionetten... die Fäden ziehen die, die Druck ausüben können und das sind in einem kapitalistischen System nun mal die Industrie.

P.S.: Und drei mal darfst du raten, wer massiven Druck zur Rettung der HRE ausgeübt hat und diese als "systemrelevante Bank" deklariert hat? Der Name fängt mit A an und hört mit ckermann auf ...

Die HRE war bereits bei ihrer Gründung eine kriminelle Bad Bank, die nur gegründet wurde, um 2003 einen Zusammenbruch der Hypo Vereinsbank zu verhindern.

[ nachträglich editiert von ROBKAYE ]
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27.09.2010 10:07 Uhr von ROBKAYE
 
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@opheltes: ???
...wenn du mal genauer liest, wird sicher deutlich, dass Uyless sich auf meinen Kommentar bezieht und nicht auf die Aussage des Ex Privatbankers Volcker.
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27.09.2010 10:21 Uhr von Sag_mir_Quando_sag
 
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Krieg ist keine Lösung: Es ist nicht ganz richtig, daß Volcker keine Lösung anbietet.

Er stellte in seiner Rede zunächst fest, daß es Jahre braucht, um das Finanzsystem zu reparieren.

Er teilte nicht nur mit, daß das Finanzsystem zerstört ist, sondern er analysiert auch die Struktur der Ursachen der durch die Zerstörung entstandenen Probleme.

Zunächst stellt er fest, daß MEHR Regulierer nicht das Problem lösen werden. Das ist eine quantitative Aussage, die auf den Einsatz eines großen Umfangs von Personal hinausläuft. Dies wäre sozusagen eine makroökonomische Lösung durch eine Lösung im Detail. Indem man also mit einer großen Menge öffentlich-rechtlich organisierter Fachleute in das Finanzsystem hineingeht, wird man das Problem nicht lösen können - so die Einschätzung von Volcker.

Er resümiert jedoch, daß "Strukturen" geändert werden müssten.

Volcker begründet dies damit, daß Derivaten zu "spekulativen" Instrumenten geworden sind.

(Nur so nebenbei: Man schätzt die Bilanzsumme der Derivate weltweit auf 600 Trillionen US-$. Dem stehen wohl 150 Trillionen US-$ realer Vermögenswerte gegenüber. Diese 150 Trillionen US-$ sind mit Projektionen aus den 600 Trillionen US-$ großen Derivatemarkt belastet.Die realen Vermögenswerte sind somit zu großen Teilen einfach und/oder mehrfach geknebelt und stehen dementsprechend nur eingeschränkt zur Verfügung.)

Das den Märkten zugrundliegende Problem ist - so Volcker - das "Too big to fail"-Syndrom.

Dieses Syndrom ist ja auch in Deutschland bekannt: Der kleine Hartz IV-Empfänger ("too small to win"-Syndrom) bekommt gerademal 5 EURO mehr, darf zukünftig aber nicht rauchen und trinken, während die HRE als offensichtlich endloser Schlund 40 Milliarden EURO erhält.

Eine ähnliche Problemelage gab es vor einhundert Jahren. Die Diskussion um die "Trusts" hatte zur Folge, daß eine ganze Reihe von Monopolen aufgelöst wurden.

Also zurück zu Volcker: Er sieht die Lösung in der Schaffung einer "Feuerwehr"-Behörde für "Too big to fail"-Konzerne, die jenseits des bestehenden Insolvenzrechts agieren müssten. Sie müssten somit Sonderrechte gegenüber dem normalen Insolvenzverfahren haben.

Mehr sagt er dazu nicht.

Man kann dies folgendermaßen interpretieren: Die "Too big to fail"-Konzerne hätten demnach eine solch volkswirtschaftliche Bedeutung, das sie damit ein "öffentliches Interesse" per se darstellen.
Aufgrund dieses "öffentlichen Interesse" wäre eine Sonderbehandlung im Falle einer Insolvenz zwingend notwendig. Ein entsprechender Insolvenzfall wäre demnach unter Rücksichtnahme öffentlicher Belange zu behandeln, bevor die Entität aufgelöst werden könnte.

Stellungnahme: Dies scheint insofern problematisch zu sein, weil gegenüber der Öffentlichkeit nicht transparent dargestellt wird, nach welchen Kriterien eine Entität aufgelöst werden würde oder nicht.

Beispiel: Die Regierung Schröder war immer dahinter her, daß Deutschland eine supergroße Bank benötige. Dargelegt wurde nie, warum sie dies verfolgte. Die Deutsche Bank genügte offensichtlich nicht, da sie zu internationalisiert sei. Wenn also eine Regierung ein öffentliches Interesse definiert, muss zumindest im Nachhinein klar werden, warum sie dieses Ziel verfolgt hat. Es muss deutlich werden, worin das öffentliche Interesse einer Regierungshandlung besteht.

Es stellt sich also die Frage, wie das öffentliche Interesse im Fall eines "Too big to fail"-Konzerns definiert wird. Wenn man sich an die Stahlindustrie erinnert, wurde diese auch jahrelang gepeppelt, um dann nach internationalen Vereinbarungen teilweise abgewickelt zu werden.

Das "öffentliche Interesse" besteht somit wohl vor allem in einer Zeitverzögerung der Probleme, um die Strukturen marktgerecht anzupassen.

Das Kernproblem dieser Zeitverzögerung besteht darin, daß die Strukturen dann zwar angepasst wären, ein öffentlicher Diskurs über die Problemursachen aber nicht zu Genüge stattfindet. Das Prinzip der sogenannten "lernenden" Gesellschaft wird ausgehebelt - zum Schaden. Ein kollektives Bewusstsein über vergangene Fehler könnte eine nachfolgende Fehlentwicklung verhindern.

Volcker weiter: Für ihn sind Banken für die Versorgung kleiner und mittlerer Betriebe essentiell ("central"). Er fordert, daß Geschäftsbanken nicht spekulieren dürften.

Bemerkung: Investmentbanking ist Spekulationsbanking.

Volcker: Zentralbanken haben die Verantwortung, um die Finanzstabilität aufrechtzuerhalten.

Es ist gibt also eine Lösung im nuklearen Zeitalter.

Eine Nebenbemerkung: Am 3. Oktober 2010 wird die letzte Rate für Schulden aus dem Ersten Weltkrieg bezahlt.

[ nachträglich editiert von Sag_mir_Quando_sag ]
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27.09.2010 12:30 Uhr von Sag_mir_Quando_sag
 
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Zentralbanken: Es ist völlig logisch, daß die Großbanken überhaupt kein Interesse haben, etwas zu ändern. Das ist vollkommen richtig.

Die Frage ist ja, wielange das "System" selbst dies trägt. Dies ist insofern mit der Stahlindustrie vergleichbar. Nicht vergleichbar ist diese damalige Situation in Hinblick auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag der Großbanken die Geldmenge mitzubestimmen. Das ist ja das Zusammenspiel zwischen Zentralbanken und Banken im Bereich der Kreditvergabe. Die Großbanken hinterlegen Geld bei der Zentralbank und bekommen leihweise ein Zigfaches dessen, was sie hinterlegt haben und verleihen es aufgrund gesetzlicher Vorschriften an Dritte. Das ist quasi der öffentlich-rechtliche Auftrag der Banken. Diese Dritte sind zur Zeit großenteils nicht kreditwürdig bzw. nicht genügend profitabel, also bleibt das Geld bei der Zentralbank, es sei denn, es landet auf dem Investmentmarkt. Da nun diese Dritte, die ja die Realwirtschaft darstellen, kein Geld bekommen, weil die Chancen gering eingeschätzt werden, dieses aufgrund stagnierender oder gar rückläufiger oder wenig profitabler Märkte zurückzubekommen, verfällt die Realwirtschaft in Depression. Und das ist das Bedrohliche für das ganze "System" - also einschließlich der virtuellen Wirtschaft (Investmentmarkt).

Und hier kommen - soweit ich das verstanden habe - die Zentralbanken ins Spiel. Sie erhalten - so wohl Volcker - die Rolle zugewiesen, die ja eigentlich die Großbanken wahrnehmen sollten: Sie sollen kleine und mittelgroße Betriebe mit Geld versorgen. Das hätte eine neue strukturelle Qualität.

Wenn man sich die Kreditzinsen für Überziehungskredite auf Girokonten ansieht, wird dies deutlich. Der Zinssatz der Europäischen Zentralbank tendiert gegen Null, der Zinssatz für Überziehungskredite ist weiterhin bei über 10 %. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank kommt also in der Realwirtschaft nicht an.

Sofern also sich die Großbanken nicht bewegen, wird es zwangsläufig auf eine politische Diskussion um die Funktion solcher Großbanken hinauslaufen, da sie sich systembedrohend verhalten. Als Einzelakteur haben sie primär für sich selbst zu sorgen und nicht einen volkswirtschaftlichen Auftrag, wie die Zentralbank ihn hat. Und da ähnelt die Situation wieder mit der früheren Situation der Stahlindustrie, die sich ja auch aus egoistischen Einzelakteuren zusammensetzt.

Früher gab es Großrechner, heute gibt es vernetzte PCs.

Warum nicht auch im Bankensektor?

[ nachträglich editiert von Sag_mir_Quando_sag ]

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