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Köln: Datenschutz verhindert flächendeckende Besuche von Stadtteilmüttern

Am gestrigen Freitag wurden im Kölner Stadtteil Kalk elf sogenannte Stadtteilmütter mit einer Urkunde für ihr Ehrenamt ausgezeichnet. Im Rahmen des Projekts "Kinder Willkommen" sollen sie alle Familien mit Neugeborenen besuchen. Im Gepäck haben sie Geschenke und wichtige Informationen.

Im Herbst vergangenen Jahres gab es jedoch einen tiefen Einschnitt. Nachdem man zwischen Spätsommer 2008 und dem vergangenen Herbst zwischen 75 und 80 Prozent der Zielgruppe erreicht hat, fiel die Quote danach auf rund 20 Prozent zurück. Grund dafür ist der Datenschutz.

So wurden nach dem "alten System" alle Familien besucht. Nur die, die ausdrücklich widersprachen, erhielten keinen Besuch. Nun müssen sich die Familien mit Neugeborenen selbst um einen Besuch der Stadtteilmütter bemühen. Gerade in Problemstadtteilen sank die Quote besonders deutlich, so die Kritik.


WebReporter: claeuschen
Rubrik:   Freizeit
Schlagworte: Köln, Datenschutz, Stadtteilmutter
Quelle: www.koeln-nachrichten.de
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7 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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13.03.2010 15:03 Uhr von claeuschen
 
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Schade: Eine gute Idee droht an der deutschen Bürokratie zu scheitern. Vor allem diejenigen, bei denen ein Besuch von Ehrenamtlern wirklich Nutzen bringt, bleiben mal wieder außen vor. Um jedem Missverständnis vorzubeugen: Datenschutz ist wichtig. Aber hier schneidet sich die Gesellschaft selbst ins eigene Fleisch. Und die Regelungswut deutscher Gesetzgeber droht eine sinnvolle Initiative im Keim zu ersticken - ein Skandal im Stillen und abseits der Massenmedien.
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13.03.2010 15:19 Uhr von Klassenfeind
 
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Datenschutz an falscher Stelle andererseits dürfen überall Adressen meistbietend verhökert werden. Wo is´n da der Datenschutz ?
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13.03.2010 15:47 Uhr von frederichards
 
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Wie echt? Und ich dachte, man bekommt gleich nen SCHUFA-Eintrag, wenn man Nachwuchs hat...
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13.03.2010 17:41 Uhr von Hawkeye1976
 
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Zweischneidiges Schwert: Entweder man ist beim Datenschutz konsequent oder man lässt es ganz bleiben.
Auch wenn es wie hier sinnvoll wäre, die Bestimmungen zu lockern, muss man sich fragen, ob diese Lockerungen nicht auch mißbraucht werden können.
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13.03.2010 20:58 Uhr von claeuschen
 
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@Vorredner: Zunächst einmal vielen Dank für die sachlichen Beiträge:

Warum ich mich so aufrege, will ich gerne begründen. Eine Bekannte von mir hat in Nippes mitgemacht. Das Projekt ist wirklich genial.

Ehrenamtliche Bürger besuchen Familien mit Neugeborenen. Neben dem Geschenk, gesponsort von verschiedenen Unterstützern wie Rewe oder dem FC, gibt es vor allem eine intensive Vermittlung von Informationen zu Beratungsangeboten der Stadt oder von Vereinen oder Initiativen.

Wie bereits im Kommentar geschrieben, will ich den Datenschutz überhaupt nicht kleinreden oder gar missbilligen. Aber hier wird ein echter Schuss ins Knie draus. Und es trifft genau die Falschen. Weil sie eh kaum erreichbar sind, werden gerade die Sozial Schwachen wieder ausgeschlossen. Die Gebildeten und Bildungsbürger hingegen nutzen das Angebot eh häufig.

Was die Stadtteilmütter machen und gemacht haben, ist Bürgerservivce auf Augenhöhe. Wer hat schon gerne das "Amt" vor der Tür, da sind ganz normale Bürger wesentlich glaubwürdiger, so etwas nennt man "niedrigschwellig" - besser ist das Wort "angemessen", hat meine Bekannte in unzähligen Gesprächen am eigenen Leib miterlebt. Viele waren dankbar und haben die Angebote zur Hilfe auch tatsächlich genutzt. Mit der "neuen" Regelung wäre das in dieser Form nicht möglich gewesen.

Das Argument Datenschutz wirkt an dieser Stelle vorgeschoben. Vor allem, wenn man sich überlegt, dass im Falle einer tatsächlichen Vernachlässigung und der damit verbundenen Medienwelle mit Schuldzuweisungen möglicherweise eine frühe Hilfe dieser Art bereits vor dem Entstehen Abhilfe hätte schaffen können. Das ist der Punkt und zugleich der Skandal.

@Klassenfeind: Stimme zu - voll und ganz
@Neu555: datenschutz ist Bürokratie, denn es ist ein Gesetz. Wie Klassenfeind schon gesagt hat, verhindert selbst das perfekteste Gesetz nicht dessen Missbrauch. weil hier aber die Stadt nur Adressen (ohne Telefonnummer, Geburtsangaben und andere persönliche Daten) an die Koordinatoren weitergibt, ist der Datenschutz vollumfänglich gewährt. Offenbar versucht der Datenschutzbeauftragte des Landes, sich an dieser Stelle zu profilieren, wo er an anderer Stelle versagt hat.

@Hawkeye: Wenn die Stadt Daten herausgibt, muss sie eh den Datenschutz beachten, sonst macht sie sich selbst strafbar. Die missbräuchliche Weitergabe ist demnach per se ausgeschlossen. Auch die Rückmeldungen wurden anonymisiert.

Missbrauch ist damit besser ausgeschlossen als durch diverse Wettbewerbsregelungen für Callcenter.
Der Punkt mit dem Janusgesicht des Datenschutz ist allerdings ein richtiger. Das gilt auch für andere Bereiche.

PS: Weitere Kommentare sind ausdrücklich erwünscht. Schon jetzt meinen hohen Respekt für Eure sachlichen Diskussionsbeiträge (das ist keine Ironie)....

[ nachträglich editiert von claeuschen ]
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13.03.2010 21:14 Uhr von Hawkeye1976
 
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@claeuschen: Nimm´s mir nicht übel, aber gerade der Stadt Köln traue ich im Puncto Datenschutz keinen Meter über den Feldweg (Stichwort Klüngel). Gerade auch dann, wenn Firmen beteiligt sind, die Datenschnüffel-Payback-Karten unters Volk bringen....
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15.03.2010 20:39 Uhr von Natoalarm
 
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Auch die Einwohnermeldeämter verraten der GEZ: Deine Adresse oder einen Umzug

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