Holocaust-Opfer mit Facebook-Profil: Grauenhaft oder Gedächtniskultur?
Das Profil von Henio Zytomirski hat inzwischen 4.497 Freunde. Bei den Kommentaren finden sich die üblichen Grüße nebst Teddy-Bildern und Aufforderungen, "Mafia-Wars" zu spielen. So weit, so normal. Nicht normal ist allerdings, dass Zytomirski seit 1942 tot ist: Umgebracht im Vernichtungslager Majdanek.
Das Profil eines Holocaust-Opfers hat eine Diskussion zum Thema Erinnerungskultur hervorgerufen. Denn die virtuellen "Grabsteine" von Toten werden das kulturelle Gedächtnis immer mehr beeinflussen.
Adam Kopciowski, polnischer Historiker, wies auf "die Absurdität" hin, per Facebook-Profil für einen ermordeten Jungen zu sprechen. Sozusagen am Leben erhalten, hat Henio dessen Cousin, der ihn beschreibt, aber auch eigene Kommentare auf der Seite hinterlässt.