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Mecklenburg-Vorpommern: Erstmalig Bronzezeit-Schlachtfeld entdeckt

In Mecklenburg-Vorpommern wurden unweit von Altentreptow schon seit einiger Zeit Überreste von Menschen gefunden. In dem Flusstal von Altentreptow fand man dann aber seit 1996 Skelettreste, die Anzeichen von Verletzungen trugen und auch Waffenüberbleibsel.

Mit naturwissenschaftlichen Verfahren zur Datierung konnte herausgefunden werden, dass diese Überreste ein Alter von 3.300 Jahre haben. Somit kann man sie der Bronzezeit zuordnen. Das ist der erste Fund eines Schlachtfeldes aus der Bronzezeit.

Diese Entdeckung ist herausragend, weil es nichts Vergleichbares in Mitteleuropa gibt. Die Universitäten Greifswald und Rostock und das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege wollen nun gemeinsam das Schlachtfeld untersuchen.


WebReporter: PortaWestfalica
Rubrik:   Wissenschaft
Schlagworte: Entdeckung, Schlacht, Mecklenburg-Vorpommern, Bronze
Quelle: idw-online.de

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6 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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07.10.2008 15:52 Uhr von Lord Kraligor
 
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Äußerst interessant! Der aktuelle Stand der Forschung ist eigentlich die Annahme, dass Kämpfe in großem Ausmaß mit vielen Toten erst zu späterer Zeit stattfinden konnten. Wenn die Vermutung stimmt, dass es sich um ein Schlachtfeld handelt, dann müsste in der Forschung einiges revidiert und angepasst werden.

- Kraligor
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07.10.2008 19:10 Uhr von Schlomo Raffzahn
 
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Geschichte ist Wandel: Sehr interessant, in der Tat. Ich meine es wäre ziemlich naiv anzunehmen dass es keine größeren Scharmützel in früheren Zeiten gegeben hätte. Geschichte ist Wandel. Ein Volk lässt sich nicht ohne Kampf vertreiben. Das gilt heute und trifft auch auf damals zu. Vor 3300 Jahren müsste doch die Besiedlung Europas durch die Kelten stattgefunden haben, oder? Weiß hierzu jemand mehr Bescheid?
Falls es die Kelten waren, ist es mit Sicherheit anzunehmen dass diese bereits über Bronzewerkzeuge und Waffen verfügten. Dies belegen ja auch Funde auf dem Balkan und Norditalien.
Vielleicht wurden also hier die Ureinwohner Europas durch eine erste Völkerwanderung geschlagen und vertrieben. Oder es waren rivalisierende Stämme eines "Volkes" welche sich um Siedlungsplätze rauften.
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07.10.2008 19:28 Uhr von Lord Kraligor
 
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Schlomo "ch meine es wäre ziemlich naiv anzunehmen dass es keine größeren Scharmützel in früheren Zeiten gegeben hätte. Geschichte ist Wandel. Ein Volk lässt sich nicht ohne Kampf vertreiben. Das gilt heute und trifft auch auf damals zu."

Das stimmt so nicht. Kriege in vorstaatlichen Gesellschaften waren zumeist stark ritualisiert, d.h. Kämpfe auf Leben und Tod fanden nur selten statt. Ganze Schlachten sind, wie gesagt, kaum bekannt. Es ging in den Kriegen früherer Zeit nicht um Landgewinn, Ressourcengewinn etc. sondern vielmehr um Ehrkränkungen und dem generellen Abbau von Spannungen. Zudem bedarf es einer ausgeprägten hierarchischen Struktur, um Menschen zum organisierten Kämpfen zu bringen und sie effektiv zu leiten. Zur Hallstattzeit waren diese Strukturen meines Wissens gerade in der Entstehung, aber längst nicht ausgereift.

"Vor 3300 Jahren müsste doch die Besiedlung Europas durch die Kelten stattgefunden haben, oder?"

Die Einwohner dort wurden soweit ich weiß erst ein paar hundert Jahre später Kelten genannt, aber die lebten schon länger dort.

"Falls es die Kelten waren, ist es mit Sicherheit anzunehmen dass diese bereits über Bronzewerkzeuge und Waffen verfügten."

Es waren definitiv Werkzeuge vorhanden - und diese konnten auch als Waffen eingesetzt werden. Die Prunkwaffen, die man aus der Zeit kennt, stammen meist aus Fürstengräbern oder ähnlichem und waren nur als Schmuck gedacht.

"Vielleicht wurden also hier die Ureinwohner Europas durch eine erste Völkerwanderung geschlagen und vertrieben. "

Die Völkerwanderungszeit setzte erst viele hundert Jahre später ein. ;)

Grüße,

- Kraligor
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07.10.2008 19:54 Uhr von Schlomo Raffzahn
 
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Kraligor: Irrtum Kraligor. Die Kelten gehörten zur Indo-Germanischen Völkergruppe und wanderten lange vor den Germanen und Romanen in Europa ein. Als letztere nach Europa vordrangen waren die Kelten (bzw. deren Ahnen) bereits sesshaft. Ich vermute daher dass die Ursache der Kämpfe eher im Zuge von Besitzstreitigkeiten bzw. um Siedlungsraum zu suchen sind.

Kultische Handlungen würde ich ebenso wie du ausschließen. Es ging hier ums Eingemachte, des kann nur vor einem ernsten Hintergrund geschehen sein der so etwas im großen Stile rechtfertigte. Immerhin gab es zur damaligen Zeit noch keine gesicherte Nahrungsmittelbevorratung oder Landwirtschaft. Daher war das Leben jedes gesunden Mannes eminent wichtig für den Erhalt des Stammes.

Hier mal in kurzen Zügen der Wikieintrag zur Geschichte Europas (obwohl ich auf das Niveau der Wiki sonst einen feuchten Kehricht gebe)

Mittelsteinzeit [Bearbeiten]

Vor 5000 v. Chr. lebten die Menschen meist nomadisch in kleinen Sippen von etwa 20 Personen. Sie jagten, fischten und sammelten Pflanzen.

Jungsteinzeit [Bearbeiten]

Um 5000 v.Chr. kamen aus dem Orient ackerbautreibende Völker (Bandkeramiker, Megalithkultur, etc.) und besiedelten die fruchtbaren Landschaften Europas. Um 2500 v. Chr. tauchten aus dem Osten die indogermanischen Reitervölker auf und vermischten sich mit den sesshaften, Ackerbau betreibenden Völkern. Im Laufe der Zeit entstanden so die Vorfahren der verschiedenen europäischen Völker, wie wir sie heute kennen (Kelten, Germanen, Slawen, Griechen usw.).

Bronzezeit [Bearbeiten]

Um 1800 v. Chr. setzt sich die Bearbeitung von Bronze durch. Gleichzeitig streben in immer neuen Wellen Völker aus den Tiefen der sibirischen Steppe nach Europa (Kimmerier, Skythen).
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07.10.2008 20:20 Uhr von Lord Kraligor
 
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Schlomo: Äh, ja. Habe das mit der Völkerwanderung falsch interpretiert und bin auf der Völkerwanderungszeit hängengeblieben.

"Kultische Handlungen würde ich ebenso wie du ausschließen. Es ging hier ums Eingemachte, des kann nur vor einem ernsten Hintergrund geschehen sein der so etwas im großen Stile rechtfertigte."

Wäre möglich, ja. Eine andere Erklärung wäre ein Massaker. Dabei wurden Unbewaffnete niedergemacht und Gegenwehr gab es, wenn überhaupt, nur vereinzelt. Diese Praxis war häufiger anzutreffen als tatsächliche Schlachten, da der Aggressor nicht mit Verlusten rechnen musste. Aber für Massaker gibt es meistens eindeutige archäologische Spuren, wie z.B. Verletzungen am Hinterkopf (Niedergestreckt bei der Flucht) oder am Unterarm (Schutzhaltung).
Mir fällt gerade ein, dass ich erst gelesen hatte, dass die Funde von Kampftoten zu einer bestimmten Zeit enorm in die Höhe ging, ich werde da morgen mal nochmal nachlesen...

- Kraligor
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07.10.2008 20:24 Uhr von Lord Kraligor
 
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Ach ja, ich empfehle zum Thema:

Peter-Röcher, Heidi. Gewalt und Krieg im prähistorischen Europa. Beiträge zur Konfliktforschung auf der Grundlage archäologischer, anthropologischer und ethnologischer Quellen. Bonn 2007.

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