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Anglizismen: Germanistikprofessor fordert mehr Toleranz

In der schon lange währenden Debatte darüber, ob Anglizismen nun den Verfall des Deutschen signalisieren oder eine Bereicherung für die Sprache darstellen, hat sich nun der Düsseldorfer Germanistikprofessor Rudi Keller mit einer Arbeit namens "Ist die deutsche Sprache vom Verfall bedroht?" zu Wort gemeldet.

Keller vertritt dabei die Ansicht, dass die Übernahme von Wörtern aus anderen Sprachen einen ganz normalen Sprachwandel darstellt, auch wenn das Phänomen "Sprachverfall" nachweislich seit zwei Jahrtausenden diskutiert wird.

Es sei zu unterscheiden zwischen dem Sprachverhalten des Einzelnen und den Auswirkungen auf ein ganzes Sprachsystem. "Natürlich gibt es jede Menge Menschen, die sich unmöglich ausdrücken, so wie es beispielsweise viele Menschen gibt, die sich schauderhaft anziehen" - dies seien aber Einzelphänomene, so Keller.


WebReporter: OscarWilde
Rubrik:   Kultur
Schlagworte: Toleranz
Quelle: www.sueddeutsche.de

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11 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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27.06.2008 15:31 Uhr von OscarWilde
 
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Wie so oft reichen auch hier die 900 Zeichen der News nicht annähernd aus, um das ausführliche Interview mit dem Linguisten auch nur annähernd vollständig wiedergeben zu können.
Was den Sprachwandel anbetrifft: In einigen Bereichen wie etwa der Technik sind Anglizismen unumgänglich, die Alltagssprache sollte aber meiner Meinung nach allgemein verständlich bleiben und nicht zu stark kontaminiert werden.
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27.06.2008 15:55 Uhr von TrangleC
 
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so einfach ist es nicht: Was man jedenfalls nicht ausser Acht lassen darf ist dass die Sprache die man spricht auch die Art zu Denken und die Identität beeinflusst. Wer spricht wie ein Halbamerikaner, der denkt irgendwann auch wie ein Halbamerikaner. Und dass die deutsche Wissenschaft und Kultur nicht mehr das ist was sie mal war, hat auch viel damit zu tun dass man einfach englische Begriffe für alles mögliche übernimmt, statt die eigene Sprache weiterzuentwickeln und so einen engeren geistigen Bezug zu den Dingen aufzubauen.
Wer in einer fremden Sprache spricht (in dem Maß dass es in der eigenen Sprache in gewissen Dingen unmöglich geworden ist über bestimmte Dinge zu sprechen), sieht die Dinge durch fremde Augen und verliert an Identität.

Dazu hab ich mal einen interessanten Bericht über Gegenden in Afrika gesehen wo die Leute keine eigene Sprache mehr haben und statdessen nur ein sehr schlechtes Englisch oder Französisch sprechen. Viele Menschen dort benutzen ihr Leben lang nur einen Wortschatz von einigen hundert Wörtern. Das führt auch zur geistigen Verarmung und zu sozialen Spannungen weil die Menschen nichtmal innerhalb der Familien normal kommunizieren können.

Es mag übertrieben wirken da Parallelen zu Deutschland zu sehen, aber es lässt sich nicht verleugnen dass wir auch auf dem Weg dorthin sind um so häufiger es vorkommt dass es für Dinge in unserem Leben keine neuen deutschen Worte mehr gibt und wir Stück für Stück gezwungen werden uns eine fremde Sprache anzueignen ohne diese wirklich zu sprechen.

Kulturkolionalismus, der Verlusst von gerade in der globalisierten Welt wichtigen Identität und geistige Verarmung sind die Folgen.
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27.06.2008 16:11 Uhr von Alt-Lutheraner
 
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Da kann ich nur zustimmen Während z.B. in Frankreich für nahezu jedes aus dem englischen Sprachraum einsickernde Wort ein französischer Ausdruck kreiert und auch öffentlich gemacht wird, übernehmen wir nicht nur kritiklos alle möglichen Anglizismen, sondern denken uns sogar noch zusätzliche aus, die es in der englischen Sprache gar nicht gibt - z.B. "Handy".
Am schlimmsten ist jedoch der degenerative Sprachgebrauch bei Jugendlichen, die in Ballungsräumen und/oder sozialen Brennpunkten aufwachsen: Jeder 2. Satz beginnt da mit "Ey, Alter" und ist ansonsten gespickt mit Fäkalienausdrücken weit unterhalb der Gürtellinie - in schauderhafter Grammatik zusammengekleistert. Dieses Gossen-"Deutsch" untersten Niveaus ist noch weit unerträglicher als das "Journalisten-Denglisch"...
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27.06.2008 16:34 Uhr von Dr.G0nz0
 
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@trangleC: würde das stimmen was du sagst, wären wir schon seit jahrhunderten halbfranzosen. insbesondere goethe war ein grosser freund des französischen und benutzte viele französische worte.
im übrigen werden fremdsprachliche begriffe meist da als lückenfüller genutzt wo wir keine deutschen worte haben und dann nach unseren grammatikalischen regeln quasi eingebürgert.
andersrum funktioniert das genauso, siehe begriffe wie kindergarten die es ins englische geschafft haben.

ich finde es übertrieben ständig den kulturverfall zu prohezeien weil einige leute nicht mehr in der lage sind einen normalen deutschen satz zu formulieren. wie schon gesagt, alle möglichen leute sehen ihre jeweilige sprache kurz vor dem untergang und das seit hunderten von jahren.
sprache ist etwas lebendiges was sich entwickelt. und diese entwicklungen sind kaum steuerbar und wo es versucht wird, hat das zweifelhafte auswirkungen. man schaue sich nur die anglophoben franzosen an.
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27.06.2008 16:39 Uhr von Dr.G0nz0
 
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@alt-lutheraner: versuch dich mal mit einem franzosen über moderne kommunikationstechnik oder ähnliche themen zu unterhalten ... da merkst du dann ganz schnell wieviel sinn so eine "gesteuerte sprache" macht.

und kanak und denglisch sind zwei verschiedene paar schuhe. ich mag auch beides nicht hören, aber ich muss sagen, ich fühle mich sprachlich nicht degeneriert nur weil andere mit einem wortschatz von ca 40 wörtern auskommen.
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27.06.2008 17:18 Uhr von Dusta
 
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@alt-Lutheraner: " übernehmen wir nicht nur kritiklos alle möglichen Anglizismen, sondern denken uns sogar noch zusätzliche aus, die es in der englischen Sprache gar nicht gib"

Wie können denn in Deutschland erfundene Worte Anglizismen sein?
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27.06.2008 17:30 Uhr von Alt-Lutheraner
 
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stimmt aber wie könnte man ´"Handy" sonst klassifizieren?
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27.06.2008 18:09 Uhr von DaKrunt
 
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´Handy´: war anfänglich ein Produktname der dann als Metonymie das Mobiltelefon ablöste, genau wie viele den Ausdruck ´Tempo´ dem Papiertaschentuch vorziehen.

An sich finde ich, dass Wörter aus anderen Sprachen sehr wertvoll sind, da man manches in der eigenen Sprache nicht wirklich formulieren kann. Die Beispiele gelten nun für englischsprachige Räume, wo man erstmal mit dem Ofenrohr ins Gebirge schaut, wenn man den hierzulande so populären ´Feierabend´ oder die ´Butzenscheibenmentalität´ möglichst kurz umschreiben soll.

Dass man allerdings tighte Wörter benutzt um seine credibility zu wahren, finde ich ein wenig strange. So lange man darauf verzichten kann, sollte man das deswegen tun, weil es in Deutschland sehr viele Feinde der Anglizismen gibt.

Ob das nun rational so gerechtfertigt ist, bleibt für mich fraglich. Habe ja keine Nachteile, dadurch, dass meine Sprache ´ausstirbt´. So lange ich mich noch verständigen kann, oder im Falle von Englisch sogar die globale Verständigung gefördert wird, ist doch alles in Ordnung.

Das Einzige, was die deutsche Sprache allerdings so schön macht, ist, dass es wirklich für ALLES einen Begriff gibt. Diese Vielfalt und Genauigkeit im Vokabular sollte beibehalten werden, aber ob das nun auf deutsch, bulgarisch, dänisch oder spanisch ist, wäre mir ziemlich egal.
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27.06.2008 23:51 Uhr von Totes_Fleisch
 
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naja: deutsch ist eine der weit entwickeltesten sprachen der erde, in der man wirklich so ziemlich alles ausdrücken kann und zwar genauso wie man es auch ausdrücken möchte. dennoch halte ich anglizismen für richtig, weil sie unsere sprache erweitern.

wenn es nach mir ginge, würden wir alle nur noch eine sprache sprechen, um die verständigung der völker voranzutreiben, doch die englische ist es nicht, weil ihr vokabular einfach zu klein ist. es würden viele interpretationsweisen verloren gehen.
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28.06.2008 01:05 Uhr von gaudete
 
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@Alt-Lutheraner: insofern ist "Handy" eine neue deutsche Wortkreation und das beste Beispiel dafür, dass sich Sprache weiterentwickelt.
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28.06.2008 14:22 Uhr von Johnny Cash
 
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Als: englischsprachiger Ausländer in Deutschland bin ich manchmal über die angeblich US-englischen Wortkreationen schockiert. Besonders im elektronischen Bereich. Ansonsten habe ich bislang keine (erwachsenen) Bürger getroffen die annähernd solch eine Wortwahl nutzen. Was wollte ich damit ausdrücken? Eigentlich ist alles in Ordnung.

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