30.05.08 12:29 Uhr
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Die Zahl der Suizide amerikanischer Soldaten steigt an

Die statistische Erfassung von Selbstmorden bei amerikanischen Soldaten begann 1980. Jetzt ist ein vorläufiger Höhepunkt erreicht worden. Im Jahr 2007 starben 115 Soldaten durch eigene Hand, beinahe tausend unternahmen den Versuch, sich umzubringen, so die US-Army.

Dass der Rekord lange hält, ist nicht anzunehmen, denn die Tendenz zeige nach oben. Die langen und häufigen Einsätze bedeuten für die Soldaten zwar Stress, so Vertreter der Army. Das heiße aber nicht, dass vermehrte Einsätze und die steigende Zahl der Selbstmorde zusammenhingen.

Die Tatsache, dass in zwei von fünf Fällen die Soldaten sich direkt nach der Heimkehr von einem Einsatz das Leben nahmen lässt jedoch anderes vermuten. Präsidentenbewerber Obama bezeichnet die Suizide als "Preis des Irakkrieges". Army-Oberst Elspeth Ritchie sprach von hohem Druck "fernab der Heimat".


WebReporter: tomeck
Rubrik:   Brennpunkte
Schlagworte: Soldat, Zahl, Suizid
Quelle: www.spiegel.de

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11 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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30.05.2008 13:14 Uhr von Cheshire
 
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zusammenhang? "Die Tatsache, dass in zwei von fünf Fällen die Soldaten sich direkt nach der Heimkehr von einem Einsatz das Leben nahmen lässt jedoch anderes vermuten."

hmm also in 40% der fälle trifft etwas zu und trotzdem wird es als begründung für eine theorie herbeigezogen?
Was ist mit den anderen 60% der Soldaten die sich das leben genommen haben? Vielleicht hatten sie alle Geldschulden, dann würde die Theorie, daß eine schlechte Besoldung die Suizide ausgelöst hat wesendlich wahrscheinlicher sein als die Theorie daß es mit den Kampfeinsätzen zusammenhängt...
Ich möchte die Möglichkeit hiermit nicht ausschließen, daß es an den Kampfeinsätzen liegt - der psychische Streß dieser Einsätze ist ja hinreichend bekannt, aber ich wollte mit diesem kleinen Beispiel nur verdeutlichen, daß man aus diesem einen Satz keine Ursachen-theorien entwickeln kann ohne zu wissen was mit den restlichen 3/5 der Soldaten passiert ist... es können Langzeitnachwirkungen vom Einsatz sein, dann passt die Theorie mit den Einsätzen die das Selbstmordrisiko erhöhen, es können aber wie eben gezeigt auch andere Gründe sein die diese Theorie dann komplett ausschließen
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30.05.2008 13:26 Uhr von Jimyp
 
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Und in Russland stirbt jedes Jahr fast ein Bataillon durch Selbstmord weg und das ohne Kriegseinsatz!
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30.05.2008 13:52 Uhr von Noseman
 
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@ Cheshire: Angenommen, 5% aller Stehpinkler pinkeln daneben.
Und 6 % besoffene Stehpinkler pinkeln daneben.

DANN kann man keine Theorie draus bauen, dass Alkohol zum danebenpinkeln führt, weil der Unterschied nicht signifikant ist. Das eine einzige %chen kann auch ein Messfehler oder Zufall sein.

Im hier vorliegenden Fall ist der Unterschied aber signifikant.
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30.05.2008 14:17 Uhr von Schwertträger
 
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@noseman: Naja, dass sie ihre Theorie ausgerechnet auf die 40% stützen, hat mich auch befremdet.

Ich hätte aus den 40% eher auf gewaltige Misslage bei der Wiedereingliederung geschlossen, deswegen aber trotzdem wegen der 60% anderen Prozent nach einer evtl. für alle gültigen und belegbaren Theorie gesucht.
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30.05.2008 14:29 Uhr von Noseman
 
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Die anderen 60% sind egal: Man kann aber vergleichbares vergleichen:

Wenn sich 40% aller Selbstmörder, die von einem langen Bohrinsel- oder Antarktisaufenthalt direkt nach der Wiederkehr selbst abmurksen wurden, DANN könnte man annehmen, dass es nur, wie Army-Oberst Elspeth Ritchie sagt, an der "Heimatferne" liegt.
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30.05.2008 14:38 Uhr von makabere_makkaroni
 
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Da sieht man mal, was Krieg aus Menschen macht: Er entmenschlicht alle Beteiligten und nimmt ihnen ihre Würde, egal, auf welcher Seite sie auch immer stehen mögen.
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30.05.2008 15:14 Uhr von Bleifuss88
 
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Das ganze zeigt, dass die psychische Ausbildung der soldaten mehr als zu wünschen übrig lässt. Es ist halt nicht einfach damit getan, sie aufs Kämpfen vorzubereiten. In unserer Zivilisation sind wir Grausamkeiten an Menschen nicht mehr gewöhnt. Das war bis zum Industriezeitalter noch anders. Bis in die frühe Neuzeit hinein wurden die Menschen psychisch "abgehärtet", sei es durch öffentliche Hinrichtungen, Auspeitschung von Leibeigenen oder Hexenwahnsinn. Da es heute sowas nicht mehr gibt muss es für den zivilisierten Menschen ein regelrechter Schock sein, wenn zum ersten Mal in seinem Leben einen Menschen in Stücke fliegen oder bei lebendigem Leibe verbrennen sieht.

Und das haben sämtliche armeen der welt bis heute noch nicht begriffen. Es findet einfach keine psychische Vorbereitung auf solche Einsätze statt.
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30.05.2008 15:27 Uhr von Noseman
 
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@Bleifuss88: Ach, das man keine psychischen Probleme nach traumatischen Erlebnisse bekommt, ist also Deiner Ansicht nach dadurch vorzubeugen, indem man sich möglichst vieler solcher Erlebnisse aussetzen sollte?

Ich persönlich bin froh, dass heutige Soldaten (meistens) noch nicht so abgestumpft sind wie Landsknechte im 30jährigen Krieg oder wie im Rußlandfeldzug (auf beiden Seiten).
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30.05.2008 15:34 Uhr von Jimyp
 
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@CALCULATOR: Das Problem in Russland sind die eigenen Soldaten. Dort werden junge Soldaten von den Dienstälteren misshandelt und gequält und deshalb begehen viele von ihnen Selbstmord. Kam gestern in den Nachrichten!
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30.05.2008 15:42 Uhr von Schwertträger
 
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@noseman: Eben! Dann KÖNNTE man annehmen, dass es bei den 40% an der Heimatferne gelegen hat.
Bringen sich aber die anderen 60% auf der Bohrinsel selber um, dann könnte man noch viel eher annehmen, dass es an der Heimatferne liegt!

Es wäre also im Interesse der nächstjähigen 100%, erstmal die Ursachen für die 60% zu untersuchen.

Es könnte natürlich sein, dass 60% sich wegen der Heimatferne umbringen (die auf der Insel) und 40%, weil sich die Heimat als so beschissen darstellt, nachdem man erstmal gesehen hat, wie toll so eine Insel ist (die, die sich zuhause umbringen).

Also sind, wenn man den Krieg an sich im Verdacht hat, gerade die 60% nicht egal. Deswegen ist die Fokussierung auf die 40% in der News unlogisch. :-)
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30.05.2008 15:49 Uhr von Schwertträger
 
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Was Bleifuss88 sagen wollte ist, dass niemand die Soldaten auf die Banalität des Alltags vorbereitet.
Wenn man letzte Woche noch um sein Leben rennen und den Kopf unten halten musste, um nicht in die Bahn einer Kugel zu kommen, ist es schrecklich irreal, plötzlich im Supermarkt die Preise für Gemüse vergleichen zu müssen.

Wenn man eben noch beinahe gestorben wäre, ist der ganze Rest im Leben plötzlich sowas von scheissegal.
Und alle, die um einen herum sind, sind keine Soldaten und verstehen nich tmla 2% von dem, was man sagt oder empfindet, sondern sind - vergleichsweise - schrecklich hohl bzw. oberflächlich. Sie könne sich z.B. ´ne halbe Stunde mit Gemüsepreisen beschäftigen.

Das Problem kennt man auch hier in Deutschland.
Und sehen kann man es der filmliebende Durchschnittsbürger auch. Der Film heisst "Das Wunder von Bern" und die entscheidende Szene ist die mit dem Geld, das der Junge ausgibt.

Abgestumpftheit gegen Brutalität ist also nicht unbedingt das Problem, eher Abgestumpftsein gegenüber dem Leben in seiner banalen Vielfalt.

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