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Lichterketten in Mügeln

Nachdem in Mügeln vor ein paar Tagen Inder durch den Ort gejagt worden warem, fand jetzt eine Kundgebung gegen den Fremdenhass statt.

Pfarrer Stephan Israel organisierte eine Veranstaltung gegen den Fremdenhass, zu der sich 250 Menschen einfanden.

Der Bürgermeister von Mügeln verwahrte sich anlässlich dieser Aktion gegen die seiner Meinung nach "Berichte der kollektiven Ausländerfeindlichkeit". Die Kundgebung wurde mit einer Lichterkette beendet, die sich durch den Ort zog.


WebReporter: christi244
Rubrik:   Politik
Schlagworte: Licht, Lichter
Quelle: www.20min.ch

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32 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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26.08.2007 09:58 Uhr von christi244
 
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Es ist nicht zu fassen, welche Stilblüten der Schwachsinn entwickelt. Ein Pastor, der zum Miteinander aufruft, ein Bürgermeister, dem scheinbar jeglicher Instinkt zur Realität fehlt, gefolgt von den üblichen Lichterketten zur Gewissensberuhigung ... bis zum nächsten Geschehnis dieser Art.
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26.08.2007 10:48 Uhr von prinz112
 
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der: bürgermeister hat se auch nicht alle.was will er eigendlich abstreiten ?die ausländerfeindlichkeit? lächerlich !!!
verstehn kann ich,wenn er vehement bestreitet in seiner stadt seien alle rechtsradikal.waren ja wohl auch nicht alle auf dem fest.
und wenn ich schon lichterkette lese,sträubt sich mir das nackenhaar,als ob das was ändern würde.wo hab ich die eigendlich das erste mal gesehn ? hm,mölm oder solingen.
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26.08.2007 10:59 Uhr von Lonni
 
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.» Möglicherweise werde der Fall Mügeln «einen etwas anderen Verlauf nehmen». Die Einleitung von Ermittlungen gegen einige Inder müsse ebenfalls geprüft werden, sagt ein Polizeibeamter.

Focus
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26.08.2007 11:23 Uhr von christi244
 
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Prinz: Da wären wir wieder! ;-) Und, ich stimme Dir sogar zu! Rostock haben wir vergessen zu erwähnen!

Ebenso die sich im Osten befindlichen No-Gos. Ich wüsste nicht, dass wir derartige Stellen hier hätten. Selbst meine Frage nach der umgekehrten Version in FRA blieb bis dato unbeantwortet. Ansehen würde ich mir dies nämlich gerne im realen Leben.

Hier mal kurz die Urteile zu der Sache:

>Am 13. Oktober wurden im Solingen-Prozeß die Urteile gesprochen. Nach eineinhalb Jahren Verhandlung wurden alle vier Angeklagten des fünffachen Mordes, des vierzehnfachen Mordversuchs und der besonders schweren Brandstiftung für schuldig befunden. Markus Gartmann, der als einziger nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurde, bekam fünfzehn Jahre, Sein Geständnis, aufgrund dessen die Tat aufgeklärt werden konnte, hat man ihm als Milderungsgrund angerechnet, auch wenn er es nach zwei Jahren "aus prozeßtaktischen Gründen" widerrufen hat. Der zur Tatzeit sechzehnjährige Felix K., der siebzehnjährige Christian R. und der zwanzigjährige Christian B. erhielten nach Jugendstrafrecht die Höchststrafe von zehn Jahren.<

Wie lauteten eigentlich die Urteile in Hoyerswerda? Rostock und was sonst noch da so war?

Hier das Urteil zu Lichtenhagen:

>Das Landgericht Schwerin verhängte gegen drei Täter Bewährungsstrafen zwischen 12 und 18 Monaten. < ;-)

>Bei der Strafbemessung müsse jedoch die lange Zeit zwischen der Tat und dem Prozessbeginn Ende 2001 berücksichtigt werden, sagte Richter Heydorn. Alle drei Männer seien zwar auch nach Lichtenhagen mehrfach straffällig geworden. Doch sehe das Gericht für alle eine "günstige Sozialprognose". <

Da Du ja gerne googelst ... kannst Du die Urteile herausfinden? Ich krieg das nämlich nicht hin!

Was genau möchtest Du mir nun erzählen?
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26.08.2007 11:26 Uhr von christi244
 
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Eben Lonni: Allein diese Ankündigung macht mich bereits skeptisch. Zumal Untersuchungen immer mehrere mögliche Ergebnisse beinhalten ... hier aber liegt der Schwerpunkt bereits auf der Vorankündigung in sich. Von daher gehe ich einfach davon aus, dass hier rigide Kontrollinstanzen geschaltet werden müssen.
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26.08.2007 11:38 Uhr von Thunaer
 
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Sinnlose Heuchelei: Klasse eine Lichterkette, die bringt aber auch kein Licht ins Dunkel der Ereignisse. Scheint auch nicht viele Schäfchen zu haben der Pfarrer.
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26.08.2007 11:46 Uhr von christi244
 
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Logo ist es: Heuchelei. Auf die Untersuchung bin ich mehr als gespannt ... . Allerdings Ergebnisse dürften dann wohl eher auf Seite 13 in einem Dreizahler bekannt gegeben werden ... es sei denn ... die Untersucher finden einen Weg, den Indern etwas unterzujubeln und den Umstand der Notwehr in Angriff umzukehren.
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26.08.2007 12:24 Uhr von Lonni
 
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Für die einseitig denkenden…: [edit,schonvergeben]
Sicher werden wieder viele schreien. „Alles untergejubelt“

Aber allein die Zahlen vom BKA sollten reichen, sich ein ausgewogenes Bild zu machen…
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26.08.2007 12:27 Uhr von zenluftikus
 
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@christie244: du warst anscheinend dabei und weisst genau wer angefangen hat oder? Scheint mir zumidnest so - wenn die Inder wirklich angegriffen haben wird das garantiert niergends zu lesen sein bzw. auf der vorletzen Seite unter Vermischtes. Darauf kannst du einen lassen!
Schließlich war ja 5 Minuten nach den Geschehnissen schon in allen Medien klar wer was gemacht hat.
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26.08.2007 12:32 Uhr von christi244
 
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Nö Lonni: hier wird nicht geschrien! ;-)

Aber was genau hat dies nun mit Mügeln zu tun?

Für diese Erklärung wäre ich Dir jetzt dankbar. Hierzu im Nachgang ein Link vom Spiegel:

http://www.spiegel.de/...

Abgesehen vom Medienrummel allerdings, dürfte es wohl unstreitig sein, dass sich das Thema Gewalt auf Ausländer gerade in Neufünfland sehr gut hält. Und unstreitig dürfte auch sein, dass die Urteilsfähigkeit der Ost-Justiz wohl eher eingeschränkt ist in derartigen Geschichten. Siehe Rostock, siehe sehr wahrscheinlich Hoyerswerda, wo es mir nicht machbar war, Urteile zu finden.

Und die Reaktionen auf Mügeln aus Neufünfland sind könnten im Grunde auch schon richtungsweisend sein, da der Fokus wohl eher dort liegt, den Indern etwas nachzuweisen, anstatt rigide durchzugreifen.
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26.08.2007 12:37 Uhr von christi244
 
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Nö Luftikus: ich muss auch nicht dabei gewesen sein ... derartige Verhaltensweisen scheinen in Neufünfland auf tradierten Werten zu beruhen: Hoyerswerda, Rostock und was immer noch dort war. Beifallklatschende Zuschauer rundeten dann das Bild ab. Fast könnte man bereits vom Gesetz der Serie sprechen.

Gewalttaten gegen irgendwen passieren jeden Tag. Keine Frage. Was mich aber skeptisch werden läßt ist mehr der Umstand derartiger Vorankündigungen von Ermittlern und bereits im Vorfeld die Reaktionen des anwesenden Publikums.
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26.08.2007 12:42 Uhr von Lonni
 
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@christi244: Ich weiß, ich weiß. So ein gemeiner Link passt nicht in die heile Traumwelt. :))
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26.08.2007 12:45 Uhr von prinz112
 
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244: da stellt sich mir nur die frage wieviel tode es in den orten gegeben hat,die du netter weise aufgezählt hast.
das rechtssysthem hat in mölm und solingen und ebenso in den von dir aufgezählten orten gegriffen.
hm,aber ich bin auf das urteil gespannt(so es zum prozess kommen sollte)wo die jugendlichen türkischer herkunft,deutsche schweine aufschlitzen wollten und auch mit 50 leuten einen laden stürmen wollten.
aber sicher hast du den link übersehn,passt nicht ganz in deine betrachtunsweise. oder?
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26.08.2007 12:53 Uhr von Eva Maier
 
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Alles Show: In- und Ausländer in Gruppen sind beiweitem nicht so harmlos und wenn erstmal mit zerbrochenen Flaschen hantiert wird dann spielt die Nationalität wohl keine Rolle mehr.- Höchstens für die die sich dran aufgeilen.
Im übrigen ist der Ausländeranteil in D inzwischen so Gross dass es keine rein Deutschen Schlägereien mehr gibt.
Wie man in einem anderen Thread lesen darf sind die Inder etwas andere Kaliber gewöhnt, wenns im eigenen Land zur Sache geht.
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26.08.2007 13:00 Uhr von Thunaer
 
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@Eva Maier: Stimmt bei 2% Ausländeranteil in Sachsen wird es langsam schwierig Deutsche zu finden.
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26.08.2007 13:14 Uhr von Eva Maier
 
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@Thunaer: Sollest evtl. berücksichtigen, dass der dort ansässige Inder mit seiner Pizzaia unbeschadet gute Geschäfte machen kann, drum zweifle ich die Geschichte so wie sie dargestellt wird an. Was ich nicht bezweifle ist, dass es in manchen Landstrichen etwas schneller zu übergriffen kommt.
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26.08.2007 16:43 Uhr von STARDUST_II
 
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Bei dem Wetter gehe ich auch vor die Tür. "Der Bürgermeister von Mügeln verwahrte sich anlässlich dieser Aktion gegen die seiner Meinung nach "Berichte der kollektiven Ausländerfeindlichkeit"."
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26.08.2007 17:06 Uhr von ElChefo
 
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nun frage ich mich wo bleibt in diesem liberalen, freien und demokratischen land der aufschrei, wenn es mal nicht um einen "braunen sumpf", eine "national befreite zone" oder um "asylantenklatschen" geht? sondern um die gegenseite? um den dortmunder nordmarkt? das ehemalige kölner kalifat? diese "gewissen gegenden" in berlin? diese orte, die ganz und gar nicht ghettoisiert werden und wo sich kein deutscher hinwagen sollte, sei es auch, das es mitten in deutschland ist? aber,... stimmt... es gibt ja keine no-go-areas. nirgendwo. für niemanden. schöne neue welt.
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26.08.2007 17:39 Uhr von kl_kobold
 
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Ich glaub es nicht: Ohne wirklich zu wissen was vorgefallen ist, wird ein gesamtes Dorf als rechts abgestempelt. Und in kürzerster Zeit zieht der schwarze Block durch das Dorf und beschimpft die Einwohner.... Bin nur mal gespannt was wirklich rauskommt... Armes deutsches Volk
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26.08.2007 17:44 Uhr von christi244
 
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Chefo: Was genau soll am Nordmarkt in Dorti passieren?

Ich war schon öfter dort ... und ich lebe noch! ;-) Und in der Nähe des Nordmarktes in Dorti wohnen Freunde von mir (Deutsche) und die sind auch wohlauf. Genauso gut könntest Du sagen Düsseldorf Kölner Str., in deren Nähe ich seit Jahren lebe.
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26.08.2007 17:56 Uhr von christi244
 
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Oh ja Chefo: Kalif von Köln, Ich erinnere mich! Die Peinlichkeit in dieser Geschichte lag ja nun wirklich wohl bei den deutschen Behörden, die niemals zugriffen.

Es geht hier nicht darum, dass straffällig gewordene Ausländer abgeschoben werden sollten, was aber im Rahmen der EU-Erweiterung eh für die Wurst wäre, da heute raus und morgen wieder hier, sondern es geht um das Austoben von Frustrationen an Minderheiten.

Und es geht darum, dass hier Leute von Überfremdung quatschen, die aufgrund ihrer geographischen Lage kaum wirklich mit Ausländern konfrontiert werden und niemals konfrontiert wurden.

Wie schon erwähnt, Dorti Nordmarkt und Umgebung ist mir sehr wohl ein Begriff. Hast Du sonst noch Adressen zu bieten, die als No-Go für Deutsche gewertet werden könnten hier in unserer Nähe?
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26.08.2007 19:07 Uhr von grabenkämpfer
 
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Lonni: ja so ist es ,die Angreifer waren nicht die Deutschen.
Mal sehen was nach den Falschinfos nun rauskommt.
Auf jeden Fall hat der Bürgermeister Rückrad und kippt trotz
massiefer nichtgerechtfertiger Besserwisserei und Bedrohung ,nicht um.
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26.08.2007 19:27 Uhr von christi244
 
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Primera: Sorry, dass ich erst so spät komme.

Über die Qualität der deutschen Medien mag ich mich nicht weiter äußern. ;-) Meine Meinung dazu dürftest Du eh kennen.

Die Medien- und die Polithetze spielt ihnen in der Tat so oder so in die Hände. Unabhängig davon, gegen wen es geht.

Was glaubst Du, durch wessen Hilfe derartige Exzesse erst wirklich entstehen?
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26.08.2007 20:48 Uhr von christi244
 
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Dies zum Thema "friedfertiges" Mügeln ;-) - 1: Interview aus der "Zeit" mit einer Afro-Deutschen:

http://www.zeit.de/...

Rassismus gibt es überall"

Manuela Ritz ist Schwarze und in Mügeln aufgewachsen. Aus ihren Erfahrungen hat sie einen Beruf gemacht: sie ist Antirassismus-Trainerin. Ein Interview.

ZEIT online: Wie lange haben Sie in Mügeln gelebt?

Manuela Ritz: Bis 1989, bis ich neunzehn war. Ich fahr ab und zu noch hin, weil meine Mutter dort lebt. Ich habe allerdings überlegt, wie lange ich das noch tun werde. Denn ich kenne die Atmosphäre dort, die war nie von wahnsinniger Offenheit gegenüber Leuten geprägt, die nicht blond und blauäugig sind. Es mag schon sein, dass es keine rechtsradikale Szene gibt, wie der Bürgermeister sagt, das kann ich nicht beurteilen. Ich weiß aber, wie ich angeschaut wurde und werde und was für Sprüche fallen, wenn ich durch die Straßen gehe.

ZEIT online: Gibt es Rassismus in Mügeln?

Ritz: Es gibt Rassismus in Deutschland. Schon der Umgang mit den Worten zeigt das Problem. Wenn man von Rechtsradikalismus spricht, kann man sich zurücklehnen und sagen, es geht nur um fünfzig Leute, die wahnsinnig sind. Wenn man dagegen von Rassismus spricht, muss sich jeder selbst anschauen, muss nachdenken, mit welchen Vorurteilen er durch die Gegend läuft. Dass das Wort so vermieden wird, liegt daran, dass es dabei um alle geht. Das ist der Kern des Problems. Tendenziell auch bei jenen, die sich gar nicht für rassistisch halten, trotzdem aber Bilder und Sprüche im Kopf haben, die in diese Richtung gehen.

ZEIT online: Wie äußert er sich?

Ritz: Das ist eine Frage der Perspektive. Ich kann mir vorstellen, dass Bürgermeister Gotthard Deuse sagt, es gibt keinen Rassismus in Mügeln – er bekommt ihn ja nicht ab. Rassismus ist ja nicht nur, Inder durch die Straße zu jagen. Sondern Rassismus ist auch das, was subtil über Blicke, Sprüche oder allein schon durch die Art, mich anzusprechen transportiert wird. Eben nicht in klarem Deutsch sondern so, als könnte ich nicht bis drei zählen. Bis hin zu Äußerungen wie: Geh’ Dich mal waschen, Du bist dreckig. Das habe ich als Kind gehört und das hören meine Kinder noch immer.
Was mir zeigt, dass sich die Einstellung in diesem Land nicht geändert hat, egal in welcher Stadt. Es wird immer noch so getan, als wäre deutsch gleich weiß. Und wer asiatisch oder indisch aussieht, gehört nicht hier her. Und wird wegen seines Aussehens kriminalisiert. Das ist makaber, wenn man bedenkt, das zum Beispiel Schwarze seit dem 15. oder 16. Jahrhundert hier leben.

ZEIT online: Was sind die Ursachen von Rassismus?

Ritz: Ich finde es sehr verwunderlich, wenn ich in Hauptschulen arbeite und sehe, wie viele Migrantenkinder dort sind. Ich kann nicht glauben, dass die „dümmer“ sind. Es hat viel mehr etwas mit dem System zu tun, wenn ihr Anteil an Hauptschulen so viel höher ist als an Gymnasien. Nämlich damit, was ich ihnen unterstelle, was sie alles nicht können. Das ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Wenn ich jemanden ständig erzähle, was er nicht kann, kann er das irgendwann auch nicht mehr.
Das hat eine sehr lange Tradition. Nicht reflektiertes Gedankengut wird in den Familien immer weitergetragen, von Generation zu Generation. Und wenn man sich nie mit seiner Geschichte auseinandersetzt und nicht versteht, wie geprägt man ist von solchen historischen Denkweisen, dann verwahrt man sich natürlich auch ganz schnell gegen den Vorwurf, rassistisch zu sein.

ZEIT online: Viele Mügelner sagen, sie seien nicht rassistisch, sie würden ja auch beim türkischen Dönerstand und dem vietnamesischen Blumenladen einkaufen.

Ritz: Meine Mutter hat mich nach dem Vorfall angerufen und sagte als ersten Satz wörtlich: Wir werden berühmt. Das fand ich sehr erschreckend. Aber es ist auch bezeichnend. Sie erleben ihren Rassismus ja nicht selbst. Sie haben nur dabei gestanden. Abbekommen haben es die Inder, die da um ihr Leben rannten. Und manche beklagen jetzt sogar, dass Mügeln in Misskredit gezogen wird. Das ist makaber, sich selbst in den Fokus zu stellen, sich zu bemitleiden, dass „es“ passiert ist.

ZEIT online: Aber Ihre Mutter muss doch solche Erfahrungen selbst gemacht haben, als sie mit ihnen als Kind durch die Straßen ging?

Ritz: Ich habe sie das mal gefragt und sie sagte darauf, so schlimm sei das alles nicht gewesen. Ihre Strategie war, nicht hinhören, weitergehen und denken, die sind doof. Der Mechanismus dahinter ist im ganzen Ort zu beobachten, dieses "es geht schon vorbei". Irgendwann sind die Journalisten wieder weg und dann geht alles wieder seinen geregelten Gang. Da schließt sich für mich auch der Kreis. Das ist möglich, wenn man sagt, es waren nur ein paar Rechtsradikale. Dann kann man schnell zur Tagesordnung übergehen. Wenn man das darüber liegende Thema Rassismus ansprechen würde, ging das so schnell nicht. Dann müsste man sich damit auseinandersetzen und zugeben, bei uns gibt es Rassismus, wir sind vielleicht selbst rassistisch.
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26.08.2007 20:49 Uhr von christi244
 
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Friedfertiges Mügeln - 2: Es geht um eine Auseinandersetzung mit mir selbst. Ich muss für mich selbst klären, ob ich rassistisches Gedankengut habe und wie ich es loswerden kann. Darum geht es auch bei den Workshops, die ich leite: den Menschen zu zeigen, was alles in ihnen ist. Dann können sie entscheiden, was sie damit tun wollen. Wenn man nicht hinschauen will, kann man nichts gegen Rassismus tun. Man muss sich den Dingen stellen, die man selber denkt.

ZEIT online: Nach solchen Vorfällen wird schnell mehr Zivilcourage gefordert. Hilft es, couragierter zu sein?

Ritz: Ich frage mich, wieso es immer Zuschauer geben muss, wenn ein paar Leute zuschlagen. Wenn ich allein Zuschauerin wäre von fünfzehn Männern, würde ich auf Zivilcourage pfeifen. Aber wenn das Verhältnis so ist, wie es in Mügeln war, wundere ich mich, warum niemand etwas tut. Für mich beantwortet es die Frage, ob es in Deutschland Rassismus gibt: Das Zuschauen und Nichtstun ist ein stilles Bekenntnis, dass es ok ist, was dort passiert. Man macht nichts, um deutlich zu machen, das ist nicht in Ordnung.

ZEIT online: Ich hatte bei vielen Mügelnern, mit denen ich sprach, den Eindruck, dass es sie nicht interessiert, ob unter ihnen Rechte sind.

Ritz: Vor fünf Jahren, beim letzten Klassentreffen in Mügeln, bei dem ich war, gab es Gerüchte, dass in der Region zunehmend rechtsradikale Tendenzen existieren. Ich fragte den Direktor meiner ehemaligen Schule, ob ich Antirassismus-Workshops an der Schule anbieten solle. Er hat mich mit großen Augen angeschaut und mich gefragt: wozu? Es gebe zwar ein paar Verwirrte, aber man müsse wegen denen doch nicht so einen Aufstand machen.

ZEIT online: Können solche Workshops überhaupt etwas ändern?

Ritz: Man kann nur den Menschen etwas beibringen, die auch etwas lernen wollen. Bei meinen Trainings gibt es immer wieder Leute, die genauso rausgehen, wie sie reingekommen sind. Aber die, die hinschauen wollen, können hinterher nicht mehr sagen, Rassismus gibt es nicht. Manche kann man damit erreichen.

ZEIT online: Muss man Mügeln (und Deutschland) aufgeben?

Ritz: Nein. Das wäre überhaupt keine Lösung. Es existiert nur eben nicht der große Wurf. Kein schickes Parteiprogramm und keine Lichterkette können auf ein Mal alles ändern. Sondern es ist die Arbeit im Kleinen. Die kann zumindest bei einzelnen Menschen Veränderungen bringen.

ZEIT online: Rufen sie ihren Direktor noch einmal an?

Ritz: Das habe ich vor.

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