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Architekt gewinnt Rechtsstreit um Berliner Hauptbahnhof

Im Prozess um die Gestaltung des Berliner Hauptbahnhofs konnte sich der Architekt Meinhard von Gerkan gegen die Deutsche Bahn AG durchsetzen. Der Architekt hatte Klage eingereicht, da die Zwischendecke nicht seinen Plänen entsprechend gebaut wurde.

In der Verhandlung vor dem Berliner Landgericht wurde der Bahnhof als Kunstwerk eingestuft und die Abweichungen beim Bau als Entstellung und Verstoß gegen das Urheberrecht eingestuft.

Sollte die angekündigte Berufung keinen Erfolg haben, so rechnet die Bahn mit Umbaukosten in Höhe von 40 Millionen Euro.


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WebReporter: chithanh
Rubrik:   Kultur
Schlagworte: Berlin, Recht, Rechtsstreit, Hauptbahnhof, Architekt
Quelle: www.spiegel.de

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33 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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28.11.2006 20:15 Uhr von chithanh
 
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Leid Tragender dieses Rechtsstreits ist mal wieder der Bahnkunde, der den Umbau über die Fahrpreise zahlen muss. Dass das Urheberrecht den Künstler vor der Entstellung seines Werks schützt, kommt für die Bahn wohl überraschend. Wenn man von vorn herein keine Gewölbedecke haben will, dann sollte man sich einen Architektenentwurf ohne aussuchen.
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28.11.2006 21:19 Uhr von ishn
 
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So ein Quatsch Und selbst wenn dieser Bau als "Kunstwerk" eingestuft ist bestimmt immer noch der , der bezahlt und wem das Ding gehört und nicht der Typ der das mal irgendwann gezeichnet hat. Urheberrecht wenn ich das schon höre. Was kommt als nächstes ? Werde ich von der Plattenindustrie verklagt wenn ich im Booklet die die besten Stellen ankreuze oder auf dem Cover rummale ?
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28.11.2006 22:06 Uhr von torix
 
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Wie bescheuert ist dass denn? Der Typ hat ne Stange Kohle bekommen, der darf überhaupt keine Rechte mehr daran haben. Baste. Scheiß Urheberrecht.

Hätte die Bahn den Bahnhof mal lieber via eMule runtergeladen :D
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28.11.2006 22:17 Uhr von Extr3m3r
 
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Uihh da überlege ich mir es aber nochmals, ein kunstgeschmiedeten Zaun aufstellen zu lassen.
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28.11.2006 23:26 Uhr von Spieder
 
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Glaubt mans? Was mich ja wundert, was hat denn der Architekt nun genau davon wenn sie das Ding umbaun?
Ist doch total bescheuert sowas!!!
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28.11.2006 23:46 Uhr von iggivi
 
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typisch: das ist doch wieder mal typisch deutsche bahn. und wer darf dann den bahnhofumbau finanzieren????
na die fahrgäste natürlich.

find ich unter aller sau! die hauptsache ist doch das der sinn und zweck erfüllt ist und das dach niemandem auf den kopf fällt!
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29.11.2006 07:24 Uhr von XrayFF
 
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Die Rechtsprechung: in Deutschland wird immer merkwürdiger.
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29.11.2006 07:58 Uhr von MannisstderBlond
 
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hallo iggivi: >>das ist doch wieder mal typisch deutsche bahn. <<
Versehe ich nicht! Die Bahn wollte doch gerade Geld sparen und hat deswegen auf die teurere Gewölbedecke verzichtet.

Das ist eher typisch schmollender Möchtegern Künstler.
Als Architekt sollte man dem Kunden verpflichtet sein und nicht der Kunde dem Architekten!

Hier sorgen die Gerichte mal wieder dafür das der Bürger für deren unverständliche Urteile zahlen darf.
Dafür lassen sie sich dann von anderen Angeklagten (vorausichtlich) für 5.8 Millionen kaufen siehe Mannesmannprozess!

mfg
MidB
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29.11.2006 08:37 Uhr von Rhicey
 
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Die Schuldigen sind doch die Manager der bahn, die erst einen Architekten engagieren, dann seinen Gesamtentwurf absegnen, und dann hinterrücks ohne jede Rücksprache eine fremde Firma mit einer anderen - im übrigen auch zu kurzen - Bauweise beauftragen.

Sicher, das wird letztlich vom normalen Bahnkunden bezahlt werden müssen. Finde ich auch bescheuert. Aber wer hier Mist gebaut hat, sind die Manager bei der BAHN und nicht der Architekt.

Trotzdem wollen wir mal nicht sooo streng sein - eine ordentliche Gehaltserhöhung haben sie bestimmt trotzdem verdient, die Herren Mehdorn und Co... *würg*
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29.11.2006 10:35 Uhr von zenon
 
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Klappts noch? Der Bau mag ein Kunstwerk sein - dennoch muß man dann wohl auf eine Entschädigung in Höhe von einer 6 stelligen Eurosumme entscheiden.
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29.11.2006 11:24 Uhr von Mi-Ka
 
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Ja ja, wieder mal die Architekten: Was für ein Blödsinn.
Wenn ich was gekauft habe, hier der Plan, dann darf ich damit auch machen was ich will, solange ich den Plan nicht weiterverkaufe.

Hoffentlich regelt das der Markt und der Möchtegernkünstler Meinhard von Gerkan bekommt keine Aufträge mehr.
Ich als Auftragsgeber würde schon ein Wörtchen mitreden können.
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29.11.2006 11:42 Uhr von Danielka
 
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die sollen den lieber verklagen wegen idiotischen Entwürfen....
die hätten das lieber anders regeln sollen, dass man nicht zwei/drei Mal den Lift wechseln muss, wenn man von ganz unten, nach ganz oben fahren will/muss....
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29.11.2006 13:26 Uhr von Tasko
 
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Bahn selbst schuld? Normalerweise sollten bei solchen Aufträgen ALLE Rechte an den Auftraggeber übergehen. Hat die Bahn da bei der Vertragsverhandlung Mist gebaut?
Ich würde auch in Berufung gehen und den ganzen Scheiß richtig breittreten, damit sich hoffentlich niemand mehr mit diesem "Künstler" abgibt.
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29.11.2006 14:02 Uhr von amtrak
 
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Nicht ungewöhnlich: bei Grpßprojekten, aber für mich unverständlich.
In unserer Stadt hat ein Architekt 99 Jahre Urheberrecht auf den Bau des Stadttheaters bekommen (ist ein hässlicher Betonbau). Nun muss die Verwaltung des Theaters fragen, ob sie die Farbe des Teppichs wechseln darf (was natürlich eine gewisse, horrende Bearbeitungsgebühr seitens der Nachkommen des Architekten nach sich zieht) -- und -- noch besser -- ob sie denn ein Fenster austauschen darf, das einen Sprung hat.
Ist doch pervers - oder ?

Grüße
amtrak
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29.11.2006 17:18 Uhr von swald
 
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amtrak: Ich nehme an du meinst das theater in Darmstadt?

Der Architekt müsste meiner Meinung nach Schmezensgeld an die Passanten zahlen...
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29.11.2006 21:54 Uhr von chithanh
 
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@ishn,torix,XrayFF,Mi-Ka: Die Bahn hat mit dem Architekten eine Vereinbarung getroffen und muss sich auch daran und an geltendes Urheberrecht halten. Wenn die Bahn einen Zweckbau will, dann soll sie auch einen solchen in Auftrag geben.
Der Architekt war in dieser Frage übrigens durchaus verhandlungsbereit, ganz im Gegensatz zur Bahn, die es auf dieses Gerichtsverfahren ankommen lassen wollte.
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29.11.2006 21:57 Uhr von TLeining
 
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Architekt: Also dieses Gebäude wurde ja bei der Eröffnung afaik in Verbindung mit dem Namen des Architekten angepriesen. Und wenn die Bahn versucht, mit dem Namen und dem Werk eben dieses Architekten eine gute PR zu bekommen, dann sollte es auch das gute Recht des Architekten sein, gegen eine Änderung seines Werkes vorzugehen.
Das wunderte mich ja auch bei dem Bauprojekt in NewYork (Freedomtower? wo die Türme des WTC standen), in der Öffentlichkeit wird das als Bauprojekt von diesem ...(Liebkind?) dargestellt, obwohl die gegenwärtigen Pläne gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Plan zu tun haben.

Es ist etwas anderes, wenn ich zu einem Architekten (ich wiederhole mich, oder?) gehe und dem sage ´"ich möchte ein Haus, und das soll so und so sein", oder ob ich sage: " Ich möchte ein Haus das von Ihnen entworfen ist und hinterher, sofern sie damit einverstanden sind, eventuell kleinere Änderungen vornehmen".
Beim ersten bezahl ich dafür ein Gebäude nach meinen Vorstellungen zu bekommen, bei letzterem bezahl ich dafür ein Kunstwerk zu bekommen.
Urteil ist imho gerechtfertigt. (und die Bahnpreise steigen sowieso)
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30.11.2006 11:33 Uhr von maglion
 
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Die Bahn wollte Kunst vom Stararchitekten und damit gibt es auch einige Spielregeln zu beachten. Dass viel das Ganze nicht nachvollziehen können ist mir schon klar.

Aber foolgendes Beispiel macht es etwas verständlicher.

Ein Kunstliebhaber gibt Picasso den Auftrage ein Bild zu malen, auf dem ein Kreis ist. Picasso malt den Kreis und signiert das Bild. Der Käufer bekommt einen echten Picasso, der einen entsprechenden Wert hat und mit dem sich der Künstler identifizieren kann. Jetzt gefällt dem Käufer der Kreis nicht mehr und er malt stümperhaft ein Gesicht in den Kreis. Trotzdem steht das Bild als echter Picasso in der Galerie. Jedem dütfte klar sein, dass Picasso mit so einer stümperhaften Arbeit, die auch noch unter seinem Namen präsentiert wird, nicht einverstanden ist. Die Folge: Das Gemälde muß weg, bzw. die Signatur von Picasso muß entfernt werden und es darf nicht mehr als Picasso ausgestellt werden oder man restauriert das Bild und entfernt den Müll des Hobbykünstlers.

Genau so ist es mit einem echten "Meinhard von Gerkan" Bau. Da man den Bahnhof schlecht entfernen kann und schon überall publiziert wurde, dass es ein "Meinhard von Gerkan" Bau ist, bleibt nur noch die Möglichkeit den Bau zu korrigieren oder sich mit dem "Künstler" zu einigen.

Die Bahn ist selbst Schuld, wenn sie sich nicht an die Spielregeln halten. Sie hätten ja auch einen unbekannten Architekten heranziehen können, der ihnen gewisse Freiheiten lässt.
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30.11.2006 12:30 Uhr von Tasko
 
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Stimmt: Wenn die Typen von der Bahn mit dem Namen des Architekten hausieren, dann sollte der Bau auch dem Willen des Architekten entsprechen.
@maglion: schöner Vergleich
Wenn keiner den Namen mit dem Bau in Verbindung bringt, wäre es IMHO was anderes.
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30.11.2006 13:14 Uhr von zuckagoschal
 
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nun, diese scheisse kostet abermillionen. tragen werden es die kunden der bahn. ich denke doch mal, dass ein auftraggeber eines gebäudes wegen finanzieller engpässe auch mit abstrichen rechnen kann. der auftraggeber muss mit dem gebäude zufrieden sein, nicht der architekt. sicher, wenn es denn die sicherheit beeinflussen würde, dann ist da ein riegel vorzuschieben.

wärs dem architekten lieber gewesen, es wäre aus geldmangel gar nicht gebaut worden? statt dessen ein schuppen? nein, irgendwo muss auch der bauherr ein recht haben, seine wünsche kundzutun. wenn der architekt sich künstlerisch darstellen will, so kann er ja ein eigenes prestigeobjekt bauen, falls er auch die passende kohle dazu hat. nun, ich würde jetzt berufung einlgen, diese sehr lange dehnen und in die länge ziehen. der architeckt sieht nicht so aus, als wenn er noch sehr lange lebt. ein rechtsanspruch dieser art wird ja wohl nicht vererbbar sein.
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30.11.2006 15:13 Uhr von maglion
 
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@zuckagoschal: Du kennst Dich anscheinend nicht bei solchen Dingen aus.

Der Bauherr hat das Sagen, das ist richtig und wenn der Bauherr ein Designer-Prestige-Bau möchte, was ich für einen Bahnhof eh schon als rausgeschmissenes Geld sehe, dann wissen sie sich vorher, auf was sie sich einlassen und unterschreiben Verträge. Kein Menschh hat die Bahn gezwungen den Auftrag an diesen Architekten zu geben.

Genauso ist es doch auch bei anderen Markenprodukten, die sich über ihr Image verkaufen. Ferrari hat auch schon einigen Tunern verboten, auf extrem umgebauten Ferrari, die überhauptnicht dem Image von Ferrari entsprachen, das Ferrari Logo zu verwenden.

Wenn man sich mit einer Marke schücken möchte, dann muß man diese Marke auch respektieren oder eben darauf verzichten.

Der Berliner Hauptbahnhof, ist meiner Meinung nach zum größten Teil Geldverschwendung. Da wollten sich einige hohe Herren ein Denkmal, auf Kosten der Kunden, setzten.
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30.11.2006 15:29 Uhr von Der Erleuchter
 
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Architekten sind nur bedingt Künstler! Während ein Künstler absolut frei in seinem Schaffen ist, muss sich ein Architekt an die technischen Gegebenheiten anpassen und an die Wünsche des Auftraggebers. Das war schon immer so. Man kann das nicht mit Picasso gleichsetzen, denn seine Bilder müssen auch nicht einem Zweck dienen. Während der Planungsphase muss sich der Architekt auch ständig den Wünschen des Auftraggebers unterwerfen. Wenn das nun nach der Vorstellung der Endversion stattfindet, ist das für ihn bedauerlich aber meiner Ansicht nach nicht zu ändern. Die Frage ist auch wer sich hier mit wem profilieren will - die Bahn mit ihm oder er sich mit der Bahn als bedeutendem Kunden? Ich würde noch nicht mal nen Schweinestall von ihm konstruieren lassen.
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30.11.2006 16:20 Uhr von female_didi
 
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PRO Meinhard von Gerkan: Sicher sind Planänderungen an der Tagesordnung Aber die Streichung der geplanten Zwischendecke hat dem Entwurf erheblich geschädigt. Ein Architekt haftet für sein Werk - also kann er auch Ansprüche stellen, dass es nach den Grundsätzen, wie geplant, umgesetzt wird.

Nur schlimm, dass für diesen Schlamassel der Bahn-Kunde zahlen wird und nicht der Bauherr selbst.
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30.11.2006 19:26 Uhr von Der Erleuchter
 
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@ female_didi: Ein Architekt haftet für die Funktion aber nicht für das Aussehen!
Und das ist genau der Punkt (was du ja richtig erkannt hast) warum wir uns alle so aufregen: W I R zahlen für den Schnösel-Architekten sein Ego-Trip!
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01.12.2006 00:19 Uhr von Katatonia
 
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"Banale Zirkusdekoration": Eine ungehaltene Rede

Der neue Berliner Hauptbahnhof ist eines der wichtigsten, besten und zugleich umstrittensten Bauwerke Deutschlands. Architekt Meinhard von Gerkan wollte zur Eröffnung seines Werkes sprechen. Er durfte nicht.

Der Architekt Meinhard von Gerkan klagt gegen die Bahn AG. Im November wird entschieden, ob seine Pläne für den Berliner Hauptbahnhof vollständig realisiert werden – oder nicht. Der Bauherr hat nach Meinung Gerkans das Bauwerk an maßgeblicher Stelle verunstaltet und damit das Urheberrecht verletzt. Bei der Eröffnungsfeier wird Gerkan auf der Rednertribüne fehlen. Er wurde nicht eingeladen. Wir dokumentieren die nicht gehaltene Rede eines Ungehaltenen.

Nach 14-jähriger Planungs- und Bauzeit wird heute der Hauptbahnhof Berlin eröffnet. Die Bahn AG und einige Kommentatoren schwelgen in quantitativen Superlativen:

Das größte Bauwerk Berlins, die größte unterirdische Halle der Welt, die größte Photovoltaikanlage Deutschlands, 85.000 Tonnen Stahl, 500.000 Kubikmeter Beton, sie werden nicht müde ihre „Kathedrale“ zu preisen und sich dabei unablässig auf die eigene Schulter zu klopfen.

Der Bahnchef selbst verweist in seinem Einladungstext zur Eröffnung auf drei aus seiner Sicht besonders herausragende Leistungen bei diesem Projekt: auf die Umlenkung der Spree, auf Betonarbeiten unter Wasser und auf den Klappvorgang der Bügelbauten.

Dieser Geist der Bahn, der nur Zahlen und populistische Attraktionen kennt, residiert seit 1997 Jahren in einer der teuersten Büroetagen Berlins. Es ist der geistige Humus, auf dem das Bauwerk gewachsen ist.

Das Ganze scheint wie vom Himmel gefallen. Weder der Senatsbaudirektor Stimmann, der in einem geistigen Wettstreit zwischen Architekten den städtebaulichen Rahmen geschaffen hat, noch die Vision des ersten Bahnchefs Heinz Dürr, der wegen der unwürdigen Zustände der Bahnhöfe diesen eine Renaissance verordnet hatte, geschweige denn die Leistungen von Architekten und Ingenieuren finden irgendeine Anerkennung.

Der heutige Bahnchef tut so, als hätten sie alles allein aus dem Hut gezaubert. Dabei ist das, was heute eingeweiht wird, derjenige Teil eines Gesamtwerkes, der die Zerstörungsaktionen der Bahn überstanden hat. Die beiden schlimmsten Verstümmelungen sind hinlänglich bekannt: Erstens die mutwillige Verkürzung des Bahnhofsdaches, die zu gravierenden funktionalen, städtebaulichen und architektonischen Mängeln geführt hat.

Alle Behauptungen der Bahn, dadurch seien Kosten und Zeit gespart worden haben sich mittlerweile ins Gegenteil verkehrt. Die Dachverkürzung verursachte Mehrkosten von rund 40 Millionen Euro. Auch die Bauzeit verlängerte sich dadurch.

Zweitens: Die verbeulte Flachdecke mit der banalen 08/15-Beleuchtung im Inneren des Gebäudes. Sie wurde heimlich mit einem dritten Architekten geplant – und macht das beabsichtigte einmalige Raumerlebnis in der unteren Bahnhofshalle zunichte. Die innovative Außenbeleuchtung von dem Büro Angerer und Andres wurde durch eine Zirkusdekoration ersetzt.

Diese Skandale hätten spätestens dann personelle Konsequenzen nahe gelegt, als der Bahnchef den Bahnhof öffentlich mit seinem eigenen Schlafzimmer verglich, in dem er beanspruchte, alleine die Auswahl der Tapeten bestimmen zu können.

Allen Bemühungen meinerseits, Politiker in den höchsten Rängen zu bewegen, diesem Unwesen Einhalt zu gebieten, war kein Erfolg beschieden. Gerhard Schröder meinte: „Mensch, Gerkan, die Wurst ist lang genug; ich sehe sie jeden Tag.“ Zwei Jahre später, bei seiner Kanzler-Abschiedsparty bekannte er: „Der Architekt hat Recht, die Wurst ist abgebissen – vorne und hinten.“

Warum schreibe ich an einem Tag, da Schmeicheleien zur Etikette gehören, derart unfreundliche Worte?

Nein, ich bin kein Masochist, aber es darf nicht im Glamour von Feuerwerk und Selbstbelobigungen untergehen, dass unsere Baukultur einer unerträglichen Zerreißprobe unterliegt, in der Kommerz und Management in Selbstherrlichkeit ihren Bogen seit langem weit überspannen.

Natürlich bin ich in meiner baukünstlerischen Ehre schwer verletzt. Warum ich aber zum Anlass der Eröffnung einen dringenden Appell an die Politik ausspreche, geht über die persönliche Betroffenheit weit hinaus.

Bei dem Bahnhof handelt es sich immerhin um das größte Bauwerk Berlins, den öffentlichsten Ort Deutschlands mit 300.000 Besuchern pro Tag. Er ist die Visitenkarte des Regierungsviertels und wird als Zeugnis der politischen Verantwortung unserer Regierung gegenüber der Baukultur gesehen und bewertet werden.

Mein eindringlicher Appell an die Bundesregierung, Frau Merkel und die Öffentlichkeit lautet: Bitte sorgen Sie dafür, dass die schweren Verunstaltungen des Bahnhofs repariert werden. Die Teile des fehlenden Dachabschnittes sind bezahlt und eingelagert; sie können in wenigen Wochen montiert werden. Ebenso leicht kann die ordinäre Blechdecke gegen die vorgesehene Gewölbedecke mit einer faszinierenden Lichtinszenierung ausgetauscht werden.

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