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Debatte über Unterschichten

Der Soziologe Klaus Dörre regt die Fortführung der Debatte zum Thema Unterschichten in Deutschland an. Eine Tabuisierung dieser Thematik bedeute, diese Tatsachen zu ignorieren.

Offensichtlich gäbe es diese Thematik, dass wirtschaftliche Unterschiede in der Bevölkerung dramatisch anwüchsen, wohl schon seit Jahrzehnten.

Auch sei es falsch, die Arbeitsmarktreformen dafür verantwortlich zu machen, da es wohl Jahrzehnte benötige, bis soziale Schichten entstünden.


WebReporter: christi244
Rubrik:   Politik
Schlagworte: Debatte, Unterschicht
Quelle: de.news.yahoo.com

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31 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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29.10.2006 11:18 Uhr von christi244
 
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Ich halte diese Debatte auch für mehr als überfällig. Allerdings ohne die Augenwischerei des Herrn Dörre. Es mag wohl sein, dass Schichten in ihrer Entstehung Jahrzehnte benötigen ... allerdings unfähige und egomane Politiker schaffen dies auch schneller, wie die bittere Wahrheit zeigt.
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29.10.2006 14:50 Uhr von borgir
 
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Dieser Herr Dörre: hat wohl seine Brille vergessen oder warum sieht er die REalität nicht?

Im Übrigen: Die Überschrift hätte man anders wählen können.
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29.10.2006 15:19 Uhr von jesse_james
 
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Eine Unterschicht entsteht erst in den Köpfen: der Menschen wenn die Politik und irgendwelche Wichtigtuer dieses Thema für alle hörbar in der Öffentlichkeit breittreten müssen.


Das wir Missstände haben und das es Menschen gibt die unter dem Existenzminimum leben oder besser vegetieren, das WISSEN WIR, dazu müssen wir diese Menschen aber nicht noch in den Köpfen aller Bundesbürger zu einer Unterschicht degradieren und sie damit als gesellschaftlichen Ausschuss bezeichnen.

Denn das ist es was Letztenendes in den Köpfen der Menschen verankert wird, wenn sie das Stichwort "Unterschicht" hören.



Und eine Debatte über Schichten die bis in alle Ewigkeit geführt wird löst keine Probleme.
Wir müssen die Missstände beseitigen und nicht das Problem zerreden !
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29.10.2006 16:19 Uhr von Das Allsehende Auge
 
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Unterschichtendebatte? "Unterschichten" gab es doch schon immer. Und Unterschichten werden doch auch gefördert, denn desto dümmer (unterschichtiger) der Pöbel, desto folgsamer (unterwürfiger) ist er.

Und das ist auch gut so.

Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder Aufmücken würde. Aber damit ist ja ab 2007 endlich Schluss (Vorratsdatenspeicherung).

Habt noch...

http://myspace-320.vo.llnwd.net/...
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29.10.2006 16:48 Uhr von maki
 
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*grübel*: Okay, die "Unterschicht" ist jetzt als Begriff in den Sprachgebrauch übernommen worden.
Wann wird man wieder von den Mitgliedern der "Unterschicht" als "Untermenschen" sprechen? Dieser SCHEISSGESELLSCHAFT trau ich das durchaus zu...
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29.10.2006 17:12 Uhr von videofreak1
 
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unterschicht: unterschicht hat nix mit geld zu tun.

wenn ich in manche stadtviertel nach köln, münchen, berlin und anderen großstädten komme und mal zuhöre, was für eine sprache auf der strasse gesprochen wird, dann ist das für mich unterschicht. leute, die z.b. nicht wissen, wie ihr staat heißt, wer bundeskanzler/in ist oder die so reden: "ey, alder, isch mach disch fertisch, passaufdu!". asoziales gesocks ohne jegliche bildung (aber die aktuelle jamba-klingeltonhitliste kennen sie auswendig).

auch arme leute können in der schule aufpassen und auch ein hauptschüler kann eine sehr gute allgemeinbildung haben. das hat alles nichts mit geld zu tun, sondern damit, daß heutzutage viele leue einfach keinen bock auf bildung haben und sich hinterher wundern, warum sie mit der einstellung keinen job finden und der staat ihren "dauerurlaub" mit immer weniger geld sponsort.

ich habe fertig.
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29.10.2006 19:21 Uhr von meyerh
 
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Wirklich Unterschicht? Solange sich Menschen der Unterschicht zugerörig zählen die in der Familie mehrere Handy´s und sämtliche gängige Unterhaltungselektronik ihr eigen nennen, sollte man diesen vielleicht ein für sie neues Wort lehren, nämlich Enthaltsamkeit. Ich muß nicht jedes Jahr in Urlaub fahren, Markenklamotten tragen oder ein Handy haben, denn das sind Luxusartikel und wie der Name schon sagt, Luxus halt, somit entbehrlich weil sie nicht zum überleben notwendig sind.
Unterschicht macht sich meiner Meinung eher an der Bildung fest und nicht am Geldbeutel. Also infestieren wir lieber in die Bildung unserer Kinder denn dann kommt es nicht zu solchen überflüssigen Auswüchsen der Falscheinstellung zum Besitztum und deren erwerb bzw. Notwendigkeit.
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29.10.2006 19:38 Uhr von Perleberger
 
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Bildung! Mensch meyerh,
Du solle lerne deutsch schreiben richtig bevor Du wolle von andere verlangen in Bildung zu infestieren. :-))
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29.10.2006 19:45 Uhr von christi244
 
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@meyerh: Hi, ich sehe, wie zaghaft Du dieses Wort benutzt. Oh ja, wir haben Unterschicht und zahllose Menschen werden in diesem Lande in die Unterschicht getrieben. Mag sein, dass Herr Dörre Recht hat und dies bereits vor 20 Jahren begann, aber die neue Unterschicht, um die es geht, die findest Du in HartzIV-Kreisen, unter den LZ-Arbeitslosen. Und diese Unterschicht begann sich relevant zu entwickeln über die Arbeitspolitik der Sozis mit der Schaffung von Hartz IV. Glaubst Du ernsthaft, dass Bildung in Familien, in denen das Geld für Schulbücher fehlt ein größeres Thema werden wird bzw. werden kann?

Wir können diese Unterschicht auch als "Proletariat" bezeichnen, denn das Gros der in diesen Kreisen zur Welt kommenden Kinder, werden größtenteils durch das Raster fallen und kaum eine Chance haben, jemals einen selbsterhaltenden Job zu bekommen.

Ich glaube auch, Du siehst zu viel RTL und hörst zu sehr auf unsere Medien, denn mit EUR 345 im Monat ist das Halten von mehreren Handies gar nicht möglich, geschweige denn Urlaubsreisen.

Wir müssen ENDLICH dahinkommen, die wirklichen Schuldigen zu blamen und die sind wahrhaftig nicht bei den LZ-Arbeitslosen zu suchen, sondern eher bei den herrschenden Politikern, die über die Osterweiterung den Ausverkauf des Landes erst ermöglichen, indem die großen Unternehmen Arbeitsplätze hier mirnichtsdirnichts zerstören, vom Osten über Steuerfreiheit und Niedriglohn eingedumpt werden und dies über EU-Subventionen finanzieren, siehe z.B. Polen.
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29.10.2006 20:02 Uhr von christi244
 
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@writingdale: Nicht das Schlagwort ist diskriminierend, sondern wohl eher die Tatsache, dass Menschen auf diese Ebene getrieben werden. Das Gesamtgefüge der Gesellschaft ist längst nicht mehr so kompliziert gestrickt. Das Wort macht nur deutlich, was tatsächlich passiert, nämlich, dass die schon immer existente Klassengesellschaft immer deutlicher ihr häßliches Antlitz zeigt.

Die Mitte bricht nämlich immer mehr weg und was meinst Du, wo die Gründe hierfür zu suchen sind. Wie viele LZ-Arbeitslose gibt es mittlerweile, die über Hartz IV in genau diese Unterschicht getrieben werden, weil sie ihr lang angespartes Häuschen nicht mehr halten können, das ihre Altersvorsorge sein sollte. Wir reden hier nicht von Villen, sondern von Häuschen, die irgendwann über Bausparvertrag errichtet wurden und auf denen noch so manche Hypothek liegt, die kein Mensch übernimmt. Und dies nur, weil unsere Politiker mehr ihren Schwarzkonten als ihrem Wähler verpflichtet sind. Das bedeutet Unterschicht, Dich plötzlich auf einer Stufe wiederzufinden, wo Du gemäß offizieller Sprachregelung zum "faulen" Pack oder zu den Sozialschmarotzern zählst, ohne etwas dazu zu können. Über diese Leute reden wir. Wo Kids eben nicht mehr zur Uni können, weil die Kohle fehlt. Wo das Schulniveau gewechselt werden muß, eben aus monetären Gründen. Während die echten Sozialschmarotzer, nämlich unsere Politiker unser Land verkaufen.

Ich kann mich über das Wort Unterschicht beim besten Willen nicht aufregen, denn es ist eine Tatsache, die ich zwangsweise auch ein paar Jahre leben "durfte" bis ich Glück hatte und wieder einen Job fand, nachdem mein Laden von seiner ausländischen Mutter ausgelutscht und abgeschossen wurde. Und ich weiß auch, wie weit Du mit EUR 345,-- kommst. Nämlich nicht sehr weit und dabei reden wir durchaus nicht über den Mangel an Luxusgütern, wie es die Medien so schön Glauben machen wollen.
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29.10.2006 20:04 Uhr von christi244
 
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@borgir: Welche Überschrift hättest Du denn gern gehabt?

Es geht um die Sache, nicht aber um Benennungen.
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29.10.2006 21:08 Uhr von Heart_of_Steel
 
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Interessant wie hier teilweise zwischen Finanzen und Bildung differenziert wird. Und das zu Unrecht, denn gerade heute in den Zeiten der zwangsweisen (wer verlässt sich noch auf den Staat???) Altersvorsorge, der Studiengebühren, der immer höher werdenden Steuern, der steigenden Gesundheitsabgaben, usw. muss es sich eine Familie, deren Ernährer eben nicht "Dr.Dr.Dipl-Ing." etc. vor ihren Namen stehen haben überlegen, ob die Kinder eine höhere Schule bzw. ein Studium absolvieren können.

Daher besteht, in meinen Augen, sehr wohl eine Abhängigkeit zwischen Finanzen und Bildung.

Außerdem - lest einfach mal ein paar Wochen lang die Stellenanzeigen - ist der Wert eines normalen Arbeiters, der eine Lehre absolviert hat, sehr niedrig geworden. Die Industrie erwartet für Positionen, für die vor nur zehn Jahren "nur" eine Lehre, evtl. ein Meisterbrief nötig war, heute mindestens ein Studium. Der früher so hoch gelobte Mittelstand stirbt aus.

Also gibt es tatsächlich mittlerweile eine viel breitere "Unterschicht" als früher. Unsere Gesellschaftsform wandelt sich zu einer sogenannten "Kapitaldiktatur". Das die Unterschicht von den Medien in ein bewusst schlechtes Licht gesetzt wird - und das zumeist grundlos - steht auf einem anderen Blatt.

Wer noch ableugnet, das man mit Geld nahezu alles erreichen kann, sollte schnellstmöglich seine rosarote Brille abnehmen.
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29.10.2006 21:14 Uhr von christi244
 
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@heart-of-steel: Das sehe ich wie Du!
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29.10.2006 21:28 Uhr von Troll-Collect
 
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Abhängigkeit zwischen Finanzen und Bildung: das ist hinlänglich bekannt.

>>
Die Rückkehr der Klassengesellschaft
Dass die Armut in Deutschland seit den 70er-Jahren langsam, aber stetig zunimmt, ist vielfach belegt. Experten streiten aber, wer wie lange von Armut betroffen ist. Eine Trendanalyse zeigt: Armut verfestigt sich zunehmend dauerhaft unter Arbeitern.
... Die Studie bilanziert: Zunehmend verfestigen sich soziale Ausgrenzung und Polarisierung strukturell. Der Befund bestätige „klassenspezifische Chancenungleichheiten, wie sie die jüngere Bildungs- und Mobilitätsforschung belegt“. ...
<<
http://www.boeckler.de/...

Vor allem dieses Artikel sollten sich einige auf der Zunge zergehen lassen:

>>
Bildungssystem
Das Märchen von der Chancengleichheit

Es war einmal eine Gesellschaft, die glaubte: Wer tüchtig ist, kann es nach ganz oben schaffen. Sogar Arbeiterkinder. Neue Studien enthüllen den Selbstbetrug der Deutschen: Noch immer ist die Elite eine geschlossene Gesellschaft.
<<
http://www.stern.de/...

oder hier:

>>
IAB: Niedriglohnverdiener haben zugenommen, ihre Aufstiegschancen haben sich verschlechtert
Mehr als ein sechstel aller Vollzeit-Beschäftigten gehören zu den Geringverdienern. Ein überdurchschnittliches Niedriglohnrisiko tragen Frauen, Ostdeutsche, Jugendliche und Beschäftigte in Kleinbetrieben. Nur eine Minderheit schafft den Aufstieg in eine besser bezahlte Position. Für zwei von drei Geringverdienern gilt: Einmal Niedriglohn, immer Niedriglohn. Die Aufstiegschancen sind rückläufig. Dieser Trend stellt auch im internationalen Vergleich eine Besonderheit dar. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. (WL)
<<
http://doku.iab.de/...

Übrigens:

Der Regelsatz für Hatz4 enthält übrigens für Bildung
usw. großzügige Posten von

c) Teilnahme am kulturellen Leben
- Bücher und Broschüren 5,76
- Zeitungen und Zeitschriften 7,76
- Übrige Verbrauchsgüter für Bildung, Unterhaltung, Freizeit 1,38
- Andere Dienstleistungen Bildung, Unterhaltung, Freizeit 2,03
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29.10.2006 21:50 Uhr von christi244
 
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@emre: Könntest Du Dein Posting etwas näher erklären?
Danke!
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29.10.2006 23:04 Uhr von Cpt.Proton
 
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Die Warnehmung: das Kinder aus bildungsfernen Schichten nicht studieren können, weil die Familie kein Geld hat, ist in Deutschland kein Problem. Das Problem ist einfach, daß die Eltern keinen Druck ausüben, weil sie eben bildungsfern sind und für ihr Kind eine Ausbildung möchten, weil sie mit Uni nix anfangen können.
Diese Mentalität bildete sich durch die Vollkaskomentalität durch das ausufernde Sozialsystem und solche Mentalitäten hab ich so extrem noch nirgends gesehen.
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29.10.2006 23:22 Uhr von Troll-Collect
 
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"Die Warnehmung": ist wie immer ziemlich verzerrt

"das ausufernde Sozialsystem"
*rofl*

"Verfolgt man die Entwicklung im Zeitablauf, dann zeigt sich ein Annäherungsprozess (Konvergenz) zwischen den europäischen Staaten. Die Abstände zwischen den Sozialschutzquoten haben sich schrittweise verringert (vgl. Tabelle II.15).
Zu berücksichtigen ist, dass die spezifischen Situationen der einzelnen Länder bei diesem Vergleich aus-
geblendet werden: So erzeugen in Deutschland die Folgelasten der Deutschen Einheit und vor allem die hohe Arbeitslosigkeit erhebliche Kosten. Andere Staaten, wie z.B. die skandinavischen Länder, weisen eine wesentlich niedrigere Arbeitslosigkeit (vgl. Abbildung II.28) bei vergleichbarem bzw. höherem So-
zialschutzniveau auf."
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/...
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/...
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/...
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29.10.2006 23:25 Uhr von mäckie messer
 
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Interessant, wieviele Hobby-Soziologen hier alles besser wissen, als ein Doktor, der sich seit Jahren mit der Problematik beschäftigt. Lade die Alleswisser gern nach Jena ein, wo sie mit Herrn Dörre ein persönliches Gespräch darüber führen können, was mit der "Unterschicht" gemeint ist, warum die nicht erst seit 8 Jahren existiert, und auch niemanden als "Untermenschen" diffamieren will, usw... ;-)
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30.10.2006 00:23 Uhr von Troll-Collect
 
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passend hierzu: ein Beitrag von Prof. Dr. Christoph Butterwegge

>>
Disziplinierung durch Armut
Kapitalbedingt wird von Politik und Medien das falsche Bild vom Tüchtigen, der nicht arm werden kann, ins Alltagsbewußtsein gehoben
...
In einer kapitalistischen Hochleistungsgesellschaft, die Konkurrenz bzw. Leistung geradezu glorifiziert und mit Prämien, Gehaltszulagen oder Lohnsteigerungen prämiert, scheint Armut funktional zu sein, weil sie nur das Pendant dessen verkörpert, was die »Tüchtigeren und daher Erfolgreichen« in des Wortes doppelter Bedeutung »verdient« haben. Armut ist mithin kein »Betriebsunfall«, vielmehr ein soziales Abfallprodukt der Marktwirtschaft. Sie dient im neoliberalen »Umbau«-Projekt als ein höchst willkommenes Disziplinierungsinstrument, während materieller Wohlstand und privater Reichtum ein geeignetes Lockmittel darstellen, das die »Leistungsträger« zu besonderen Anstrengungen motivieren soll.
...
Wohl zum erstenmal wurden sich weite Kreise der Gesellschaft bewußt, daß sie Armut hervorbringt und daß diese nicht zuletzt durch Maßnahmen einer falschen Arbeitsmarktpolitik (Hartz IV) bis in die Mittelschichten hinein vorgedrungen ist, was ideologisch motivierte Abwehrreflexe aktivierte: Da wurden entweder die Betroffenen selbst für ihr Schicksal verantwortlich gemacht – ganz so, als sei das »Unterschichtenfernsehen«, dessen übermäßiger Konsum sie angeblich davon abhält, ihren sozialen Aufstieg zu organisieren, nicht bloß die moderne Wiederkehr von »Brot und Spielen«, mit denen man sozial Benachteiligte in der Antike ruhigstellte. Oder der Sozialstaat wurde zum Sündenbock erklärt
...
So gut wie gar nicht wurde indes thematisiert, daß Armut und Reichtum zwei Seiten einer Medaille und nicht zufällig fast zeitgleich gewachsen sind. Wer über den Reichtum bzw. die Oberschicht und ihre Tendenz, sich der finanziellen Verantwortung für das Gemeinwesen durch Steuerflucht– Franz Beckenbauer, Jürgen Klinsmann, Günther Netzer, Michael Schumacher, Thomas Gottschalk & Co. lassen grüßen– zu entziehen, nicht sprechen will, sollte deshalb auch über die Armut bzw. die »Unterschicht« schweigen.

Neu ist nicht, daß es in der Bundesrepublik eine Unterschicht gibt, sondern daß sich die soziale Polarisierung seit 1989/90 noch deutlicher ausprägt.
...
In der Diskussion erscheint Armut meist als selbstverschuldetes Schicksal, das im Grunde eine gerechte Strafe für Leistungsverweigerung oder die Unfähigkeit darstellt, sich bzw. seine Arbeitskraft auf dem Markt mit ausreichendem Erlös zu verkaufen, wie der Reichtum umgekehrt als angemessene Belohnung für eine Leistung betrachtet wird, die auch ganz schlicht darin bestehen kann, den Tip eines guten Anlageberaters zu befolgen.
...
Wer in Termini wie »Unterschicht« oder »abgehängtes Prekariat« die Betroffenen diffamierende Schimpfworte sieht, offenbart jedoch nur seine Unfähigkeit zur Gesellschaftsanalyse mittels analytischer Kategorien. ... Wer konzediert, daß sich die Gesellschaft sozialökonomisch immer deutlicher spaltet, wird kein Problem haben, zwischen Spitzenpositionen der sozialen Hierarchie, Mittelplätzen und Abstiegsrängen zu differenzieren.
Lebensfern ist Arbeits- und Sozialminister Franz Müntefering (SPD), der so tut, als gäbe es keine Klassen und Schichten mehr, damit die gesellschaftliche Realität jedoch völlig ignoriert.
...
paltungstendenzen innerhalb der Armutsbevölkerung erschweren die Gegenwehr der Betroffenen. Die neoliberale Leistungsideologie führt zur Entsolidarisierung der Gesellschaftsmitglieder. Durch die Sozialgeschichte der Armut zieht sich wie ein roter Faden die Einteilung davon Betroffener in »würdige« und »unwürdige Arme«. Letztere wurden und werden für ihr Schicksal selbst verantwortlich gemacht. Was die »neue Unterschicht« von ihren früheren Leidensgenossen unterscheidet, ist das Stigma, den eigenen »Wirtschaftssstandort« zu ruinieren.
...
<<<
http://www.jungewelt.de/...
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30.10.2006 06:04 Uhr von Heart_of_Steel
 
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@Tobias Claren: "Es ist absolut korrekt und wünschenswert dass immer weniger die eine "Lehre absolviert" haben gebraucht haben."

Ich gehe mal davon aus du meinst "...gebraucht werden!" - oder? Okay, das ist eben deine Ansicht. Folglich fängt der gesellschaftlich wertvolle Mensch mit dem Abitur an, oder? Und jeder, dessen Talente anders liegen; jeder, der mehr praxisorientiert veranlagt ist, ist dann....was? Entbehrlich? Unbrauchbar? "Asoziales Gesockse"?

"...eine Stelle schmarotzen, die keiner braucht..."
Frage: Was taugt der beste Maschinenbauingenieur, wenn niemand da ist, der seine Konstruktion produzieren kann? Und wenn du meinst, das Fräsen, Drehen, etc. mal eben so von jemandem x-beliebigen durchgeführt werden kann, dann irrst du, oder hast schlicht und einfach noch nie mit den Händen gearbeitet.

Billige Massenware wird zum grossen Teil in Deutschland gar nicht hergestellt, da es einfach zu teuer ist. Also lebt die deutsche Wirtschaft von hoher Qualität und - z.B. im Maschinenbau - von hochpräzisen Produkten. Und warum? Weil es hier Dreher, Fräser, Schleifer, etc. gibt, die in ihrer LEHRE gelernt haben in Toleranzbereichen von 0,01mm und niedriger zu arbeiten.
Also sind diese Stellen alles andere, als "Stellen, die keiner braucht".

Standesdünkel ist in meinen Augen traurig und gefährlich. Und bei aller Liebe zu Effizienz, sollte der Mensch nicht vergessen werden. Grundsätzlich hat eine Lehre nichts mit einer "niedrigqualifizierten Stelle" zu tun, sondern mit einer rein praxisorientierten Ausbildung. Ich habe in meinen zehn Jahren internationalem Aussendienst schon viele "studierte" kennengelernt, die Pfeifen waren und viele "niedrigqualifizierte" (um bei deiner Wortwahl zu bleiben), die über ein gigantisches Wissen verfügten.

Den Zeugnisfetischismus, der sich in Deutschland immer mehr etabliert, kann und werde ich nicht gutheißen. Das Wirtschaftswunder wurde schließlich auch nicht von tausenden "studierten" vollbracht.

Ohne Zweifel. Eine fundierte Ausbildung ist heutzutage wichtiger als je zuvor. Aber das Studium über alles zu stellen und Menschen, die darüber nicht verfügen ganz Pauschal in die Gruppe der "Asozialen" zu schieben zeugt von einer beispiellosen Ignoranz und Mißachtung der Tatsachen.
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30.10.2006 18:16 Uhr von opppa
 
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christi244: "Auch sei es falsch, die Arbeitsmarktreformen dafür verantwortlich zu machen, da es wohl Jahrzehnte benötige, bis soziale Schichten entstünden."

Herr Klaus Dörre hat offensichtlich nicht gesehen, daß in auffälliger Einigkeit zwischen Wirtschaft und den deutschen Regierungen seit Kohl daran gearbeitet wird, Umverteilung von oben nach unten zu betreiben.

Die Wirtschaft gibt ihr Teil dazu, daß sie die Arbeitsdichte (die Produktivität jedes Einzelnen) auf den Knochen der Arbeitnehmer immer mehr erhöht und die dadurch freigesetzten Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit entlässt. Durch die hohen Arbeitslosenzahlen kann man dann die Löhne immer weiter senken und dadurch Gewinne, Shareholder-Value und die Gewinnbeteiligung des Managements immer weiter auf Kosten der Arbeitnehmer steigern.

Als flankierende Maßnahme zu diesem Klassenkampf werden von den Regierungen Steuergeschenke für die Wirtschaft dazugelegt. Als weiteres Geschenk wird die Wirtschaft in zunehmendem Maße von der 50% Zuzahlung zur Sozialversicherung entlastet, weil man die Arbeitnehmer schon jetzt Praxisbeitrag und die Zuzahlung zu Medikamenten alleine bezahlen lässt.

Un das, was man uns heute als "große Gesundheitsreform" verkauft, ist doch nur das Instrument dieser angeblichen Volksvertreter, die Zuzahlung der Arbeitgeber weiter zu begrenzen und langfristig zu senken.

Und der Klassenkampf wird so lange weitergehen, wie sich das Volk diese Umverteilung des Volkseinkommens von unten nach oben gefallen lässt. Wie sich das Volk wehren könnte, haben wir vor einem Jahr in Frankreich doch gesehen.

Ich gehe mal einfach davon aus, daß das Wahlvieh irgendwann merkt, daß die heute etablierten Politiker ihm vor den Wahlen das Blaue vom Himmel verspricht, um dann nach den Wahlen den Reichen noch weitere Geschenke machen zu können.

Ich bin inzwischen schon so weit, daß ich, wenn ein Politiker "Guten Tag" sagt, den Wahrheitsgehalt dieser Aussage anzweifle!
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30.10.2006 18:53 Uhr von mäckie messer
 
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opppa: Genau das hat der Dörre doch gemeint. Man kann nich dem ollen Peter Hartz die Schuld für die neue Unterschicht allein in die Schuhe schieben. Diese Unterschicht wurde ganz gewollt, wie ich auch vermute, schon von der Regierung Kohl aufgebaut. Spätestens mit der Wende, eigentlich aber schon eher, denn nur durch die Wiedervereinigung hat der dicke Kohl ja damals seine Wiederwahl retten können.
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30.10.2006 19:52 Uhr von christi244
 
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@opppa: Ein sehr guter Kommentar, dem gar nichts hinzuzufügen ist. Dummerweise aber erinnert sich das "Wahlvieh" anläßlich Wahlen nur sehr selten an eben diese Umstände. Und exakt dieser Punkt geht mir nicht in die Birne.

Jedesmal wenn Wahlen vor der Tür stehen könnte ich ko.... sowie der Spruch kommt: Ich weiß nicht, wen oder was ich wählen soll!
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30.10.2006 21:37 Uhr von Cpt.Proton
 
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junge Welt: die Bildzeitung der Möchtegern Marxisten.... lool
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30.10.2006 23:35 Uhr von Muta
 
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Oh Proton beweist wieder seine "Bildung": "Bildzeitung der Möchtegern Marxisten.... lool"
Hui das war ja wieder ne knallharte Widerlegung.
Der Autor des Artikels, dieser Bildzeitungs-Möchtegern-Marxist, ist übrigens Prof. Dr. Christoph Butterwegge. Er leitet die Abteilung für Politikwissenschaft an der Universität zu Köln.
(Hätte man bei Lesen des Artikels auch mitbekommen, der Autor steht ja da, aber wenn man lieber über Bildungsthemen rumpöbelt statt einfach mal Bildung selber auszuprobieren kommt natürlich sowas bei raus).

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