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Urteil: Arbeitslose müssen rechtzeitige Bewerbung beweisen können

Mit einer dreiwöchigen Sperrzeit beim Arbeitslosengeld wurde ein Arbeitsloser belegt, weil er nicht beweisen konnte, unverzüglich auf ein Stellenangebot des Arbeitsamtes reagiert zu haben. Dieses wurde nun vom Landessozialgericht Hessen bestätigt.

Der Betroffene hat nach Zeugenaussagen zwei Wochen nach Zugang des Angebots reagiert, was die Richter als zu spät beurteilten. Den Beweis über die Bewerbung und den Zeitpunkt hat der Arbeitslose zu erbringen.

Demnach müssten schriftliche Bewerbungen per Einschreiben erfolgen. Telefonische Bemühungen wären genau zu protokollieren, am besten schriftlich vom Unternehmen zu bestätigen.


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WebReporter: Ferkelwämser
Rubrik:   Wirtschaft
Schlagworte: Arbeit, Urteil, Bewerbung
Quelle: www.versicherungsjournal.de

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37 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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27.07.2006 12:22 Uhr von Ferkelwämser
 
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Das Urteil ist ziemlich praxisfern. Eine kurzfristige Bewerbung ist ja durchaus sinnvoll und nachvollziehbar.
Die Beweislastumkehr eröffnet der Behörde alle Möglichkeiten zur Durchsetzung der Sperrzeitqouten. Wie soll eine Bewerbung bewiesen werden, wenn sie nicht per Einschreiben oder Boten mit Zeugen überbracht wird? Eingangsbestätigungen oder Absagen verschicken nur noch wenige Unternehmen, geschweige denn, daß die Unterlagen zurückgeschickt werden.
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27.07.2006 13:25 Uhr von 666leslie666
 
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Macht kaputt: was euch kaputtmacht.

Mfg jp
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27.07.2006 13:25 Uhr von pulverschmid
 
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Zitat des "dm-Chefs": Hartz IV = offener Strafvollzug!

Nicht vergessen! Und nicht dummachen lassen!
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27.07.2006 13:32 Uhr von 666leslie666
 
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@ pulverschmid: Hab sogar den Link
--->>http://www.rbi-aktuell.de/...

Mfg jp
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27.07.2006 13:39 Uhr von 666leslie666
 
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Die Sklaventreiber: haben noch mehr

-->http://www.rbi-aktuell.de/...

Millionen Deutsche sind unterbezahlt

Die Einführung eines Mindestlohnes wäre eine dringend nötige soziale Tat.

Unsere nächsten Sklaven.

Mfg jp
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27.07.2006 13:39 Uhr von mistake
 
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@Kommentar des Autors: Was denn nun? Ist das Urteil praxisfern oder ist es sinnvoll, sich schnell zu bewerben? Der Kommentar ist ein Widerspruch in meinen Augen.

Ich persönlich finde es jedenfalls vollkommen in Ordnung, dass ein Arbeitsloser sich zügig und nicht _irgendwann_ auf ein Stellenangebot bewirbt. Letzteres zeigt doch Desinteresse, oder nicht?
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27.07.2006 13:41 Uhr von Ferkelwämser
 
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@mistake: Kurzfristige Bewerbung (und nicht irgendwann) = sinnvoll
Beweislast beim Arbeitslosen = praxisfern, dann müßten Bewerbungen per Einschreiben erfolgen, wer soll das bezahlen?
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27.07.2006 13:46 Uhr von TeleMaster
 
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Also Hm; von welchem Geld soll ein H4´ler denn die hunderte Einschreiben bezahlen, die er im Monat so für seine Bewerbungen braucht?

Also bei allem Respekt; ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine bewerbung per Einschreiben versandt; glaube auch, dass es beim Empfänger etwas komisch aussehen könnte.

Ist nur eine Frage der Zeit wann die ersten Familien mit Kindern hier in Deutschland verhungern, weil die Ämter immer neue Schikanen finden, um hier etwas zu kürzen oder dort etwas zu sperren. Möchte auch gar nicht wissen wieviele Menschen gerade deswegen kriminell werden, damit sie wenigstens die Miete bezahlen können. In meinen Augen erwischt es nur allzuoft die Falschen; die die das Amt tatsächlich ausnutzen und betrügen, die wissen nicht nur am Besten wie sie das tun, sondern tun das auch weiterhin.

Wer wirklich keinen Bock auf Arbeit hat und wirklich vom Amt leben will, der braucht in seiner Bewerbung nur ausreichen Rechtschreibfehler einbauen, oder so Sachen dazuschreiben, wie in etwa "Das Amt gab mir Ihre Adresse, damit ich mich bewerben soll. Das tue ich hiermit. Ich war 10 Jahre lang arbeitslos (weil keine Lust). Ich hoffe Sie haben Arbeit für mich. Bitte bestätigen Sie mir diese Bewerbung, damit ich keine Sperre bekomme." ;-D


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27.07.2006 13:53 Uhr von mistake
 
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@ferkelwärmser: Zugegeben, ich bin in der glücklichen Position, dass ich nicht arbeitslos bin. Aber:
Zunächst bezieht sich das Urteil auf jemanden, der, so unterstelle ich einmal, keinen Bock auf Arbeit hatte, sauer war, dass ihm für die zu späte Bewerbung Kohle gestrichen wurde, und der nen (guten) Anwalt gefunden hat.
Wir müssen jetzt nicht über Beweislasten diskutieren und was wieviel Aussagekraft hat. Dennoch denke ich, dass ein Eingangsstempel, der in praktisch jeder Firma auf eingehende Schriftstücke gesetzt wird, ausreichend sein kann - wenn er nicht zwei Wochen zu spät ist.
Die Firma, bei der die Bewerbung zu spät eingeganen ist, wird nichts davon gehabt haben zu behaupten, seine Bewerbung sei zu spät reingekommen - die haben eine offene Stelle gehabt, die sie besetzen wollten...
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27.07.2006 13:55 Uhr von Nico_
 
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Einschreiben Selbst das Bundesministerium für Bildung und Forschung rät davon ab:
http://www.bmbf.de/...
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27.07.2006 14:17 Uhr von mistake
 
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@wok! das unterschreib ich
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27.07.2006 14:20 Uhr von Ferkelwämser
 
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@mistake: "der, so unterstelle ich einmal, keinen Bock auf Arbeit hatte"
Die news in dieser und anderen Quellen sagt nur aus, daß er die die Bewerbung nicht nachweisen konnte und nach Zeugenangaben erst nach 2 Wochen erfolgte. Alles andere ist Spekulation.

Interessant ist eigentlich die Konsequenz aus dem Urteil - wie sollen Bewerber alle Bewerbungen beweisen können?
Wenn die BA behauptet man hätte sich nicht beworben ist man völlig ausgeliefert:

"Eingangsstempel, der in praktisch jeder Firma auf eingehende Schriftstücke gesetzt wird, ausreichend sein kann "

Es soll Fälle geben, in denen Briefe auf dem Postweg verloren gehen (bei der Post AG gar nicht so wenige). Dann gibt es keinen Eingangstempel.
Auch gehen in den Unternehmen schon einmal Bewerbungen verloren. Und was meinst du wie viele Unternehmen den Bewerbern eine Kopie des Schreibens mit Eingangsstempel zusenden? Und wenn das Auswahlverfahren noch läuft, ist spätestens die Aufforderung hierzu das Aus für den Bewerber.

Aber unabhängig von diesen ganzen Fragen - das Schlimme ist der Umgang mit rechtsstaatlichen Prinzipien. In der Rechtsstprechung von zivilisierten Gesellschaften gilt i.d.R. die Unschuldsvermutung.
Arbeitslose müssen aber zunehmend (in diesem Fall, wie in der Frage der Bedarfsgemeinschaften) nachweisen, daß sie nicht schuldig sind.
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27.07.2006 14:30 Uhr von mistake
 
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@ferkelwärmser: "Alles andere ist Spekulation.": richtig, darum habe ich geschrieben "so unterstelle ich einmal"

Denk doch einfach mal einen Schritt weiter oder auch von mir aus in diesem Fall zurück: warum wollte das Amt nicht zahlen? Weil die Wind davon bekommen haben (wie auch immer), dass die Bewerbung erst nach zwei Wochen losgeschickt wurde. Damit hat der Arbeitslose nicht gerechnet und geklagt. Oder wie sonst soll es gewesen sein? Es stand doch nie ausser Frage, dass er sich zu spät beworben hat (siehe Quelle - es gab Zeugen dafür), und genau in so einem Fall, wo er sich nachweislich zu spät beworben hat, verliert er halt sein Recht auf Geld. Ist doch vollkommen in Ordnung.

"Es soll Fälle geben, in denen Briefe auf dem Postweg verloren gehen" - Dieser ist eben nicht weggekommen, sondern zu spät losgeschickt worden.
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27.07.2006 14:32 Uhr von evil_weed
 
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tjo: wer gut lügen kann der wird ja keine probleme mit dieser regelung bekommen.
einfach beim sachbearbeiter so tun als ob man den job total toll findet und dann ständig krankmelden.

ein bekannter von mir ist seit 7 jahren erfolgreich arbeitslos... der wird das auch weiterhin bleiben.
und ich kann nur sagen: geschieht dem staat gerade recht! meine unterstützung hat der mann.
wenn ich weniger abgaben zahlen müsste, sähe das anders aus. dann fände ich es nicht so gut was er macht.
aber wenn ich merke dass ich gezwungen werde viel geld in die arbeitslosenversicherung einzubezahlen und im ernstfall behandelt werde wie ein vieh... dann ist der staat für mich auch nur eine mafia organisation die keinen respekt verdient hat.

das beste was man machen kann ist den staat vorne und hinten zu betrügen, so wie er uns betrügt.
leider kann ich das nicht so gut... freu mich aber, dass es andere gibt die das leidenschaftlich gerne tun.
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27.07.2006 14:42 Uhr von Ferkelwämser
 
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@mistake: Wir reden aneinander vorbei. Du beziehst dich auf den konkreten Einzelfall, ich mich auf die Konsequenzen aus dem Urteil für alle Arbeitslosen.
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27.07.2006 14:42 Uhr von allstar05
 
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Wer zahlt das Einschreiben? Also wenn ein Arbeitsloser 50 Bewerbungen im Monat mit einem Einschreiben wegschickt, muss er sich wohl noch einen Nebenjob suchen ;) Glaube nicht das dass Arbeitsamt diese Bezahlt ;)
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27.07.2006 15:00 Uhr von Ferkelwämser
 
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@wok: "das ist kein Grundsatzurteil."

Das Urteil eines LANDESsozialgerichts hat schon eine Relevanz für die Rechtssprechung. Außerdem bestätigt es ja das, was die BA schon so handhabt.

"Wahrscheinlich hatte der schon öfter was verbaselt "
Spekulation. Zumindest kann er das höchstens 1 Jahr gemacht haben, wenn er schon länger arbeitslos wäre, wäre der Prozeßgegner nicht die BA sondern die örtliche ARGE gewesen.
Also kann es sich um das handeln, was du zu konstruieren versuchst,
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27.07.2006 15:06 Uhr von «azero»
 
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Täusche dich nicht, mistake. > Dennoch denke ich, dass ein Eingangsstempel,
> der in praktisch jeder Firma auf eingehende
> Schriftstücke gesetzt wird, ausreichend sein
> kann - wenn er nicht zwei Wochen zu spät ist.

Zweifellos. Doch dazu müssten sie die Bewerbung immer noch finden --- und finden wollen. Angesichts der gravierenden Differenz zwischen offenen Stellen einerseits und verfügbaren Erwerbsfähigen und Wechselwilligen andererseits, kannst du dir sicherlich ausmalen, wie viele Bewerbungen in den meisten Firmen herumliegen.

Und lange nicht jede Firma hat auch eine zentrale Personalabteilung oder -stelle. Häufig genug werden Bewerbungen zur Erstbegutachtung in die Fachabteilungen gegeben, wo sie - zweitweilig oder für immer - in irgendeiner Senke verschwinden oder gebraucht werden, weil der Tisch wackelt.

Versuche da mal nachzuvollziehen, wo deine Bewerbung abgeblieben ist. Rufst du die Sekretärin an, heißt es nur: "Bewerbung? Warten Sie mal ... errr ... Nein, also hier ist sie nicht.".

> Die Firma, bei der die Bewerbung zu spät
> eingeganen ist, wird nichts davon gehabt
> haben zu behaupten, seine Bewerbung sei
> zu spät reingekommen

Die Firma nicht. Der "zuständige" Mitarbeiter schon. ;)
Abgesehen davon ist es vielen Firmen sowieso egal, weil sie ihre Stellenausschreibungen lediglich als preiswertestes und sehr effektives Branding sehen, das derzeit am Markt zu bekommen ist. Werbung liest in unserer übersättigten Gesellschaft nahezu niemand mehr. Stellenanzeigen werden hingegen von mindestens 15 Millionen Menschen ziemlich regelmäßig gelesen.

Überdies brauchst du dir keine Sorgen zu machen:

> ... - die haben eine offene Stelle gehabt,
> die sie besetzen wollten...

Das AA hat die Angewohnheit, auf jede ausgewiesene Stelle die ersten 10 - 20 Leute aus der Kartei zu hetzen. Selektion? Fehlanzeige!

Überdies sind gute und interessante Stellen prinzipiell IMMER in mehreren Kanälen unterwegs. Viele Mitarbeiter haben Familienangehörige, Freunde oder Bekannte, die nach so einem Job suchen.

Nicht selten ist also eine solche Stelle mehr als ausreichend mit potenziellen Kandidaten abgedeckt, wobei das AA vor allem wegen der überaus mangelhaften Leistung immer wieder in den (selbstverursachten) Verdacht gerät, nur qualitativ minderwertiges Material zu haben; was schon allein durch die schiere Masse, aus der sie schöpfen können, völlig absurd ist.

Dennoch ist das Interesse an "besonderer" Aufmerksamkeit an Bewerbungen "vom Amt" eher gering bis gar nicht vorhanden. Und wenn man nun Aufwand und Nutzen vergleicht, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass es weniger Aufwand verursacht, mit AA-Bewerbungen am Besten gar keinen Aufwand zu betreiben, was uns unmittelbar dazu führt, dass deine Aussage, "die Firma hätte kein Interesse daran, solches zu behaupten" besser - und richtiger - klänge, würdest du sagen "... die Firma hat kein Interesse ...". :)
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27.07.2006 15:37 Uhr von mistake
 
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@ferkelwärmser und @azero: Ich akzeptiere eure Meinung, habe aber weiterhin eine andere. Einverstanden?
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27.07.2006 16:05 Uhr von brainbug1983
 
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zum thema arbeitsamt kann ich nur sagen die vorschläge die einem da gemacht werden taugen absolut gar nix!!! ich hab 3 Jahre lang nach ner ausbildung gesucht, war beim bewerbungstraining vom AA und alles....zum teil hatten es die firmen nichtmal nötig mir meine bewerbungsunterlagen zurückzuschicken (schonmal passfotos gemacht und bewerbungsmappen gekauft, OHNE einkommen?) arbeitlosengeld ging auch nicht, da ich davor direkt vonna schule bzw zivistelle kam wie man mir gesagt hat. Ich hab micha uch nur noch beid en wirklich einigermaßen interessanten stellen beworben, da ich (und meine eltern auch nicht) es mir nicht leisten konnte jeden Monat 30 Fotots (4 Stk hier ca 10 euro) und die entsprechenden mappen dazu zu kaufen. und dann soll das ganze noch per einschreiben verschickt werden? is klar...
wie ich 2 Jahre nachdem ich mich beim AA gemedlet hab erfahren hab gibts so ne art bewerbungsunterstützung. 5 € pro bewerbung...das allerdings bis max 150 euro/Jahr....d.h. 30 bewerbungen bekommt man zurück erstattet, die hab ich zum teil schon im Monat geschrieben.
Letztendlich hab ich die kosten gesenkt indem ich mein bewerbungsfoto in hoher auflösung eingescannt und auf foto-papier ausgedruckt hab. Und siehe da...nach 3 Jahren hab ich ne Ausbildung bekommen OHNE arbeitsamt...nämlich durch ne lokale institution die sich um arbeits/ausbildungssuchende kümmert. Die hatten zufällig ne Computerfirma zum einrichten des netzwerks bei sich welche noch ne stelle zu vergeben hatte, die ich jetzt hab!
==> Arbeitsamt kann man meiner meinung nach inne tonne kicken was die arbeitsvermittlung betrifft!
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27.07.2006 16:13 Uhr von Borgir
 
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Sorry: aber die können sie doch nicht mehr alle haben. Mal ganz davon abgesehen, dass vom ARbeitsamt so gut wie keine Stellenangebote kommen.
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27.07.2006 16:34 Uhr von «azero»
 
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Gute Frage, wok!. :): > Warum sollte das Arbeitsamt das sont so genau prüfen?

Ich verrate es dir: Weil interne Vorgaben existieren, möglichst viele Menschen aus den Leistungen der BA zu drücken. Und das - häufig genug - mit allen legalen und illegalen Mitteln.

So weist das Amt dann "Leistung" und "Effizienz" nach. Die Folge sind "urplötzliche Überschüsse", von denen man auch nach Monaten noch immer nicht weiß, wo sie eigentlich herkommen.

> Immer wird gejammert, das Arbeitsamt würde
> sowieso keine Jobs vermitteln.

Das macht es auch so nicht - oder genauer: angesichts der Möglichkeiten nur ausgesprochen unzureichend.

Einerseits kann die BA aus einem nahezu unerschöpflichen Pool nahezu beliebiger Qualifikationen wählen, andererseits ist es aber oftmals einfach nur zum Heulen, wenn man beobachtet, WEN sie dann wofür "auswählen". Selbst ein Zufallsgenerator hätte eine höhere Trefferquote als die "sachverständigen" Mitarbeiter dieser Behörde.

Ein Namenswechsel allein reicht eben nicht. Und die PSAs, einst hochgejubeltes (und für den Steuerzahler nicht gerade preiswertes) Werkzeug der Vermittlung, scheiterten vor allem an der alten Krankheit: nahezu umfassende (intern begründete) Inkompetenz gepaart mit irrsinniger Arbeitslastverteilung. (Fast 80% der 90.000 BA-Angestellten arbeiten in "internen" Abteilungen, verwalten also lediglich das Amt und die Arbeitslosen selbst. Weniger als 7% arbeiten in der aktiven Vermittlung.)

> Jetzt wurde eine freie Stelle genannt,
> und der wartet zwei Wochen?

Zweifellos, hier liegt etwas im Argen. Und - ich kenne die genauen Umstände des Einzelfalles nicht, und auch die Quelle schweigt sich darüber aus - sicherlich ist die Sperrzeit durchaus gerechtfertigt.
Doch anstatt aus dieser Situation zu lernen, machen wir - wie stets - das, was Herbert Grönemeyer schon in den 80er Jahren besang:

"Wie eine träge Herde Kühe schauen wir kurz auf und grasen dann gemütlich weiter."

Wo bleiben die Konsequenzen? Wo die Lehren?
Wie, so sollte sich das Amt fragen, können wir diesen Missstand beheben?

Die einfachste, kostengünstigste und effizienteste Lösung wäre es wohl, auch und gerade angesichts diverser (meist sehr teurer) Trainings- und Anpassungsmaßnahmen, die Bewerbung gemeinsam mit dem potenziellen Bewerber durchzugehen und "von Amts wegen" durch Zusendung zu unterstützen.

Doch da wären gravierende Haken:

Es kostet Zeit.
Zeit, die der Verwaltung verloren geht. Und das ist definitiv nicht hinnehmbar. ;)

Es kostet auch Aufwand.
Denn nun würde es auffallen, wenn man einen Modelltischler an eine Bautischlerei vermitteln will. Spätestens beim Durchgehen der Bewerbungsunterlagen würden diese Differenzen auffallen. Und dann müsste der AA-Mitarbeiter erneut Energie in die Suche nach dem passenden Kandidaten stecken, anstatt einfach nur die ersten 10 losschicken zu müssen, um sich den Rest der (Arbeits-)Zeit damit herumschlagen zu dürfen, Akten von A nach B zu tragen.

Und - man mag es kaum glauben - es vermindert die "Vermittlungsquote".
Denn auch "exmatrikulierte" Arbeitslose gelten als "erfolgreich vermittelt". Selbst kranke Arbeitslose verbessern die Statistik, wenn auch nur temporär.

Wer Erfolge braucht, verschafft sie sich eben. Koste es, was es wolle. :D

Jede noch so kleine Vermittlungsagentur hat bei drastisch weniger laufenden Kosten wesentlich mehr Leistung zu bieten. Und das klassische "an-die-Hand-nehmen" ist grundsätzlich dabei. Da werden Portfolios aufbereitet, Bewerbungen gesichtet und auf das neue Unternehmen optimiert. Gar nicht so selten werden (Vor-)Verhandlungen sogar im Beisein von Spezialisten des Vermittlungsunternehmens geführt.

Warum? Ganz einfach: Für diese Unternehmen reicht es nicht, einfach nur zu behaupten, man sei erfolgreich in der Vermittlung tätig. Sie müssen davon leben. Und deshalb sind sie die besten Lehrmeister die es gibt. Auch - UND GERADE - für die BA!

Aber hey, das würde bedeuten, am richtigen Ende zu reformieren. Und das wollen wir ja schließlich nicht, nicht wahr? So viel Erfolg wäre gar nicht auszuhalten, denn dann müsste man darüber nachdenken, was wohl mit den vielen zehntausend anderen Arbeitssuchenden passieren soll, die trotz optimaler Vermittlung einfach nicht unterzubringen sind. ... Aber das ist ein anderes Thema. :)
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27.07.2006 16:47 Uhr von DER_Schnupfen
 
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Ja wenn: dann nicht zufällig der antrag irgendwo in der Agentur für Arbeit verschwindet
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27.07.2006 17:18 Uhr von swald
 
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evil_weed: "das beste was man machen kann ist den Staat vorne und hinten zu betrügen, so wie er uns betrügt."


Super Einstellung, der Staat reagiert auf solche Missstände mit seiner einzigen Möglichkeit, dem Streichen von Leistungen, das alle die irgendwann mal Arbeitslos werden ausbaden müssen.
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27.07.2006 17:23 Uhr von swald
 
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«azero»: "Weil interne Vorgaben existieren, möglichst viele Menschen aus den Leistungen der BA zu drücken. Und das - häufig genug - mit allen legalen und illegalen Mitteln."

Ich wußte garnicht das du ein AA-Insider bist;-)

"So weist das Amt dann "Leistung" und "Effizienz" nach. "

Diese Worte im Zusammenhang mit Ämtern aus deiner Feder.

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