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Cytologie: "Einsame" Zellen beginnen zu wandern und suchen Kontakt

Zellen sind gesellig, so die Feststellung von Joachim Spatz, Professor für biophysikalische Chemie in Heidelberg, vergleichbar mit dem Kontaktbedürfnis eines Menschen. Ihr Verhalten ist dabei abhängig von der Anzahl der Kontaktstellen im Gewebe.

Hat sie genügend Anschlusspunkte zum umgebenden Gewebe, der Professor nennt einen Punktabstand von 58 Nanometern, so verharrt sie dort. Mangelnder Anschluss jedoch veranlasst die Zelle, sich auf die Suche nach einer weniger einsamen Stelle zu begeben.

Findet sie einen solchen Ort nicht, kann dies sogar den Zelltod zur Folge haben. Auch die Proteinbiosynthese der Zelle ist abhängig von ihrer "sozialen Einbettung". Man erhofft sich von dieser Erkenntnis auch Aufklärung über die Metastasenbildung.


WebReporter: The_Nothing
Rubrik:   Wissenschaft
Schlagworte: Kontakt, Zelle
Quelle: www.geo.de

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4 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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15.06.2006 21:48 Uhr von The_Nothing
 
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Wandernde Zellen, die Kontakt suchen, was es nicht alles gibt. Dass Zellen miteinander kommunizieren ist ja mittlerweile hinreichend bekannt, aber das sie regelrecht ein Bedürfnis dafür haben...
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15.06.2006 22:28 Uhr von ophris
 
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@The_Nothing: Gerade in den Zell-Zell-kontakten drückt sich die Zugehörigkeit von Zellen zu einem Organ und dessen Funktionalität aus. Es gibt unterschiedliche Zelloberflächenproteine die Zell-Zell- und Zell-Gewebe-Verbindungen vermitteln können. Das Interessante hierbei, was auch Gegenstand von vielen Forschungsvorhaben ist, hierbei werden Signale produziert, die in den Zellkern übertragen, maßgeblich zur Differenzierung (korrektes Verhalten), oder zur Entartung beitragen. Deine News ist sehr schön strukturiert und spiegelt das derzeitige Forschungsinteresse hierbei wieder - welche Fehlkontakte veranlassen Krebszellen zum krankhaften Wachstum, und welche Kontaktinformationen können sie töten? Tödliche Kontakte werden z.B. von Zellen des Immunsystems vermittelt, aber gibt es auch andere, therapeutisch relevante Kontakte?
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15.06.2006 22:45 Uhr von The_Nothing
 
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@Ophris: Dass interzelluläre Kommunikation wichtig ist zeigt sich ja auch am Beispiel der Wundheilung, hier werden Zellkontakte abrupt durch eine Verletzung beendet. Dies wieder veranlasst die betroffenen Zellen dann zur Teilung. Sie "erkennen "also, obiger Erkenntnis folgend, vermutlich anhand jetzt fehlender Kontaktdichte an einer Seite (die Wundseite) die Verletzung.

Krebszellen sind meines Wissens nach omnipotente Zellen (verbessere mich bitte, falls ich irre), die ihre Spezialisierung verloren haben, sich deswegen vielleicht unkontrolliert teilen, da die Kontakte zu anderen Zellen unwichtig werden. Sie lösen sich ja quasi freiwillig aus dem Zellverband (Metastasenbildung), der ja auch wesentlich lockerer strukturiert ist als normales Gewebe.

Darüber hinaus werden auch bestehende Kontakte zu andersartigen Zellen ignoriert (infiltratives Wachstum).

Ich denke mal, die Erforschung der interzellulären Kommunikation und ihr Einfluss auf das Verhalten der Zelle birgt noch den ein oder anderen Nobelpreis in sich :-)
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15.06.2006 23:19 Uhr von ophris
 
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@The_Nothing: Nobelpreise gibt es da bestimmt noch, davon bin ich überzeugt. Mit Krebs gibt es oft sehr komische Geschichten. Es gibt zum Beispiel Brusttumore, die von umgebenden Zellen nicht erkannt werden, sondern als Verwundung wahrgenommen werden. Daraufhin geben die gesunden Zellen Enzyme nach aussen ab, die die "Wundstelle" aufräumen sollen. Dieser Schuss geht jedoch nach hinten los, da hierdurch die Brustkrebszellen in den Körper wandern können. Nun kommen aber doch wieder die Kontakte ins Spiel, da bestimmte Tunorarten nur in bestimmten Organen Metastasen bilden. Oft kommt z.B. die Kombination Brustkrebsmetastasen und daraus resultierender Knochenkrebs vor, weil die Tumorzellen sich dabei in der Knochenmatrix erfolgreich einnisten können.
Der Begriff omnipotent ist eher auf embryonale Zellen anwendbar, da sie sich zu jedem beliebigen Zelltyp differenzieren können (= allmächtig). Krebszellen sind eher das Gegenteil, da sie aus jedem Schema rausfallen, also dedifferenziert sind und sich unreguliert teilen.

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