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Merkel widerspricht Glos: Am Atomausstieg soll festgehalten werden

In der neu entfachten Debatte zur deutschen Energiepolitik hat sich Bundeskanzlerin Merkel (CDU) klar gegen die Forderung von Wirtschaftsminister Glos (CSU) nach einer Verlängerung der Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke gestellt (ssn berichtete).

Wie Merkels Sprecher Thomas Steg mitteilte, lasse der Koalitionsvertrag «nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig». «Deshalb kann die Regelung zum Atomausstieg nicht geändert werden.» Es sei jetzt weder die Zeit noch der Ort für diese Diskussion.

Es wurde jedoch nicht ausgeschlossen, dass diese möglicherweise bei einem im März stattfindenden Energiegipfel auf die Tagesordnung kommen könnte. Anlass für die Äußerungen von Glos war der Erdgasstreit zwischen Russland und der Ukraine.


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WebReporter: bress
Rubrik:   Politik
Schlagworte: Angela Merkel, Atomausstieg
Quelle: www.tagesschau.de

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11 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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05.01.2006 11:03 Uhr von bress
 
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Und wieder muss Angela Merkel ihre vorpreschenden Kollegen aus der CSU einfangen. Der Auslöser dieser Diskussion, der Erdgasstreit zwischen Russland und der Ukraine, hat meines Erachtens mit dem Thema Atomausstieg nicht viel zu tun. Denn auch die atomaren Brennstoffe müssen importiert werden, so dass man sich auch hier wieder in eine Abhängigkeit von anderen Ländern begibt. Außerdem schätzen Experten, dass die Uranvorräte ebenfalls in etwa 30 Jahren erschöpft sein dürften.
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05.01.2006 11:42 Uhr von GumboWeizenkeim
 
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Die CSU ist einfach cool: Merkt dass sie momentan überhaupt nix zu sagen hat in der Regierung und versucht jetzt, sich durch derartige Alleingänge ein Profil zuzulegen. Ziemlich jämmerlich wenn ihr mich fragt.
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05.01.2006 11:48 Uhr von rh1974
 
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@amb: recht du hast, aber stell dir vor, wir entwickeln tatsächlich die kernfusion.

"aaaahhhhhhhhh teufelswerk!!! verbieten! nichtmachen tun soll." das wären höchstwahrscheinlich die antworten aller grünkarierten, kein strom benötigender körnerfresser.

*sarkasmus on*

is ja auch logo, der strom bedarf ist durch hilfsenergien mittels zupflastern der landschaft mehr als zu decken und co2-ausstoss? alles quatsch und ungefährlich etc......

*sarkasmus off*
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05.01.2006 12:32 Uhr von Moses_-_
 
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@rh1974: is dir vielleicht schon aufgefallen dass kernspaltung gefährlich ist? und zwar nicht nur im kraftwerk (durch unfälle, terror ....) sondern auch praktisch für immer? jaja...es strahlt weiter...!

bei kernfusion ist das anders!
1. strahlt sie kaum und die abfallprodukte (helium) strahlt bekanntlich auch nicht
2. ist die Energie die freigesetzt wird viiieeeel mehr als bei der spaltund von uran:
Ein Gramm Wasserstoff setzt etwa dieselbe Menge Energie frei wie acht Tonnen Erdöl oder elf Tonnen Kohle. Die Wasserstoffbombe macht sich diesen Effekt zunutze, allerdings wird hier die Energie unkontrolliert auf einmal freigesetzt.
3. ist der brennstoff praktisch unendlich verfügbar:
2 Drittel der erdoberfläche sind wasser und in jedem lieter Wasser stecken ca 600-700 Gramm Wasserstoff!! Also die Energie von 4.800.000-5.600.000 Kg erdöl!!!!!!

Da glaube ich nicht dass irgendjemand sich dagegen streuben wird....mit welchem Grund auch?

und wir sind verdammt nah an der entwicklung dieser energiequelle:
http://de.wikipedia.org/...
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05.01.2006 13:54 Uhr von derSchmu
 
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@Moses: wohl nicht ganz auf dem Laufenden, wie?
Dank der SPD und den Grünen und ihrem Atomausstiegsprogramm wurde parallel zu diesem Programm auch die Atomforschung in Deutschland eingeschraenkt....was dazu gefuehrt hat, dass sich der erste Fusionsreaktor zu Forschungszwecken schon laengst in der Bauphase befindet...aber in Frankreich....ok, fliegt das Ding einem um die Ohren haben wir Glück, aber wir kriegen ja auch so schon was ab....den Atomstrom aus Frankreich...
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05.01.2006 13:56 Uhr von kwikkwok
 
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Frau Merkel ist halt Realistin: Und womöglich folgt sie dem altmodischen Motto pacta sunt servanda.

Beides ist den CSU-Tupamaros aus Bayern eher fremd und fern;)
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05.01.2006 17:13 Uhr von eros007
 
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@moses bez. Kernfusion: <<<< 3. ist der brennstoff praktisch unendlich verfügbar:
2 Drittel der erdoberfläche sind wasser und in jedem lieter Wasser stecken ca 600-700 Gramm Wasserstoff!! Also die Energie von 4.800.000-5.600.000 Kg erdöl!!!!!! >>>>

Das ist so nicht richtig. Einerseits macht Wasserstoff nicht so viel Masse vom Wasser aus - ein Sauerstoffatom ist etwa 16 Mal so schwer wie ein Wasserstoffatom - folglich sind nur etwa 115 Gramm Wasserstoff in einem Kilo Wasser drin.

Zweitens: Für die technische Nutzung verwendet man nicht normalen Wasserstoff (wie Wikipedia für ITER in dem von dir angegebenen Link angibt), sondern sog. Deuterium, schweren Wasserstoff. Im Atomkern befindet sich neben dem einen Proton noch ein Neutron. Für die Reaktion wird neben Deuterium, das 0,015% der H-Atome auf der Erde ausmacht, auch Tritium benötigt. Dieses gewinnt man aus 6-Lithium - in einer Nebenreaktion im Plasma.
Deuterium und Tritium reagieren zu Helium und einem Neutron. Die freigewordene Energie wird mittels des Neutrons an die Reaktorwand abgeführt... von dort wird dann eine normale Turbine angeschlossen, die Strom aus der entstehenden Wärme erzeugt.
Siehe hierzu: http://de.wikipedia.org/...

Jedenfalls entsteht gerade durch jenen Neutronen-Beschuss der Wände Radioaktivität. Also ganz ohne Radioaktivität geht es auch bei der Fusion nicht zu. Heute scheint die Kernfusion also der wohl beste Energieträger (abgesehen von erneuerbaren Energien, die jedoch zur Nutzung des Strombedarfs von bald 9 Milliarden Menschen kaum ausreichen werden). Aber ob sie die hohen Erwartungen tatsächlich erfüllt, weiß heute keiner. ITER gibt hoffentlich Aufschlüsse. Aber nicht vor 2025. Also vor 2040 werden wir keinen Strom aus Kernfusion gewinnen - es sei denn, vieles geht besser und schneller als geplant. Was aber selten der Fall ist bei solchen Großprojekten.

Mindestens bis zum Jahr 2040 müssen wir also mit anderen Energieträgern auskommen. Da fossile Energieträger durch ihren hohen CO2-Ausstoß den Treibhauseffekt verstärken und zu einer deutlichen Erwärmung der Erde führen, würde ich nicht auf Kernenergie verzichten. Die ist zwar nicht risikofrei (ganz gewiss nicht), aber es gilt das Risiko eines möglichen Unfalls in einem AKW abzuwägen gegenüber der nachgewiesenen Naturzerstörung der Treibhausgase. Schließlich ist kein Energieträger, der eine weltweite Versorgung sichern kann, risikofrei!

Ich finde, dass natürlich die Forschung an erneuerbaren Energien verstärkt werden muss, aber ein Ausstieg aus der Atomenergie gefährdet meiner Meinung nach den Forschungsstandort Deutschland beträchtlich. Da gehen Arbeitsplätze verloren! Und bereits vorhandenes Know-How!

Von einer modernen Regierung, die Merkel gerne stellen würde, erwarte ich mir, dass sie KEINER Technologie mit Scheuklappen begegnet. Sondern überall (nach unseren Möglichkeiten natürlich) mitforscht. Gesetze wie in der Biotechnologie, die Entwicklungen verzögert haben (durch gewisse Forschungseinschränkungen), können wir uns eigentlich nicht leisten. Solche Entscheidungen kosten mehr Arbeitsplätze, als Subventionen in Kohle erhalten. Und kosten Geld. Dies gilt auch, wenn sich eine Technologie hinterher als Holzweg herausstellt.

Denn wir verschließen uns dann nicht nur Risiken, sondern auch Möglichkeiten.

Aufwachen, Frau Merkeln, liebe Grünen, liebe SPD. Bevor es zu spät ist!
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05.01.2006 17:40 Uhr von eros007
 
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klarstellung: Ich schrieb
"Dies gilt auch, wenn sich eine Technologie hinterher als Holzweg herausstellt."

Um Missverständnisse auszuschließen:
Hiermit meine ich, dass es gewiss Forschungszweige gibt, die sich hinterher als nutzlos herausstellen und deren Erforschung mehr oder weniger nur Geld gekostet hat. Aber wer sich aus Scheu, dass aus dem Gebiet X eventuell kein Geld rausschaut, nicht rantraut, kann auch um riesen Erfolge gebracht werden. Siehe "Computer für jedermann". Nicht viele waren überzeugt davon. Heute selbstverständlich. Von Deutschland komplett verschlafen. Erweiterte Grundlagenforschung (damit meine ich die Erforschung von Gebieten, wo später mal Produkte rausschauen könnten) - wie etwa in der Nanotechnologie - hat immer ein gewisses Risiko. Trotzdem müssen wir es eingehen.

Wenn ein Unternehmer sich nicht das Geld nimmt, an neuen Produkten zu forschen (wohl wissend, dass drei Viertel der Arbeit nutzlos sind), kann man nicht erwarten, dass das Unternehmen die Zukunft erfolgreich meistern wird. Unter geänderten Umständen gilt das eben auf für einen Staat.

Meiner Meinung nach sollen Forscher überwiegend selbst entscheiden können, woran sie forschen. Ohne gesetzliche Schranken. Ein Ethikrat kann hinterher entscheiden, ob ein Produkt daraus werden kann oder nicht. Staatliche Forschung kann natürlich entsprechend gesteuert werden (woran man forscht und woran nicht), aber totale Entsagung auf einem Gebiet ist meiner Meinung nach Irrsinn.

Merkel als promovierter Physikerin hätte ich etwas mehr Weitsicht zugetraut. Denn Atomausstieg bedeutet unweigerlich fehlende Ressourcen. Auch was die Wiederaufbereitung betrifft - schließlich haben wir die AKWs nun mal laufen und es fällt Müll an. Also gefälligst daran forschen! Schade, wenn man sich durch einen Ausstieg die Perspektive an solchen Lösungen nimmt.

Zu guter Letzt: Ein überzeugter Atomkraftgegner beantworte mir mal die Frage, warum nahezu alle westlichen Länder wieder verstärkt auf Atomkraft setzen. Finnland und Schweden bauen neue Kraftwerkstypen. Frankreich erhöht die Mittel für Kernforschung. Sind diese Länder wirklich alle so rückständig, wie man hierzulande Leute bezeichnet, die gegen den Atomausstieg? Oder ist die Abkehr vom Atomstrom nicht selbst rückständig - trotz der Gefahr?
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05.01.2006 17:54 Uhr von Johannes Fuß
 
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@eros007: schöner Beitrag - ansonsten hier leider eher selten zu finden
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05.01.2006 23:08 Uhr von bress
 
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@amb: auf ein paar Kleinigkeiten möchte ich in diesem Zusammenhang natürlich schon noch gerne hinweisen:
Du sprichst von den Kosten für die Herstellung von Sonnen-/Windkraftanlagen etc. (Stahl, Halbleiter ...), lässt aber eben diese Kosten aus der Betrachtung der Kernkraft heraus.
Die Energie, die ein Kernkraftwerk liefert, ist auch nicht ganz ohne Energieaufwand zu bekommen:
- im Gegensatz zu Sonnen-/Wind-/Wasserenergie muss hier mit großem Energieaufwand Uranerz abgebaut, das Uran daraus gewonnen, veredelt, verarbeitet, transportiert..... werden
- Der Bau und die Wartung eines Kernkraftwerks sind mit einem hohen Aufwand an Material und Arbeitskraft verbunden.
- Dazu kommt der Aufwand für Sicherheit im Betrieb, der Versorgung und der Endlagerung
- Was häufig nicht betrachtet wird: die meisten Kernkraftwerke haben teils monatelange "Downtimes" für Revisionen, Mängelbeseitigung etc.
Und am Ende kann niemand genau sagen, ob uns nicht doch irgendwann aufgrund irgendeiner Schlamperei oder einer nicht vorhersehbaren Materialermüdung das Ganze mit unerwartet viel nicht gewollter Strahlungsenergie versorgt. Oder hat irgendein Hersteller von Strahlenschutzbehältern wirklich schon die Gelegenheit gehabt, über Computersimulationen hinaus die Haltbarkeit seiner Materialien unter ständiger Strahlenbelastung im Langzeittest (50 Jahre und mehr...) praktisch zu bestätigen?

Außerdem ist der Ausstieg ja nicht das, was er z.B. seinerzeit in Österreich bedeutete. In Österreich wurden erst gar keine Kernkraftwerke in Betrieb genommen. Bei uns in Deutschland hingegen sind sie noch in Betrieb, und werden das dem Koalitionsvertrag zufolge auch z.T. bis 2020 und später bleiben.

Habe während meiner Recherche für diese Antwort übrigens eine Zahl gefunden, die recht interessant klingt. Laut Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) liegen die Investitionen für eine Kilowattstunde Kapazität bei "normalen" Gas- und Dampfkraftwerken bei ca. 550 Euro, bei Kernkraftwerken hingegen bei 1750 Euro. In diesem Betrag sind Stilllegungs-, Rückbau- und andere Folgekosten wie Endlagerung oder Schutz vor Terroranschlägen noch nicht eingerechnet. Wäre mal interessant, wie da die Bilanz der regenerativen Energien aussähe, habe leider auf die Schnelle keine Vergleichszahlen gefunden...
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05.01.2006 23:13 Uhr von bress
 
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Nachtrag: Die in meinem Kommentar genannten Zahlen stammen aus einem Artikel aus dem Jahr 2004, nachzulesen unter

http://www.umweltinstitut.org/...

Sicher ist auch diese Quelle natürlich nicht neutral, ich denke aber, die Zahlen und Fakten als solche sollten stimmen...

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