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"Auf der Flucht" - "ZDFneo"-Doku sorgt für Riesenwirbel

Der Spartenkanal "ZDFneo" zeigt in seiner neuen Dokumentation "Auf der Flucht" Prominente, die Flüchtlingsschicksale nachempfinden sollen. Zwei Teams begehen den umgekehrten Flüchtlingsweg vom Auffanglager in Deutschland bis zum Ursprungsland. Dabei werden die Verhältnisse der Asylsuchenden aufgezeigt.

Doch genau hier polarisiert die Sendung, vor allem im Internet. Bei Facebook bezeichnen viele die Sendung als "menschenverachtend", manche aber auch als "überzeugend". Die Dokumentation erinnert stark an das "Dschungelcamp", wenn sich die Prominenten untereinander fast inszenatorisch streiten.

Die "Welt" spricht von einer zynischen Quotenjagd, in der die Grenze des Erträglichen überschritten wurde. Die "Frankfurter Rundschau" sieht das Experiment als gelungen an. Das ZDF verteidigte die Sendung, in der man ein komplexes Thema durch die Reise der Prominenten nachvollziehbar gemacht habe.


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WebReporter: ghostinside
Rubrik:   Entertainment
Schlagworte: Kritik, Doku, ZDFneo, Auf der Flucht
Quelle: www.focus.de

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8 User-Kommentare Alle Kommentare öffnen

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09.08.2013 15:29 Uhr von ghostinside
 
+1 | -4
 
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09.08.2013 15:54 Uhr von zabikoreri
 
+12 | -3
 
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Hab gerade wieder die tolle Rechnung von denen bekommen. Jetzt weiss man ja wieder, für was einen Müll man arbeitet.

Diese ´Promis´ sollen sich ihre Urlaubsreisen gefälligst selbst bezahlen!
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09.08.2013 17:41 Uhr von TeKILLA100101
 
+11 | -4
 
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@zabikoreri

ok alle meckern über das Programm von den ÖR. Was sollten sie denn senden, damit es keinen Grund zum meckern mehr gibt?

Kommt Fußball, wird dafür das Geld zum Fenster rausgeworfen, kommt keiner ist es auch wieder falsch, weil man schließlich Geld bezahlt.

Kommt Tatort, ist es Schund, der schon viel zu lange läuft. Kommt kein Tatort, fehlt jeden Sonntag was für viele.

Kommen Dokumentationen, ist es nur langweiliger mist. Kommen keine Domumentationen, erfüllen sie nicht ihren Bildungsauftrag....

Meckern um des Meckerns willen...
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09.08.2013 18:46 Uhr von Montrey
 
+3 | -2
 
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Schaut es euch an und ihr werden sehen das das Thema ziemlich ernst genommen wird.
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09.08.2013 22:27 Uhr von Beretta
 
+1 | -0
 
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Bis jetzt dachte ich immer das RTL2 für niveaulose Unterhaltung steht - hab mich offensichtlich geirrt.
Irgendein geistiger Tiefflieger wird sich den Schrott schon ansehen und schon hat man wieder einen Grund geschaffen für die GEZ.
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09.08.2013 22:38 Uhr von jupiter_0815
 
+1 | -2
 
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Für den Schrott geht also meine Gez Gebühr drauf...
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14.08.2013 13:00 Uhr von Azureon
 
+1 | -0
 
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"Die "Welt" spricht von einer zynischen Quotenjagd, in der die Grenze des Erträglichen überschritten wurde."

Das denke ich mir jeden verfickten Tag wenn ich Pro7, Sat.1, RTL, RTL2, Kabel 1 oder Vox laufen sehe. Wo ist also die News?

[ nachträglich editiert von Azureon ]
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21.08.2013 19:22 Uhr von bGabrin
 
+1 | -0
 
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Warum über Flüchtlinge statt mit ihnen?

Zwanzig Jahre journalistischer Erfahrung in Deutschland haben mich gelehrt, dass die Themenauswahl - leider auch bei öffentlich-rechtlichen Medien - stark von der Jagd nach Einschaltquoten beeinflusst ist. Zu selten haben Redakteure den Mut an die Intelligenz und Lernfähigkeit ihres Publikums zu glauben und ihnen die „harte Kost“ vorzusetzen, die nun mal Realitäten unseres Jahrhunderts spiegelt. Offensichtlich hat dieser Mut auch den Kollegen bei ZDFneo gefehlt.

Die menschenunwürdigen Geschehnisse auf den weltweiten Flucht- und Migrationsrouten werden in der Regel bestenfalls als Dokumentationen auf Sendern wie ARTE gesendet oder sind - wenn sensationell und extrem genug - in den Nachrichten zu sehen wo sie (vermutlich) häufig weggezappt werden. Folgerichtig ist es kein Wunder, dass ZDFneo beim Versuch, das komplexe Thema in der angestrebten Bandbreite zu präsentieren, meint, auf die Mittel einer Reality-Show zurückgreifen zu müssen.

Entsprechend wurde dadurch ein sensibles Thema vereinfacht und zu einer Soap Opera verarbeitet, die nur so viele Hintergrundinformationen liefert, wie es die Dramaturgie des Formats zulässt. Aus der Sicht von Flüchtlingen hört die „Reality“ dieser Serie schon dort auf, wo deren auf dem Halbwissen sowie der Aufklärung und „Bekehrung“ seiner Protagonisten basierende Idee ansetzt: den Flüchtlingsweg in umgekehrter Richtung, also von Europa nach Afrika, anzutreten ist letztlich wie ein Hürdenlauf ohne Hürden. Müßig an dieser Stelle noch mehr Kritikpunkte von Betroffenen und Kennern der Szene aufzuführen, zumal man den Machern zugute halten muss, dass sie sich der prinzipiellen Problematik ihres Ansatzes durchaus bewusst sind und diese auch selbst thematisieren.

Aus meiner Sicht ist aber die Hauptfrage, warum die Geschichte der Flüchtlinge, um die es hier geht, nicht – am besten in einem innovativen Format - vorwiegend aus deren Perspektive erzählt wird, sondern in derjenigen Weise, wie es Mainstream-Medien schon immer machen: Sie berichten über Flüchtlinge, vereinfachend, verallgemeinernd und in sie hineininterpretierend.

Allerdings ist es in der aktuellen deutschen Medienlandschaft nicht einfach, die Opfer der erst falschen und mittelerweile aus dem Ruder geratenen Flüchtlingspolitik selbst zu Wort kommen zu lassen. Diese Erfahrung habe ich sowohl als jahrelange Aktivistin der Flüchtlingbewegung, als auch als Print-, Hörfunk - und Fernsehjournalistin und seit vier Jahren als Chefredakteurin von Radio multicult.fm (ehrenamtlicher, spendenfinanzierter Nachfolger des 2008 vom RBB eingestellten Senders Radiomultikulti) gemacht.

Zuletzt im März dieses Jahres, als wir jungen, interessierten Flüchtlingen, die auf dem Camp am Berliner Oranienplatz für eine Änderung des deutschen Asylrechts kämpften, einen journalistischen Crashkurs und einen eigenen Sendeplatz in unserem Programm geben wollten. Die Residenzpflicht machte uns einen Strich durch die Rechnung: Vier der insgesamt sechs Teilnehmer mussten nach zwei Wochen Berlin fluchtartig verlassen, weil ihnen die Ausweisung aus Deutschland drohte. Wegen fehlender finanzieller Mittel konnte mein Team die Arbeit mit ihnen nicht quer über die Republik weiterführen.

Fazit: Journalistisch und menschlich gesehen eher fragwürdige Mittel wie die Teaser mit den gruseligen „Highlights“ des „Abenteuers Flucht“ wären verzichtbar gewesen, und ich habe meine Zweifel, ob eine solche Reality-Show geeignet ist, die richtige Debatte über diese Thematik anzuschieben. Allerdings sehe ich durchaus die Chance, dass in Zukunft mehr Menschen das Thema als dringliches Problem unserer Zeit wahrnehmen und das Klischee des „Asylbewerbers, der in Saus und Braus auf Kosten des Steuerzahlers lebt“, zumindest im Ansatz revidiert wird.

Donnerstag, 22.08, um 8:10 Uhr berichtet eine Reportage im Radio multicult.fm Morgenmagazin, wie Teilnehmer des Berliner Flüchtlingscamps über die Serie denken und zu welchen Konsequenzen die Reality Serie bei einer der Protagonistinnen führte. (auf www. multicult.fm, terrestrisch in Berlin und Potsdam auf 88,4 Mhz)

B. Gabrin (Initiatorin/Chefredakteurin multicult.fm)

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