Gegenüberstellung zweier Straftaten oder wie wird in Deutschland geurteilt?
(Kurzgeschichte)

Infos des Autors zum Text:

Als ich diese wahre Geschichte zum ersten Mal hörte, dachte ich, das kann ja wohl nicht sein. Sie hat sich genauso zugetragen. Max hatte den ganzen Schaden, wurde hart bestraft, und hat seine Wohnung deswegen verloren. Die beiden Schweine, die ihm alles ruinierten, bekamen gar nichts. Klar, Max machte was Illegales, aber sind ein Tierleben, einige Wertsachen, der Verlust der Sicherheit des eigenen Zuhauses und eine verwüstete Wohnung weniger Strafe wert als 6 Joints? Meiner Meinung nach nicht! Was meint ihr dazu?
Hallo,

Ich möchte Euch folgende Geschichte erzählen, die sich in meinem Freundeskreis vor knapp 6 Jahren zutrug.

Ein junger Mann, bis dahin in Heimen lebend, bezog voller Stolz seine erste eigene Wohnung. Klein, 1 1/2 Zimmer, aber für eine Person völlig ausreichend. Er hatte sich vorher bei Heimfahrten immer schon mit ein paar Gleichaltrigen und Jüngeren angefreundet, die in dieser Ecke lebten. Der junge Mann feierte gern und oft, dabei ging auch mancher Joint herum. Nach einiger Zeit bekam der junge Mann mit, dass sein jüngerer Bruder Probleme mit einem Schlägertyp im Viertel hatte. Da der Mann, nennen wir ihn hier Max, wollte, dass sein Bruder in Ruhe gelassen wird, lud er den Kerl zu sich ein. Als Rückendeckung für den Notfall bat er einen bis dahin guten Freund, bei dem Gespräch, denn mehr war nicht geplant, anwesend zu sein.

Als sich das Gespräch endlich ergab, wollte Max mit einem Joint die Stimmung etwas auflockern. Das funktionierte auch gut, denn sein Bruder wurde fortan in Ruhe gelassen. Was Max nicht ahnte: Der Schläger, nennen wir ihn hier Martin, nahm Maxens besten Freund, nennen wir ihn hier Thomas, mit nach Hause, und bot ihm Heroin an. Fortan waren die beiden die besten Freunde, und schnell an der Nadel. Sie tauchten auch öfter noch bei Max auf, um ihm einen Joint oder auch zwei abzubetteln. Max sagte selten nein.

Als Max einmal von einem Wochenende von einem Freund nach Hause kam, traf ihn der Schlag: Seine Wohnung sah aus wie ein Schlachtfeld, eines seiner geliebten Zwegkaninchen schwer verletzt und ein Ledermantel sowie eine Playstation fehlten. Als er wieder etwas runtergekommen war, sah er sich um und erkannte, dass beide Flügel des Flurfensters offen standen. Das wiederum zeigte ihm, dass als Verdächtige nur Thomas und Martin in Betracht kamen, da beide einen großen Leibesumfang aufwiesen.

Die herbeigerufene Polizei kam mit der Spurensicherung und konnte anhand der Fingerabdrücke bald feststellen, das Maxens Verdacht berechtigt war. Das "Duo Infernale" kreuzte auch kurz darauf bei Max auf, um diesen zu bedrohen, was aber aufgrund des Altersunterschieds und der Tatsache, das Max fast zwei Köpfe größer war, im Sande verlief.

Einen Tag danach klingelte es bei Max, um 9 in der Früh. Vor der Tür stand ein Mann, der sich als Polizist auswies, und Max dachte, er käme wegen des Einbruches. Allerding war die erste Frage des Beamten in Zivil, wo die Bong sei. Als Max sagte, er besitze keine, sagte der Polizist wörtlich: "Lüg mich nicht an, Du Drecksgiftler, sonst gibts eine aufs Maul!". Konsterniert über den Umgangston bot Max dem Herrn an, er könne dies gerne versuchen, solle sich aber nicht beschweren, wenn er das Echo nicht vertrüge. Als der Polizist sah, dass sich Max nicht einschüchtern ließ, wurde er geringfügig umgänglicher, d.h. er bestellte Max für den nächsten Morgen aufs Revier ein. Max erschien dort mit seinem Anwalt, und dort stellte sich heraus, dass Martin und Thomas bei ihrer Vernehmung zu dem Einbruch zu Protokoll gegeben hatten, sie hätten "immer" Hasch von Max erhalten. Als Max erfuhr, dass Martin erst 16 war (er sah aber wesentlich älter aus!), und der andere grade mal 19, konnte er sich denken, dass das Ärger geben würde.

Als es zur Verhandlung kam, wurde Max angeklagt, 6-mal Cannabis zum uneigennützigen Verbrauch abgegeben zu haben, was heißt, er habe es verschenkt, was ja auch der Fall war. Die beiden Einbrecher wurden wegen Einbruch, Diebstahl, Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und Hehlerei angeklagt.

Am Tag der Verhandlung ging Max mit der Gewissheit ins Gericht, eine Strafe zu erhalten, aber er wusste auch, dass die Zweierbande bestraft werden würde. Bestraft dafür, dass sie einem Menschen das Gefühl von Sicherheit in seiner Wohnung genommen haben, der seitdem nicht mehr ruhig schlafen konnte. Bestraft dafür, dass sie aus reiner Bosheit einem Hasen das Bein gebrochen hatte, nur weil dieser zubiss, als sie ihn traten. Als Max sein Urteil (8 Monate mit 3 Jahren Bewährung) in Empfang genommen hatte, ging er in die andere Verhandlung um seine Aussage zu machen, und sich das Urteil anzuhören.

Was er zu hören bekam, konnte keiner, dem man es später erzählte, glauben. Thomas wurde zu 4 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, Martin, der Haupttäter bekam 30 Stunden Sozialdienst. Bei der Urteilsverkündung grinsten sie Max an. Beide gingen als freie Männer aus dem Saal, und keiner hatte auch nur das Geringste aus der Sache gelernt oder war ernsthaft bestraft worden. Das sah man schon daran, dass Thomas 2 Jahre später an den Folgen der Sucht verstarb. Martin fixt heute nicht mehr, aber ist einer der größten Hehler in der Gegend und dealt. Max verlor wegen dieser Sache auch noch seine Wohnung, lebte fast 2 Jahre bei seinen Eltern und unternahm 2004 einen Selbstmordversuch. Heute ist er langsam wieder ein normales Mitglied unserer Gesellschaft.


Verfasst von JustMe27 am 02.11.2006 um 22:43 Uhr



Kommentare 1-10 von 38      


10.11.06 00:50 Uhr JustMe27
Ein paar Zusatzifos, die ich vergessen habe:
Max war zu der Zeit 22, also wurde er nach Erwachsenen-Strafrecht abgeurteilt.

Der Hase erholte sich nie mehr ganz, und starb 4 Wochen später. Er liess weder Max noch sonst wen mehr an sich heran, vertraute niemandem mehr.

Martin wird regelmässig verhaftet, aber hat sich eine Clique um sich geschart, die ihm mit gefälschten Alibis verschaffen. Er erpresst, dealt, und stiehlt alles, was nich niet- und nagelfest ist.

10.11.06 09:53 Uhr Guyver111
Tja leider ist unsere Justizia nicht so Blind wie sie sein soll, was die Person angeht.
In Max haben die Richter vermutlich nur den Jungen aus dem Heim gesehen der anfangen will zu dealen, und Martin und sein Kumpel waren die Armen jungen opfer.

Unser Rechssystem hätte echt mal ne Überholung nötig aber leider gibt es Zuviele die die schwächen im System ausnutzen wollen und sich deshalb dagegenstellen.

10.11.06 12:03 Uhr JustMe27
Hi,
Ganz krass gesagt, ist auch Thomas nur ein Opfer gewesen. Aus einer Jenische (so etwas ähnliches wie Roma und Sinti, aber ethnisch Europäer)-Familie stammend, hatte er bis zu dem Treffen mit Martin nie harte Drogen konsumiert, den das ist bei den Jenischen verpönt. Niemand wird zum Drogen nehmen gezwungenm, aber trotzdem...

2 Jahre später war er tot, obwohl wir alle dachten, er hätte den Absprung geschafft. Er hinterliess eine Frau und eine kleine Tochter.

Mit Martin wird es irgendwann ein böses Ende nehmen, zumkindest hoffen das alle, die ihn kennen.

11.11.06 00:34 Uhr Janina 2000
Hallo. Ich mag diese Scheiss-Justiz in Deutschland auch nicht. Vor allem weil mir ca. 80% der Strafen empörend zu niedrig sind. Du hast uns bei deinem geschilderten Fall aber über eins im Unklaren gelassen. Du hast uns nichts über mögliche kriminelle Vorgeschichten des Kiffers erzählt. Es ist nämlich so: in Deutschland hängt die Höhe der Strafe an erster Stelle nicht von der Schwere der Tat ab, sonder davon, wieviele Taten der Angeklagte in seinem Leben bereits vorher begangen hat. Es wäre also wichtig zu wissen, wie oft der Kiffer (der 8 Monate auf Bewährung erhielt) bereits vor Gericht stand oder einen Strafbefehl per Brief erhielt. Vielleicht hatte er zur Zeit sogar noch eine laufende Bewährung wegen einer früheren Tat. Er wird dir über mögliche Vorgeschichten natürlich nichts erzählt haben. Denn wer tut das schon. Aber erst wenn man das weiß, dann kann man abschätzen ob seine Strafe im Verhältnis zu anderen Strafen zu hoch ist.

Im Allgemeinen möchte ich anmerken, daß gerade Kiffer oft unbelehrbare Wiederholungstäter sind. Denen kann man 10 mal sagen, Du Du Du, das darfst du nicht, die machen trotzdem weiter.


Grüsse, Janina

11.11.06 00:35 Uhr Janina 2000
Hallo. Ich mag diese Scheiss-Justiz in Deutschland auch nicht.
Vor allem weil mir ca. 80% der Strafen empörend zu niedrig sind. Du hast uns bei deinem geschilderten Fall aber über eins im Unklaren gelassen. Du hast uns nichts über mögliche kriminelle Vorgeschichten des Kiffers erzählt. Es ist nämlich so: in Deutschland hängt die Höhe der Strafe an erster Stelle nicht von der Schwere der Tat ab, sonder davon, wieviele Taten der Angeklagte in seinem Leben bereits vorher begangen hat. Es wäre also wichtig zu wissen, wie oft der Kiffer (der 8 Monate auf Bewährung erhielt) bereits vor Gericht stand oder einen Strafbefehl per Brief erhielt. Vielleicht hatte er zur Zeit sogar noch eine laufende Bewährung wegen einer früheren Tat. Er wird dir über mögliche Vorgeschichten natürlich nichts erzählt haben. Denn wer tut das schon. Aber erst wenn man das weiß, dann kann man abschätzen ob seine Strafe im Verhältnis zu anderen Strafen zu hoch ist.

Im Allgemeinen möchte ich anmerken, daß gerade Kiffer oft unbelehrbare Wiederholungstäter sind. Denen kann man 10 mal sagen, Du Du Du, das darfst du nicht, die machen trotzdem weiter.


Grüsse, Janina

11.11.06 08:12 Uhr Filzgleiter
Janina
"Im Allgemeinen möchte ich anmerken, daß gerade Kiffer oft unbelehrbare Wiederholungstäter sind. Denen kann man 10 mal sagen, Du Du Du, das darfst du nicht, die machen trotzdem weiter."

Ist das nicht so bei allen Süchtigen?

11.11.06 09:24 Uhr JustMe27
Ganz einfach:
Doch, das hat er, wir kennen uns seit 25 Jahren. Aber es gab keine kriminelle Vorgeschichte bei Max .Nur weil er im Heim aufwuchs, muss das doch nicht bedeuten, das er automatisch kriminell wurde. Er hat halt dort das Kiffen angefangen. Im übrigen hat er danach zwar noch eine Weile weitergekifft, dann aber von selbst aufgehört. Im übrigen habe ich selber 13 Jahre lang gekifft, und als Sucht würde ich das nicht bezeichnen. Im Gegenteil. Meiner persönlichen meinung, und das obwohl ich nicht mehr rauche, sollte es leglisiert werden. Fordert übrigens die bayrische (!!) Polizeigewerkschaft seit Jahren, mit demselben Grund: Richtige Kriminelle sind wichtiger, als Jugendliche zu jagen.

11.11.06 14:18 Uhr Janina 2000
Hallo. Ich habe nicht gesagt,
dass er kriminell sein muss, weil er im Heim aufwuchs. Aber, nur weil du ihn seit 25 Jahren kennst, heisst das nicht, dass er dir nichts verschweigt. Was glaubst du, wievile Menschen aus unserem Umfeld schon einmal verurteilt wurden, wo wir das nicht vermuten würden. Die Zahlen des Bundeszentralregisters sprechen da eine deutliche Sprache: Jeder 4.in Deutschland wohnende Ausländer und jeder 16. "Deutsche" (Ausssiedler, Zigeuner, Eingebürgerte, hier geborene Deutsche) ist mindestens einmal verurteilt worden. So sagt es die Statistik des BZR. Verfahrenseinstellungen gegen Bußgelder sind da noch nicht einmal mitgezählt.

Interessant find ich, dass du sagst Kiffen ist kein Sucht. Dein Vorredner bezeichnete Kiffer ja als Süchtige.
Ich hab es bisher eigentlich immer so gesehen: Kiffer sind sowohl Süchtige als auch Kriminelle
Du weisst, dass Kiffen oft nur der Anfang von einer Drogenkarriere ist.
Ich will dir auch nicht zu nahe treten, oder dir etwas unterstellen. Aus Erfahrung weiss ich aber, dass Menschen, die sich sehr für die Straffreiheit von Kiffen einsetzen und sagen "früher habe auch ich gekifft, aber jetzt nicht mehr", dass diejenigen das nur sagen, damit man sie nicht strafrechtlich wegen ihrer Eigenbezichtigung belangen kann und weil sie wollen, dass sie in Zukunft legal und billiger weiterkiffen können.

Grüsse, Janina

11.11.06 14:25 Uhr vst
ach nöö
>Im Allgemeinen möchte ich anmerken, daß gerade Kiffer oft unbelehrbare Wiederholungstäter sind. Denen kann man 10 mal sagen, Du Du Du, das darfst du nicht, die machen trotzdem weiter.<

Im Allgemeinen möchte ICH anmerken, daß so ein Geschwätz schwachsinnig ist.

Über so viel dummes Gelaber könnte ich mich jetzt aufregen.
Genau wie über unsere Justiz.

11.11.06 15:00 Uhr Guyver111
Kiffer = Kriminell ist in meinen Augen unfug, ich habe auch einige Bekannte die kiffen aber in keinerlei weise krimilell sind, nagut sie treiben ab und zu mal unfug aber wer macht das nicht.

Janina 2000 rauchst du ?
weil wenn sucht = kriminell ist dann wäre jeder Raucher eine Krimineller, nikotin ist ja eine Süchtig machende substanz.
Einziger Unterschied ist das der Staat an Nikotin ( Zigaretten ) Geld macht und an Kiffern nicht

Das wirkliche Problem sind Leute wie Thomas, die nicht die Willenskraft haben nein zu harten drogen zu sagen, und Leute wie Martin die solche Leute ausnutzen.
Denn ich denke nicht das ein Kiffer ne Tankstelle oder so überfallen muss um sich seinen nächsten Joint leisten zu können.

Und was diese Statistik jeder 4.te Ausländer und jeder 16.te Deutsche wurde schon mal verurteilt, kannste nicht hierdrauf anwenden weil da in keiner art und weise drinsteht wieviele davon wegen drogen verurteilt worden sind.
weißt du wieviele rechtsstreits ( nur mal z.b.: Miethintersiehung, Autounfall, Scheidung usw. ) in einer verurteilung enden ?

   

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