Drei Freunde
(Freistil)

Infos des Autors zum Text:

Dieses Drehbuch entstand für das "massive multiplayer browser-only"-Spiel "Cinegame" (http://www.cinegame.de).
Titel: "Drei Freunde"
Datum: 23.09.2004

============ BEGINN ==========================

Man hört das Ticken einer Uhr. Es wird ein Spruch eingeblendet:

„Man muss lernen Zeit zu investieren, um Zeit zu gewinnen“

Viele verschiedene Uhren fliegen durch das Bild und die Musik setzt ein. Wummrige Bässe untermauern die düstere Atmosphäre.

Die Namen der Schauspieler werden kreuz und quer über den Schirm ein- und ausgeblendet. Danach folgen die Namen der Filmcrew.

[Blende]

Ein heruntergekommenes Haus in der Totalen. Die Kamera schwenkt durch ein Fenster zu einem Mann, der mit dem Rücken zur Kamera am Computer sitzt und auf der Tastatur etwas schreibt. Das Zimmer ist unordentlich. Überall hängen Zeitungsausschnitte an den Wänden – teilweise schon vergilbt. Der Mann greift zur Zigarettenschachtel und zündet sich eine Zigarette an. Er saugt gierig daran. Dann greift er zu seinem Mobiltelefon und tippt eine Nummer ein. Der Mann heißt Thomas Grouber.

[Thomas (am Telefon)]: „Hallo Wilbert?!“ (kurze Pause) „Ich bin’s. Thomas – Thomas Grouber.” (kurze Pause) “Ja – genau. Es ist geschehen.“

[Blende]
Die folgenden Szenen sind in s/w gehalten.

Drei Kinder im Alter von ungefähr zehn Jahren spielen in den Bergen. Sie spielen „Räuber und Gendarm“. Ein Kind ist Thomas Grouber als Junge. Die anderen beiden heißen Wilbert Wellow und Jasper Black.

Auf einmal stoppt einer der Jungen, Thomas, abrupt.

[Thomas]: „Schaut mal! Ich habe was entdeckt.“

Neugierig stürmen die anderen beiden zu seinem Freund.

[Jasper]: „Was den?“

[Thomas]: „Eine Höhle.“

[Wilbert]: „Seit wann ist hier eine Höhle?“

Die Kinder schieben Äste und Gebüsche zur Seite und legen eine dunkle, gähnende Höhle frei.

[Spannende Musik setzt ein]

Die Kamera fliegt auf die Höhle zu und blendet ins Schwarze ab.

[Blende]
Die folgenden Szenen sind wieder in Farbe.

Ein Mann sitzt in einem edlen Büro an seinem Schreibtisch und studiert einige Akten. Seine Sprechanlage summt und der Mann drückt eine Taste. Der Mann ist Jasper Black.

[Jasper]: „Ja bitte?“

[Sekretärin]: „Zwei Besucher sind hier. Sie sind nicht angemeldet.“

[Jasper]: „Wer sind sie.“

[Sekretärin]: „Einer der Herren ist Mr. Wellow. Der andere heißt Mr. Grouber. Soll ich ihnen einen Termin geben oder kann ich sie eintreten lassen?“

Jasper hält immer noch den Finger auf der Sprechtaste und scheint geschockt zu sein.

[Sekretärin]: „Mr. Black?“ (kurze Pause) „Soll ich den beiden Herren einen Termin geben?“

[Jasper (jetzt hektisch)]: „Nein Nein! Lassen Sie sie eintreten.“

Ein Knacken in der Sprechanlage beendet das Gespräch zwischen Chef und Sekretärin. Die Kamera blendet zur Türe. Es ist eine schwere Eichentür. Die Türe öffnet sich und die Sekretärin hält Thomas und Wilbert die Türe auf. Diese treten ein und bleiben in der Mitte des Raumes stehen. Die Sekretärin schließt die Türe wieder. Jasper ist mittlerweile aufgestanden. Alle drei starren sich schweigend an.

(kurze Pause)

[Thomas]: „Dir ist es ja gut ergangen in den letzten Jahren.“

[Wilbert]: (schaut sich um) „Das kann man wohl sagen. Was verkaufst Du? Lebensversicherungen?“

[Jasper (immer noch verdutzt)]: „Nein – Immobilien.“

(kurze Pause)

[Thomas]: „Du fragst Dich sicherlich, was wir beide hier bei Dir wollen, oder?“

[Wilbert]: „Lass ihn erst mal seine Gedanken ordnen. Als Du mich angerufen hast, war ich auch erst perplex. Viele Gedanken und Gefühle sind wieder erwacht.“

[Jasper (jetzt gefasster)]: „Das kann man wohl sagen.“ (er kommt nun um den Schreibtisch herum und fällt Thomas in die Arme) „Thomas. Altes Haus! Wie geht es Dir?“ (er beendet die Umarmung und fasst Wilbert mit beiden Händen an den Schultern) „Wilbert. Du hast ja graue Haare bekommen.“ (er lässt beide Arme wieder von der Schulter los – er macht eine einladende Bewegung zu einer Vierergruppe mit bequemen Sesseln und einem Tisch am anderen Ende des Büros). „Bitte. Setzt euch.“

[Wilbert (greift sich etwas fragend in seine Haare)]: „Graue Haare?!? Wir haben uns auch bestimmt über zehn Jahre nicht gesehen.“

[Thomas]: „17 Jahre genau gesagt.“

Alle drei nehmen in den Sesseln Platz. Thomas schlägt die Beine übereinander.

[Jasper]: „Was führt euch zu mir? Braucht ihr ein Haus?“

[Thomas]: „Wir wussten bis eben nicht, was Du machst. Wie kommst Du dann darauf, dass wir ein Haus bräuchten?“ (kurze Pause – Thomas nimmt nun ernste Gesichtszüge an) „Jasper“ (kurze Pause) „Du weißt genau, warum wir hier sind.“

Jasper verzieht das Gesicht und zieht die Augenbrauen nach oben.

[Jasper (schreit fast)]: „Nein! Ich weiß es nicht. Außerdem hätte ich dafür jetzt auch keine Zeit. Einige wichtige Entscheidungen müssen getroffen werden und...“

Thomas fällt ihm ins Wort.

[Thomas (völlig ruhig)]: „Du hast soviel Zeit wie Du willst und das weißt Du auch.“

[Jasper (atmet schwer aus)]: „Also schön. Was ist passiert? Ich will es mir wenigstens anhören, bevor ich meine Entscheidung fälle.“

[Wilbert]: „Was soll das heißen? Muss ich Dich an unser Versprechen erinnern?“

(kurze Pause – alle schauen sich verängstigt an)

Thomas greift in seine Jacke und holt einen kleinen, braunen Umschlag heraus. Er ist gefaltet. Thomas faltet ihn auseinander und zieht einige Computerausdrucke und Zeitungsausschnitte heraus. Er übergibt sie an Jasper.

Jasper überfliegt die Drucke und Zeitungsberichte und seinem Gesicht ist anzusehen, dass er nicht glauben kann, was er liest.

[Jasper (geschockt)]: „Mein Gott...“

[Blende]
Die folgenden Szenen sind in s/w gehalten.

Thomas, Wilbert und Jasper sind als Kinder in der Höhle. Thomas hat ein Feuerzeug an, das als Leuchtmittel dient. Die Schatten der Kinder werfen bizarre Schatten an die Wand.

[Jasper]: „Sieht nur hier. Höhlenzeichnungen.“

[Wilbert]: „Kannst Du was erkennen? Thomas – komm doch mal mit dem Feuerzeug hier her.“

Thomas leuchtet die Wand an. Es sind bizarre Personen zu erkennen. Die Personen halten sich alle im Kreis an den Schultern. Auf dem nächsten Bild ist ein Stern zu erkennen. Dann folgen 32 gleichmäßige kleine Steine, die zu einem Quadrat angeordnet sind und quasi im Fels eingelassen sind. Gefolgt von zwölf größeren Steinen. Dann noch einmal kleine 40 Steine, die alle nebeneinander liegen. Einige Steine sind in die Wand „gedrückt“. Alle Steine haben sonderbare Symbole.

[Wilbert]: „Was soll das sein?“

[Jasper]: „Keine Ahnung – lasst uns weitergehen.“

[Thomas]: „Es wird kalt – sehr kalt.“

[Jasper]: „Ich merke es auch.“

Sie laufen weiter. Plötzlich ein greller Blitz. Die Kinder stehen auf einmal am Ausgang der Höhle. Thomas hat noch immer das Feuerzeug in der Hand. Alle drei versuchen die Augen mit der Hand zu schützen.

[Großaufnahme von Thomas’ Gesicht – er ist entsetzt]

[Thomas]: „Mein Gott!“

Die Kamera schwenkt nun auf die Szene, die die drei sehen: Eine weite Ebene mit vielen Dinosauriern, die an einer Wasserstelle trinken. Es sind riesige Sauropoden. In der Luft sind Pterosaurier zu sehen, die über der Wasserstelle kreisen.

[Blende]
Die folgenden Szenen sind wieder in Farbe.

Thomas, Wilbert und Jasper sind in einer Bibliothek. Es ist das Haus von Jasper. Jasper steht auf einer Leiter und hält ein Buch in der Hand. Mit der anderen Hand hält er sich an der Leiter fest.

[Jasper]: „Er ist weg. Ausgelöscht. Hat nie existiert.“
Jasper steigt die Leiter langsam runter und gibt Thomas das Buch. Auf dem Buchrücken kann man lesen „Geschichte der Neuzeit“.

[Thomas]: „Ich weiß. Ich habe bereits im Internet danach gesucht. Das einzigste, was ich über den zweiten Weltkrieg gefunden habe waren Theorien, was passiert wäre, wenn er ausgebrochen wäre. Genauso, wie man manchmal über den 3. Weltkrieg diskutiert. Aber in der Geschichte ist er ausgelöscht.“ (Er lässt das Gesagte wirken und wartet eine Weile. Seine Blicke wechseln ständig zwischen Jasper und Wilbert hin und her) „Hast Du einen Computer Jasper?“

[Jasper]: „Natürlich. In meinem Arbeitszimmer.“

[Wilbert]: „Ich dachte, das hier wäre Dein Arbeitszimmer?!“

[Jasper (grinst)]: „Nein. Das hier ist nur meine Bibliothek.“

Jasper geht nun durch das große Haus. Die beiden Freunde folgen ihm schweigend. In seinem Arbeitszimmer angekommen, macht Jasper den PC an, der surrend startet. Das Zimmer ist ein großes Büro mit vielen braunen Edelholzmöbeln.

[Jasper]: „Wenn er nie existiert hat?!“ (Pause) „Was ist passiert?“

[Thomas]: „Vor allem: Wie ist es passiert? Irgendjemand muss die Höhle gefunden haben. Er hat die richtige Zeit eingestellt und ist vor der nationalsozialistischen Zeit rausgekommen. Egal ob er es wissentlich oder unwissentlich gemacht hat – er hat es irgendwie geschafft, den 2. Weltkrieg komplett zu verhindern.“

Mittlerweile ist der PC hochgefahren. Der Windows-Anmeldebildschirm ist zu sehen und Jasper tippt sein Passwort ein.

[Wilbert]: „Könnt ihr euch vorstellen, was diese gravierende Änderung der Geschichte für Auswirkungen hat?“

[Thomas]: „Ja. Ich habe schon einige Änderungen bemerkt. Ich zeige euch jetzt, was ich gefunden habe.“

[Jasper]: „Wie bist Du überhaupt darauf gekommen? Ich meine – man sucht ja nicht jeden Tag nach dem 2. Weltkrieg im Internet, oder?“

[Thomas]: „Ist Dir an Deinem PC noch nichts aufgefallen?“

[Jasper]: „Nein. Ich sitze selten privat vor dem Computer. Im Büro habe ich spezielle Programme. Auf was spielst Du an?“

Thomas nimmt die Maus und öffnet das Browserprogramm. Er klickt mit der Maus auf den Menüpunkt „?“ und den Unterpunkt „Info“. Es erscheint eine Box mit Lizenzinformationen. Die Kamera ist nun ganz nah auf der Lizenzbox und schwenkt von links nach rechts, damit der Zuschauer alles genau lesen kann:

„Copyright © 1990 – 2001 Microsoft / Zuse Corporation“

[Jasper]: “Wer zum Geier ist Zuse? Ich bin zwar nicht bewandert mit Computern, aber ich weiß zumindest so viel, dass die Firma Microsoft heißt.“

[Thomas]: „Konrad Zuse. Geboren 1910 in Berlin. Erfindet 1938 den ersten modernen Computer. Der 2. Weltkrieg verhinderte eigentlich die Zusammenarbeit mit amerikanischen Computerkonstrukteuren. Da es aber den 2. Weltkrieg nicht gab, wurde die Geschichte der Computertechnik völlig verändert. Irgendwann passierte, was passieren musste. Software und Hardware trafen aufeinander. Im Softwarebereich war ja Bill Gates mit Microsoft federführend. Das hat auch das ‚nicht geschehen’ des 2. Weltkrieges nicht verhindert. Aber Zuse siedelte 1940 nach Amerika um und gründete 1942 die Zuse Corporation, die 1985 mit Microsoft kooperierte. Seit dem ist diese Firma Weltmarktführer im Bereich Software und Hardware. Schau einfach mal hinten auf Deinen Computer. Er ist bestimmt von ‚Zuse Design’, wie ca. 70 % aller PCs weltweit.“

[Jasper]: „Unglaublich. Was hast Du noch rausgefunden?“

Thomas öffnet die bekannte Suchmaschine „Google“ und gibt als Suchbegriff „Adolf Hitler“ ein. Er klickt auf „Suchen“ und die Kamera ist nun wieder ganz nah am Bildschirm. Es ist zu lesen: „Es wurden keine mit Ihrer Suchanfrage – Adolf Hitler - übereinstimmenden Dokumente gefunden.“ (Musikeffekt)

[Jasper (entsetzt)]: „WAS! Das kann doch gar nicht sein. Nicht, dass ich nicht froh wäre, aber wie ist das nur möglich?“

[Wilbert]: „Zeig ihm das mit Vietnam.“

Wieder tippt Thomas Suchbegriffe ein und ein Suchergebnis wird angezeigt. Thomas sucht einige Einträge durch und zeigt den beiden das Ergebnis.

Wilbert, der das Ergebnis bereits kennt, überfliegt den Text eher, Jasper studiert es genauer.

[Jasper]: „Das ist nicht möglich. Mein Weltbild wird gerade zerstört. Amerika hat den Vietnam-Krieg gewonnen?!“

[Thomas]: „Ja. Und er dauerte auch nicht wie bisher von 1964 – 1975, sondern wurde durch einen atomaren Schlag der USA 1968 beendet. Aus diesem Grunde ist auch Woodstock von der Geschichte ausgelöscht – aber das ist eher nebensächlich. Bis auf die Tatsache, dass kein Schwein ‚Joe Cocker’ kennt.“ (kurze Pause) „Ich habe noch dutzende andere Sachen gefunden. Alle sind eher von kleiner bis mittlerer Tragweite.“

[Jasper]: „Zum Beispiel?“

[Thomas]: „Nunja. Es gibt viele bekannte Firmen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Sagt Dir ‚Bloomfeld Airlines’ was?“

[Jasper]: „Nicht direkt.“

[Thomas]: „Eine Fluglinie, die 1955 gegründet wurde. Von einem gewissen Alfred Bloomfeld – einem Juden. Ich vermute er wäre normalerweise im 2. Weltkrieg in irgend einem deutschen KZ umgebracht worden. Oder sein Vater – oder seine Mutter.“

[Jasper]: „Große Güte – die gesamte Welt verändert sich und ich bekomme nichts mit. Seit wann ist der 2. Weltkrieg ‚verschwunden’ (er ändert bei dem Wort „verschwunden“ seinen Tonfall)?“

[Thomas]: „Es kann nicht länger als drei Tage her sein. Mir fiel es auf, als ich im Internet auf den Microsoftseiten was gesucht habe. Überall sprang mir ‚Zuse Corporation’ ins Auge. Da wurde ich misstrauisch.“

[Jasper]: „Und die anderen?“

[Thomas]: „Die wissen wie immer von nichts. Wenn Du jemanden fragst, wann der 2. Weltkrieg stattgefunden hat, erntest Du nur fragende Blicke. Wie damals“

[Wilbert]: „Wie damals.“ (bestätigend)

[Jasper]: „Ja – wie damals“ (kurze Pause) „Bei Napoleon.“

[Blende]
Die folgenden Szenen sind in s/w gehalten.

Thomas, Wilbert und Jasper wieder als Kinder. Sie untersuchen die Höhle. Viele Zeichnungen sind an den Wänden. Eine große Taschenlampe spendet Licht.

[Thomas]: „Ich frage mich wirklich, was diese ganzen Zeichnungen zu bedeuten haben?“

[Wilbert]: „Deshalb sind wir ja hier.“

[Thomas (zeigt auf eine Zeichnung)]: „Zum Beispiel hier – ein Dreieck umschlossen von einem Kreis. Und hier ein Quadrat umschlossen von einem Dreieck.“

[Jasper]: „Mir sagt das bloß was, dass der Zeichner sich mit geometrischen Formen ausgekannt hat.“

Die drei Jungen untersuchen weiterhin die Höhle und arbeiten sich systematisch vor. Sie versuchen allerdings eine weitere Schnur, weiter hinten in der Höhle, nicht zu überschreiten.

[Wilbert]: „Hier – ich habe was.“

(Spannende Musik setzt ein)

Es ist ein kleiner, senkrechter Vorsprung zu erkennen. Wilbert folgt dem Vorsprung mit der Hand. Er hat die Form einer Tür.

[Wilbert]: „Das ist ein Durchgang.“

[Thomas]: „Wo ein Durchgang ist, ist auch ein Schloss oder Öffnungsmechanismus.“

Die Türe wird nun genauer untersucht.

[Jasper]: „Hier! Ich glaube ich habe was gefunden.“

Man sieht einen kleinen ovalen Stein. Er fällt nicht weiter auf bis auf die Tatsache, dass er blank poliert ist. Alle drei beobachten den Stein.

[Thomas]: „Lasst es uns versuchen.“

Er drückt den Stein – nichts. Er versucht den Stein zu drehen – nichts. Er zieht an dem Stein. Wie von Geisterhand bewegt sich eine große Steinplatte in den Boden und gibt eine weitere Höhle frei. Alle drei schauen staunend in die neue Höhle. Thomas geht zögerlich hinein und sucht hinter dem Durchgang an der Wand nach etwas.

[Wilbert]: Was suchst Du?“

[Thomas]: „Den Stein. Ich möchte nicht, dass wir hier eingeschlossen werden und kommen nicht mehr heraus.“ (er tastet weiter) „Ihr könnt reinkommen. Auch hier gibt es den Öffner.“

Die beiden anderen gehen auch hinein. Thomas betätigt den Stein und der Durchgang schließt sich. Vollkommene Dunkelheit. Die Taschenlampe wird angeknipst. Thomas betätigt den Stein erneut. Der Durchgang öffnet sich wieder.

[Thomas]: „Ich wollte nur auf Nummer sicher gehen.“

Er schließt den Durchgang wieder. Die drei laufen weiter. Weitere Zeichnungen sind an den Wänden zu sehen. Sie laufen ungefähr fünf Minuten und dann endet die Höhle plötzlich. Thomas sucht wieder an der Wand. Er findet einen weiteren ovalen Stein und zieht daran. Der Durchgang öffnet sich und Tageslicht fällt in die Höhle. Der Durchgang ist allerdings sehr verwachsen und mit Büschen bedeckt. Die Drei treten ins Freie. Thomas findet auch auf der anderen Seite einen Stein und schließt den Durchgang wieder.

[Thomas]: „Ich kenne diesen Ort. Das kann aber unmöglich sein.“

[Jasper]: „Ja – ich weiß was Du meinst.“

[Thomas]: „Wir sind nur ein paar Minuten gelaufen aber kilometerweit von der Höhle weg.“

[Wilbert]: „Wer auch immer diese Höhle gebaut hat – derjenige hatte mit Physik wenig am Hut.“

[Thomas]: „Ja - Lasst uns aber zurückgehen. Es wird bald dunkel“

Thomas betätigt wieder den Stein und der Durchgang öffnet sich. Sie betreten die Höhle und der Durchgang wird wieder geschlossen. Sie laufen eine Weile, als Jasper plötzlich zu einer Stelle an der Wand läuft.

[Wilbert]: „Was ist los Jasper?“

Jasper reibt mit seinem Ärmel auf einer Stelle, die von Staub und Moosen bedeckt ist. Es ist eine Schrift zu erkennen. Thomas leuchtet die Schrift an.

[Jasper (liest vor)]: „An WTJ: ZERSTÖRT DIE HÖHLE! S am 17.02.1490“

[Wilbert]: „Wer zum Geier ist ‚WTJ’? Und wer oder was ist ‚S’?“

[Thomas]: „Wer ‚S’ ist weiß ich nicht. Aber ‚WTJ’ steht eindeutig für ‚Wilbert’, ‚Thomas’ und ‚Jasper’...“

(Musikeffekt)

[Blende]

Totale des Berges, wo die Höhle ist. Ein Basiscamp des Militärs ist aufgebaut. Es ist eingezäunt und wird beleuchtet. Vier Wachtürme sind zu sehen. Viele Militärfahrzeuge stehen auf dem Gelände.

[Schnitt]

Ein Mann in einem Tarnanzug steht über einer Karte gebeugt. Er befindet sich in einem großen Zelt. Der Mann heißt General Michael Campini. Er ist ein großer, blonder Mann Mitte 40. Ein weiterer Mann betritt das Zelt und salutiert.

[Untergebener]: „Sir – die Historiker sind soweit.“

[Campini (ohne sich herumzudrehen)]: „Danke – sagen Sie ihnen ich bin in fünf Minuten da.“

[Untergebener]: „Jawohl Sir.“

Der andere Soldat dreht sich herum und verlässt das Zelt wieder. Campini kratzt sich am Kopf und redet zu sich selbst.

[Campini]: „Verrückte Geschichte ist das...“

Er rollt die Karte zusammen und verlässt das Zelt. Die Kamera zeigt ihn nun von oben, wie er über den Platz marschiert. Er salutiert dabei einigen Soldaten, denen er unterwegs begegnet. Sein Ziel ist das Hauptgebäude des Camps. Ein großer Container, der als Basisstützpunkt dient. Campini betritt das Gebäude. Die Kamera im Inneren des Containers. Campini läuft an einigen Schreibtischen vorbei. Im Container herrscht reges Treiben. Viele Computerdrucker sind zu hören und der Lärmpegel ist hoch. Er betritt nun einen abgetrennten Bereich im hinteren Teil des Containers, der zu einem weiteren Raum führt. Die Kamera wechselt zur Innenansicht des Raumes. Im Raum sitzen bereits sieben Personen an einem Tisch. Die Personen unterhalten sich. Es sind teilweise Leute in Militäruniformen und Leute in Zivilkleidung. Es ist eine weiße Leinwand aufgebaut und ein Tageslichtprojektor, ohne eine Folie, wirft ein weißes Licht auf die Leinwand. Campini setzt sich auf den letzten leeren Platz im Raum ganz am Ende des Tisches. Der Lärmpegel sinkt sofort. Campini wartet allerdings, bis alle ruhig sind und auf ihn schauen.

[Campini]: „Nun meine Herren?! Wie weit sind wir?“

Ein Mann, Professor Richard Wyler, erhebt sich. Er ist bereits 55 Jahre alt und hat nur noch wenig Haare auf dem Kopf.

[Prof. Wyler]: „General Campini. Wir von der Fakultät sind zu der Meinung gekommen, dass es sehr gefährlich wäre, weitere Änderungen an der Geschichte vorzunehmen. Wir sollten die Chance, die uns geboten wird, viel eher nutzen, um wissenschaftliche Versuche und Beobachtungen zu betreiben. Wir sind auch der Auffassung, dass wir nie in die Geschichte hätten eingreifen dürfen. Wir waren uns der Tragweite nicht bewusst. Wir sollten sogar soweit gehen den bereits angerichteten Schaden wieder rückgängig zu machen. Wir fanden es von Ihnen auch unangebracht, uns erst in die volle Wahrheit einzuweihen, nachdem bereits Leute durch den Zeittunnel geschickt wurden. Uns mit Versprechungen hierher zu locken war keine Heldentat von Ihnen. Wir sollten lediglich als Berater fungieren. Hätten wir gewusst, was Sie mit unserem Wissen anstellen, wären wir bereits am gleichen Tag wieder gegangen. Mir graut vor dem Gedanken, welche Änderungen Sie noch mit unserem Wissen anstellen werden. Morgen werden wir alle wieder abreisen und die Presse in Kenntnis setzen.“

Der Professor setzt sich wieder. Michael Campinis Gesicht verzieht keine Mine.

[Campini]: „Lieutenant May?“

Ein anderer Mann in Militäruniform, es handelt sich um Lieutenant Roger May, erhebt sich. Er ist ungefähr Mitte 30 und hat harte Gesichtszüge.

[May]: „Wir sollten nichts überstürzen. Die Informationen, die wir haben, sind noch unvollständig. Wir könnten zuschlagen wenn wir wollten, aber ich halte es im augenblicklichen Stadium der Operation für verfrüht.“

[Campini]: „Wie hoch wären die Erfolgsaussichten?“

[May]: „Ungefähr bei 85 %.“

[Campini]: „Das langt mir, um anzufangen.“

[May]: „Aber Sir...“

Campini erhebt sich blitzschnell von seinem Stuhl. Der Lieutenant verstummt sofort.

[Campini (wütend)]: „Einige von Ihnen haben anscheinend immer noch nicht begriffen, was wir hier eigentlich machen.“ (Pause) „Einige scheinen immer noch nicht davon überzeugt zu sein, dass es das Beste ist, was wir tun können. Es geht hier um die nationale Sicherheit.“ (Pause – er geht nun um den Tisch herum und redet weiter) „Die einmalige Chance, die sich bietet, müssen wir nutzen.“ (beim Wort „nutzen“ ballt er eine Faust - Pause) „Ich höre aber nur was von gefährlichen Änderungen an der Geschichte und unwesentlichen Dingen, die die Vorbereitungen betreffen. Wir können uns die Geschichte so zurechtlegen, wie wir es wollen. Es wird keine Kriege mehr geben in der Vergangenheit. Keine Anschläge auf Präsidenten. Keine gesunkenen Ozeanriesen, die einen Eisberg übersehen haben. Nur noch ein mächtiges Land, dass die größten und wichtigsten Entscheidungen der Welt treffen wird. Wir haben eine Waffe in der Hand, die kein anderes Land jemals bauen kann. Wir müssen daher handeln – SOFORT!“

Alle schauen dem General gebannt zu. Keiner wagt ein Wort zu sagen. Der Lieutenant, der es gewagt hatte dem General zu wiedersprechen sitzt in sich zusammengesunken da.

[Campini]: „Und was sie betrifft lieber Professor – und Ihre Kollegen. Glauben Sie wirklich, dass sie diesen Stützpunkt einfach so verlassen können? Sie verlassen diesen Stützpunkt erst dann, wenn ich es Ihnen erlaube!“ (Campini schreit jetzt fast) „Und was wollen Sie der Presse eigentlich erzählen? Jeder, der nicht Kenntnis von der Höhle hat und weiß, was diese bewirkt, kann sich an keinen verdammten 2. Weltkrieg und kein verlorenes Vietnam erinnern.“

Der Professor springt vom Stuhl auf und schreit zurück.

[Prof. Wyler]: „Wie können Sie es wagen? Woher wollen Sie wissen, dass sich die Höhle nicht plötzlich gegen uns wendet? Es gibt keinen Beweis dafür, dass es ein natürliches Phänomen ist. Genauso gut könnte die Höhle von anderen Spezies erbaut worden sein. Professor Wildeck...“ (er zeigt auf einen anderen Mann in Zivilkleidung) „...untersucht den Eingang der Höhle gerade nach derartigem. Auch wenn ich selbst daran nicht glaube. Doch Professor Wildeck ist auf dem Gebiet der ET’s, wie Sie es immer zu nennen pflegen, eine Koryphäe. Wir sollten nicht mit etwas rumspielen, von dem wir nicht mal wissen, woher es kommt, oder was es genau dient. Vielleicht wurde die Geschichte von anderen Leuten, die Kenntnis von der Höhle haben, schon tausende Male geändert. Vielleicht ist die Geschichte, die wir kennen, gar nicht der richtige Lauf der Zeit. Denken Sie an das Geschichtsbuch, das wir in der Höhle gefunden haben.“

Beide starren sich gegenseitig an. Beide beben vor Wut.

[Prof. Wildeck]: „Meine Herren. Im Grunde arbeiten wir doch für die gleiche Sache. Ich muss sie wohl beide nicht daran erinnern, dass wir über die Höhle noch so gut wie gar nichts wissen.“ (der General und Prof. Wyler setzen sich wieder) „Wir müssen uns aber einer Sache bewusst sein.“ (kurze Pause) Wenn wir die Geschichte verändern können und das Wissen über die alte und die neue Geschichte haben. Wenn also wirklich nur diejenigen wissen, die den Nutzen der Höhle kennen. Und wenn es wirklich Personen gibt, die bereits vorher die Höhle und den Nutzen herausgefunden haben - dann, ja dann vermissen diese Leute sicherlich den 2. Weltkrieg und ein verlorenes Vietnam...“

Man sieht in den Gesichtern der Leute, wie Recht Prof. Wildeck hat. Besonders General Campini. Er springt auf und verlässt den Raum.

[Blende]
Die folgenden Szenen sind in s/w gehalten.

Einblendung im unteren Bildschirmrand:
„15.05.1769 – Ajaccio“

Jasper, Thomas und Wilbert laufen als Jugendliche (ungefähr mittlerweile 14) neben einem kleinen Bach. Alle drei haben kurze Hosen an. Es scheint ein warmer Tag zu sein. Die Luft ist erfüllt von „Frühlingsgeräuschen“.

[Thomas]: „Wie kommst Du gerade auf dieses Datum Jasper?“

[Jasper]: „Mir war einfach danach. Fällt Dir den ein besseres ein? Außerdem nehmen wir in Geschichte gerade das Mittelalter durch. Da kann es nicht schaden es auch einmal gesehen zu haben, oder?“

[Wilbert]: „Ist das überhaupt noch Mittelalter?“

[Jasper]: „Ist doch egal...“ (man hört das Fluchen einer Frau) „...kommt...“ (rennt los und zeigt dabei in eine Richtung) „...da vorne scheint jemand zu sein!“

Die anderen rennen Jasper hinterher. Alle drei bleiben abrupt stehen. Eine Frau wäscht in dem Bach Kleider. Sie ist hochschwanger. Die Frau schaut auf und stellt auf französisch eine Frage.

[Jasper]: „Wir sind in Frankreich.“

[Thomas]: „Scheint so. Oder eine Region, in der in dieser Zeit französisch gesprochen wurde. Da uns aber die Höhle irgendwo auf der Welt erscheinen lässt, könnte das auch genauso gut Afrika oder Alaska sein.“

[Jasper]: „Bisschen warm für Alaska...“

Die Frau fragt erneut etwas. Wilbert zuckt nur mit den Schultern und zeigt mit dem Finger auf sich selbst.

[Wilbert]: „Wilbert – WILBERT Wellow“ (er zeigt auf Thomas) „Thomas Grouber“ (er zeigt auf Jasper) „Jasper Black“.

Bei dem Wort Jasper Black fängt die Frau an zu lachen. Sie deutet auf sich selbst und sagt:

[Frau]: „Maria Letizia.“

[Thomas]: „Klingt eher italienisch.“

[Jasper]: „Meinen Namen findet sie wohl lustig.“

Die Frau richtet sich auf und drückt ihren Rücken durch. Sie greift in eine Tasche und holt irgendetwas raus, dass sie den dreien geben will. Sie macht einen Schritt nach vorne und rutscht dann auf den glatten Steinern aus. Sie fällt mit dem Hinterkopf auf einen anderen Stein und bleibt bewegungslos liegen. Das Wasser wird mit Blut getränkt (man muss es vermuten, da ja s/w).

Die drei Jungen springen sofort geschockt zu der Frau und wollen den reglosen Körper aufheben.

[Wilbert]: „Mein Gott! Was haben wir getan?!?“

[Thomas]: „Von was redest Du? Hilf mir lieber.“

[Jasper]: „Ich kann keinen Puls fühlen!“ (er prüft ihren Hals) „Oh Gott – ich glaube sie ist Tod!“

[Wilbert]: „Was haben wir nur getan?!?!?“

[Thomas]: „Was redest Du den? Wir haben Sie doch nicht getötet!“

[Wilbert]: „Verstehst Du nicht? Wir haben gerade die Geschichte beeinflusst. Wären wir nicht aufgetaucht, wäre diese Frau nicht gestorben. Sie hätte ja nie diesen Schritt gemacht, durch den sie stürzte.“

Alle drei stehen auf einmal auf und schauen sich entsetzt an.

[Jasper]: „Und jetzt?“

[Thomas]: „Zurück in die Höhle. Wir müssen im Geschichtsbuch nachschauen, ob diese Frau irgendetwas mit der Geschichte zu tun hatte. Ich habe ihren Namen, wie hieß sie gleich noch mal, ach ja, Maria Letizia nie gehört.“

Die drei fassen sich alle drei an den Schultern an und erzeugen dadurch einen Kreis. Augenblicklich verschwinden sie...

Sie erscheinen wieder am Eingang der Höhle. Alle drei rennen sofort in die Höhle. An einer Stelle ist ein Faden gespannt. Hinter dem Faden liegt ein Geschichtsbuch. Thomas nimmt es auf und fängt an zu blättern.

[Jasper]: „Pass ja auf, dass es nicht vor die Absperrung kommt.“

[Wilbert]: „Wir wissen nicht, ob es wirklich so ist. Bis jetzt haben wir die Geschichte noch nie geändert.“ (kurze Pause) „Zumindest nicht wissentlich.“

[Musik beginnt]

Die Drei stecken die Köpfe zusammen und studieren im Buch. Die Zeit verrinnt und alle Drei lesen noch immer das Buch. Plötzlich schreit Wilbert auf.

[Wilbert]: „Da! Verdammt noch mal! Was haben wir getan?!?“

Thomas und Jasper werden kreidebleich.

[Wilbert (zitiert aus dem Buch)]: „Napoleon ist am 15.08.1769 in Ajaccio auf Korsika geboren. Sein Vater war Carlo Maria Bonaparte und seine Mutter hieß Maria Letizia Bonaparte...“

Er lässt das Buch sinken.

[Wilbert]: „Wir haben Napoleon ermordet.“

[Thomas]: „Das ist doch noch gar nicht gesagt.“

[Wilbert]: „Nicht gesagt“ (hysterisch) „Was glaubst Du wohl, wie viele Maria Letizia’s es 1769 in Ajaccio gab?“

[Thomas]: „Wenn es Ajaccio war. Es gibt nur einen Weg, dass herauszufinden.“

Thomas entreißt Wilbert das Buch und schaut schnell hinein.

[Thomas]: „Seite 145.“

Er wirft das Buch über die Absperrung (Faden).

[Spannende Musik setzt ein]

Alle drei erheben sich und starren das Buch an. Jasper steigt über den gespannten Faden und hebt das Buch auf. Er schlägt es auf und fängt an zu blättern. Mit einem entsetzten Gesicht liest er im Buch und blättert wild ein paar Seiten vor und zurück.

[Jasper]: „Es ist weg. Nichts von Napoleon. Er ist ausgelöscht aus der Geschichte...“

[Blende]
Die folgenden Szenen sind wieder in Farbe.

General Campini steht bei einem Mann vor dem Haupttor des Militärcamps. Der Mann ist zuständig für die Wachen. Er ist ein hagerer Mann Mitte 30.

[Campini]: „Verdoppeln Sie die Wachen. Es könnte sein, dass wir unvorhergesehenen Besuch bekommen.“

[Wachmann]: „Keine Sorge General. Hier kommt nicht mal eine Maus ungesehen rein.“

[Campini]: „Wollen wir es hoffen...“

Campini dreht sich rum und setzt sich in einen wartenden Jeep mit Fahrer. Das Auto überquert fast das komplette Gelände und bleibt vor der Höhle stehen, die von riesigen Flutlichtern beleuchtet wird. Campini springt vom Jeep und geht in die Höhle rein. Die Höhle ist auch von innen beleuchtet. An der Stelle, wo vorher der Faden hing, ist nun eine kleine Schranke gebaut. Campini öffnet die Schranke selbst und geht in den hinteren Teil der Höhle. Dort steht Professor Wildeck mit einigen anderen Leuten in Laborkitteln.

[Campini]: „Professor Wildeck“ (er nickt dabei und schaut den Prof. an) „Gibt es was neues?“

[Prof. Wildeck]: „Hallo General. Nein – noch nichts interessantes. Sie wissen doch: Sobald es etwas gibt, sind Sie der erste, der es erfährt.“

[Campini]: „Was meinen Sie? Wann können wir loslegen?“

[Prof. Wildeck]: „Nun...“ (kurze Pause - Prof. Wildeck überfliegt seine losen Zettel, die er die ganze Zeit in der Hand hält) „...ich denke morgen oder übermorgen können wir es wagen.“

[Campini]: „Sehr gut. Ich kann es kaum erwarten. Wie sieht die Welt bloß aus, wenn wir Amerika im Mittelalter besuchen – aber mit der Technik von heute?“

[Prof. Wildeck]: „Sind Sie ganz sicher, dass Sie das wirklich machen möchten?“

[Campini]: „Fangen Sie jetzt auch noch an? Muss ich Sie an Ihre Familie erinnern?“
Der Professor senkt den Kopf.

[Prof. Wildeck]: „Nein...“

Der General lacht und geht. In Prof. Wildecks Augen ist Angst zu erkennen.

[Blende]

Jasper, Thomas und Wilbert sind immer noch in Jaspers Haus. Alle drei sind in einem großen Wohnzimmer. Auf dem Boden stehen viele Taschen. Überall liegen Utensilien wie Vorräte, Angeln, Kleidung, Zelte, Campingkocher etc. herum. Die Drei packen gerade alles ein.

[Thomas]: „Wie kommen wir eigentlich hin?“

[Jasper]: „Wir nehmen meinen Pickup – er hat mir in den letzten Jahren gute Dienste erwiesen bei meinen Angelausflügen.“

Jasper nimmt ein Gewehr in die Hand.

[Wilbert]: „Glaubst Du wirklich, dass wir das brauchen werden?“

[Jasper]: „Wilbert – man kann nicht so einfach mal den 2. Weltkrieg eliminieren oder Vietnam zum Sieg verhelfen. Schon gar nicht mit Atomwaffen. Da steckt mehr dahinter, als wir vermutlich ahnen. Diesmal werden es nicht ein paar Kinder sein, die beim Spielen zufällig eine Höhle entdeckt haben.

Es klingelt an der Tür. Alle drei hören auf zu packen und schauen sich fragend an.

[Jasper]: „Ich erwarte niemand...“

[Thomas]: „Lass mich gehen.“

Thomas geht zur Eingangstüre. Er macht die Türe langsam auf. Plötzlich klatscht eine Ohrfeige in Thomas Gesicht. Eine Frau betritt das Haus. Sie schmeißt eine Art Rucksack in den Gang.

[Thomas]: „Silvia. Was um alles in der Welt machst Du hier?“

Silvia Grouber ist die Ex-Frau von Thomas. Sie ist Anfang 30 und sehr hübsch, mit langen, braunen Haaren und einer Stupsnase.

[Silvia]: „Was denkst Du Dir eigentlich dabei? Glaubst Du, Du kannst das alleine durchziehen? Was haben wir uns damals versprochen? Erinnerst Du Dich noch daran?“

Sie läuft am verdutzten Thomas ins Wohnzimmer.

[Thomas (ihr hinterher rufend)]: „Das versprechen haben wir uns als Eheleute gegeben. Ein Umstand, der jetzt zweifellos nicht mehr der Fall ist.“

[Silvia]: „Natürlich! Wilbert ist auch hier. Alle drei wieder vereint. Das auch Jasper hier ist, ist mir klar – es ist ja sein Haus.“

[Jasper (blickt erstaunt zu Thomas)]: „Du hast Silvia geheiratet? Wieso hast Du nie ein Sterbenswörtchen gesagt?“ (schaut zu Wilbert) „Hast Du das gewusst?“

[Wilbert (leicht betreten)]: „Ja...er rief vor knapp fünf Jahren mal bei mir an. Wir haben ca. zwei Stunden am Telefon geredet. Wir haben allerdings kein Wort über damals verloren. Du weißt schon – die Höhle usw.“

[Jasper (schaut wieder zu Thomas)]: „Von was für einem Versprechen redet sie?“

Silvia baut sich demonstrativ in der Mitte des Raumes auf und stützt die Hände in die Hüften.

[Thomas]: „Ein Versprechen, das jetzt keine Bedeutung mehr hat.“

Er geht auf Silvia zu und packt sie am Arm. Er schleift sie zur Türe zurück und hebt mit der anderen Hand ihren Rucksack wieder auf. Silvia wehrt sich – aber nicht richtig.

[Silvia]: „Was soll das Thomas?“

[Thomas]: „Geh´ zurück, wo Du hergekommen bist. In Deine heile Welt.“

An der Türe schafft sie es endlich, dass er sie loslässt.

[Silvia (faucht Thomas an)]: „Zurückgehen? Wohin? In eine Welt, die anders nicht sein kann.“ (schaut jetzt zu den anderen) „Habt ihr eigentlich bemerkt, was seit drei Tagen hier los ist?“

[Thomas (faucht zurück)]: „Ja – und? Dich geht das ganze nichts an.“

[Silvia]: „Es geht mich nichts an? Thomas Grouber! Du elendiger...“ (sie sticht im bei der Aufzählung mit dem Finger auf die Brust – Thomas weicht zurück) „...aufgeblasener und eingebildeter....“ (ihr scheinen die Worte auszugehen – sie stammelt) „...Du...Du...MANN!“

[Thomas]: „Du kannst hier noch so rumschreien. Es geht Dich nichts an. Basta.“

[Silvia]: „Wo wollt ihr hin?“ (sie nickt in Richtung Ausrüstung)

[Thomas]: „Fort. Wir machen einen Angelausflug.“

[Silvia]: „Einen Angelausflug?!? Die Welt bricht zusammen und ihr macht einen Angelausflug? Ihr wollt zur Höhle, stimmts? Und ich werde mitkommen.“

[Thomas]: „Gar nichts wirst Du. Jasper...“ (er dreht den Kopf Richtung Jasper) „...es ist Dein Haus. Schmeiß sie raus!“

Jasper macht verlegen.

[Jasper]: „Ähh...jaaa...“

Silvia erkennt, dass sie so nicht weiterkommt. Demonstrativ schnappt sie sich ihren Rucksack und geht. In der Türe bleibt sie stehen und dreht sich um.

[Silvia]: „Das war nicht das letzte Wort...“

Sie knallt die Türe zu und ist weg. Thomas steht da und senkt den Kopf.

[Blende]

Alle drei vor dem Haus. Der Pickup wird beladen. Es regnet leicht. Der Himmel ist wolkenverhangen.

[Wilbert]: „Mist! Muss es jetzt regnen?“

[Jasper]: „Mir ist es so lieber, als wären es 35°.“

Thomas nickt zustimmend. Nachdem alles verstaut ist, schnappt sich Thomas ein Regencape und streift es sich über. Er nimmt auf der Ladefläche des Pickup platz. Die anderen beiden steigen vorne ein.

[Thomas]: „Wir wechseln aber ab. Ich möchte nicht völlig durchgeweicht ankommen.“

Die anderen beiden grinsen.

[Jasper (steigt gerade auf der Fahrerseite ein)]: „Zum Wechseln müssten wir ja anhalten.“

Er zwinkert Wilbert zu, der gerade auf dem Beifahrersitz platz genommen hat.

[Thomas (mehr zu sich selbst)]: „Na toll...“

[Blende]
Die folgenden Szenen sind in s/w gehalten.

Jasper, Thomas und Wilbert sitzen als Jugendliche (ungefähr 17) vor der Höhle im Schneidersitz und bilden dabei einen Kreis. Es ist Nacht.

[Jasper]: „Das war also unser letzter Tag. Morgen gehen wir alle drei verschiedene Wege.“

[Wilbert]: „Ja – erinnere mich bloß nicht dran. Mir graut jetzt schon vor der Highschool.“

[Jasper]: „Hast Du Silvia noch mal gesehen Thomas?“

[Thomas]: „Ja – wir haben uns verabschiedet. Es war für sie auch nicht leicht.“

[Jasper]: „Kann ich mir vorstellen.“

Jasper grinst und stupst Wilbert mit dem Ellenbogen in die Rippen. Er zwinkert ihm zu. Wilbert grinst zurück. Dann grinsen beide Thomas an.

[Thomas]: „Lasst uns ein Versprechen eingehen.“

[Wilbert]: „Und zwar?“

[Thomas]: „Ein Versprechen, dass uns das ganze Leben begleiten soll.“

Wilbert und Jasper warten gespannt, was Thomas zu sagen hat.

(Gefühlvolle Musik setzt ein)

[Thomas]: „Es gibt nur vier Personen, die von der Höhle wissen. Nur drei Personen, die wissen wie sie funktioniert. Wir versprechen uns gegenseitig niemandem etwas davon zu erzählen. Wir versprechen niemals wieder die Zeit zu ändern. Und wir versprechen die Zeit zu schützen, dass so etwas schreckliches wie vor drei Jahren nie mehr passieren kann.“

[Jasper]: „...zu schützen?! Was meinst Du damit?“

[Thomas]: „Nicht nur wir dürfen die Zeit nicht ändern – wir müssen auch aufpassen, dass andere die Zeit nicht verändern. Wir werden es merken, wenn es soweit ist, den wir kennen das Geheimnis der Höhle. Und wer das Geheimnis kennt, wird die alte Geschichte nicht vergessen. Das haben wir bei Napoleon bemerkt. Keiner außer uns hat je was von Napoleon Bonaparte gehört.“ (kurze Pause) „Das versprechen wir hoch und heilig bei unserer Freundschaft“.

Er hält die Hand mit dem Handrücken nach oben in die Mitte des kleines Kreises. Jasper zögert, legt aber seine Hand dann auch drauf. Als letztes überwindet sich Wilbert dazu.

[Wilbert]: „Ich verspreche es.“

[Jasper]: „Ich verspreche es.“

[Thomas]: „Ich auch...“

[Blende]
Die folgenden Szenen sind wieder in Farbe.

General Campini sitzt in seinem Zelt und hält ein altes Buch in der Hand. Es ist das alte Geschichtsbuch aus der Höhle. Er streift mit der Hand über das Cover.

[Campini (zu sich selbst)]: „Was willst Du mir sagen?“

Er öffnet das Buch und ein Stempel ist auf der Innenseite des Covers zu erkennen:

„Öffentliche Stadtbibliothek Guilford
Bezirk Piscataquis
Eigentum des Bundesstaates Maine“

Ein Soldat betritt das Zelt und salutiert. Er hat einen Stapel Papiere dabei.

[Campini]: „Rühren.“

[Soldat]: „Die Liste, die Sie angefordert haben Sir.“

Der Soldat übergibt die Liste, salutiert erneut und verlässt das Zelt.

(Spannende Musik setzt ein)

General Campini schnappt sich gleich das letzte Blatt und liest. Die Kamera ist nun ganz nah auf das Papier gerichtet. Zeile um Zeile wandert sie nach unten. Es sind Namen und Daten zu lesen. Ganz unten am Ende der Liste steht:

„Thomas Grouber – 16.03.1983“

(Musikeffekt)

Campini greift zum Telefonhörer und wählt eine Nummer. Er wartet.

[Campini]: „Hallo Phil. Ich bin’s Michael.“ (kurze Pause) „Ja – wir haben wirklich schon lange nichts mehr voneinander gehört.“ (kurze Pause) „Klar – können wir mal zusammen machen. Aber was anderes Phil. Arbeitest Du noch für das FBI?“ (kurze Pause) „Könntest Du mir einen Gefallen machen?“ (kurze Pause) „Natürlich – und das Bier geht dann auf mich. Es geht um einen Freund, den ich vermisse. Sein Name ist Thomas Grouber. Er lebte früher in Guilford, Maine.“ (kurze Pause) „Guilford – G,u,i,l,f,o,r,d“ (kurze Pause) „Genau – wie das Auto.“ (kurze Pause) „Ich danke Dir. Meine Nummer ist, Moment mal...“ (er schaut auf das Telefon) „...555-3166-74456. Ruf mich an, sobald Du was weißt. Und grüß mir Mary und die Kinder.“

Er legt auf. Mann hört eine Stimme. Erst jetzt sieht man, wie ein Mann im Schatten auf einem Stuhl sitzt. Man sieht sein Gesicht nicht. Man sieht nur, dass er einen Anzug mit Krawatte trägt.

[Unbekannter Mann]: „Wie kommen Sie darauf, dass er nicht mehr hier lebt?“

[Campini]: „Ich weiß es einfach. Ich wäre mit so einem Wissen so weit wie möglich von dieser Höhle weg.“

[Blende]

Man sieht den Pickup auf einer Straße fahren. Thomas sitzt inzwischen vorne und Wilbert hinten auf der Ladefläche. Es hat aufgehört zu regnen. Thomas zündet sich eine Zigarette an. Im Radio wird irgendein Countrylied gespielt.

[Thomas]: „Wie vertraut mir alles vorkommt. Obwohl es schon so lange her ist.“

[Jasper]: „Ja...“

Beide schweigen für Sekunden und fahren einfach. Man sieht, wie das Auto an einem Schild vorbei fährt:

„Welcome to Piscataquis“

[Jasper]: „Wie kommt es, dass Du mit Silvia verheiratet warst?“

[Thomas]: „Lange Geschichte.“

[Jasper]: „Wir haben Zeit...“
[Thomas]: „Vielleicht ein anderes Mal...was ist das da?“

Das Auto nähert sich nun einer Schranke. Zwei Soldaten mit Maschinenpistolen stehen dahinter. Ein Soldat macht die Schranke auf, geht hindurch und macht dieselbige gleich wieder zu. Er gebietet Jasper den Wagen zu stoppen. Der Wagen hält an. Der Soldat geht zum Fenster des Wagens auf der Fahrerseite.

[Soldat]: „Tut mir leid. Das hier ist militärisches Sperrgebiet. Zutritt nur mit Sondergenehmigung.“

[Jasper]: „Wir wollen nur unsere Freunde und Verwandten in Guilford besuchen. Wir haben Klassentreffen.“

[Soldat]: „Wie gesagt – tut mir leid. Ich habe meine Anweisungen. In Guilford ist irgendeine Epidemie ausgebrochen. Das ganze Gebiet ist großräumig unter Quarantäne gestellt. Sie müssen wieder kommen, bis das Gesundheitsministerium von Maine Guilford wieder freigibt. Ich darf Sie daher nun bitten Ihren Wagen zu wenden und umzukehren.“

Jasper zögert einen Augenblick.

[Jasper (höflich)]: „Na schön. Wir haben es ja nie weit bis Guilford. Wir leben nur eine Stunde von hier entfernt. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“

Jasper macht den Rückwärtsgang rein und dreht seinen Kopf nach hinten.

[Soldat]: „Den wünsch ich Ihnen auch. Auf wiedersehen.“

Das Auto fährt ein Stück zurück und wendet. Dann fährt es in die Richtung, aus der es gekommen ist. Der Soldat schaut den beiden nach und notiert sich das Nummernschild. Dann geht er zu seinem Kameraden zurück und nimmt sich das Funkgerät....

[Blende]

General Campini sitzt in seinem Zelt am Schreibtisch und schreibt etwas. Das Telefon klingelt. Er nimmt genervt ab.

[Campini]: „Jaaaa...“ (kurze Pause) „Ach Hallo Phil. Entschuldige meinen Ton. Hier geht es drunter und drüber. Du weißt ja, wie es in der Armee ist.“ (kurze Pause) „Du hast Informationen für mich? Das höre ich gerne.“ (Kurze Pause – er notiert sich was) „Aha...ja....hab ich. Ich danke Dir. Hast was gut bei mir.“

Er legt auf. Doch schon nimmt er das Telefon wieder ab und wählt eine Nummer.

[Campini]: „Hallo? Ich bräuchte die Nummer der Schule in Guilford.“ (kurze Pause) „Ja – ich warte.“ (kurze Pause) „Sie können mich auch direkt durchstellen? Das wäre mir noch lieber. Danke“ (kurze Pause – er redet jetzt weiter mit etwas verstellter Stimme) „Guten Tag. Spreche ich mit der Schule von Guilford?“ (kurze Pause) „Genau. Geben Sie auch Schülerlisten vergangener Jahrgänge heraus? Wir würden gerne ein Klassentreffen organisieren, haben allerdings nicht mehr alle Namen im Kopf.“ (kurze Pause) „Den Abschlussjahrgang? Nunja – ich weiß nicht mehr recht. Es ist schon solange her.“ (kurze Pause) „Meinen Namen wollen Sie wissen?“ (er überlegt kurz) „Grouber – Thomas Grouber...“

[Blende]

Der Pickup steht am Straßenrand geparkt. Die drei stehen vor dem Wagen.

[Jasper]: „Verdammt! Was sollte das vorhin? Sperrgebiet?“

[Thomas]: „Ich ahne nichts gutes. Wenn das Militär da mit drinhängt, haben wir ein Problem an die Höhle ranzukommen.“

[Wilbert]: „Nicht nur das. Wenn das Militär für die Zeitänderungen verantwortlich ist, haben wir ein noch viel größeres Problem. Ich will dann gar nicht wissen, was die im Namen der ‚nationalen Sicherheit’ noch alles ändern werden.“

[Thomas]: „Ja – Du hast recht. Und jetzt?“

[Wilbert]: „Wir verstecken das Auto und gehen direkt in den Wald – die Wälder gehen bis an den Rand der Berge. Wir haben ein Zelt dabei und sind somit nicht angewiesen auf ein Haus.“

[Jasper]: „Meinst Du nicht, die patrouillieren auch im Wald?“

[Wilbert]: „Natürlich. Doch der Wald ist riesig. Das sind eher Routinekontrollen. Wir müssen eben auf etwas Glück hoffen.“

[Jasper]: „Na toll. Ein Wald, ein Zelt und Glück.“

[Thomas]: „Hast Du eine bessere Idee?“

[Blende]

Campini in seinem Zelt. Er sitzt wieder an seinem Schreibtisch und liest in dem alten Geschichtsbuch. Der Soldat von vorhin kommt wieder herein und salutiert.

[Campini]: „Stehen Sie bequem. Haben Sie die Schülerliste?“

[Soldat]: „Jawohl Sir. Und eine Liste mit den Autokennzeichen nebst Halter die in die Stadt wollten.“

Der Soldat überreicht die beiden Listen, salutiert und verlässt das Zelt. Campini studiert die Listen und grinst dann. Er nimmt einen farbigen Markierstift und umrandet auf der einen Liste einen Namen. Auf der anderen Liste umrandet er zwei Namen.

Die Kamera ist nun hinter Campini und zeigt die Listen deutlich, wie er sie in der Hand hält.

(Spannende Musik setzt ein)

Auf der einen Liste ist das Autokennzeichen von Jasper und sein Name markiert.

Auf der anderen Liste ist Thomas Groubers Name und der Name von Jasper Black umrandet.

(Musikeffekt)

Er legt beide Listen auf den Schreibtisch.

[Campini (zu sich selbst)]: „Sie sind schon da. Wie viele seid ihr?“

Campini schreitet zielsicher aus dem Zelt und geht zum Wachhauptmann.

[Campini]: „Lassen Sie sofort die nähere Umgebung des Waldes absuchen. Nehmen Sie so viele Männer mit, wie sie gerade noch entbehren können, um das Camp sicher zu bewachen. Wir suchen nach mindestens zwei Personen. Ungefähr 35 Jahre alt. Und nehmt die Hunde mit - außerdem noch zwei drei Späher. Ach noch was: Ich möchte sie lebend.“

Der Hauptmann steht sofort stramm.

[Hauptmann]: „Jawohl Sir.“

Dann ruft er Befehle in seine Truppe und es kommt Bewegung ins Camp...

[Blende]

Es ist Nacht geworden. Im Wald sieht man ein aufgebautes Zelt. Im Inneren des Zeltes sieht man eine kleine, schwache Lampe leuchten. Es sind typische Geräusche zu hören, die Nachts im Wald einfach zu hören sind.

Nun im Zelt. Jasper, Thomas und Wilbert liegen auf Campingmatrazen und stützen sich mit einer Hand den Kopf.

[Thomas]: „Schade, dass wir kein Feuer machen können. Ich hatte mich schon auf mein Abendessen gefreut.“

[Wilbert]: „Es ist einfach zu gefährlich. Das Feuer wäre meilenweit zu sehen. Alleine diese Lampe könnte uns verraten.“

[Blende]

Viele Männer durchstreifen den Wald. Hunde bellen. Überall sind Taschenlampen zu sehen.

(Spannende Musik setzt ein)

[Blende]

Wieder im Zelt.

[Thomas]: „Ob Mama Lucia noch in Guilford ist? Erinnert ihr euch noch an diese Pfannkuchen? Man war mir immer schlecht danach.“

Alle drei lachen.

[Blende]

Man sieht, wie sich „etwas“ auf das Zelt zubewegt (die Kamera ist dieses „etwas“). „Es“ bleibt immer an einem Baum stehen und bewegt sich systematisch auf das Zelt zu.

[Blende]

Im Zelt.

[Wilbert]: „Oder der Abschlussball. Die „dicke Henna“ in ihrem Kostüm?“

Alle drei lachen noch mehr.

[Blende]

Das „etwas“ ist nun ganz nah am Zelt. Vom Inneren des Zeltes hört man das lachen. Dann knackt ein Zweig.

[Blende]

Im Zelt – es wird immer noch gelacht.

[Thomas]: „Ruhe! Was war das?“

Abrupt stirbt das Lachen und alle hören gespannt in die Dunkelheit. Wilbert löscht die Lampe aus. Und nun sind die Umrisse eines Menschen zu sehen, der vor dem Zelt steht. Jasper nimmt sich ein Messer und schneidet auf der anderen Seite einen kleinen Schlitz in das Zelt und kriecht in die Dunkelheit. Gespannt warten Thomas und Wilbert. Dann hört man die Geräusche von einem Kampf.

[Unbekannte weibliche Person (ruft)]: „Hör auf Jasper! Ich bin’s!“

Der Kampf ist vorüber.

[Thomas]: „Die Stimme kenn’ ich doch.“

Beide gehen aus dem Zelt. Silvia kniet verdreckt auf dem Boden. Jasper mit dem Messer über ihr. Alle schauen sie verdutzt an.

[Thomas]: „Was um alles in der Welt machst Du hier? Habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt?“

[Silvia]: „Ich sagte schon, dass das nicht mein letztes Wort war. Hilf’ mir lieber auf. Wir müssen hier weg. Sie suchen schon nach euch.“

[Thomas]: „Wer sucht nach uns?“

[Silvia]: „Na wer wohl?!? Das Militär. Sie müssten mit ihren Hunden bald zu hören sein.“

[Thomas]: „Militär? Hunde? Von was redest Du eigentlich?“

[Silvia]: „Thomas Edward Grouber! Stell’ Dich nicht dümmer an, als Du bist. Einen Angelausflug – pah – das ich nicht lache. Ihr wollt zur Höhle. Ihr wollt verhindern, dass noch mehr geändert wird. Wie wollt ihr das machen? Wollt ihr höflich anklopfen und lieb darum bitten?“

[Jasper]: „Nein! Wir haben Sprengstoff dabei. Wir jagen diese gottverdammte Höhle ein für alle mal in die Luft. Und wenn wir selbst dabei draufgehen...“

Alle vier stehen da und schauen sich kurz an.

[Wilbert]: „Lasst uns zusammenpacken und die Spuren beseitigen. Wir gehen in die ‚Angels dry’. Kurz davor ist ein kleiner Bach. Da verlieren die Hunde vielleicht unsere Fährte.

[Blende]

General Campini läuft durch das Camp. Er betritt ein Zelt mit zwei Wachmännern davor. Im Zelt sitzt Prof. Wyler an einen Stuhl gefesselt. Campini baut sich vor ihm auf. Der Professor hat den Kopf gesenkt. Langsam hebt er ihn. Er hat ein geschwollenes Gesicht und blutet an der Lippe.

[Prof. Wyler]: „Das wird sie Ihren Job kosten Campini. Ich könnte wetten, der Präsident weiß überhaupt nicht, was Sie hier machen.“

[Campini (hämisch)]: „Der Präsident! Was weiß der schon von der nationalen Sicherheit und wie es in unserem Land wirklich aussieht. Schöne Reden schwingen ist das einzigste was er kann. Irgendjemand muss die Sache in die Hand nehmen.“

[Prof. Wyler]: „Und das wollen Sie sein? Wann starten Sie mit der Aktion?“

[Campini]: „Geduld Professorchen. Vorher haben meine Männer noch eine kleine Mission zu erfüllen. In ein bis zwei Minuten werden sie aufbrechen.“

[Prof. Wyler]: „Was haben Sie jetzt wieder vor? Wollen Sie auch den 1. Weltkrieg verhindern?“

[Campini]: „Was viel besseres. Ich werde nur jemanden töten lassen.“

[Prof. Wyler]: „Und wen wenn ich fragen darf?“

[Campini]: „Sie dürfen – Ihren Vater!“

(Musikeffekt – Musik setzt ein)

Professor Wyler stockt der Atem. Er fängt schnell an zu keuchen. Ihm wird bewusst, was das bedeutet.

[Campini]: „Ich muss wohl nicht erwähnen, dass wir ihn vor Ihrer Zeugung töten werden. Genauer gesagt im Jahre 1922. Da ist ihr Vater von Frankfurt nach New York übergesiedelt.“

[Prof. Wyler]: „Das wagen Sie nicht?“

[Campini]: „Wer sollte mich aufhalten? In ein paar Minuten wird man an Ihrer Universität nicht mal mehr wissen, dass Sie je existiert haben. Nicht mal Ihre engsten Verwandten oder Freunde können mir dann noch schaden – Sie hat es nie gegeben.

Der Professor wird auf einmal in ein weißes Licht getaucht. Es scheint so, als ob er vom Licht gefressen wird. Er öffnet den Mund, um zu schreien, doch anstatt ein Laut kommt nur Licht aus dem Mund.

[Campini]: „Leben Sie wohl Professor – wo immer Sie auch hingehen.“

Das Licht um Professor Wyler nimmt zu. Er selbst wird zu einer Lichtsäule und verschwindet dann im Nichts. Augenblicklich fällt das Licht in sich zusammen und bleibt als winziger Punkt kurzzeitig stehen und erlischt dann. Campini streift mit seiner Hand an der Stelle, wo eben noch der Professor gesessen hat, um sich zu überzeugen, dass er auch wirklich weg ist. Er runzelt die Stirn.

[Campini]: „Gefressen – gefressen von der Zeit...“

[Blende]

Die Suchmannschaft mit den Hunden ist mittlerweile an dem Ort angekommen, wo vorhin unsere drei Freunde das Zelt aufgebaut hatten. Die Hunde schnüffeln ganz aufgeregt am Boden, da sie Witterung aufgenommen haben. Dann entschließen sich die Hunde in eine bestimmte Richtung weiterzusuchen.

[1. Mann]: „Jaaa – sucht schön weiter. Nachher gibt es dann eine schöne Belohnung.“

[2. Mann (ruft)]: „Hierher Leute. Die Hunde haben was gefunden!“

Der ganze Trott ändert die Richtung und folgt dem Hundeführer.

[Blende]

Silvia, Thomas, Wilbert und Jasper waten in einem kleinen Rinnsaal. Alle vier haben Rucksäcke auf. Es graut schon der Morgen. In der Ferne sind auf einmal Hunde zu hören.

[Thomas]: „Verdammt – sie kommen. Beeilen wir uns“

Das Schritttempo wird nun erhöht.

(Musik setzt ein)
Das Wasser spritzt nun auf. Alle keuchen und atmen schwer unter der Last der Rucksäcke. Da kracht ein Schuss durch die Wildnis und Wilbert sinkt in sich zusammen. Blut quillt aus seinem Bein und rinnt in den Bach. Er schreit vor Schmerzen. Die anderen ducken sich instinktiv. Ein weiterer Schuss kracht und landet im Kiesbett des Baches. Die Hunde sind nun immer lauter zu hören.

[Thomas]: „Verdammt. Die meinen es wirklich ernst.“

Thomas und Silvia laufen geduckt hinter einen Felsen. Hinter ihnen ist eine Höhle zu sehen – die ‚Angels dry’ Höhle. Jasper geht zu Wilbert und greift unter seine Arme. Er schleift ihn durch das Wasser in Richtung Felsen. Wilbert schreit auf. Thomas legt schnell seinen Rucksack ab und kommt dann Jasper zur Hilfe. Ein dritter Schuss verfehlt die drei um Haaresbreite.

[Wilbert (schreiend)]: „Mein Bein...!!!“

Hinter dem Felsen angekommen, wird Wilbert an den Felsen gelehnt. Er wimmert vor Schmerz. Die Hunde sind nun schon sehr nahe.

[Wilbert (schmerzerfüllt)]: „Ihr müsst in die Höhle. Ihr wisst, dass die Höhle einen Ausgang hat. Ihr seid dann hinter unserer Höhle. Nutzt das Wissen der Gegend hier aus. Das Militär kennt nicht die geheimen Pfade und Wege.“

[Thomas]: „Glaubst Du wir lassen Dich hier alleine zurück?!?“

Wilbert packt Thomas am Kragen.

[Wilbert (schreit ihn an)]: „Ihr müsst! In der Mitte der Höhle könnt ihr einen Sprengsatz legen. Zündet aber erst, nachdem ihr draußen seid. Dann ist der Weg nach hinten abgeschnitten.“

Silvia packt Thomas am Arm.

[Silvia]: „Er hat recht. Komm!“

Thomas wehrt sich, lässt sich aber von Silvia mitreißen. Jasper hat inzwischen sein Gewehr geladen, lugt kurz hinter dem Felsen vor, und gibt zwei Schüsse ab.

[Jasper]: „So – jetzt wissen sie, dass wir uns durchaus wehren können.“

Thomas schnappt sich wieder seinen Rucksack. Dann laufen alle drei schnell in den Eingang der Höhle und verschwinden im Dunkeln. Wilbert, der immer noch am Felsen angelehnt ist, wird durch den Blutverlust ohnmächtig und rutscht seitlich ab, bis er liegt.

[Blende]

In der Höhle haben alle drei eine Taschenlampe und laufen, so schnell es mit den Rucksäcken geht. Die Kegel der Lampen erzeugen bizarre Muster an den Wänden. Jasper stoppt. Er ruft den anderen hinterher.

[Jasper]: „Lauft ihr weiter. Ich mache die Sprengung fertig.“

Er nimmt seinen Rucksack ab und öffnet ihn hastig. Er holt eine Stange Dynamit heraus samt Zündschnur. Er misst per Schätzung ab und schneidet die Zündschnur durch, die er mit der Dynamitstange verbindet. Dann zündet er die Schnur an. Man sieht, dass die Öffnung der Höhle, aus der die drei gekommen sind, schon weit hinter ihnen liegt.

[Jasper (mehr zu sich selbst)]: „Gott lass es die richtige Länge sein.“

Hastig schultert er seinen Rucksack und läuft den anderen hinterher.

[Jasper (schreit)]: „Schneller...Maximal zwei Minuten....“

[Blende]

Männer mit Gewehren im Anschlag stehen vor Wilbert, der immer noch ohnmächtig im Bachbett liegt. Ein Mann verbindet ihm das Bein.

[Mann (ruft den anderen zu)]: „Ihr fünf...“ (zeigt mit seinem Finger auf eine Gruppe) „... bringt ihn zurück ins Basiscamp. Der Rest folgt mir in die Höhle. Sie haben nicht mehr viel Vorsprung. Ich möchte heute pünktlich zu Mittag essen.“

Es ist mittlerweile merklich hell geworden. Die Soldaten betreten die Höhle. Dann folgt ein ohrenbetäubender Knall aus der Höhle. Rauch kommt aus dem Höhleneingang hervor und Soldaten die hustend wieder ins Freie rennen. Die fünf Soldaten, die Wilbert ins Camp zurückbringen sollen, ducken sich. Ein Soldat sagt zu einem anderen:

[Soldat]: „Das wird wohl nichts mit dem Mittagessen...“

[Blende]

Auf der anderen Seite der Höhle. Auch dort kommt Rauch aus dem Höhleneingang. Silvia, Jasper und Thomas haben hinter einem Felsvorsprung Schutz gefunden.

[Thomas]: „Das dürfte sie eine Weile aufhalten. Die müssen nun um den ganzen Berg herum, wenn Sie uns schnappen möchten. Wir dagegen gehen einen anderen Weg.“

[Silvia (schaut fragend)]: „Und welchen?“

Thomas zeigt mit seinem Finger nach oben.

[Thomas]: „Wir haben Ausrüstung dabei – die nicht....“

[Blende]

Wilbert ist mittlerweile im Basiscamp angekommen. Er hat das Bewusstsein wieder erlangt und liegt auf einer Trage in einem Zelt. Campini steht vor ihm. Er hat seinen Ausweis in der Hand.

[Campini]: „Hallo Mr. Wellow. Es freut mich Ihre Bekanntschaft zu machen. Wo haben Sie Thomas Grouber und Jasper Black gelassen?“

[Wilbert (überrascht)]: „Woher wissen Sie...“

[Campini]: „Sie wissen wohl nicht mit wem Sie es zu tun haben? Aber keine Sorge. Der Trick mit dem Berg war zugegebenermaßen nicht eingeplant – es wird aber nichts an der Tatsache ändern, dass sie uns trotzdem in die Falle gehen.“

[Wilbert]: „Was haben Sie alles geändert?“

[Campini]: „Wissen Sie das nicht? Der 2. Weltkrieg, Vietnam, der 11. September“

[Wilbert]: „Sie haben den Anschlag auf das World-Trade-Center verhindert?“

[Campini]: „Natürlich. So ein Anschlag kann ganz schön auf das Gemüt der Amerikaner gehen. Wir haben die drei Maschinen überhaupt nicht starten lassen, sondern die Terroristen direkt im Flugzeug verhaftet. Sie hätten deren Gesichter sehen sollen.“

Wilbert schaut entsetzt auf.

[Campini]: „Was wollen Sie denn? Sind Sie mir nicht dankbar dafür?“

[Wilbert (erregt)]: „Dankbar? Wofür? Das Sie die Zeit gestört haben? Das Sie Millionen Schicksale geändert haben? Natürlich waren das grausame Kriege und ein feiger, furchtbarer Anschlag. Das gibt Ihnen aber noch lange nicht das Recht Gott zu spielen!“

[Campini]: „Glauben Sie den an Gott?“

[Wilbert]: „Natürlich glaube ich an Gott. Sie etwa nicht?“

[Campini]: „Ich glaube an mein Land. Und ich werde es gegen alle Feinde verteidigen. Egal ob in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der Zukunft.“

[Wilbert]: „Und was haben Sie als nächstes vor?“

[Campini]: „Die USA ist im Augenblick das mächtigste Land der Welt. Bald wird es keine anderen Länder mehr geben. Es wird nur noch ein Volk geben – nur Amerikaner. Wie finden Sie das?“

[Wilbert]: „Krank!“

[Campini (leicht verärgert)]: „Krank? Wieso krank? Die Amerikaner werden die herrschende Rasse auf diesem Planeten sein.“

[Wilbert]: „Das hat schon mal jemand versucht. Er war Diktator in einem Land und verursachte durch seine kranken Gedanken einen Weltkrieg, den es gar nicht mehr gibt...“

[Blende]

Silvia, Jasper und Thomas klettern den Berg hoch. Sie haben Leinen dabei, die über ihren Schultern hängen. Die großen Rucksäcke haben alle drei unten gelassen. Nur noch kleine Rucksäcke mit dem nötigsten haben alle drei dabei.

[Silvia]: „Thomas – ich kann nicht mehr.“

[Thomas]: „Nur noch ein Stück. Da oben ist ein kleines Plateau. Dort können wir uns ausruhen und sind sichtgeschützt.“

Auf einmal rutscht Silvia ab. Thomas versucht alles, um zu ihr hinzukommen. Er schafft es in letzter Sekunde sie zu halten, bevor sie außer Reichweite ist. Silvia hat Schürfwunden und blutet leicht an den Händen und Armen.

Jasper, der schon etwas weiter oben ist ruft hinunter.

[Jasper]: „Alles klar bei euch?!“

[Thomas]: „Ja. Lass uns aber oben auf der Schranke Rast machen!“

[Silvia]: „Schranke?“

[Thomas]: „So nannten wir den Platz als Kinder. Wir waren oft da oben.“

[Blende]

Silvia, Jasper und Thomas sind mittlerweile oben angekommen. Jasper sitzt auf einem Plateau. Hinter ihm ist eine kleine Höhle zu sehen, wo Silvia auf dem Boden liegt. Der kleine Rucksack dient als Kissen. Thomas kniet neben ihr. Er nimmt ein Tuch und tränkt es mit seiner Wasserflasche. Dann versucht er die Wunden an Silvias Arm zu säubern. Silvia stöhnt leicht auf.

[Silvia]: „Sei vorsichtig.“

[Thomas]: „War ich das nicht immer?“

[Silvia]: „Nein! Du warst immer ein ungehobelter, grober Kerl.“

[Thomas]: „Auch als Du mich kennen gelernt hast?“

[Silvia]: „Da waren wir noch Kinder. Du warst Dein Leben lang damit beschäftigt die Zeit zu studieren. Dich hat die Höhle nie ganz losgelassen, stimmts?“

Thomas denkt über das gesagte nach.

[Thomas]: „Ich war seit unserer Trennung vor einem Jahr oft bei der Höhle. Ich habe sie aber nie benutzt. Ich saß stundenlang davor und stellte mir tausende Fragen, warum gerade wir sie gefunden haben und ob es einen tieferen Sinn gibt. Ist es nur eine Laune der Natur oder steckt doch mehr dahinter?!?“

[Silvia]: „Und ich stand Dir bei Deinen Forschungen zur ‚Zeit’ nur im Wege. Deshalb war es das Beste für uns beide.“

[Thomas]: „Ich liebe Dich noch immer.“

Silvia schaut verdutzt.

[Silvia]: „Ich weiß...“

Dann nimmt sie seinen Kopf in die Hände und gibt ihm einen leidenschaftlichen Kuss. Jasper dreht sich genau in dem Moment um. Er verdreht die Augen.

[Jasper (zu sich selbst)]: „Gott sei dank habe ich nie geheiratet.“

(Spannende Musik setzt ein)

Plötzlich fährt Jasper hoch und schaut wie gebannt auf sein Gewehr. Ein Lichtbogen umspannt das Gewehr und es verändert seine Form.

[Jasper]: „Thomas! Komm’ schnell her!“

Das Gewehr verändert weiterhin seine Form. Thomas und Silvia stellen sich neben Jasper und alle schauen zu, wie das Gewehr nun vollständig von einem gleißenden Licht umgeben ist. Dann erlischt das Licht augenblicklich und ein ‚neues’ Gewehr liegt vor ihnen.

[Jasper]: „Was ist das?“

Jasper hebt das Gewehr auf. Es sieht futuristisch aus. Anstelle eines Magazins steckt ein leuchtendes ‚etwas’. Das Zielfernrohr ist durch einen Bildschirm ersetzt worden. Überall sind Tasten zu sehen.

[Thomas]: „Die Zeit wurde verändert. Die wahnsinnigen haben es wieder getan. Schnell! Werft alle Sachen die ihr habt hierher.“

Jasper stülpt seinen Rucksack um und viele Kleinigkeiten fallen heraus. Thomas macht das gleiche. Auch mit Silvias Rucksack. Er greift sich ein paar Sachen, die ihm unbekannt vorkommen. Er öffnet eine Art Kompass. Ein Bildschirm ist zu sehen und plötzlich erscheint ein 3D-Hologramm der Weltkugel. Eine Stimme sagt:

[Stimme]: „Guten Tag. In welche Richtung möchten Sie gehen?“

Thomas klappt den neuen Kompass wieder zu und nimmt ein kleines Messer in die Hand. Augenblicklich ‚verschmilzt’ es mit seiner Hand und bildet eine Einheit. Er löst das Messer wieder und steckt es zurück in die Scheide.

[Thomas]: „Irgendwas seltsames geschieht hier. Entweder sind wir in der Zukunft gelandet, oder bestimmte Erfindungen wurden irgendwie ‚rückdatiert’.“

[Silvia]: „Was meinst Du mit ‚rückdatiert’?“

[Thomas]: „Na als ob jemand bestimmte Sachen in die Vergangenheit gebracht hätte. Diese Dinge wären heute natürlich viel weiter fortgeschritten. Gib mir den Kompass noch mal.“

Jasper hebt den Kompass auf und gibt ihn Thomas. Dieser öffnet ihn. Das Hologramm erscheint und die Stimmt.

[Stimme]: „Guten Tag. In welche Richtung möchten Sie gehen?“

[Thomas]: „Ähhhhh – ich würde gerne nach Washington gehen.“

[Stimme]: „Mit welchem Fortbewegungsmittel?“

Thomas überlegt kurz.

[Thomas]: „Mit einem Auto.“

[Stimme]: „Mit dem Hooverauto oder dem Matchcraft?“

Thomas schaut fragend in die Runde. Er schließt den Kompass und öffnet ihn sogleich wieder. Der gewohnte Zauber beginnt.

[Stimme]: „Guten Tag. In welche Richtung möchten Sie gehen?“

[Thomas]: „Ich würde gerne Europa besuchen.“

[Stimme]: „Dieser Zielort ist nicht einprogrammiert.“

[Thomas]: „England?“

[Stimme]: „Dieser Zielort ist nicht einprogrammiert.“

Thomas und die anderen schauen immer verdutzter.

[Silvia (wirft die Frage mal so ein)]: „Vielleicht gehen nur die vereinigten Staaten?“

[Thomas]: „Ein Zielort außerhalb der vereinigten Staaten.“

[Stimme]: „Dieser Zielort ist nicht einprogrammiert.“

Thomas schließt den Kompass wieder.
[Thomas]: „Mein Gott – ich ahne was...“

[Blende]

Campini steht mitten in seinem Basiscamp. Er streckt die Arme in beide Richtungen aus, schaut in den Himmel und lacht. Überall um ihn herum sind die Dinge von gleißendem Licht umgeben. Manche Sachen sind schon verändert, andere noch wie zuvor. Die anderen Soldaten gehen an ihm vorbei, als ob nichts besonderes wäre. Plötzlich werden alle Soldaten von einem gleißenden Licht umgeben. Alle Soldaten haben nun seltsame Tarnanzüge an. Die Autos verändern sich und schweben plötzlich über dem Boden. Die Zelte werden zu geschlossenen, kleinen Häusern. Die Wachtürme werden zu glatten Röhren aus Glas. Aus dem Nichts erscheinen überall kleine Terminals.

Plötzlich erscheinen vor ihm zehn Leute aus dem Nichts. Alle halten sich an den Schultern und bilden einen Kreis. Wie auf der Zeichnung in der Zeithöhle.

Die zehn Leute schauen sich um und sind erstaunt. Sie sehen Campini dastehen.

[Campini]: „Seht euch das an! Seht euch das nur an. Wir haben soeben die Technikgeschichte um 400 Jahre übersprungen.“

Campini lacht weiter.

[Blende]

Wieder bei Silvia, Jasper und Thomas. Thomas zu Silvia:

[Thomas]: „Geht es wieder?“

[Silvia]: „Ja – es muss. Das eben Gesehene verleiht irgendwie neue Kräfte.“

Sie versucht zu lächeln.

[Jasper]: „Dann lasst uns aufbrechen.“

Sie packen das Zeugs am Boden wieder in die Rucksäcke, schnallen diese um und klettern weiter. Silvia hat dabei Stofffetzen um ihre beiden Arme gewickelt. Insgesamt sehen unsere drei Helden ziemlich mitgenommen und verschmutzt aus. Auch die Kleidung ist schon leicht zerrissen.

[Blende]

Ein Arzt ist bei Wilbert im Haus. Eine Krankenschwester wechselt gerade den Verband. Der Arzt nimmt eine Art Stethoskop und legt es auf Wilberts Brust. Allerdings hört man das Herz direkt schlagen, da ein Lautsprecher eingebaut ist.

[Wilbert]: „So was habe ich ja noch nie gesehen?“

[Arzt]: „Sie waren wohl schon lange in keinem Krankenhaus mehr, oder? So was ist schon seit etlichen Jahren medizinischer Standard.“

Er holt dann ein kleines Metallplättchen aus der Kitteltasche und legt diese auf Wilberts Ellenbeuge. Ein kleines Display auf dem Metallplättchen zeigt sofort den Blutdruck an.
[Arzt]: „80 zu 120. Eigentlich normal. Wir haben Ihnen Vulnerismedela gespritzt – einen Heilungsbeschleuniger. Wenn Sie Glück haben, können Sie morgen wieder normal gehen.“

[Wilbert]: „Morgen? Ich wurde angeschossen!“

[Arzt]: „Und? Eine Schusswunde im Bein ist ein kleiner Kratzer. Schlimmer wird es wenn innere Organe beschädigt werden. Die müsste ich dann erst mit einem Replikor nachbilden. Da ist dann nur die Zeit zwischen Schuss und Replikorzeit kritisch.“

[Wilbert]: „Ich verstehe kein Wort von dem was Sie da sagen.“

[Arzt]: „Deshalb bin ja ich der Arzt.“

Der Arzt packt seine Sachen zusammen und verlässt mit der Krankenschwester das Haus. Man sieht, wie er noch einen Knopf betätigt, bevor er endgültig verschwindet. Wilbert schaut sich um. Überall stehen seltsame Sachen. Ein Terminal kommt direkt aus einer Säule aus dem Boden. Er versucht aufzustehen. Es fällt ihm erstaunlicherweise leicht. Doch er kann keinen Schritt machen, da ihn ein Kraftfeld aufhält, das ihn vollkommen umschlossen hat.

[Wilbert]: „Was soll das? Was zum Teufel ist hier geschehen?“

(Musik setzt ein)

Er drückt mit der Hand gegen das Kraftfeld. Man sieht wie es leicht nachgibt, dann aber zurückspringt. Wilbert zieht die Hand schnell zurück, da es ihm Schmerzen bereitet. Mit aller Wucht springt er gegen die unsichtbare Wand und wird schlagartig zurück auf die Liege geschleudert. Er rappelt sich wieder auf und denkt kurz nach. Dann kramt er in seinen Taschen und legt alles auf die Liege. Es ist dabei: Ein Feuerzeug, eine kleine Schnur, ein kleiner Zettel, ein Gummi. Wilbert nimmt Feuerzeug und Zettel in die Hand und schaut an die Decke. Eine Sprinkleranlage ist zu sehen. Sie sieht allerdings „moderner“ aus.

[Wilbert (zu sich selbst)]: „Ich hoffe das System ist so schlau...“

(Musik wird spannender)

Er zündet den Zettel an, steigt auf die Liege und hält das Feuer direkt unterhalb der Sprinkleranlage. Es dauert einen Moment, doch schon ist ein Alarm im ganzen Lager zu hören. Einige Terminals im Haus erwachen zum Leben. Es ist zu lesen:

„Notabschaltung aktiv“

Das Kraftfeld um Wilbert verliert seine Energie und löst sich auf. Wilbert steigt von der Liege und schnappt sich einen weißen Kittel, der an der Türe hängt...

[Blende]

Silvia, Thomas und Jasper stehen vor dem geheimen Eingang mit dem ovalen Stein. Thomas betätigt den Öffnungsmechanismus und der Weg ist frei. Jasper macht eine Taschenlampe an und Thomas schließt die Türe wieder.

[Silvia]: „Warum hast Du mir nie was von diesem Gang erzählt?“

[Thomas]: „Einige Geheimnisse muss ich ja auch vor Dir haben.“

[Silvia]: „Wir sollten uns beeilen – wir haben noch einen langen Weg vor uns.“

[Thomas]: „Nein Silvia.“ (kurze Pause) „Wie soll ich es sagen?!?“ (kurze Pause) „Diese Höhle – sie kürzt den Weg ab.“

[Silvia (überrascht)]: „Sie macht was!?!“

[Jasper]: „Du hast richtig gehört. Wir sind zwar meilenweit von der Höhle weg, doch nur Minuten entfernt.“

[Thomas]: „Glaubst Du ich bin den mühsamen Weg über die Berge gegangen, um dann Meilen von der Höhle entfernt zu sein?“

[Silvia]: „Na schön. Lasst uns gehen.“

Sie rennen los. Nach wenigen Metern bleibt Jasper abrupt stehen.

[Jasper]: „Moment...“

Alle bleiben stehen. In der Ferne ist eine Taschenlampe zu sehen. Alle drei versuchen an der Wand irgendwie Deckung zu bekommen. Jasper macht die Taschenlampe aus. Völlige Finsternis.

[Jasper (flüstert)]: „Wie konnten wir nur so blöde sein. Als ob die nicht auch diese Abkürzung gefunden hätten.“

[Thomas (flüstert)]: „Verdammt!“

[Silvia (flüstert)]: „Und jetzt?“

Das Licht kommt rasch näher.

[Stimme]: „Wer ist da?“

Die Stimme hallt in der Dunkelheit. Das Licht ist nun nur noch Meter entfernt. Da stürzt sich Thomas auf die Person. Kampfgeräusche sind zu hören.

[Stimme]: „Verdammt Thomas hör’ auf. Ich bin’s – Wilbert“:

Abrupt enden die Kampfgeräusche.

[Thomas]: „Wilbert?“

Jasper macht die Taschenlampe wieder an. Wilbert steht in einem Laborkittel vor Ihnen.

[Thomas (erfreut)]: „Wilbert!“

Alle vier fallen sich in die Arme.

[Jasper]: „Wie bist Du entkommen? Geht es Dir gut? Was ist mit Deinem Bein?“

[Wilbert]: „Lange Geschichte. Doch diesmal hat die Zeitänderung uns mal geholfen. Durch die fortschrittliche Technik ist natürlich auch die Medizin weiterentwickelt.“

[Thomas]: „Was machen wir jetzt?“

[Jasper]: „Das weiß Du genauso gut wie ich. Wir zerstören diese verdammte Höhle endgültig.“

[Wilbert]: „Wir könnten die Sprengladung direkt hinter der geheimen Türe anbringen.

[Thomas]: „Nein. Wer sagt uns, dass wir hinter der Türe in Wahrheit nicht noch weit weg von der ursprünglichen Höhle sind? Denk’ an die Abkürzung.“

[Wilbert]: „Stimmt.“ (kurze Pause) „Dann gibt es nur einen Weg – rein in die Höhle.“

[Blende]

General Campini kommt rennend im Haus an, wo vorhin noch Wilbert gelegen hat. Er sieht die leere Liege, das Feuerzeug und verbranntes Papier. Im Hintergrund ist immer noch Alarm zu hören. Dann schaut er an die Decke und sieht die Sprinkleranlage. Er schreit vor Wut laut auf.

[Campini]: „Diese Idioten!“

Er rennt schnell aus dem Haus und über den Platz in Richtung Höhle. Auf dem Platz ist Hektik wegen des Alarms ausgebrochen. Viele Männer laufen kreuz und quer. An der Höhle angekommen ist niemand zu sehen. Er bleibt am Rande der Höhle stehen und nimmt sich seine Pistole aus dem Halfter, die, wie das Gewehr, ein leuchtendes Magazin hat. Er schaut es befremdet an und gibt auf einen Felsen einen „Übungsschuss“ ab. Ein Laserstrahl kracht auf den Felsen und hinterlässt ein rundes, schwarzes Loch. Das Magazin verändert kurz seine Farbe und ist dann wieder wie zuvor. Er schaut kurz in die Höhle und sieht weit hinten einen Lichtkegel einer Taschenlampe.

[Campini (zu sich selbst)]: „Jetzt wird endgültig abgerechnet...“

[Blende]

Silvia, Thomas, Jasper und Wilbert sind in der Höhle. Sie verlegen Sprengladungen.

[Wilbert]: „Durch den Alarm müssen alle die Höhle verlassen haben.“

[Thomas]: „Glück für uns.“

[Jasper]: „Noch die eine Ladung an der Zeituhr und dann nichts wie weg.“

[Silvia]: „Zeituhr?“

[Jasper]: „Ja...“ (er zeigt mit dem Finger auf die kleinen, 32 gleichmäßigen Steine, die zu einem Quadrat angeordnet sind und quasi im Fels eingelassen sind, gefolgt von den zwölf größeren Steinen und den 40 kleinen Steinen) „...das hier.“

[Silvia]: „Wie funktioniert diese Zeituhr?“

Jasper zeigt auf die 32 Steine. Er arbeitet unablässig weiter die Zündung fertig zu machen.

[Jasper]: „Das hier sind die Monatstage. Man klickt auf den Stein, an welchem Tag man in die Vergangenheit reisen möchte.“

[Silvia]: „Ich zähle 4x8 – das sind 32. Das ist ein Tag zuviel“

[Jasper]: „Ja. Dafür muss es allerdings einen Grund geben. Es muss in der Geschichte mindestens einen Tag geben, an dem der Monat 32 Tage hatte. Oder dieser eine Tag ist für andere Kalendermodelle gedacht. Wusstest Du, dass es sogar mal den 30. Februar gab?“

[Silvia]: „Nein...“

[Jasper]: „Genau dreimal. Wir haben in den Geschichtsbüchern was darüber gelesen. Hat irgendwas mit der Umstellung vom julianischen zum gregorianischen Kalender zu tun.“

[Silvia]: „Ich nehme an, die zwölf Steine daneben sind für die Monate?“

Silvia zeigt mit dem Finger auf die zwölf größeren Steine, während Jasper immer noch an der Sprengung arbeitet.

[Jasper]: „Genau.“

[Silvia]: „Und für was sind die anderen Steine?“

[Jasper]: „Darüber haben wir auch lange gerätselt. Nachdem Tage und Monate abgedeckt waren, blieb nur noch die Jahreszahl übrig. Wir haben lange herumexperimentiert. Doch dann hat uns der Zufall geholfen, als wir in der Schule das Dualsystem durchgenommen haben. BINGO! Es ist ein Dualcode.“

[Silvia]: „Ein Dualcode?“

[Jasper]: „Ja – es genau zu erklären würde jetzt zu lange dauern. Man muss allerdings keine Jahreszahl einstellen, sondern die Jahre an sich, die man in der Zeit zurückreisen möchte. Möchtest Du z.B. zehn Jahre zurückreisen, musst Du, von Rechts beginnend, den Code 1010 eingeben. Also den ersten Stein drückst Du nicht. Den nächsten drückst Du – und den übernächsten und: Voilá – zehn Jahre.“

[Silvia]: „Das heißt ja...“

[Jasper]: „Genau. Es geht nur zurück. Nur in die Vergangenheit.“

Campini steht auf einmal mitten im Raum und hält die Pistole auf die vier gerichtet.

[Campini]: „Genau. In die Vergangenheit. Und da werde ich euch jetzt zurückschicken. Jeder in ein anderes Jahr. Legen Sie die Sprengladung hin. SOFORT!“

Alle vier sind geschockt. Jasper legt die Sprengladung langsam auf den Boden. Silvia weicht ein paar Schritte zurück.

[Campini (zu Jasper)]: „Stellen Sie ein Datum ein. Mindestens 500 Jahre zurück – na los!“

Jasper tippt auf den Steinen.

[Campini]: „Gut. Wer will zuerst? Vielleicht die hübsche Frau?“

[Thomas]: „Nein! Lassen Sie mich gehen!“

Er stellt sich schützend vor Silvia. Campini feuert einen Schuss in Thomas’ Bein. Er fällt schreiend zu Boden.

[Campini]: „Na los...soll ich Ihnen erst Beine machen?!“

Silvia taumelt zurück. Immer tiefer in die Höhle hinein. Sie schaut Thomas ein letztes mal an.

[Silvia]: „Ich liebe Dich.“

[Jasper]: „Denk an mich – an Christoph!“

Sie schaut etwas verwirrt, doch dann dreht sie sich rum und läuft weiter. Sie verschwindet in einem gleißenden Licht.

[Thomas]: „NEEEEEEINNNNNN!“

[Campini (zu Jasper)]: „Los! Ein anderes Datum. Weitere 500...“

Doch auf einmal werden viele Dinge in der Höhle in ein gleißendes Licht getaucht. Auch die Waffe in Campinis Hand. Der schaut verwirrt. Alle Gegenstände verändern sich wieder zu „normalen“ Sachen. Wilbert fällt zu Boden und greift sich schmerzerfüllt an sein Bein.

[Campini]: „Was zum Teufel.... Was haben Sie gemacht?!?“

[Jasper]: „Ich habe gar nichts gemacht. Es war Silvia. Sie hat ihre Männer abgefangen, die Kolumbus die Technik geben sollte. Diese Begegnung hat es nun nie gegeben – und damit auch nicht die neue Technik für die neue Welt. Es war zu offensichtlich, da das Datum auf den 12. Oktober 1492 eingestellt war. An dem Tag, an dem Kolumbus Amerika oder besser gesagt die Bahamas entdeckt hatte. Ich habe lediglich das Jahr etwas vorgestellt, damit Silvia genug Zeit hatte, alles zu planen, sich zu orientieren und durchzuführen. Mein Name ist auch nicht Christoph. Das wussten Sie doch – Sie kannten ja unsere Namen. Das war lediglich ein Hinweis auf Kolumbus. Und Sie haben diesen Hinweis nicht bemerkt.“

Campini bebt vor Wut.

[Campini]: „Sie verdammtes Mistschwein! Sie haben alles zerstört!“

Campini hebt die normale Pistole und richtet sie auf Jasper. Ein Schuss kracht in der Höhle. Doch es ist nicht Jasper der getroffen wurde, sondern Campini – von hinten. Blut kommt aus seinem Mund und er fällt zu Boden. Hinter Campini steht Prof. Wildeck mit einer Waffe in der Hand. Zielend auf die Stelle, wo Campini gerade gestanden hatte. Jasper schaut etwas verwirrt. Dann läuft er zu Thomas, der wimmernd auf dem Boden liegt.

[Thomas]: „Silvia....Silvia“

Jasper macht ein besorgtes Gesicht und läuft zu Wilbert.

[Jasper]: „Wilbert! Was ist mit Dir los? Hat er Dich getroffen?“

[Wilbert]: „Nein. Meine alte Wunde. Keine neue Medizin, keine schnelle Heilung.“

Jasper wird das nun auch klar. Er runzelt die Stirn. Er steht auf und wendet sich zum Professor.

[Jasper]: „Wer sind Sie?“

[Prof. Wildeck]: „Ich bin derjenige, der für diesen Schaden verantwortlich ist. Ich habe die ganzen Operationen geplant, die zur Änderung der Zeit geführt haben. Campini hatte mich erpresst – meine Familie.“

Von draußen hört man plötzlich Lärm. Die Soldaten wurden durch den Schuss aufmerksam. Man hört, wie sie näher kommen.

[Prof. Wildeck]: „Verschwinden Sie von hier. Nehmen Sie ihre zwei Freunde und flüchten Sie durch den Geheimgang.“

[Jasper]: „Sie wissen davon?“

[Prof. Wildeck]: „Natürlich. Ich habe die Höhle gründlich erforscht. Doch ich habe nicht alles Campini erzählt. Er hat mit seinen wahnwitzigen Ideen schon genug Schaden angerichtet.“

[Jasper]: „Aber Silvia?“

[Prof. Wildeck]: „Sie wissen, dass sie verloren ist. Sie kann keinen geschlossenen Kreis bilden und damit auch nicht zurückkehren.“

[Jasper]: „Wir könnten jemanden nachschicken!“

[Prof. Wildeck]: „Das funktioniert so nicht. Derjenige müsste mit ihr abgereist sein. Wir haben alles getestet. Auch Campini hat Männer dadurch verloren. Einige irren in der Steinzeit herum. Gehen Sie jetzt – ich kümmere mich um den Rest.“

Jasper hilft Wilbert auf die Beine. Der Professor hilft Wilbert zum Geheimgang und öffnet diesen. Die Soldaten sind nun schon merklich nahe. Jasper geht dann zu Thomas und hilft auch ihm. Alle drei verschwinden im Geheimgang. Die ersten Schüsse fallen.

[Soldaten]: „Halt! Stehen bleiben“.

Jasper betätigt den Stein. Die Türe schließt sich. Man sieht noch, wie der Professor getroffen wird. Mit aller letzter Kraft zielt er auf die Ladungen und drückt ab. Die Türe zum Geheimgang ist geschlossen. In weiter Ferne hört man eine riesige Detonation. Die Höhle ist zerstört.

[Jasper (im dunkeln)]: „Du hattest recht Thomas. Wir sind hinter dem Eingang schon meilenweit von der Höhle entfernt – Gott sei dank.“

Dann Stille...

[Blende]

Einblendung:
„Zwölf Monate später...“

Alle sind in Jaspers Haus. Wilbert humpelt durch das Zimmer und hat ein Buch in der Hand. Thomas sitzt gedankenverloren in einem Sessel.

[Wilbert]: „Das hier müsste es sein.“

Er hält das Buch hoch. Es ist zu lesen:
„Enzyklopädie der Seefahrt“

[Wilbert]: „Wenn wir etwas finden, dann bestimmt hier.“

Thomas schaut kurz hoch, sinkt dann aber wieder in seine Gedanken zurück.

[Jasper]: „Wir werden nichts finden Wilbert. Zu dieser Zeit waren Frauen auf Schiffen einfach ungewöhnlich, wenn nicht absolut undenkbar. Außerdem wissen wir gar nicht, ob sie nicht vielleicht ihren Namen geändert hat.“ (kurze Pause – schaut zu Thomas) „Thomas?!? Was meinst Du dazu?“

Thomas schaut hoch.

[Thomas]: „Ich weiß es nicht. Wir reden hier über eine Person, die seit 500 Jahren tot ist.“ (traurig) „Wir reden über Silvia...“

Alle drei schweigen.

[Blende]

Die Kamera fliegt über Wälder und Bäche im Gebiet der Höhle.

[Sprecher – Stimme von Thomas]: „Wir sollten aus dieser Geschichte lernen, nicht mit den Gesetzen der Natur zu spielen...“

Die Kamera fliegt auf den Geheimgang zu – die Türe öffnet sich automatisch und die Kamera fliegt weiter. Trotz der Dunkelheit kann man alles sehen, als ob jemand hinter der Kamera ein Licht hält. Es ist aber keine Person – es dient nur dazu, in der Höhle etwas zu sehen. Die Kamera fliegt schnell.

[Sprecher – Stimme von Thomas]: „...wir sollten lernen, dass die Zeit unberechenbar und gefährlich ist...“

Die Kamera bleibt stehen und schwenkt auf die Wand, zu der Stelle, wo die Schrift zu sehen ist:

„An WTJ: ZERSTÖRT DIE HÖHLE! S am 17.02.1490“

[Sprecher – Stimme von Thomas]: „...sie darf nie in falsche Hände geraten.“

Auf einmal wird die Schrift um eine weitere Zeile wie von Geisterhand erweitert:

„T ich liebe Dich für immer“

[Abblenden]

[Credits laufen ab]

[ENDE]

============ ENDE ============================


Verfasst von George Taylor am 14.09.2005 um 16:28 Uhr



Kommentare 1-5 von 5      


21.09.05 23:37 Uhr Jo-k-eR
c00L !
also ich bin im moment ziemlich müde und hab deswegen das drehbuch nur im ersten viertel gelesen. aber ich muss sagen, ich würde mich am liebsten dazu zwingen weiterzulesen, sehr geil beschrieben, und auch keine schlechte idee!! wenn du die möglichkeit dazu hast wäre es sicher ein filmprojekt wert!

25.09.05 13:59 Uhr George Taylor
Hi Jo-k-eR,

und? Mittlerweile zu Ende gelesen? Mich würde Deine Meinung interessieren, wie Du den Rest der Geschichte gefunden hast.

Gruß,
George

25.09.05 15:06 Uhr xxp
Hi Taylor,
der Text ist wirklich sehr gut gelungen. Du hast ein perfektes Sprachverstädnis. Zwar hatte ich zu Anfang mit etwas vollkommen Anderem gerechnet, aber Dinosaurier sind mal wieder was anderes, als Leichen oder böse Verbrecher...Es wäre ehrlich denkbar, diese Story in einem Buch zu verfassen. Falls du es wirklich realisierst und du ein Ergebnis hast, meld dich mal bei mir;)...Bin nun schon Ewigkeiten member bei shortnews und werde es sicher auch in den nächsten Jahren noch bleiben.
machs gut :)

05.07.16 12:07 Uhr Mehrsau
Das erste mal vor 10 Jahren gelesen, wiederentdeckt und immer noch genial! :) Gibt es irgendwo noch weitere Texte von dir? Mir gefällt so ziemlich alles von dir in der Freizone.

05.07.16 12:07 Uhr Mehrsau
Grandios1
Das erste mal vor 10 Jahren gelesen, wiederentdeckt und immer noch genial! :) Gibt es irgendwo noch weitere Texte von dir? Mir gefällt so ziemlich alles von dir in der Freizone.

   

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